Man informiert sich
Es gibt Menschen, die haben keinen Fernseher. Und es gibt Menschen, die eine Woche nicht in Montag bis Sonntag einteilen, weil deren Tage nicht diese Strukturen brauchen. Gut möglich, dass dies auch die Menschen sind, die lieber ein Buch lesen als eine Tageszeitung.
Wie mag das sein, wenn im Bus über “Sex in the City” oder “Desperate Hosewives” oder “24h” diskutiert wird, und es bleibt nur ein Schulterzucken.
Ist das zu bedauern?
Aber dann doch die Bilder, neulich in den Nachrichten, und die Abhandlung dann in der Weltwoche und das Börsenbarometer in der NZZ und die Lokalnachrichten aus der Gemeinde.
Wie oft habe ich schon gesagt: “Man muss sich doch informieren.” Und die Zusatzfrage unterschlagen: “Vielleicht schon, aber über was?”
Derweil lese ich die folgenden Sätze aus den einleitenden Seiten des “Nachtzug nach Lissabon” von Pascal Mercier:
Jeder von uns ist mehrere, ist viele, ist ein Übermass an Selbsten. Deshalb ist, wer die Umgebung verachtet, nicht derselbe, der sich an ihr erfreut oder unter ihr leidet. In der weitläufigen Kolonie unseres Seins gibt es Leute von mancherlei Art, die auf unterschiedliche Weise denken und fühlen.Fernando Pessoa, “Livro do Desassossego”, Aufzeichnung vom 20.12.1932
Und tatsächlich, schon beim Lesen der Zeitung: Wir lesen nicht immer gleich. Heute ärgert uns, was uns morgen gleichgültig lässt.
Und so ist es auch mit Büchern. Nur rühren sie uns an Stellen an, die auch morgen noch aktuell und die gleichen sind. Wie aus einer Zeitung, deren Redaktion nur Artikel schriebe, die ohne Datum den gleichen Wert behielten…


Tina · 18. Mai 2007, 05:45 · #
Du schreibst:
“Wie mag das sein, wenn im Bus über “Sex in the City” oder “Desperate Hosewives” oder “24h” diskutiert wird, und es bleibt nur ein Schulterzucken.
Ist das zu bedauern?”
...Ist vielleicht so ähnlich, wie wenn Du über Fußball oder Politik schreibst und mir nur ahnungsloses Staunen bleibt? :-))
Eventuell bedauert einer Deiner Leser/innen sogar den armen Thinky, der seine Zeit damit verschwendet, sich mit der Kritik am Präsidenten der Weltbank zu befassen statt sich mit der Weltanschauung des Daila Lama zu beschäftigen? (Mal überspitzt geschrieben)...Weiß manns?
Man kann beim Abtauchen in ein gutes Buch das Gefühl haben, dem Leben in die Karten schauen zu dürfen…und man kann ebenso beim Bürotratsch einen Moment lang zur Überzeugung gelangen, durch Verfolgen der Serie “Sex and the City” das Leben verstanden zu haben….
Gibt da nicht auch immer die richtige Mischung dem Leben den Pepp?
Tolles Bild! :-))