Marketing - der Feind des Verzichts
Marketing ist in der westlichen Zivilisation erfunden worden. Logisch. Die Gemüsehändlerin auf dem vietnamesischen Markt muss ihren Kunden nicht erklären, warum sie jetzt Gemüse kaufen sollten. Oder noch mehr Gemüse. Es geht nur darum, im Wettbewerb mit anderen Anbietern das unbestritten nachgefragte Gut zu verkaufen.
Marketing aber, so wie es westliche Marketeers verstehen, zielt auf Sie ab mit der Frage, wie man Sie dazu bringen kann, das Gefühl zu haben, dass Sie nicht nur einen bestimmten Gebrauchsgegenstand, den Sie gerne als Verbrauchsgegenstand empfinden dürfen, unbedingt haben müssen, sondern einen zweiten davon oder einen sehr ähnlichen dritten.
Marketing ist also die Kunst, Ihnen das Gefühl zu nehmen, im Überfluss des Angebots zu schwimmen, mehr zu nehmen und zu kaufen und NICHT zu meinen, sie hätten schon alles, was Sie brauchen. Glauben Sie, ein satter Konsument zu sein, so will Ihnen das Marketing das Gegenteil beweisen. Sie wissen gar noch nicht, was Ihnen alles fehlt!
Dass das Marketing durchaus Erfolg hat und Sie im Grunde nur auf die Argumentationshilfen gewartet haben, die Ihnen das Marketing liefert, bekommen Sie dann demonstriert, wenn es darum geht, Ihre allfälligen Gewissensfragen vermeintlich ernst zu nehmen – und sie flugs in neue Verkaufsargumente umzuwandeln. Marketing passt wie der Deckel auf den Topf zu unserer verkümmerten Fähigkeit, bewusste Kaufentscheide für die Umwelt zu treffen. Denn, sind wir doch ehrlich, ein bewusster Kaufentscheid zugunsten der natürlichen Ressourcen ist – mangels anderen Angebots – in aller Regel ein NICHT-Kauf. Der uns nicht schmerzen würde. Aber Verzicht (der ja, Hand aufs Herz sehr viel weiter unten erst beginnen würde) ist einfach nicht sexy. Wir wollen zwar etwas für unser Gewissen tun, den guten Willen beweisen, aber nicht verzichten. Auf gar nichts. Und darum kaufen wir dann den Allrad-Offroader mit Hybrid-Motor für die Stadt. Vorher hatten wir ja einen Diesel, oder gar, ganz verschämt sei es gestanden, einen Benziner. Ist doch geil, dass 300 PS nur noch knapp 7 Liter Most verbrennen müssen – geht doch! Auf den Fahrspass will man eben nicht verzichten – und die Werbung spricht von der passiven Sicherheit für die ganze Familie. Das plappert mir der Kollege dann auch brühwarm ins Ohr, worauf ich ihn frage, wo denn die Anti-Verkratz-Sicherheit beim Türöffnen in der Tiefgarage bleibe und die aktive Unsicherheit im Verursacherprinzip, nachdem ein leiser Stoss eines Stossfänger-Urgetüms an irgendwelche Weichteile auf dem Fussgängerstreifen sehr viel schneller sehr viel verheerender sein dürften, als der gleiche Unfall mit einem Kleinauto. Aber klar, die eigenen Bälger im Auto können darüber dann in aller Sicherheit hinweg gehen. Und mit dieser Diskussion verblüffe ich deshalb, weil ich die Scheinheiligkeit der ökologischen Aspekte noch gar nicht mal aufführe.
Sie merken schon, ich bin ein wenig geladen. Und darum mache ich noch ein wenig weiter. Dies zu Ihrer Vorwarnung. Sie können ja was anderes lesen. Sich zum Beispiel noch einen Nespresso oder einen anderen Kapselkaffee holen und dann ein wenig fernsehen.
Nestlé ist ein Weltnahrungskonzern. DER Weltnahrungskonzern. Mit nichts wird meines Wissens dabei so viel Geld verdient wie mit Kaffee. Genauer mit Nescafe. Das ist der Dauerläufer, die immerwährende eierlegende Wollmilchsau. Weltweit gesehen. Für die gehobene Konsumgesellschaft ist der Kaffee aus dem Folienbeutel allerdings nicht gerade sexy, und besonders gut schmeckt er ja auch nicht, zugegeben. Wir sind ja auch längst im Zeitalter der feinen zarten Kaffee-Schäumchen angelangt, homemade, natürlich. Aus Vollautomaten. In der Schweiz werden 100’000 neue solche Maschinen pro Jahr verkauft. Auch wir haben eine. Aber, irgendwie, muss man doch sagen, ist das schon mühsam. Einmal pro Woche die Maschine putzen, immer diesen Kaffeesatzbehälter leeren, die Pulverrückstände um das Gerät. Und ja! Es gibt noch besseres. Es geht noch feiner, noch aromatischer. Im Verhältnis ist das zwar für den Konsumenten um ein Vielfaches teurer, ABER, eben, besser. Mittlerweile gibt es Konkurrenz für Nespresso. Kapselsysteme, die ohne Aluminium auskommen. Und alle Systeme werden mit einem unglaublichen Werbeaufwand angepriesen. Die Maschinen werden den Konsumenten fast nachgeworfen. Genau so wie Drucker für Ihren Computer. Was man will, ist, dass sie möglichst wenig Überwindung brauchen, um das fait accompli zu schaffen, sich selbst zu schaffen: Haben Sie das Ding, müssen Sie die zugehörigen Kapseln kaufen. Zwingend. Ärgern lassen müssen Sie sich dadurch ja nicht unbedingt. Geld kann man ja auch blind ausgeben. Und das ist ihre Sache. Schwieriger wird es, wenn die Umwelt den Mahnfinger hebt. Aber Ihnen wird geholfen!
In der Coop-Zeitung war vor einigen Wochen ein “redaktioneller” Artikel über die Nespresso-Kapseln zu lesen. Darin werden hervorragende Ergebnisse präsentiert, und zwar augenscheinlich gegen entsprechende Kritik in Konsumentenschutz-Medien und von Umweltorganisationen.
60% der Kapseln werden zurück gegeben. Und können dann mit 90% weniger Energieaufwand (im Vergleich zu neuen Kapseln) wieder verwertet werden. Das ist vielleicht ein Spareffekt sage ich Ihnen. Allerdings wird nicht gesagt, welcher Bruchteil an Energie Kapseln ohne Aluminium benötigen würden. Der Rest ist praktisch eh vernachlässigbar. Das suggeriert man ganz unverfroren. Denn wörtlich heisst es da:
“… dabei ist der Anteil der Nespresso-Kapseln am Gesamtverbrauch von Aluminium in der Schweiz verschwindend klein. Pro Person werden jedes Jahr 25 Kilogramm Aluminium verbraucht. Das entspricht 25000 Nespresso-Kapseln oder 68 Kaffees pro Tag.”
Also, Sie können Ihren Beitrag zur Umweltbelastung getrost vernachlässigen. Wahrscheinlich ist genau das der Grund, dass NUR 60% der Kapseln zurück geführt werden. (Bei den Alu-Dosen sind es immerhin zwischen 80 und 90%). Letzteres war im Artikel nicht zu lesen. Selbst können Sie so immerhin die Rechnung machen, dass, wenn Sie pro Tag 2.72 Nespressi trinken, immerhin 1kg Aluminium pro Jahr zusammen kommt. Ist das nun wenig oder nicht?
Zwischen 2.5 bis 3 Mio Exemplare der Coop-Zeitung werden wöchentlich an Schweizer Haushalte verteilt. Vom Migros-Magazin sind es nur unwesentlich weniger. Das Thema Nachhaltigkeit und Biologie wird nach allen Regeln der Kunst ausgeweidet und breit geschlagen. Sie können hinsehen wo Sie wollen. Das Marketing ist immer der Freund Ihrer Kauflust.
Und Sie und ich, wir alle, müssen entscheiden, was für uns Nachhaltigkeit bedeutet: Eine funktionierende Wirtschaft, die in dieser Form nur bestehen bleiben oder gar weiter wachsen kann, wenn wir uns zusätzliche künstliche Bedürfnisse einreden lassen, wobei wir allenfalls gestatten, ökologische Argumente mit Innovationskraft zu koppeln, um neue Geschäftsfelder zu erschliessen – oder aber wir anerkennen eine Nachhaltigkeit, die zwangsläufig Rückführung bedeuten würde. Des Verbrauchs. Der Bedürfnisse. Des Reichtums und Komforts.
Was das wirklich realistische Szenario ist, können wir alle selbst ergründen, wenn wir nur schon danach fragen, zu was wir selbst denn bereit sind? Ohne ein richtiges Schockerlebnis ist das ziemlich sicher zu wenig. Und niemand vermag zu sagen, wie gross der Schock tatsächlich mal sein wird. Und wann er eintritt. Ich befürchte, die Natur lässt sich Zeit. Eine Zeit, die wir nicht haben. Mutter Erde aber schon. Sie wird uns eines Tages lehren, dass sie ohne uns auskommt. Dass sie sich aus sich selber in einer Weise regeneriert, die wir mit einem bewussten Wertewandel nicht vollziehen können. Wir haben uns zu sehr von ihr entfernt. Einst waren wir ein Teil der Natur. Heute sind wir ihr eine Belastung.
Wenn man verschiedenste Mikrokosmen auf der Welt betrachtet, kommt das immer wieder vor. Die Elefantenpopulationen in Botswana haben in den letzten dreissig Jahren zwischen Ausrottung der Tiere und Waldrodung und -zertörung durch die Dickhäuter in bunter Folge gewechselt, immer wieder vom Menschen hilflos “justiert”. Auch wir werden die Welt weiter verändern. Und verändert werden.
So gesehen könnte man zum Schluss kommen: Machen wir weiter wie bisher. Erfüllen wir das Gesetz, dem wir eh zu folgen scheinen. Und doch: Dann treten wir wieder mal raus in die Natur, spüren Erde unter den Füssen, liegen auf einer Blumenwiese. Und wenn es uns dann sticht, dann sollten wir uns eben doch pieksen lassen. Auch engstirnig wie wir sind, können wir begreifen, dass es dabei auch um echte Lebensqualität geht im Hier und Jetzt. Jenseits allen Marketings.
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Strandsteine · 27. Juli 2009, 21:00 · #
Lieber Thinkabout,
bei Deinen Worten habe ich sofort an den Grundsatz der Marketingexperten gedacht, das es besser ist,
die Bedürfnisse zu erzeugen,
damit die Menschen bereit sind,diese Bedürfnisse zu befriedigen und dafür Mittel herzugeben,
um den, (nicht vorhandenen) Bedarf zu stillen.
siehe hier
****
dann habe ich noch einen sehr alten Witz dazu:
***
es begegnen sich zwei Planeten im Weltall:
Sagt der eine zum anderen:
“Du siehst aber schlecht aus!”.
Der andere:
“ Ja, mir geht’s auch nicht gut,
ich habe ‘homo sapiens’”.
Sagt der erste: “Mach’ dir nichts draus,
das hatte ich auch mal, das geht vorbei!”
***
es ist markaber von den Steinen,
aber es läuft alles darauf zu…..
Zappadong · 28. Juli 2009, 15:56 · #
Darf ich ein Tröpfchen (auf den heissen Stein) Hoffnung geben: Tochter und Freundeskreis boykottieren Nestle und McDonalds. Sie trinken Wasser aus dem Hahn (und sehr inkonsequent auch diese unsäglichen Engergy-Drinks) und leben vegetarisch. Es muss so viel wie möglich Bio sein und in gewissen Läden kauft man schon gar nichts :-)
Ich hielt ja schon mich für leicht extrem in meiner ziemlich weitreichenden Konsumverweigerung, aber der Nachwuchs fordert mich zu einem Rennen um Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit geradezu neu heraus.
Titus · 28. Juli 2009, 16:00 · #
Um an diesem Beispiel anzuknüpfen:
Kürzlich konnte man hören, dass es für eine Tasse Kaffee insgesamt 120 Liter Wasser brauche (von der Reinigung der Kaffeebohnen bis in die Tasse). Wozu also noch Wassersparer installieren…
Und mit der Jeans und viiielen anderen Produkten ist es genau gleich: Wir erfahren nicht mal die Hälfte davon, was es für deren Entstehung wirklich braucht.
Was mich aber besonders stört, ist, dass Marketing auch durch eine schlechte Qualität gefördert wird. Natürlich sagt das niemand direkt. Aber hey, bei wem halten die Schuhe noch drei Jahre lang – oder nur noch gerade 6 Monate? Gebrauchsartikel sind heute zunehmend Verbrauchsartikel. Einige Male nutzen und dann braucht’s was Neues…
Thinkabout · 29. Juli 2009, 00:24 · #
@Zappadong
Gruss an Frau Zap Junior. Bin ja eh ein Fan. Danke.
@Titus und @Alle
1 Kilo spanische Orangen soll, scheint’s 1000 Liter Wasser benötigen.
Qualität: Ich erzähle gerne das Beispiel Hoover.
In den 50erJahren kam der Hoover-Staubsauger auf den Markt. Das Ding war eine Revolution und allen anderen Geräten meilenweit überlegen. Die Verkäufe legten rasant zu. Die Hausfrauen waren begeistert und waren stolze Besizterinnen eines Hoovers (nicht eines Staubsaugers). Das einzige Problem. Das Ding ging nicht kaputt. Alles Metall und perfekt verarbeitet. Ein Hoover fürs Leben. Das war schlecht für den Absatz. Also begann der Einsatz von Kunststoff. Es wurde ganz bewusst Verschleissanfälligkeit eingeführt. Und so ist es überall immer das gleiche.
Auch dies ist Marketing: Die Reperatur unattraktiv machen. Ein Kostenvoranschlag wird zwingend verlangt, kostet aber schon in jedem Fall 50 Franken. Das neue Gerät kriegen sie schon für…
Wie gesagt: Wir sind pervers. Eine gute Firma macht jedes Jahr mehr Gewinn. Sagt nicht nur die Börse.
Nike investiert derweil ca. einen Viertel aller Brutto-Erlöse in Werbung. Für einen Swoosh.
Sagt Thinky, den Schrank voller Nike-Tennissachen.
bobsmile · 29. Juli 2009, 12:44 · #
Rostfreie Auspuffanlagen: Längst patentiert, nie produziert. (Kundenfreundlich, aber kein Marktbedarf!)
Persönlicher Ökostatus:
Negativ:
Ich bin Nespressoliebhaber. (Hasse aber das ganze Hochglanzmagazin- und Clooney-Getöse darumherum)
Anfängliches Argument für den Umstieg auf Kapselkaffee war, er schmeckt mir einfach besser und ich war bisher der einzige Kaffeejunkie in unserer Familie.
Doch leider hat sich seither der Kaffeekonsum in bobsmile’s Haushalt dank den differenzierten Kaffeesorten auf andere Mitglieder ausgedehnt.
Positiv:
Dank gut platziertem Recycling-Container gehört bobsmile zu den 60% Kapselzurückbringer.
Negativ:
Ich fahre gerne mit dem Motorrad.
Positiv:
Verwende das Motorrad hauptsächlich für den Arbeitsweg.
Negativ:
Ich kaufe Budgetprodukte und Aktionen vom Grossverteiler.
Positiv:
Das Budget reicht für unseren Einverdienerhaushalt.
Gelte ich deswegen nun als ignoranter Ökoverweigerer?
Claudia · 31. Juli 2009, 02:54 · #
ich nutze immer schon einen italienischen Kaffeekocher, diese traditionelle Alu-Kanne, die man händisch mit Espresso befüllt – den kaufe ich pfundweise (4,95 Euro – da kommen die “Pad-Trinker” nicht mit!). Die Kanne spült man vor dem nächsten Kaffee aus, klopft den alten Espresso in die Tonne und füllt neuen ein – maximal einfach.
Dein Artikel spricht mir aus der Seele – aber ich habe leicht reden, denn ich bin konsumbehindert. Einkaufen ist mir Last und nicht Lust, ich vergesse monatelang immer wieder, was ich eigentlich zu brauchen meinte und ernsthaft kaufen wollte.
Besonders verdummend finde ich, dass man überall dazu aufgefordert wird, “zu sparen” – das ist geradezu ein Synonym für KAUFEN geworden!
sammelmappe · 31. Juli 2009, 18:39 · #
Zum Stichwort Nestle passt dieses Interview: “Es gibt kein Menschenrecht auf einen Swimmingpool” mit Nestlé-Chef Peter Brabeck
Zum Trinken, Waschen und für die Körperpflege braucht der durchschnittliche Europäer etwa 50 Liter Wasser am Tag……und hinzu kommt, dass wir auch noch bis zu 8000 Liter Wasser am Tag essen.
Peter · 31. Juli 2009, 19:28 · #
Sehr schöner Artikel – über die negativen Folgen der Dauerberieselung mit Kaufaufforderungen via Reklame habe ich mir auch schon des öfteren Gedanken gemacht. Von daher halte ich Werbung auch für generell ziemlich schädlich.
Nestlé-Produkte kaufe ich übrigens schon seit längerem nicht mehr, zumal, seitdem ich mich mal etwas näher mit diesem Konzern, seinen Machenschaften und seiner Marktmacht beschäftigt habe. Schon allein die Vielzahl an Marken, die Nestlé sich inzwischen einverleibt hat macht schon Angst… Siehe dazu auch den Artikel in meinem Blog:
http://konsumpf.de/?p=569
Thinkabout · 3. August 2009, 22:24 · #
@Peter
Ich weiss nicht, wie sinnvoll es ist, EINEN Konzern zu boykottieren. In der Regel macht er einfach das, was alle versuchen, etwas erfolgreicher. Ich denke, das allgemeine Kaufverhalten ist entscheidend. Und dazu gehört leider in vielem auch unser Nichtwissen: Ein Fehler bei Nestlé wird viel eher an die grosse Glocke gehängt, weil ein grosses Netz zu beschmutzen viel mehr Aufmerksamkeit bringt (oder ein grosses schmutziges Netz anzuprangern).
@Bobsmile
Du Böser Du. Egal was für ein Junkie Du bist. Komm davon runter, wenn es Dich ganz sicher nicht glücklicher macht, “drauf” zu bleiben. Und wenn Dein Glück da liegt, dann geniesse es zumindest bewusst. Zuviel kann es dann von gar nichts werden, denn Genuss hat mit Fülle sehr wenig zu tun, schliesst sich quasi gegenseitig aus.
Und wer sagt denn GENERELL etwas gegen Budget-Produkte? Das ist auch eine Mähr, dass diese generell schlechter sein müssten. Wie gesagt: Das Problem ist, dass es in nichts so einfach ist.
Wie wäre es damit: Wir verbrauchen alle 20% weniger – und unsere Wirtschaft findet Innovationen, mit deren Hilfe mit 20% mehr Wirtschaftswachstum Technologie und Produkte hergestellt werden können, die 20% weniger Verbrauch begünstigen.
Wir brauchen weniger, müssen tatsächlich weniger arbeiten, finden andere Werte als Arbeit und Karriere und sind mit allem erst noch glücklich. Dann kriegen wir noch ein Kind und streiten uns darum, wer zu Hause bleiben darf.
Manchmal sollte man Utopien träumen, selbst wenn der Traum noch so verrückt ist. Und so herrlich subversiv und wahr ist es irgendwie dahinter ja doch. Wer, verd… nochmal, könnte radikale Lösungen anstreben, wenn nicht wir? Aber das scheinbar unbequeme wird nur von jenen versucht, die gar nicht mehr anders können. Bei uns mag das zwar so sein, aber wir wissen es noch nicht, wollen es nicht wissen.
bobsmile · 5. August 2009, 22:20 · #
Bezüglich Junkie: Weise gesprochen, Thinkabout, ich relativiere meine fahrlässig hingeschluderte Aussage:
Ich geniesse (je)den Kaffee, denn wär’ ich wirklich Kaffee-Junkie, wäre es mir wohl so ziemlich egal, welche Bohnenbrühe ich trinke, Hauptsache Koffein und regelmässig.
Ich kann es aber auch ohne Kaffee aushalten und trinke gerne mal nur gefiltertes und gekühltes Hahnenwasser. (Haben da im Büro so eine praktische Anlage). Das erspart mir sogar das Pet-Recycling.
Ich habe nicht behauptet, dass Budget-Produkte generell schlecht sind, z.B. ist der Budget Schinken bei M im Oberwallis hervorragen, während er bei M in der Region Aare-Grauholz unansehlich ist! (Subjektiver, aber bestätigter Selbsttest) Den lasse ich dann links liegen und nehme den vom “Malbesser Mal****r”.
Darum geht es ja auch gar nicht in deinem Bericht, sondern die Bildung von (Marken-)Abhängigkeiten, und somit bin ich wiederum doch ein Junkie, da ich so ein Nesspressodingens in der Küche stehen habe und die Kapseln übers Internet nur bei einem Provider bestellen kann, total abhängig, was Produktwahl angeht. Aber, hei, er schmeckt mir nun mal, und jede Tasse dieses aufwendig und mit viel Marketinggetöse vertriebenen braunen Pulvers, gemahlen aus südamerikanischen Bohnen, wirkt auf mich belebend, Kaffeeduft ist so etwas wie ein Lebenselexier, trifft genau in meine Seele. Das könnte natürlich genauso auch in einem Werbeprospekt stehen, ist aber meinen Empfindungen entsprungen und echt so gemeint! Früher habe ich immer 1Minute die Nase in einen leeren 500g Beutel gesteckt und den Geist Kolumbiens geatmet, bevor ich ihn im Müll versenkte. Jetzt rieche ich an der Tasse, manchmal esse ich das Schäumchen mit einem kleinen Löffel oben weg.
Und ja, vielleicht ginge es auch bei Nespresso ohne Aluminium, vielleicht ist das AAA-Programm nicht nur Marketing-Aushängeschild sondern auf Dauer wirklich nachhaltig, und ja, ich hoffe die grosse mediale Aufmerksamkeit und zahlreichen Studentenberichte wirken sich ebenfalls nachhaltig auf weitere Bereiche dieses weltumspannenden Nahrungsmittelkonzerns aus.
Michael Kostic · 11. August 2009, 15:29 · #
Marketing ist schlicht der Ersatz für Lebensinhalte…
romain baustert · 11. November 2009, 15:58 · #
Ich mach meinen Kaffee mit einer kaffeemaschine. Jede Tasse frisch gemahlen kostet mich dann mit Abschreibung der Maschine alles drum und dran 0,20 €. Dazu hab ich die Qual der Wahl bei Kaffeesorten/preisen. Werbung und Marketing kann mir den Buckel runterrutschen. Werbung empfinde ich als Volksbelästigung und gehört verboten. Ein eigen entscheidender Käufer sollte sich die Werbekosten am Produkt zurückerstatten lassen dürfen. FairTrade ist auch nur Werbung. Der Konsument ist kein Händler. Der Konsument ist hier ehrlich und zahlt was drauf. Aber der Händler verlangt seinen Gewinn plus seine Werbekosten für FairTrade
Thinkabout@Romain · 11. November 2009, 20:28 · #
Fair Trade: Was Sie ansprechen, ist tatsächlich oft gegeben: Der Handel lässt sich, zumal in einem wachsenden und noch nicht von viel Konkurrenz besetzten Markt, nur schon die edle Absicht zuweilen bezahlen. Allerdings beobachte ich das weniger bei FairTrade-Produkten wie Max Havelaar, als vielmehr bei Bio-Produkten und -Linien in Retail-Geschäften. Bio, Nachhaltigkeit oder die Edel-Schokolade aus fast reinem Kakao kann nicht guten Gewissens dreimal teurer sein als das normale, “böse” Produkt. Nachhaltigkeit, Volksgesundheit und Umweltschutz muss auch erschwinglich sein, und überhöhter Profit motiviert nicht unbedingt zur Nacheiferung im offenen Wettstreit, sondern zum schnellen Dreh. Auch der Mensch, der Bio verkauft, kann der Gier erliegen. Der Händler sowieso.