Mein stiller Tag
Heute ist mein sogenannt stiller Tag. Er gehört mir. Oder ich ihm. Ich gehe ohne festes Ziel, oder nicht nur mit festen Zielen aus dem Haus.
An meinem stillen Tag will ich besser hören, genauer sehen, tiefer atmen, feiner fühlen.
Und so ist es auch:
Im Auto läuft kein Radio. Ich höre die Reifen rauschen. Das Auto gleitet. Es fährt nicht nur. Es ist sehr still. Und sehr einsam, während neben mir andere einsam dahin gleiten oder eben fahren, wahrscheinlich Musik hörend oder telefonierend oder beides, so dass sie nicht wirklich merken, wie einsam sie sind.
Ich bin an diesen Tagen nicht stur. Wenn ich Menschen begegne, dann bin ich dafür offen. Ich möchte überhaupt offen sein. Ich spaziere an einer Bank vorbei und weiss zuvor nicht, ob ich den Impuls haben werde, mich zu setzen. Wenn ich ihn habe, dann will ich mich allerdings auch von ihm leiten lassen.
Und dann packe ich mein Büchlein aus und lese bei Seneca, wie das ist, mit der Seelenruhe
Davon wird noch mehr zu berichten sein. Nach wohl noch vielen weiteren stillen Tagen. Oder zumindest Stunden. Denn es sind nur ein paar Stunden. Aber wie viel gedehnte Zeit kann das sein!
Und wie viele und andere Gedanken werden dabei geweckt und vor allem danach lebendig! Denn während ich so spaziere oder dann eben sitze, mache ich nicht viel anderes als eben spazieren oder sitzen. Und wenn ich lese, geschieht das wie auf Vorrat. Da ist keine Angst. einen Gedanken festhalten zu müssen, weil er sonst nicht wiederkommen könnnte.
Im Grunde rede ich nicht mit Seneca. Ich rede mit mir. Oder höre mir vielmehr zu.

Tina · 17. März 2007, 06:00 · #
Auf jeden Fall weiterlesen! ;-)
Das Buch scheint Dir gut zu tun, und das überträgt sich sogar beim Lesen der Beschreibung Deiner inneren Ausgeglichenheit auf mich….
(Hast Du “Bünzli” das von den Teilnehmern der Nachbarschaftssitzung geschenkt bekommen? sfg)
Fühl Dich mal lieb umarmt, freue mich einfach, daß es Dir gutgeht….:-)
Caro · 17. März 2007, 12:25 · #
Die Stille sucht einen immer, nicht wahr? Man darf ihr nur nicht immer davonlaufen.
Thinkabout · 17. März 2007, 13:48 · #
@Tina: manchmal mag Einsamkeit auch daher rühren, dass äussere Wirkung und innerer Zustand (noch) zu sehr von einander abweichen. Ich hoffe nicht, dass mir dies blüht…
@Caro: schöne Beobachtung. Im Grunde wäre sie stets da.