Patient auf Reisen
Reisen können verschiedene Ursachen und Ziele haben. Mit dem Verlassen eines Daheims haben sie immer zu tun. Mit dem wieder Heimkommen auch.
Bevor sie zu einer Reise aufbrechen, haben viele das Verlangen, zu Hause noch aufzuräumen. Alles soll seinen Platz haben. Oder einnehmen. So, als müsste man wenigstens ein letztes oder erstes Mal die Sicherheit verspüren, aus einer gefestigten Ordnung heraus ins Abenteuer zu steigen. Bei mir ist das ein wenig anders. Ich lasse gerne alles so, als hätte ich nie aufgehört, zu wohnen. Und das bedeutet schon mal Chaos bei mir und um mich herum.
Meine Frau erträgt das gut. Denn sie reist ja mit. Doch diesmal ist es anders. Ins Spital gehe ich allein. Aber wir haben schon Übung. Es ist zudem das letzte Mal. Und ich glaube, es ist ihr recht, dass alles so bleibt, als wäre ich nur mal rasch auf eine Messe gefahren und gleich wieder da. Und so soll es ja auch kommen.
Dennoch ist das Packen der Tasche in dieser Situation immer auch ein Moment, in dem mir bewusst wird, wie sehr ich hier daheim bin. Daheim verwandle ich die Behaglichkeit zwar schnell in Unordnung, aber ich finde mich auch schnell und anspruchslos woanders ein. Nicht, dass ein Spitalbettzimmer mir zur Wohnstube würde – aber es ist, in Anbetracht der Umstände und der Anforderungen, der beste aller möglichen Orte. Also gehe ich gerne hin. Mehr muss ich nicht leisten. Im Grunde ist es weniger als wenn ich arbeiten würde für den Rest der Woche. Es wird alles für mich getan. Das ist so allgemein gültig und doch nie banal. Denkt man näher darüber nach, welche Fürsorge und welches Wissen da auf einen fokussiert wird – und das meine ich trotz aller Belastung des Personals ernst – so könnte man auch ins Zittern kommen, weil man auch Dankbarkeit spürt. Sicherheit. Ordnung. Da ist sie also wieder. Und mehr noch: Aufwand zu meinen Gunsten.
Ich kann mir vorstellen, dass es für Menschen, die gewohnt sind, immer für andere da zu sein, im Spital zu einer ganz plötzlichen Erfahrung kommen kann, die ihnen gänzlich neu erscheint: Für einmal kümmern sich alle um diesen Menschen. Nicht umgekehrt.
Wir sollten das auch ohne Krankheit erleben dürfen. So ab und an, meine ich.
Auch wenn wir gesund sind. Damit wir es bleiben können.

Strandsteine · 31. März 2011, 18:44 · #
Lieber Thinkaobout,
Leider ist das Kümmern,
ob nun um gesunde oder kranke Mitmenschen,
nicht besonders ausgeprägt bei vielen Menschen.
Nur wenn sie mal selber betroffen sind…
sieht das Leben plötzlich anders aus.
Jetzt wünsche ich Dir von ganzen Herzen,
möge Dir immer eine hilfreiche Hand zur Seite stehen,
und Deine “Reise” mit Erfolg gekrönt werden.
Habe bitte auch mit Dir selber Geduld und erwarte nicht zu schnell zu viel von den kleinen heilenden Helfern in Deinem Körper.
Es ist eine Wohltat, wenn der Schmerz gewichen ist,
wenn es auch nur für Stunden ist…
in der Hoffnung,
das es für Dich gut wird,
wünschen die Steine Dir
eine gute Reise.
Thinkabout · 11. April 2011, 10:21 · #
Liebe Strandsteine
Du weisst, wovon Du sprichst, und dass Du Dich hier wieder meldest, freut mich sehr. Du wünscht mir Gutes – umgekehrt ist es genau so!