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Peer Steinbrück: Die neue Rolle passt (noch?) nicht

∞  16 November 2012, 13:05

Peer Steinbrück hat eine neue Rolle. Und muss zusehen, dass er die Menschen anders betrachtet, genau so, wie sie ihn nun anders wahrnehmen. Denn als Kanzlerkandidat ist man nicht mehr nur sellvertretender Kavallerist wider die bösen Feinde – das Fussvolk will nun wissen, auf welchem Gaul er hockt und wer dessen Futter bezahlt.

istockphoto.com/koun

Der Mann hat einen hellen Verstand und eine glasklare Rhetorik. Das ist unbestritten, und ganz grundsätzlich dürfte er für jeden Opponenten ein unangenehmer Gegner sein. Doch Steinbrück hat sich dazu entschieden, sich als Kanzler anzubieten – und in dieser Rolle muss der Mann Sinn für die in seinen Augen kleingeistigen Blickwinkel des Fussvolks haben, dessen Stimmen er haben will. Ob er das kann?

Auffallend ist, dass seit der Bekanntgabe seiner baldigen offiziellen Nominierung zum Kanzlerkandidaten scheibchenweise Dinge breit getreten werden, welche nach der grundsätzlichen Haltung des Saubermanns fragen. Diese Fragen mögen kleinkariert erscheinen, aber sie sind so gut deutsch, wie sie auch schweizerisch wären und machen an den kleinen Dingen, die für alle sichtbar gemacht werden, die grundsätzlichen Fragen nach seiner Haltung fest.

Begonnen hat es mit der Frage nach seinen Salären für Vorträge. Und geschadet hat ihm nicht so sehr das Geld, das er dafür bekommen hat, sondern die Art, wie er sich um die Auskünfte gedrückt hat. Dabei ist doch gar nicht das Problem, dass Steinbrück viel Geld verdient hat – dazu tragen ja auch alle bei, die seine scharfzüngigen Analysen (oder sind es Tiraden?) wunderbar finden und dort hinrennen, wo er die Trompete bläst. Damit macht man nun mal Kasse und es spricht gar nichts dagegen, dass er dafür auch die Hand aufhält. Das Problem ist, dass er sich scheinbar windet und, gestellt, nicht kerzengerade stehen bleibt, so, wie er es zuvor suggeriert hat.
Es IST demütigend, über sein Milchbüchlein Rechenschaft ablegen zu müssen, aber, mit Verlaub, wenn man Kanzler werden will, dann ist man schlagartig eine öffentliche Person, und wenn gerade Steinbrück dies nicht vom ersten Moment an kapiert, dann macht das ein wenig stutzig.

Und darum schlagen sie jetzt auf ihn ein und üben sich in der gut deutschen Art der Erbsenzählerei, vom Namensschild neben der Bürotür, das laut Anne Will und Team schon den Vermerk “Kanzlerkandidat” trägt (Frechheit gegenüer der Basis, der Mann muss doch erst offiziell bestätigt werden) bis zur Bahncard des Abgeordneten, mit der er sich Reisen zu seinen privaten Reden gönnte.

Und so wird das wohl weiter gehen, bis endlich über Sachpolitik Wahlkampf gemacht wird. Oder ist das eine blauäugige Hoffnung? Legt dieser Hickhack nicht die tiefe Sehnsucht der Menschen offen, endlich mal jemanden wählen zu können, der das Zeug dazu hat, nicht nur Anständigkeit zu predigen, sondern sie auch zu leben – grundsätzlich und damit auch in den kleinen Dingen, gerade so, wie wir alle das nicht mehr tun?

Denn den Kleinen werden “Fehler” gnadenlso aufgerechnet und sie erfahren eine Maschinerie, die scheinbar für “Grosskopferte” nicht gilt. Und die Vermutung, dass Steinbrück auch zu diesen “anderen” gehört, könnte zum grossen Problem für ihn werden.

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taz.de – Peer Steinbrück ist bedenklich angeschossen – Jeden Tag eine kleine Schweinerei
SPON-Artikel zu Steinbrück, mit der Debatte bei Anne Will

Steinbrück-Artikel beim Portal mycomfor

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