Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Sämi ist müde

∞  28 September 2008, 12:47

Es ist noch nicht lange her: Am Tag der Nicht-Wiederwahl von Christoph Blocher als Bundesrat erlebte ich im Fernsehen in der Pressekonferenz einen höchst jovialen, gut gelaunten und ob der Tatsache der nun auch faktischen Herauskomplimentierung aus den parlamentarischen Gremien seiner Partei sichtlich unerschütterten Bundesrat Schmid.

[nebenbei gehörte dabei für mich die Erkenntnis zu diesem Mittag, dass es sich bei den Journalisten im Durchschnitt um einen höchst uninspirierten Klüngel handeln muss, oder ist eine solche Pressekonferenz eh nur die einzige Chance für die Schreibzunft der zweiten Klasse, einen Hauch Authentizität der Bundespolitik einzuatmen, so dass man im Maximum andächtig daran schnüffeln aber sich kaum überlegen mag, was man denn nun an so einem durchschnittlichen Tag fragen könnte?Aber wie gesagt, das ist hier nicht das Thema, sondern:]

Das Leben als Bundesrat ist in der Regel nicht kurz, vielleicht selten kurzweilig, aber bisweilen verschieben sich selbst bei uns für einen Magistraten die Prioritäten und Orientierungspunkte in zu entrückter und bedrückender Weise:

Er war eigentlich gar nicht das Thema, Sämi Schmid, gestern in der Sendung “Sport aktuell”, als kurz über die grosse Nacht des 100-jährigen Schweizer Eishockeys berichtet wurde. Nur dass der Sportminister, natürlich, auch da war. Und man sah ihn zwei Preise übergeben, ganz kurz im Bild nur, jeweils. Aber, es hat gereicht. Ausgereicht, um einen Mann wahrzunehmen, der seine Illusionen verloren und seine Kraft aufgebraucht hat. Jemand, dessen Opportunismus auch in Zeiten, in denen man ihm das als Kompromissbereitschaft positiv auslegen mochte, mehr hingenommen als respektiert war, sieht sich nun als Schwadroneur desavouiert.

Dass seine Frau Morddrohungen bekommen hat, wie ich eben höre, katapultiert die Berner “Gmüetsmoore” wohl endgültig aus aller Beschaulichkeit.

Irgendwie schade. Und traurig auch. Sämi, sag tschüss und lass Dir die Teflonbeschichtung nicht um die Seele wuchern.


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Politik ist ein Drecksgeschäft, das von Freiwilligen ausgeführt wird


  1. Thommen · 28. September 2008, 17:31 · #

    Mitleid mit Sämi zu heucheln ist einfach nur widerlich! Warte mal das Gleiche beim nächsten Bundesrat ab…

  2. andré · 28. September 2008, 18:42 · #

    falls der durchschnitts-journalist denn doch das thema gewesen sein sollte: sie mögen in die pk schlurfen, aber nie ihre kunden veräppeln! es sei denn, es geht wirklich bloss (noch) darum, die zeit/den platz zwischen den werbeblöcken zu füllen, gell

  3. Zappadong · 29. September 2008, 07:17 · #

    Mein Mitleid mit Samuel Schmid hält sich sehr, sehr eng in Grenzen.

    Er ist ein Meister im Aussitzen, im steten nur Zugeben, was irgendjemand (meist die Presse) herausgefunden hat; einer, der nie Konsequenzen zieht. Das geht seit Jahren so, nicht erst seit der Affaire Nef.

    Teflon ist das richtige Wort. Man denke nur daran, wie scheinbar unbeteiligt er sich als “halber Bundesrat” und später als “Blinddarm” hat bezeichnen lassen – von der eigenen Partei. Schon längst nicht mehr getragen von seiner SVP, hat er sich erst sehr, sehr spät von ihr distanziert. Wie kann ich vor jemandem Respekt haben, der sich so sehr in der eigenen Würde herabsetzen lässt und zu keiner Zeit auch nur den Ansatz von aktivem Handeln zeigt. Da frage ich mich dann auch, welches Gesicht ich hier zu sehen bekomme. Das echte? Oder gibt es einen Samuel Schmid, der im Hintergrund wacker agiert (zum Beispiel bei der Wahl von Bundesrätin Widmer-Schlumpf). Um sich so an der Macht zu halten, wie er es tut, MUSS man irgendwas tun. Wenn nicht offiziell gegen aussen, dann halt mit dem Schnüren der richtigen Päckli.

    Nein, ich werden Herrn Bundesrat Schmid keine Träne nachweinen. Und ehrlich gesagt, verstehe ich in diesem Fall die Journalisten. Vielleicht liege ich ja komplett falsch, aber ich kann mir vorstellen, dass die so oft aufgelaufen sind an Pressekonferenzen, dass die da einfach aus lauter Pflicht noch hingegangen sind (der Boss hat gesagt: Geh mal, vielleicht sagt er ja heute zur Abwechslung einmal etwas Verwertbares). Wenn sogar für mich als Zuschauer die kurzen Sequenzen, die ich mit Herrn Samuel Schmid zu sehen bekommen habe, entweder als Schlafpillen oder als Ärgernisse (weil er einmal mehr mit endlos langweilig vorgetragenen Sätzen absolut nichts gesagt hat) wahrgenommen habe – wie muss es da einem Journalisten ergehen, der jede Menge um die Ohren hat und dann bei einer Pressekonferenz das Gefühl hat, mit dem Kopf gegen eine Wand zu prallen?

    Das Einzige, was mich an der ganzen Geschichte wirklich masslos aufregt, sind die Drohgebährden dieser tauben Nüsse, die keinen Funken Anstand (und vermutlich auch kein Gramm Hirnmasse) haben.

  4. Marianne · 29. September 2008, 12:43 · #

    @Zappadong
    da Sie wirklich alles Erwähnenswerte schon geschrieben haben, möchte ich Ihnen nur noch BRAVO zurufen.

  5. andré · 29. September 2008, 12:49 · #

    hey, moment mal: was ist denn mit ihnen los? bei allem respekt für bloggersche freiheiten: “taube nüsse”, “kein gramm hirnmasse”?? gerade das ist es doch eigentlich, dass blogs wie diesen von vielen anderen schreib-werkstätten unterscheiden sollte.
    so, please, back to anstand und bewussterer wort-wahl

  6. Thinkabout · 29. September 2008, 13:54 · #

    @André:
    Vielleicht beziehen Sie die Einschätzungen zur Taubheit von Nüssen und die vergebliche Suche nach Hirnmasse auf die falschen Personen:
    Frau Zappadong bekommt in diesem Fall von mir, meines Zeichens Blogbetreiber dieser Kiste hier, hochoffiziell das Recht, die besagten Ausdrücke zu verwenden, wenn es um die Gegenwehr gegen Steineschmeisser und gegen Morddrohungen und Telefonterror geht.
    Andererseits lasse ich mich von IHNEN sehr wohl belehren, sollte mein Eindruck falsch sein, dass in diesem Fall solche Ansagen durchaus angebracht sind. Wenn jemand weiss, wie und wo souveräne Contenance am Ende weiter führt, dann Sie.

  7. Zappadong · 29. September 2008, 16:05 · #

    Lieber Thinkabout

    Ihr in die Bresche springen für mich ehrt mich, aber die “tauben Nüsse” sind wirklich daneben gegriffen in der Wortwahl (nur denke ich, dass “geistig minder Bemittelte” // “Primitivlinge” auch nicht viel besser sind … ich werde mir etwas einfallen lassen müssen). Das mit der fehlenden Hirnmasse würde ich allerdings gerne stehen lassen, lieber andré. Kein Mensch mit auch nur einem Funken Verstand, bedroht einen anderen mit dem Tod.

    Ich werde mich bemühen, bei meinem nächsten Eintrag wieder auf thinkabout-Niveau zu kommen :-)

    Versöhnliche Grüsse

    Frau Zappadong

  8. Thinkabout · 29. September 2008, 16:10 · #

    Wenn zwei so feine Menschen wie @André und @Zappadong sich so sehr um die Gesprächskultur hier bemühen, dann sage ich einfach:
    Wunderschön ist das.
    Und ich werde mich ebenfalls bemühen, den Bogen nicht/nie zu überspannen.

  9. andré · 29. September 2008, 18:53 · #

    freunde der gepflegten umgangsformen: der blick ins nahe und ferne ausland kann selten schaden, erst recht nicht nach diesem wahlwochenende – und der warnende (schreib-)finger vor überbordenden polit-zeuslern schon gar nicht. aber wie sagte doch ein gescheiter mann bereits vor vielen jahren: worte können verletztender sein denn steine

  10. von Relax · 30. September 2008, 00:24 · #

    Schau, schau, es geht doch.. Nachfragen und bewegen und alles wird klar und Missverständnisse lösen sich in Wohlgefallen auf. Wenn nur die Factswächter öfters Wächter für Facts wären, anstatt die Streitkultur mit Lüscher . äh Löscheraktionen zu manipulieren, gäbe es mehr Vertrauen in die TaMedien .. Manchmal ist es aber auch nur eine Frage der Zeit bis die Facts ganz ungeschminkt auf dem Tisch liegen und dann sogar im Scheinwerferlicht betrachtet werden dürfen. Facts im Licht der Wahrheit betrachten, ist letztlich nur eine Frage von Zeit. I pray that a dream happens !


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