Schweizer gegen Minarette - wie damit umgehen?
Die Schweizer haben die Minarett-Initiative angenommen. Danach heisst es zukünftig in unserer Bundesverfassung:
Der Bau von Minaretten ist verboten.
Päng. Ganz Europa zeigt mit dem Finger auf uns, wenigstens, wenn man den Medien glaubt. Was für ein Rückschritt in die Steinzeit, jenseits aller humanitären Glaubensgrundsätze.
Doch diese Diskussion ist eine Spiegelfechterei unter Intellektuellen. Nicht nur in der Schweiz haben die Medien den Bezug zur breiten Basis der Bevölkerung verloren. Auf vermutete reaktionäre Tendenzen wird mit Leitartikeln reagiert, während man gleichzeitig die redaktionellen Mittel aus wirtschaftlichen Gründen so weit verkürzt, dass es kaum mehr möglich ist, Recherchen zu betreiben oder den Job gar investigativ zu betreiben.
So werden eben jene Meldungen, welche die Rücksichtnahme auf scheinbare muslimische Empfindlichkeiten ad absurdum führen, wenn nicht totgeschwiegen, so doch höchstens rapportiert. Ich denke, das Signal, das die Schweizer ausgesendet haben, heute, heisst auch:
Wir haben genug: Die Kruzifixe sollen aus dem öffentlichen Raum verschwinden, dafür lassen Schulbehörden die Rechenbücher in der Volksschule neu drucken, weil darin abgebildete Glücksschweine einen muslimischen Vater reklamieren lassen, die Abbildung unreiner Tiere würden das religiöse Empfinden der Muslime verletzen (Beispiel aus dem Bekanntenkreis). Und der Regisseur eines Films, in dem Weltuntergangsszenarien gezeigt werden, lässt darin so ziemlich jedes Symbol der Weltherrschaft inklusive aller religiösen Stätten untergehen – Mekka aber lässt er unberührt, weil er als Reaktion eine Fatwa fürchtet. Solche Beispiele gibt es viele. Wir rühren lieber nicht an gewisse Empfindlichkeiten, “dem Frieden zuliebe”, und verwechseln Toleranz mit Duckmäusertum. Denn hier gibt man nicht wirklich einer religiösen Empfindlichkeit nach, sondern einem Druck, der nach einer Vorherrschaft der eigenen Anschauungen strebt und in sich keine Grundlage kennt, die genau jene Toleranz bei sich selbst vorsähe.
Es wird nun darum gehen, wie nach jeder Abstimmung, die Willensäuserung der Bevölkerung richtig zu interpretieren. Sich nun darüber zu mokieren, mehr als die Hälfte der Scheizer wären thumben Aussagen voller Banalitäten der reaktionären Populisten aufgesessen und würden alles Muslimische zum Teufel wünschen, ist ganz gewiss völlig falsch. Und die Schweizer Medien tun gut daran, sich nicht vorauseilend im Ausland für die eigene Bevölkerung zu entschuldigen, sondern das Resultat so zu akzeptieren, wie es heraus gekommen ist – und dadurch ernst zu nehmen.
Ich erwarte nicht zuletzt von den Medien, dass sie Hand dazu bieten, dass alle jene, die signalisieren wollen, dass sie sehr wohl Religionsfreiheit wollen, dafür aber die Grenze der gegenseitigen Toleranz für ALLE Gläubigen setzen, auch Gehör finden. Man muss sich dafür in eine Welt einmischen, die uns allen doch fremd ist, und man muss sich unbeliebt machen, wenn es darum geht, das Leben im öffentlichen Raum so zu regeln, dass es uns allen dabei wohl sein kann. Und dabei darf die kulturelle Tradition der heimischen Bevölkerung sehr wohl weiter den Rahmen bieten, in dem sich die Konturen von Gastgeberland und Gast nicht vollständig verwischen – und zusätzlich muss es niemandem egal sein, welche Lehren in welchen noch so geschlossenen kleinen Kämmerchen verbreitet werden – wenn diese nicht vereinbar sind mit unseren grundlegenden Prinzipien des gemeinschaftlichen Zusammenlebens.
Dass auch viele Befürworter des Minarett-Verbots sehr wohl für die freie Religionsausübung des Islam in der Schweiz sind und Moscheen oder Gebetshäuser nicht verbieten wollen, die Manifestation von Minaretten aber für das falsche Zeichen halten, wird auch zu kommunizieren sein: Als Ganzes sehe ich im scheinbaren Dilemma dieses Abends eine grosse Chance: Die Insititution der direkten Demokratie der Schweiz hat ein Resultat erbracht, das ganz bestimmt in manchem anderem europäischem Land ähnlich ausgefallen wäre, würde die Bevölkerung denn gefragt. Wir haben Erfahrung mit diesem Instrument und sind daher auch weiter darin gefordert, nicht bei einer Verweigerung stehen zu bleiben, die das Resultat ja auch nicht darstellt, sondern das Abstimmungsergebnis zum Anlass zu nehmen, uns weiter damit zu beschäftigen, wie denn unser Zusammenleben aussehen kann und soll – und welche Annäherungen dafür nötig sind. Sie sind in keiner Weise für die Zukunft ausgeschlossen. Klar ist einzig, dass wir alle gefordert sind. Für Jammerlitaneien ist genau so wenig Grund gegeben wie für Triumphgeheul. Es geht darum, dass wir mit einander leben. Nicht nur neben einander. Und dass wir uns dafür gegenseitig erklären.
Und dabei machen wir auch nicht mit:
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uertner · 29. November 2009, 23:09 · #
Schön, hast so schnell Stellung genommen. Die Arbeit beginnt erst jetzt. Wichtig wird es sein, die aus ihren gutmenschlichen Wolkenkuckucksheimen gepurzelten Medienschaffenden und Poltiker wieder auf die Beine zu helfen.
LD · 30. November 2009, 00:01 · #
In den letzten Wochen habe ich dieses Ergebnis aufgrund der Meinungen in meinem Umfeld schon geahnt. Doch auch mich überrascht die Deutlichkeit, mit der das Volk hat seinen Willen kund getan hat. Nun wird das Rechtsempfinden der Mehrheit in einem Gesetz festgehalten und gilt fortan als rechtliche Norm. So sind die Spielregeln der Demokratie. Wer dies nicht zu akzeptieren vermag, den darf man wohl als Feind der Demokratie betrachten.
Der schleichenden Invasion des Islam ins christliche Abendland wurde ein klares Zeichen gesetzt. Die Religionsfreiheit bleibt dadurch unangetastet. Doch die Medien basteln aus dem Abstimmungsresultat, wie Du selber schon ausgeführt hast, eine “Niederlage der Religionsfreiheit” und einen anti-islamischen Rassismus. Doch darum ging es bei der Abstimmung ja gar nicht. Ich schätze und teile Deine differenzierte Sicht der Dinge und bin Dir dankbar, dass Du diese hier zur Diskussion stellst. Ich hoffe nur, dass sich die Manipulationsversuche der öffentlichen Meinung durch die Medien in Grenzen halten werden.
Thinkabout · 30. November 2009, 00:18 · #
Nun, als ich dezidiert bekannte, dass ich die Minarett-Initiative annehmen würde, hatte ich zuvor schon mit mir abgemacht, dass, sollte ich dies wirklich kund tun, das nur der Anfang einer vertieften Auseinandersetzung mit dem Problem sein konnte – ganz egal, wie das Abstimmungsergebnis lauten würde.
@LD
Wir werden aber auch gefordert sein, dieses angebot zur Religionsfreiheit auch immer wieder neu zu bekräftigen. Was daraus wachsen könnte, wäre im Idealfall ein vertieftes Verstehen.
Nun, Teil der Medien sind wir als Blogger ja auch. Wenn auch nur Mücken unter Elefanten. Aber pieksen und zwicken liegt schon mal drin – und ein Denkanstoss auch.
@Uertner
Bitte den Ausdruck “Gutmensch” hier in jeder Form vermeiden. Es ist mein absolutes Unwort, da es etwas verhönt, das wir eigentlich anstreben sollten – und damit ein Mäntelchen für alle Zyniker anbietet. Aber ich weiss, was Du meinst: Ja, ich wünsche mir Journalisten, die wenigstens ein bisschen besser hinhören, als jene Politiker, denen die gleichen Journalisten Ignoranz vorwerfen.
Menachem · 30. November 2009, 00:20 · #
Ich habe auch darüber nachgedacht, warum alle in England lebenden Europäer nicht auch einen Volksentscheid herbeiführen, dass diese dort Rechts-fahren dürfen.
Es gibt Ordnungen in einem Gastland, da würde nie jemand daran denken, sie anzufechten.
Nun gab es z.B. schon seit langer geschichtlicher Tradition für die in der Diaspora lebenden Juden immer die Aufforderung: Vergeßt nicht euren Glauben und eure Tradition, aber paßt euch den Lebensbedingungen eures Gastlandes an. Im geschichtlichen Ägypten war das überlebenswichtig. Nur, definitiv, ist dieses Weisheitsgebot von vielen, auch in der jungen Geschichte, nicht respektiert worden, was ich als großen Fehler betrachte.
Wenn 57,5 % der Schweizer das Minarett nicht wollen, dann ist die Zeit noch nicht reif dafür. Das muss man doch akzeptieren, wozu sonst ein Volksentscheid. Immerhin sind es aber doch schon 42,5% die dem zustimmen. Das ist doch ein tolles Ergebniss. Und ich schließe mich da rückhaltslos deiner Meinung an, ob ein solch gutes Ergebniss in anderen Ländern möglich gewesen wäre, würde ich mit einem klaren NEIN beantworten.
Als ich jetzt in Wien war, lag mein Hotel zufällig in einem sehr orthodoxen jüdischen Viertel, wo am Samstag morgen viele in ihren relgiösen Kleidungen die Szene ausmachten. Es kam mir vor, als würde in dieser Provokation erforscht werden wollen, wie weit geht die Toleranzgrenze? Wer legt diese fest? Das kann doch nur der Provokateur, indem er sie überschreitet.
Mit dem Schreiben dieser Dinge möchte ich darauf hinweisen, dass es wahrscheinlich viel tief liegende Ängste in uns gibt, psychologischer und evolutionären Art, die uns ersteinmal Nein sagen lassen. Die müssen ersteinmal erkannt und benannt werden und danach gilt es, das Handeln auszurichten. Und nicht, weil diese Schulaufgaben noch nicht gemacht wurden, es mit einem Handstrich weg zu fegen und sagen, Na, ja – intolerant.
Mein Gott braucht kein Minarett. Mein Gott würde auch nie wollen, dass ich mit einem Minarett Menschen entzweien würde. Mein Gott wolle, das nicht 1 Milliarde Menschen hungern.
Minarett – bestimmt nur ein Stellvertreterthema. Wir können alle nur dabei lernen.
Titus · 30. November 2009, 01:00 · #
Ich findes es mehr als paradox, zuerst ein regligiöses Symbol zu verbieten und dann zu verkünden: Wir müssen lernen, einander zu verstehen…
Claudia / Humanvoice · 30. November 2009, 02:13 · #
Ein bemerkenswertes, angenehm differenziertes und zum Nachdenken anspornendes Statement! (Auch beruhigend..!!)
Ich denke, dass die Abstimmung in Deutschland ähnlich, wenn nicht noch deutlicher ausgefallen wäre.
@Titus: angesichts dessen, was hier als Motivationshintergrund erläutert ist, ist es im Gegenteil eine recht verständliche symbolische Geste.
Eine. die eigentlich sagen will: Solange IHR uns hier vorschreiben wollt, wie wir unsere öffentlichen Räume beleben sollen und wie nicht, solange denken WIR nicht dran, Eure Kirchtürme zu akzeptieren!
Minarette SIND die islamische Entsprechung für christliche Kirchtürme, also halte ich Menachems Argument “mein Gott braucht keine Minarette” nicht für stichhaltig, Immerhin hat es im christlichen Abendland offensichtlich einer Menge Kirchtürme bedurft, um zu jenem Gott zu beten, um den sich auch heute noch die Christenheit schart – wenn auch mit weniger oder ganz ohne Kirchgang.
Nein, der Dissenz liegt an anderer Stelle und wird nicht ausgetragen, sondern man lässt ihn schwelen:
die lebensweltliche Trennung von Staat und Kirche, die Differenz der Sphären demokratischer Willensbildung und religiöser Bekenntnisses ist uns unverzichtbar und im Grunde nicht verhandelbar.
Muslime, die den Wunsch hegen, einen islamischen Staat zu errichten, der der Stammgesellschaft ein anderes lebensweltliches Verhalten vorschreibt, müssen sich nicht wundern, wenn das nicht freundlich aufgenommen wird.
Und wir müssen uns nicht schämen, wenn wir die Freiheit, unsere Kultur zu leben, gegen “feindliche Übernahmen” verteidigen, doch sollte das bald mal andere Formen annehmen als Minarette oder Kopftücher zu verbieten. Die Geste setzt Zeichen des Unwillens, trägt aber noch nicht konstruktiv zur fehlenden Auseinandersetzung bei.
Die müsste einfach offensiv an allen Punkten geführt werden, wo sich Dissenz zeigt – z.B. am Beispiel der Glücksschweine im Schulbuch, die “einen muslimischen Vater reklamieren lassen, die Abbildung unreiner Tiere würden das religiöse Empfinden der Muslime verletzen”
Es müsste ein “großes Gespräch” geführt werden – angesiedelt bei der für die Schulbücher zuständigen Institution, in dem alle Seiten ernsthaft miteinander reden:
* Was ist unrein am Schwein? * Warum ist ein Schwein unreiner als ein Schaf? * Was bedeutet es, dass es im Koran steht, bzw. dass Mohammed es so sagte? War diese Lebensregel nicht vielleicht der Zeit, dem Klima, dem Stand der Kühltechnik und diversen anderen Umständen geschuldet? * Was ist ein “Glücksschwein”? Und ist es nicht in jedem Fall als märchenhafte Symbolgestalt IMMER rein? ;-) * Zugegeben: Massentierhaltungsschweine sind eine ziemlich unwürdige menschliche Nutzungsveranstaltung, doch liegt das nicht am armen Schwein! Und schaut Eurch unsere tollen Bio-Schweine an…. :-)
Hm, ist das jetzt zu naiv gedacht? Ich meine, man muss Gesprächsbereitschaft einfordern, aber auch aufbringen. Aber daran haperte es wohl und hapert noch immer. Unsere Toleranz war oft genug nur Ignoranz – und das geht halt nicht ewig so!
Chräcker · 30. November 2009, 07:51 · #
Auf jedenfall sollte man jetzt nicht pawlisch zucken bei dem Ergebnis. Schon gar nicht aus dem Ausland, von dem aus ich gerade schreibe. Ich wäre mir bei manchen Themen auch nicht so sicher hierzulande, wie wir in Deutschland da abstimmen würden.
Allerdings möchte ich vorsichtig anmerken, daß manche Symbole, wie Kreuze in Klassenzimmern, zumindest in vielen unserer Landesteilen, dann vorkommen, wenn andere Symbole anderer Relionszugehörigkeiten im selben Raum nicht geduldet werden. Ein Hinnehmen des Symbols (des christlichen Glaubens) hier schließt also automatisch andere Symbole oft aus.
Ein Minarett im öffentlichen Raum schließt ja dagegen die Symbole der anderen Glaubensgemeinschaften nicht aus. Die Verbannung des einen also, aus dem Klassenraum, kann zu einer Öffnung führen, eine Verbannung anderer, Minarete, kann(!) zu einer Schließung der Gesellschaft und des Miteinanders führen.
JK · 30. November 2009, 08:05 · #
Bravo.
Wie Du schreibst: Es geht nicht um ein plumpes “mein Symbol – Dein Symbol”, sondern um die Gratwanderung zwischen naiver (weil nicht erwiderter) Toleranz und tatsächlicher religiöser Diskriminierung.
Während “wir alle im Westen” in der jüngeren Vergangenheit zu naiv waren wird es jetzt Zeit, die schleichende Islamisierung zu bremsen ohne in Fremdenhass abzugleiten. Es ist Zeit, die Kultur der Toleranz vor Missbrauch zu schützen, ohne die Menschen der einen oder anderen Kultur anzugreifen.
Leider liegt es in der Natur des Themas, daß viele Menschen sich stark mit ihrer Kultur identifizieren und eine Distanzierung von der Kultur auch als persönlichen Angriff erleben. Hier können wir es uns nicht erlauben, in den alten Täter-Opfer-Retter-Irrtum zu verfallen. Toleranz beruht auf Gegenseitigkeit, und diese Gegenseitigkeit müssen wir einzufordern wagen.
Claudia Humanvoice · 30. November 2009, 08:46 · #
[Einschub Thinkabout:] @Claudia: Dein Kommentar wurde mir per mail angezeigt, als Spam, aus unerfindlichen Gründen (vielleicht wegen dem / im Namen), und irgendwie über das CMS nicht aufzufinden, ich erlaube mir, ihn hier von mir aus händisch einzustellen:
Ein bemerkenswertes, angenehm differenziertes und zum Nachdenken anspornendes Statement! (Auch beruhigend..!!)
Ich denke, dass die Abstimmung in Deutschland ähnlich, wenn nicht noch deutlicher ausgefallen wäre.
@Titus: angesichts dessen, was hier als Motivationshintergrund erläutert ist, ist es im Gegenteil eine recht verständliche symbolische Geste.
Eine. die eigentlich sagen will: Solange IHR uns hier vorschreiben wollt, wie wir unsere öffentlichen Räume beleben sollen und wie nicht, solange denken WIR nicht dran, Eure Kirchtürme zu akzeptieren!
Minarette SIND die islamische Entsprechung für christliche Kirchtürme, also halte ich Menachems Argument “mein Gott braucht keine Minarette” nicht für stichhaltig, Immerhin hat es im christlichen Abendland offensichtlich einer Menge Kirchtürme bedurft, um zu jenem Gott zu beten, um den sich auch heute noch die Christenheit schart – wenn auch mit weniger oder ganz ohne Kirchgang.
Nein, der Dissenz liegt an anderer Stelle und wird nicht ausgetragen, sondern man lässt ihn schwelen:
die lebensweltliche Trennung von Staat und Kirche, die Differenz der Sphären demokratischer Willensbildung und religiöser Bekenntnisses ist uns unverzichtbar und im Grunde nicht verhandelbar.
Muslime, die den Wunsch hegen, einen islamischen Staat zu errichten, der der Stammgesellschaft ein anderes lebensweltliches Verhalten vorschreibt, müssen sich nicht wundern, wenn das nicht freundlich aufgenommen wird.
Und wir müssen uns nicht schämen, wenn wir die Freiheit, unsere Kultur zu leben, gegen “feindliche Übernahmen” verteidigen, doch sollte das bald mal andere Formen annehmen als Minarette oder Kopftücher zu verbieten. Die Geste setzt Zeichen des Unwillens, trägt aber noch nicht konstruktiv zur fehlenden Auseinandersetzung bei.
Die müsste einfach offensiv an allen Punkten geführt werden, wo sich Dissenz zeigt – z.B. am Beispiel der Glücksschweine im Schulbuch, die “einen muslimischen Vater reklamieren lassen, die Abbildung unreiner Tiere würden das religiöse Empfinden der Muslime verletzen”
Es müsste ein “großes Gespräch” geführt werden – angesiedelt bei der für die Schulbücher zuständigen Institution, in dem alle Seiten ernsthaft miteinander reden:
* Was ist unrein am Schwein? * Warum ist ein Schwein unreiner als ein Schaf? * Was bedeutet es, dass es im Koran steht, bzw. dass Mohammed es so sagte? War diese Lebensregel nicht vielleicht der Zeit, dem Klima, dem Stand der Kühltechnik und diversen anderen Umständen geschuldet? * Was ist ein “Glücksschwein”? Und ist es nicht in jedem Fall als märchenhafte Symbolgestalt IMMER rein? ;-) * Zugegeben: Massentierhaltungsschweine sind eine ziemlich unwürdige menschliche Nutzungsveranstaltung, doch liegt das nicht am armen Schwein! Und schaut Eurch unsere tollen Bio-Schweine an…. :-)
Hm, ist das jetzt zu naiv gedacht? Ich meine, man muss Gesprächsbereitschaft einfordern, aber auch aufbringen. Aber daran haperte es wohl und hapert noch immer. Unsere Toleranz war oft genug nur Ignoranz – und das geht halt nicht ewig so!
tin · 30. November 2009, 08:54 · #
Ich bin nur etwas pessimistisch, ob eine wirkliche Auseinandersetzung mit der Problematik geschieht – gefragt ist sie, wie mir scheint, nämlich nicht. Das politische Klima basiert heute auf Schnellschüsse und völlig polarisierten Positionen. Differenzierte Auseinandersetzung mit einer Problematik wird sofort als “Wischi-Waschi” diffamiert. Medienmässig sind grundlegende Auseinandersetzungen furchtbar langweilig, weil zu langatmig, zu umfangreich und kaum an einer Person festzumachen. Nein, ich bin da leider ziemlich pessimistisch.
Thinkabout @ Menachem · 30. November 2009, 08:55 · #
@Menachem
Danke. Du drückst in #4 sehr viel genau so aus, wie ich es auch sagen möchte.
Legen wir also Hand an!
Und unser aller Gott macht sich derweil wohl mehr Gedanken, wie ehrlich wir in unseren Gotteshäusern, ob mit oder ohne Turm, wirklich nach ihm fragen?
@Titus
Nein, das ist NICHT paradox. Wir sagen sehr wohl: Wir verstehen Euch in gewissen Dingen nicht. Oder: Die Signale, die Ihr zu unseren weltlichen Prinzipien aussendet, sind uns nicht eindeutig genug. Das bedeutet aber eben gerade NICHT, dass wir Barrikaden gegen den muslimischen Glauben errichten wollen – sondern gegen JEDEN Herrschaftsanspruch. Gerade wenn wir nun über die unchristliche Botschaft dieses Neins debattieren, sollten wir erst recht umgekehrt das wirkliche Bekenntnis zu Toleranz vom gelebten Islam in unserem Land erwarten. Deutlich. Und wir sollten dafür sehr verbindlich sein in dem, was wir tolerieren WOLLEN und KöNNEN – gerade auch, um uns dann um so freier und freudiger auch auf die schönen spirituellen Geheimnisse der fremden Religion einlassen zu können. Genau so kann reifen, was Menachem so schön ausgedrückt hat: Nicht den einen Schritt vor dem anderen tun.
Thinkabout @ Claudia / Humanvoice · 30. November 2009, 09:09 · #
Das Beispiel Glücksschwein:
Was es ja so elend macht, ist nicht in erster Linie das Vorpreschen des Vaters, sondern das Verhalten der Schulbehörde, die in diesem Fall ohne jede Diskussion sogleich zur Tat schritt – und damit genau diesen Deinen Ansatz verpasste. Eine weltliche hiesige Schulbehörde entschied eigenmächtig, und es darf hinein interpretiert werden:
Das Ansinnen verstehen wir nicht, es ist lapidar, aber in der Sache so unwichtig und nebensächlich: Also, tun wir ihm doch den Gefallen, dann ist dem Frieden gedient.
Der heilige Ernst muslimischer Motivation begegnet hier der schulterzuckenden Gleichgültigkeit einer Behörde, die unbedarft eigene kulturelle Symbole bei kleinstem Druck “abschenkt”, und damit genau diesen Deinen Diskurs verhindert. Ganz abgesehen davon, dass man damit das weitere Zeichen setzt: Bediene ich die westliche Argumentation und berufe ich mich auf eine Empfindlichkeit in meiner muslimischen Religionsausübung, so wird mir selbst bei Unverständnis recht gegeben. Gläubige, die ihre Rechtgläubigkeit darin sehen, die Ausbreitung der eigenen Religionsprinzipien zu unterstützen, werden damit geradezu ermuntert, Toleranz zu fordern und selbst eben keinen Diskurs führen zu müssen.
Thinkabout @ Chräcker · 30. November 2009, 09:18 · #
Touché. Ich gebe gerne zu, dass mir die erstmalige Konfrontation mit der Aufforderung, Kreuze von Wänden im öffentlichen Raum zu entfernen, grosse Mühe gemacht hat, dass die konsequente Anwendung des Prinzips der Religionsfreiheit aber den Gedanken nahe legt.
Je nach Kruzifix hört ja auch bei mir die Vertrautheit auf (ich bin evangelisch, nicht katholisch). Dennoch kann ich differenzieren: Wenn der Jesus am Kruzifix der einzige ist im Raum, der unter der Ignoranz der Menschen leidet, kann ich mich darin auch entfalten.
Ich glaube, es geht bei der ganzen Diskussion auch um die Vehemenz, mit der sich eine fremde Kultur unserer rechtsstaatlichen Instrumente bedient, um Dinge zu fordern, von denen man nicht unbedingt annehmen mag, dass sie, bei umgekehrtem Gleichgewicht, auch gefordert werden könnten…
Das entbindet mich aber nicht vom Anspruch, im Geist der Sache den Argumenten zu folgen.
Thinkabout @ JK / TIN · 30. November 2009, 09:26 · #
@JK
Genau diese Forderung nach Gegenseitigkeit ist das Klare und Weiterführende, das hinter diesem Abstimmungssonntag gesehen werden kann – und die Kultur der Toleranz sollte sich darin äussern, dass diese Forderung eben nicht militant erhoben wird, sondern im Diskurs, in der zwischenmenschlichen, mitmenschlichen Debatte. Und darin bin ich,
@TIN
gnadenlos und kompromisslos naiv und sage und schreibe, mag es noch so viel Grund zu Pessimismus geben: Ich will und muss es einfach versuchen. Ich mag mir auch nicht den Kopf zerbrechen, ob es im Grossen gelingen kann. Ich mag mich nur fragen: Bin ich mir selbst treu genug, dass ich im Kleinen, im einzelnen Gespräch wirklich für meine Meinung einstehe und dabei auch zuhöre? Wenn dabei solche Threads wie hier entstehen, ändert sich vielleicht nichts an der Welt. Aber meine kleine, ganz persönliche Welt wird dadurch durchaus wärmer. Ich bin verd… stolz auf viele wunderbare Sätze, die ich hier von Euch lesen kann. Das Abendland ist ganz offensichtlich nicht halb so rettungslos dekadent verloren, wie manche glauben mögen.
Wir haben Werte, die wir einbringen können, auf denen zu beharren sich lohnt, auch für jene, die scheinbar eingegrenzt werden: Das, was wir fordern, ist doch im Grunde gleichzeitig ein Freiraum, den wir anbieten können. Der gleiche Freiraum, den wir selbst auch spüren wollen.
AKA · 30. November 2009, 09:31 · #
Deine Gedanken erscheinen mir ebenso als Spiegelfechterei wie der geballte intellektuelle Fingerzeig.
Kein Wort über die globalökonomischen Zusammenhänge. Eiserne Krone hat das ganz treffend beschrieben: “Ein Schweizer Sprichwort sagt, man könne nicht den Fünfer haben und das Weckli. Mit der arabischen Welt Milliardengeschäfte machen, aber den Islam aus dem Land halten – das wird nicht funktionieren.”
Kein Wort auch über die Kampagne und die dahinter stehenden Demagogen, die sich schon eklig grinsend überlegen, wie die vier (!) bestehenden Minarette abgerissen werden und der Bau von Moscheen gestoppt werden kann. Kein Wort über die schon jetzt sichtbaren Konsequenzen – Angriffe auf Moscheen, Fremdenhass, Angst.
Egal ob bewusst oder unbewusst, gewollt oder ungewollt – wer es unter dem Deckmantel der direkten Demokratie ermöglicht, dass solche rassistischen, fremdenfeindlichen Demagogen Erfolg haben, soll sich bitte schön nicht hinterher hinstellen und sagen: “Ja wir, das Volk, wir meinten das aber nicht so.”
Doch, oh doch, meinten wir.
Es ist keineswegs eine Verschwörung der Medien, sondern die Kritik und das Entsetzen verdammt vieler gesellschaftlicher Gruppen und Bereiche, das die Medien abbilden.
“Schweizer lehnen Bau von Minaretten ab. Wenn sie jetzt noch die Kirchtürme einreißen, wird die Schweiz zum Hort der Vernunft.” Dieter Nuhr
Thinkabout @ Aka · 30. November 2009, 09:56 · #
Niemand will den Islam aus dem Land halten. Höchstens den Islamismus. Also genau jene Auswüchse, gegen die Du selbst anschreibst, unter denen Du all diese Diskussionen nicht (mehr) führen könntest. Dahinter liegt keine Spiegelfechterei. Im übrigen ist dieses Blog und sein Blogger jederzeit bereit, mit der gleichen Vehemenz die Scheinheiligkeit einer Bushadministration oder jeder anderen ölgetriebenen Demagogie bzw. jeder anderen politischen Spiegelfechterei mit klaren Worten zu begegnen.
PvC · 30. November 2009, 10:31 · #
Nein, “ganz Europa zeigt mit dem Finger auf uns” ist eine Pauschalisierung, nicht einmal die europäischen Medien haben eine derart einhellige Meinung. Ich kann nur die Stimmung um mich herum aus Frankreich wiedergeben, die auch nicht repräsentativ ist:
1. Die meisten wissen gar nicht, worum es ging. Die haben irgendwann mitgekriegt, dass die Schweizer auch endlich Frauen wählen lassen und jetzt immer ganz viele Menschen über irgendwelche Fragen abstimmen.
2. Die Intellektuellen fragen sich, wann die Trennung von Staat und Religion (alle!), die in Frankreich seit der Revolution gilt, endlich auch im übrigen Europa eingeführt wird. Und kritische Stimmen fragen sich, ob die Schweizer Banken ab sofort muslimisches Geld ablehnen etc.
3. Der Großteil, leider, nimmt die Schweiz eigentlich gar nicht so ernst.
4. Die Rechtspopulisten schreien Hurra und nehmen die Schweiz jetzt als Musterländle und Exempel her.
5. Und dann gibt es noch welche, die’s einfach nicht verstehen und den Kopf schütteln.
Schöne Grüße aus Säkularistan ;-) von einer, die sich fragt: Kann man denn, wenn man erst mal etwas per Volksentscheid festgeschrieben hat, nach “Annäherungen” wieder daran herumradieren? Oder ist das nur ein frommer Wunschtraum? Jetzt dürften die Fronten doch als solche endgültig festgeschrieben sein?
AKA @ THINKABOUT · 30. November 2009, 10:33 · #
Mit Verlaub, Du redest und schreibst Dir die Realität zurecht: “Niemand will den Islam aus dem Land halten.” Doch, genau darum geht es den Initiatoren der Kampagne.
Mir ist in diesem Zusammenhang auch völlig schnuppe, mit welcher Vehemenz gegen die Scheinheiligkeit einer Bushadministration oder jeder anderen ölgetriebenen Demagogie angeschrieben wird.
Denn an der entscheidenden Stelle fehlt diese Vehemenz: Gegen die Spiegelfechterei und Doppelzüngigkeit der derzeitigen Auseinandersetzung – euer Geld nehmen wir, euch aber nicht; eure religiösen Bauten verbieten wir, unsere abere nicht; Kirche und Staat trennen wir, bei euch mischen wir uns aber trotzdem ein.
LESENSWERT VON AKA · 30. November 2009, 10:53 · #
Selig sind die Belogenen von Bassam Tibi, der unter anderem schreibt, dass eine Aussperrung des Islam aus Europa nicht der richtige Weg ist, um dem Anspruch einiger zur Islamisierung der Welt entgegen zu treten.
“Eine erfolgversprechende Lösung kann nur darin bestehen, den Islam von seinem universalistischen Absolutheitsanspruch zu befreien und ihn an die pluralistische europäische Moderne anzupassen.”
Tibi propagiert einen mit der zivilisatorischen Identität Europas versöhnten “Euroislam”, der religiöse Pluralität anerkennt und verinnerlicht. Ob der Verbot von Minaretten dahin führt?
Zappadong · 30. November 2009, 11:05 · #
Liebe Petra
Wir haben in der letzten Abstimmung im September 09 etwas vor ein paar Jahren in einer Abstimmung Beschlossenes wieder rückgängig gemacht – weil es nicht funktioneirt hat. So viel zur Frage, ob das möglich ist (es ist ALLES möglich).
In fast jeder Abstimmung der letzten paar Jahre war das “Was denkt bloss das Ausland über uns?” ein zentrales Abstimmungargument. Für mich ist es keines mehr. Es darf keines sein. Wir müssen uns als Nation für das entscheiden, das wir für richtig halten – und dann notfalls mit den Konsequenzen leben (die da wären deine Punkte 1,3 und 5).
Für mich stellen sich bei einer Abstimmung folgende Fragen: Wie stehe ich ganz persönlich und ohne Interessenabwägung zu der Sache? Kann ich meinen Entscheid begründen und beantworten? Treffe ich meine Entscheidung aus Überzeugung? Wenn ich diese Fragen mit Ja beantworten kann, dann darf mir die Konsequenz meines Entscheids zwar Angst machen, aber ich muss sie tragen.
Genau das ist mir bei dieser Initiative passiert. Ich konnte nicht Ja-Sagen (Stellvertreterinitiative), aber eben halt auch nicht Nein (aus ganz vielen Gründen). Ich habe leer eingelegt und lebe jetzt damit, zum “xenophoben Sauhaufen” zu gehören, den man nicht ernst nehmen muss.
Eines hat mich diese Abstimmung und vor allem deren Folgen gelehrt: Ich weiss jetzt, wozu Menschen verbal fähig sind. “Dummschweizer mit vermummter Frau im Ackermann-Vögli Look” ist nur eine der Bezeichnungen, die ich mir jetzt von jenen anhören muss, die sich moralisch im Recht glauben – xenophober Sauhaufen eine andere (nein, es sind nicht die von der SVP, die das sagen …).
Sicher ist eins: Das Klima in der Schweiz ist sehr rau geworden.
Inga Wocker · 30. November 2009, 11:45 · #
Ich habe gerade eine interessante Website zu Nathan der Weise, ein Paradestück für Toleranz unter den Religionen entdeckt, hier ein Auszug (der gesamte Text findet sich unter http://www.al-sakina.de/inhalt/artikel/lessing_islam/lessing_islam.html#IV):
Im Koran heißt es: „Wenn Gott gewollt hätte, hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinde gemacht.“ Die Pluralität der Religionen ist Gottes Wille, sowie die Vielzahl der Ringe der Wille des Vaters war – wer hat dann das Recht oder eine Begründung dafür einer anderen Religion ihre Existenzberechtigung abzusprechen? (…)
Ein Wettstreit im Guten ist der Weg, die Wahrheit der eigenen Religion zu erweisen. Dafür gibt es auch eine biblische Parallele: In Matthäus 7:20 heißt es über die Unterscheidung von wahren und falschen Propheten: „Also werdet ihr sie an ihren Früchten erkennen.“ Dass sich der wahre Glaube im guten Verhalten erweisen muss, ist auch ein wichtiger Grundsatz im Islam: So lautet ein bekannter Ausspruch des Propheten: „Ad-Dînu Mu’âmala“ – „Religion ist Verhalten.“ (…)
Also: zeigen wir durch unser Tun, was Toleranz, Anerkennung, Wahrheitssuche, etc. für jeden ganz persönlich bedeutet und nehmen den anderen in seiner Art ernst. Nur so können wir friedlich und verständnisvoll miteinander leben.
Thinkabout @ Aka · 30. November 2009, 12:42 · #
#17
Es mag durchaus sein, dass die Motive der Initianten der Initiative sich nicht mit den meinen decken. Deswegen aber in der Sachfrage nicht gleicher Meinung zu sein und dies auch zu äussern, hiesse, einer inneren Unlauterkeit zu erliegen – und damit genau so wenig glaubwürdig zu sein wie so manche rechtsaussen liegende Parolendrescher. Nein, es geht gerade darum, Energie und Mut zur Differenzierung aufzubringen.
Und Ihre Beispiele am Ende sind unsachlich bis falsch:
Wir haben durchaus eine nach wie vor rechtsstaatliche Ordnung für alle, und wir schliessen keine Muslime aus. Die Ausübung der Religion ist ebenfalls in keiner Weise beschnitten. Und Ihr Hinweis auf die Trennung von Kirche und Staat schiesst sich selbst ins Bein: Gerade diese Trennung ist für den Islam nicht vollziehbar, und genau darin liegt ein Kern des Problems. Legt man nämlich die Massstäbe der Trennung von Kirche und Staat konsequent an, muss sich der Islamismus sehr viele sehr konkrete Fragen stellen lassen – die er nicht im Sinne dieser “Gewaltentrennung” beantworten kann.
Thinkabout @ Inga Wocker · 30. November 2009, 12:55 · #
Ganz herzlichen Dank für Ihren Kommentar!
Ich glaube, wir werden genau solche tieferen Einblicke und Diskussionen bzw. den interreligiösen Austausch brauchen, um auf diesem Weg des Miteinanderlebens voran zu kommen. Die Krux wie die grosse Chance liegt wohl darin, dass die direkt Betroffenen, also die Gläubigen aller monotheistischen Religionen diese Schritte auf einander zu machen müssen. Gelingt das, so ist das für jede Gemeinde (im politischen Sinn) ein unermessliches Plus an Vielfalt, Integration und sozialem Frieden.
Ich weiss nicht, ob es Sie überrascht: Nathan der Weise ist neben “Andorra” mein absolut liebstes Theaterstück. Dass ich mir vor längerem von einem der ganz liberalen Geister hier anlesen musste, Nathan der Weise wäre Ausdruck des Inbegriffs des Gutmenschendünkels, beleuchtet eine andere Facette des Problems. Wirklich ermessen können, wie zentral die gelebte Glaubenstoleranz ist, können wohl nur die Gläubigen dieser Religionen, die sich intern gegen radikalisierende Strömungen zu wehren haben und wehren möchten. Ihnen muss von Staats wegen - und damit durch die demokratische Willensäusserung aller Bürger - Mut gemacht werden.
Es liegt an uns, das Nein zu Minaretten in ein Ja zu echter Toleranz in spirituellen Fragen zu übersetzen.
Richard · 30. November 2009, 14:40 · #
das wesen einer demokratie ist mehrheitsmeinungen zu akzeptieren aber auch den freiraum den eine demokrtaie einem ja gibt, sonst ist es keine demokratie, nutzen zu können um meine eventuelle minderheitsmeinung mehrheitsfähig zu bekommen.
richtig ist wenn man gestern in den diversen medien die berufsbetroffenen gehört hat, man könnte zweifel an den eidgenossen bekommen, nur frage ich mich als affeniner deutscher – woran? siehe oben.
AKA · 30. November 2009, 15:16 · #
Mehrheitsdemokratie oder Diktatur der Mehrheit?
Menachem · 30. November 2009, 16:46 · #
Bereits in der kleinsten Zelle der Gemeinschaft, der Ehe, gibt es für mich u.a. drei Dinge, dessen Ausgewogenheit kein einfach Ding ist:
Macht
Vertrauen
Respekt
Ist Toleranz überhaupt die richtige Frage? Zuletzt schrieb Thinkabout hier über die Frage des Vertrauens, und ich fragte mich, kann Vertrauen jemals wieder frei jeden Verdachts sein, wenn es enttäuscht wurde?
193 Stufen tief unter der Erde, wie lebendig begraben, eng und schmal, fährt die District Line durch London, und ich bewundere sie, wie gelassen sie in ihren Büchern und Zeitungen lesen, mindestens 2-mal am Tag, und ich – habe tierische Angst, weil mir auf einmal wieder einfällt, hier war doch was, noch garnicht so lange her, viele Tote und Verletzte.
Vertrauensbildende Maßnahmen.
Wer einmal enttäuscht hat oder enttäuscht wurde, der weiß, wie lange es braucht, wenn übehaupt.
Auch das Christentum hat Jahrhunderte gebraucht, bis nach Kreuzzügen und Hexenverbrennung auf Kirchentage wieder Menschen vieler Nationen sich die Hände reichen. Es geht.
Auch in Tel-Aviv schwärmen junge Leute von Berlin, und alle wollen hin. Fantastisch. Da ist auch was für getan worden, oder anders, unterlassen worden. Es geht.
Ich denke das alle Seiten gefordert sind, ein gestörtes Vertrauen, ob berechtigt oder nicht, das kann ich nicht beurteilen, wieder entstehen zu lassen.
Ich glaube auch, das im Kern kein Mensch etwas gegen Religionsfreiheit hat, ob mit Minarett oder Kirchtum, solange ich angstfrei vor diesem Hintergrund U-bahn fahren kann.
Thinkabout · 30. November 2009, 17:47 · #
Noch etwas zur Frage einer funktionierenden Demokratie: In der Tat ist diese qualitativ so gut, wie sie ihre Minderheiten behandelt. Das bedeutet: Stimmen 43% gegen eine Vorlage, sind sie ernst zu nehmen (abgesehen davon könnte man, wie Menachem, auch mal festhalten: Immerhin 43% haben abgelehnt). Die Schweiz und die Schweizer sind ganz sicher nicht dafür bekannt, dass sie das nicht wüssten, zumal wir alle immer wieder Teil wechselnder Mehrheiten sind. Wir alle waren schon in der Minderheit, und das System mit fünf grösseren Parteien hilft mit, dass man nie vergisst, dass man einander braucht. In der Schweiz von einer diktatorischen Demokratie zu sprechen, ist daher eine ganz grobe Verkennung der Realitäten. Ich bin vielmehr überzeugt, dass es kein demokratischeres System gibt. Weltweit.
Wenn angeführt wird, eine direkte Demokratie dieser Prägung wäre problematisch, weil sie die Menschenrechte oder andere übernationale Rechtsempfindungen tangieren, sprich missachten könnte, dann erlaube ich mir, zu bemerken, dass alle diese Menschenrechte durch ähnliche politische Prozesse errungen worden sind. Die grundsätzlich mögliche Wandelbarkeit gilt für alle Rechtsgüter. Gerade das würde man sich ja auch von muslimischen Grundsätzen wünschen, die allzu unverrückbar in der Gegend stehen. Manchmal.
tin · 30. November 2009, 18:44 · #
Wie müsste man das Letzte jetzt verstehen? Dass das Menschenrecht auf Religionsfreiheit jetzt also doch zur Disposition stehen soll? Wollen wir also das Rad der Geschichte doch zurückdrehen?
PvC · 30. November 2009, 19:30 · #
Ja, die Menschenrechte sind errungen worden. Und genau deshalb gibt es in der Europahauptstadt Strasbourg den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, an dem der Schweizer Volksentscheid durchaus verhandelbar wäre.
Übrigens, im Land der Menschenrechte Frankreich könnte man sich Anregungen holen:
1. Der Staat ist säkular = Trennung von Staat und Religionen (nicht nur Kirche). Dass das auch für Muslime ein gangbarer Weg ist, anders als hier behauptet, zeigt die Zahl derer, die freudig die fr. Staatsbürgerschaft mit allen Rechten und Pflichten beantragen.
2. Trotz der Säkularität FÖRDERT der Staat den Bau von Großmoscheen, mit denen Austausch möglich ist. Warum? Weil die Extremisten sich in kleinen zweifelhaften Klitschen verstecken. In den Löchern ohne Minarett. (Anekdote am Rande: In unserem Dorf hat der muslimische Bauunternehmer die Kirche restauriert).
Und das vermisse ich hier in der Diskussion: die saubere Trennung von Muslimen (Gläubigen) und Islamisten (Politischen), die in den meisten Fällen nur den Glauben vorschieben und auch vielen Muslimen ein Gräuel sind.
Bombenlegende Katholiken und Protestanten sind da von “Religion” oft genauso weit entfernt – da stellt man Religionen nicht unter Generalverdacht.
Ich persönlich glaube nicht, dass man durch eine bereits zugeschlagene Tür noch die Hand reichen kann.
Thinkabout @ TIN · 30. November 2009, 19:30 · #
Nein, TIN. Es heisst nur, dass die Religionsfreiheit bei derjenigen des Nächsten aufhört, und dass demokratische Entscheide sehr wohl die Menschenrechte begründen, sie aber auch weiter entwickeln können. Von einer leichtfertigen Preisgabe irgendwelcher Rechtsgüter spricht kein Mensch.
tin · 30. November 2009, 20:06 · #
Hmm – was kann man an einer Freiheit noch “weiter entwickeln”?
Marianne · 30. November 2009, 20:47 · #
Heute an den Nachrichten von SF1: Die gebildeten Leute stimmten Nein. Es ist das einfache Volk, das sich von den Plakaten und den geschürten Aengsten beeinflussen liess und darum Ja stimmte.
Das kann man, wenn man durchaus will, auch so sehen. So kommt man elegant aus der Verlegenheit heraus, doch noch das Einte oder Andere überdenken zu müssen.
Thinkabout · 30. November 2009, 21:28 · #
@Marianne
Warum werden solche Analysen als pfannenfertige Erkenntnisse 24 Stunden nach der Abstimmung präsentiert? Von einem Haus, in dem ein Herr Longchamp zehn Tage vor der Abstimmung dieser Initiative Chancenlosigkeit unterstellte?
Übrigens dürfte gerade unter den Gebildeten die Scheu besoners gross gewesen sein, öffentlich zu erklären, was man stimmen würde. Nirgends gehört es so zum guten Ton, liberal zu erscheinen, wie in der Bildungs“elite”.
tin · 30. November 2009, 21:34 · #
Ganz offensichtlich müssen sehr, sehr viele NEIN gesagt, aber JA geschrieben haben.
Neon · 3. Dezember 2009, 00:10 · #
In den letzten Monaten wurde seitens der Befürworter eines Minarett-Verbotes oft argumentiert, dass der Islam (=Frieden übersetzt ins Deutsche) intolerant, bestimmend, gar unterdrückend und rückwärts gewandt ist. Ist denn etwa ein Minarett-Verbot tolerant, liberal und fortschrittlich?
Das Argument, die Schweizer Politiker würden Toleranz mit Duckmäusertum verwechseln, ist meiner Meinung nach ungültig. Dass ein Vater Kruzifixe im Schulzimmer nicht haben möchte, oder nicht möchte, dass im Lehrbuch seines Kindes Schweine vorkommen, sind Einzelfälle. Auch dass die meistens Dispensationen für den Schwimmunterricht aus muslimischer Seite kämen, entspricht nicht der Wahrheit. Trifft nämlich auf die Freie Kirche zu. Wie auch immer… Ist ein Minarett-Verbot die Lösung dafür? Nein! Dieses Resultat war meiner Meinung nur möglich, weil viele Schweizer und Schweizerinnen nicht mehr vom Islam wissen und sich auch diesbezüglich nicht aufklären wollen, als was tagtäglich in den Medien und von Politikern gesagt wird. Seit 2001 wird in den Medien fast täglich von irgendwelchen Anschlägen, Terrorplänen, fundamentalistischen Muslimen etc. etc. berichtet. Ich habe noch NIE einen Beitrag gesehen, welches die guten Seiten des Islams aufzeigt oder zumindest die Gemeinsamkeiten zwischen Christen, Juden und Muslimen aufzeigt, von denen es eine Vielzahl gibt!!! Statt dessen werden Unterschiede betont. In diesem Sinne beginnt schon mancher Schweizer Politiker den Satz mit:” Wir und die Muslimen…”. So wird aus einem Minarett ein Machtsymbol, aus einer Moschee wird eine Brutstätte für zukünftige Terroristen, aus Muslime kriminelle, intolerante, nicht-integrierte Ausländer, welche sich sowieso nicht anpassen möchten und ihre Frauen unterdrücken. Und deshalb müssen jetzt Minarette, Burkas, Kopftücher verboten werden? Damit die Grenzen aufgezeigt werden und man danach gemeinsam den Dialog sucht und sich wieder die Hände reicht? Wieso denn auch? Sind denn die Muslime ohne Minarett bessere Muslime? Ist ein Dialog ohne Minarett einfacher? Sind denn nun die Ängste der Nicht-Muslimen in der Schweiz verschwunden? Ist der Islam ohne Minarett in der Schweiz nun toleranter, gar fortschrittlicher? Das ist ein Widerspruch! Man kann ein Minarett-Verbot interpretieren wie man möchte, aber hier geht es nicht darum, die Schweizer Kultur zu bewahren, sondern schlicht und einfach um Ängste vor dem Fremden, Vorurteile, Xenophobie und damit letztendlich darum, die Gesellschaft zu spalten. Und die rechten Politiker werden fröhlich diese Tendenz fortführen, weil sie wie auch schon in der Vergangenheit, mit dieser “billigen” Politik Wähler für sich gewinnen können. Die rechten Parteien werden mit dieser Politik die Ausländern nicht zu Schweizern machen und auch nicht die Ängste in der Gesellschaft verringern, denn in der Aufrechterhaltung dieser Ängste liegt ihre politische Strategie und damit auch ihre politische Macht.
Ich glaube, dass jetzt vor allem wichtig ist, dass wir nicht darüber diskutieren, ob ein Minarett-Verbot nun richtig war oder nicht. Das wird nur dazu führen, dass irrationale Entscheidungen getroffen werden, aus falscher Motivation heraus. Die Abstimmung ist vorbei, daran lässt sich nichts mehr ändern. Aber wir sollten doch die Gelegenheit dieser Diskussion nutzen, um uns mal ehrlich die Frage zu stellen, ob und wie man die Ängste überwinden möchte und ob eine Strategie der Betonung und der Ausgrenzung Menschen anderer Kulturen und die Ausgrenzung einer anderen Religion langfristig die richtige Lösung ist?
Thinkabout @ Neon · 3. Dezember 2009, 08:36 · #
Vielen herzlichen Dank für diesen ausgewogenen Kommentar, den Sie zudem mit einem ganz wichtigen Blick in die Zukunft abschliessen: Wie bauen wir die bestehenden Ängste ab? Wie fördern wir die offene Diskussion – und damit auch die Wortmeldungen und die Mitsprache zum Thema im islamischen Teil unserer Bevölkerung?
Torch · 4. Dezember 2009, 08:27 · #
@Neon: Super Gedanke, hat mich sehr gefreut so etwas zu lesen!
Die Rechten unsers Landes haben das politische Potenzial der Xenophobie früh erkannt und es sich zu nutzegemacht. Ein Blick zurück:1964 Schwarzenbach Initiative(Nebenbemerkung:Schlüer, der Initiant der Minarettinitiative, war damals der Sekretär der SchwarzenbachInitiative). Die Linken, so habe ich das Gefühl, haben dieses “Problem” lange vor sich vergeschoben, was auch dazu führte das staatlich Verordnete Deutschkurse erst spät zur Verfügung gestellt wurden —> Es wurde besispielsweise akzeptiert das es Menshcen in diesem Land gibt die bereits seit 40 Jahren in der Schweiz wohenen und kein Wort Deutsch sprechen. Erst in den letzten 10 Jahren wurde die Integrationsarbeit vertieft. 10 Jahre, das ist doch eine recht kurze Zeit…
Wir müssen uns für einen vertiefteren Dialog einsetzen,v.A. wir Moslems müssen in der Öffentlichkeit mehr auftretenund uns zu Wort melden.
Thinkabout @ Torch · 4. Dezember 2009, 08:55 · #
@Torch
Wenn Debatten wie diese zu solchen Kommentaren und zu einem angeregten offenen Miteinander führen, dann jubelt mein Herz. Danke.
Sie sprechen etwas ganz Wichtiges an:
Zeit. Und Gelassenheit gegenüber momentanen Erruptionen. Die wirkliche integrative Kraft der Schweiz und der Schweizer ist viel größer, als man im Moment meinen mag. Es ist keine Schande, dafür zu konstatieren, dass mehr Offenheit und mehr Miteinander gelernt werden muss – und wir werden dafür Menschen wie Sie brauchen, die sich einbringen.
SeelenLeerer · 4. Dezember 2009, 20:43 · #
Lieber Thinkabout
Die Initianten werden diese Form des aufeinander zu gehens sicherlich nicht wollen und schon gar nicht fördern. Damit würden sie bloss ein Feindbild und wertvollen Stimmungsmacher verlieren und Geld würde es sicher auch kosten. Leider werden sie sich nach dieser Mobilmachung eher zusätzlich noch bestärkt darin fühlen, als einzige wahre Patrioten einen Wählerauftrag zu besitzen und darin haben sie ALLE Ja-Sager bestärkt, egal mit welch hehrem Motiv.
Dem Dialog ist das meiner Meinung nach nicht dienlich.
Thinkabout @ Seelenleerer · 4. Dezember 2009, 21:06 · #
Ich habe ähnliche Bedenken, wurde aus diesem Grund auch für mein Ja zur Initiative kritisiert. Für mich war einfach ganz klar, dass
1)
meine Meinung nicht deswegen ungesagt und stimmlos beliben kann, nur weil ich mich einmal – wenn auch aus anderen Motiven – auf der Seite der ganz Rechten wiederfinde; es gehört zur Demokratie der Schweiz, dass man in Sachfragen immer wieder ganz andere Mehrheiten bildet, und dass sich die Bürger, wie man gesehen hat, dabei nicht nach einer Parteizugehörigkeit richten sondern im Einzelfall frei entscheiden. Eine Entscheidungsfreiheit, die sich auch Parlamentarier immer sehr ausdrücklich ausbedingen. Es gibt bei uns keinen Fraktionszwang im Bundeshaus. Nicht einmal derSVP gelingt dessen Durchsetzung wirklich, und wenn sie es versucht, führt das zu einer Absplitterung (BDP).
2)
Völlig unabhängig vom Resultat ich mich mehr engagieren würde – auch, um den Austausch zu fördern. Ich werde mich also anders verhalten und andere Schlüsse aus dem Ergebnis ziehen. mehr kann ich nicht tun. Zur Zeit schreibe ich viel. Das meiste allerdings geht in Mails, und ist hier oder in der Beiz 2.0 nicht mal ersichtlich. Wir werden sehen, was daraus wird und wie weit es gelingt, den Austausch unter einander zu fördern und aus quasi neutraler Warte einen Beitrag zu einer Versachlichung zu leisten.
SeelenLeerer · 4. Dezember 2009, 21:51 · #
Dir nehem ich diesen Wunsch auch gerne ab, doch Du bist leider nicht Politiker und die bestimmen leider die weitere Agenda.
Finn · 4. Dezember 2009, 22:51 · #
Kann es sein, dass der Schweizer mit seinem “Helefer-Syndrom” das Minarett-Verbot angenommen hat, aus Sorge den “Betroffenen” (=den Muslimen) gegenüber? Und somit das Minarett mit Zwangsehen, Beschneidung, Unterdrückung der Frauen, Steinigung etc. verbunden hat, und so etwas von Grund auf nicht unterstützen kann? – Setzt allerdings voraus, dass sich viele gar nicht/zu wenig/kaum mit der Initiative auseinandergesetzt haben…
Kann jemand noch kurz erwähnen, was genau gegen ein Minarett steht? Was mir einfällt sind die Lautsprecher, aus welchen Gebete in fremder Sprache kommen. Aber müsste es dann nicht eher eine Abstimmung dafür geben, ob es überhaupt Lautsprecher geben darf. Wie laut, Nachtruhe usw.?
Sind wir sicher das mit der Annahme des Minarett-Verbots, anschliessende islamistische Traditionen auch abgelehnt werden, z.B. ein Burka-Verbot? Wird sich die Schweiz am Ende nicht doch durchringen und wieder Vorbild sein wollen?
Chris · 7. Dezember 2009, 11:42 · #
Nun muss sich also die Schweizer Regierung schämen und beim Ausland für ihr islamophobes Volk entschuldigen.
Aber sind wir wirklich islamophob? Eine Phobie ist eine unangemessene, uebertriebene Angstreaktion auf eine ganz normale Situation. Wenn man aber ueber Jahre tagtaeglich am Fernseher eine unaufhoerliche Mordserie an unschuldigen Menschen mitverfolgen muss, verbunden mit Hasspredigten, Drohungen und katastrophalen Menschenrechtsverletzungen, die mit Koranversen begruendet werden, dann meine ich, ist es eine angemessene Reaktion, Angstgefuehle zu entwickeln. Ich meine, das müssten auch Politiker und sogar friedliebende Muslime verstehen können.
Auch Angst zu empfinden, ist ein Menschenrecht.
Viele meiner persoenlichen Freunde – Muslime und Nichtmuslime – sind aus Angst vor Muslimen in die Schweiz geflohen. Diese sind nun sehr glücklich über das Abstimmungsresultat.
Ich schaeme mich nicht für den Minarettentscheid, ganz egal, ob es nun ein Entscheid gegen das Minarett oder gegen den Islam war. Die Gewalt, die im Namen des Islam weltweit veruebt und verherrlicht wird, hat mir oft den Schlaf geraubt. Ich bin ja von Berufes wegen gezwungen, mich tagtäglich mit diesen Dingen zu beschäftigen. Nun bin ich glücklich und stolz darauf, dass das Schweizer Volk als erstes der Welt hier mal einen klaren Protestschrei eingelegt hat. Und im Namen des Schweizer Stimmvolkes fordere ich als Islamspezialist die Schweizer Politiker auf, sich nicht beim Ausland für ihr vermeintlich angsthasiges Volk zu entschuldigen, sondern den muslimischen Staaten zu erklären, dass unser Volk aus verständlichen Gruenden Angst hat.
Diese Furcht ist nichts anderes, als eine ganz normale menschliche Reaktion auf ihre seit 14 Jahrhunderten ungeloesten und ungebändigten Gewaltprobleme.
Das Schweizer Volk will mit diesem Entscheid sagen: “Liebe muslimischen Brueder, bitte geht über die Bücher und streicht die Gewalt- und Diskriminierungsverse aus dem Koran und dem Leben Mohammeds, und wir werden sofort unsere Ängste verlieren! Und wenn Ihr das nicht könnt, dann verbietet uns wenigstens nicht, wie ganz normale Menschen Angstreaktionen zu entwickeln.
Man muss nicht den Esel schlagen, der wegen einer Schlange den Gehorsam verweigert, sondern die Schlange vertreiben. Oder ihr wenigstens die Giftzähne ausreissen. Dann wird der Esel wieder gehorchen. Auch wir Schweizer gehorchen unserer Regierung normalerweise gerne. Und wenn wir es in diesem Falle nicht tun, dann beachtet bitte die wahren Gründe dafür, bevor ihr Euch für uns schämt.
In Jesu Liebe verbunden