Sind wir auch stolz auf "unsere" Jungen?
Die Jugend ist das Kapital einer Nation. Wenn das nicht nur ein Schlagwort ist, dann ist es die Lebensgrundlage einer Gemeinschaft.
Christoph Bertram hat heute im Echo der Zeit auf Radio DRS1 von seinen Eindrücken aus Norwegen berichtet. Der Sicherheitsexperte verbringt jeweils den Sommer in Norwegen.
Er erzählte von der ausgeprägt familiären Gesellschaftsstruktur in Norwegen, in der Kindern wirklich noch besondere Bedeutung zugedacht werde. Eine inhaltliche Kernaussage war:
Die Norweger sind sehr stolz auf ihre Jugend – und auf die Zukunft, die sie ihnen bieten können.
Das sind starke, sehr starke Sätze. Und sie lassen mich fragen: Liesse sich das so auch von der Schweiz sagen? Ich kenne Norwegen nicht, aber ein paar Norweger, und auch wenn man alle Empathie, die nun dem Drama um die Anschläge auf Jugendliche geschuldet ist, abzählt, bleibt wohl ein kerniger Unterschied bestehen:
Ich vermute, dass wir genau in solchen Kernaussagen und –fragen längst nicht mehr eine Nation sind: Würden wir, nur so zum Beispiel, von “unseren Jungen” reden? Oder auch von “unseren Alten”. Wir ersetzen doch “uns” durch “die”. Gerade die generationenübergreifende Solidarität hat wohl wie nichts anderes in unseren Lebensgemeinschaften in den letzten Jahrzehnten gelitten. Es wäre höchste Zeit, den Trend zu bekämpfen.
Dazu gehört, wie hier schon oft betont, dass wir in unserer Jugend und ihrer Ausbildung, aber auch in ihrer Erziehung in einem freiheitlichen, demokratischen, dabei aber auch sozial verantwortlichen Staatswesen das allergrösste Kapital der Nation sähen – und allen wirtschaftlichen Krisensituationen vor allem eines entgegen setzen sollten: Die Ausbildung unserer Jungen – und der jung Gebliebenen. Norwegen besitzt zusätzlich noch Erdölvorkommen. Unser wichtigster und wertvollster Rohstoff ist das so genannte Humankapital in Form von nachstrebenden Angestellten und Unternehmern, die auch Staatsbürger sind. Hier ist jeder investierte Franken wertvoll. Und bringt Zinsen.
Dazu gehört die grösstmögliche gesellschaftliche Unterstützung und Führung, und damit auch das Beispiel. Wir sind den Jungen gegenüber also immer in der Pflicht. Und so tragen wir auch als älter werdende Säcke dazu bei, dass es uns vor der Zukunft nicht bange werden muss. Und die Jungen gerne älter werden. Und weitergeben, was sie hoffentlich an Unterstützung erfahren dürfen.

zentao · 28. Juli 2011, 13:49 · #
Lieber Kurt
in meinem Umfeld kenne ich nur Jugendlich, auf die ich durchaus Stolz sein Kann. Die schlechte und pöbelnde Jugend kenne ich nur aus den Medien. Wer hat jetzt Recht? Oder ist das alles nicht so schlimm? Die Wahrheit liegt wohl wie immer in der Mitte.
Auf die Jugend auf die es ankommt, bin ich stolz.
Liebe Grüsse Erwin (zentao )
Relax-Senf · 29. Juli 2011, 13:49 · #
Schliesse mich der Sicht von Zentao an. Kostenpflichtige-, Gratis- und Online-Medien müssen täglich einen minimalen Umfang von Seiten produzieren. Nicht zuletzt deshalb, damit man nicht vor lauter Werbung keine News Häppchen mehr sieht. Deshalb erfahren wir auch von der letzten Schlägerei in Hintertupfingen und dies wiederum ist der Grund, warum uns täglich eine Flut von schlechten News erreicht. Sind keine News sondern schlicht schlechte Geschichten, bzw. Alltagsereignisse.
Im Quartier in dem ich seit 30 Jahren wohne, sind aus allen Jugendlichen solide Erwachsene geworden. Nach der Statistik werden in Zukunft einige von ihnen geschieden sein, Alkoholiker werden aber wohl keiner um Asyl ausserhalb der Schweiz nachfragen. Höchstens um Asyl bei den Eltern, wenn, s. o., die Scheidungskeule zuschlägt.
Die ganze Statistik hilft natürlich dann nicht, wenn man selber Opfer von Jugendgewalt wird, was ein konkretes Restrisiko bleibt. Wir fliegen aber auch durch die Welt und besteigen täglich Autos, obwohl das Restrisiko besteht diese Aktivität nicht zu überleben.
Deshalb das Haus nicht mehr zu verlassen ist keine Lösung. Auch im Bett stirbt man irgendwann und hat dann auch viel verpasst, denn das Leben findet nicht nur im Bett statt. Die richtige Mischung macht es aus, dann geht man gern ausser Haus und freut sich anschliessend wieder aufs Fest oder die Ruhe zu Hause.