Sitzen bleiben
Jemand, der mir viel bedeutet, der mich in all meinen intellektuellen Versteigungen immer mal wieder ans Kletterseil zurück führt, schreibt mir von seiner Erinnerung als Kind:
Wir hatten den blauen Brief bekommen, dass ich sitzen bleiben würde.
Peng! Ich kann versuchen, die höchsten Gefühle in Reimen auszudrücken, kann nach den Schwingungen darin suchen und Strophen aus simplen Worten machen. Ich kann tausend Worte finden. Die Worte da oben haben schon alles gesagt.
Wir wissen, was wir daraus zu fühlen haben, das Denken setzt ein. Wir können gar nicht anders als uns berühren lassen.
Was bedeutet es für ein Kind, diese Situation zu erleben? Und wie gehen wir mit ihm um, damit es eben nicht sitzen gelassen wird? Wie demaskierend und passend kann diese Formulierung sein? Und wie traumatisch das Erleben?
Dieses Kind ist heute einer meiner besten Kameraden, und alles, was ich von ihm weiss, lässt mich vermuten, dass er sehr viel mehr Lebensenergie hat und auch haben musste, als ich wohl je aufbringen werde.
Wir lassen uns nicht sitzen. Und schöpfen aus einem Reichtum, der aus allen diesen Stürmen gewachsen oder durch sie entdeckt worden ist.

Caro · 26. März 2008, 21:39 · #
Manchmal ist dieses “Sitzenbleiben” durchaus auch eine Chance: Wiederholen von bereits Gehörtem, Vertiefen, Anlauf nehmen für das Leben! Aber dies wird wohl erst im späteren Leben so wahrgenommen.
Im Augenblick des Erlebens jedoch erspart es unsere Gesellschaft dem Kind nicht das Gefühl des Versagens, anstatt es auf die immense Chance dieser Möglichkeit hinzuweisen.
Vielgerühmtes und -zitiertes Beispiel: Albert Einstein.