Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


SMS zum Tag: Sind Sie eine Enttäuschung?

∞  30 Mai 2007, 22:09

Enttäuschen sie gerade jemanden?
Ihre Eltern?
Sich selbst?
Woher kamen die eigenen Erwartungen und die von aussen?
Wir müssen nicht immer, was wir nicht wollen.




Erwartung und Enttäuschung sind verhängnisvolle Geschwister.
Wir alle leben mit Projektionen. Menschen, die “es gut mit uns meinen”, sehen Dinge für uns vor, ohne uns zu fragen, ob uns dies angenehm ist. Aber wir wollen gefallen, empfinden Dankbarkeit und Fürsorge. Daraus entwickeln wir aufrichtig gemeinte Rollenbilder, in denen wir als Sohn oder Vater und Mutter bestehen wollen.
Wir imitieren und übernehmen Aufgaben, die uns anerzogen wurden – oder wir deuten sie um, wenn wir darunter gelitten haben. Aber abstreifen können wir diese Dinge selten.

Dabei muss der innere Widerstand gegen diese Mechanismen gar nicht unterdrückt werden: Die wenigsten unter uns wollen zum Schaden anderer die eigene Existenz bestimmen.
Oft sind wir sogar so unsicher, was wir wirklich brauchen, dass es uns leichter fällt, für andere fürsorglich zu sein als gütig zu uns selbst.

Aber unser Motor läuft nicht ohne Kraftstoff. Wir brauchen Energiezufuhr. Nichts ist so wichtig wie unser Selbst, und keine Lebensaufgabe, kein Mensch auf dieser Welt kann wichtiger sein als der eigene gesunde innere Antrieb, für die wir Energie brauchen und dafür uns auch zurück ziehen dürfen.

Genau so, wie wir selbst für uns verantwortlich sind, dürfen wir auch von anderen erwarten, dass sie sich selbst nicht täuschen wollen: Auch sie können nämlich nicht nur mit unserem Beistand stark sein. Sie müssen diese Stärke aus sich selbst entwickeln. Wir können nur Beihelfer auf diesem Weg sein. Das macht frei und nimmt Druck von uns.

Denn keine Erwartung an uns darf zu einem Gefängnis werden. Keine eigene und keine Fremde. Und niemand hat das Recht, über uns zu verfügen. Also dürfen wir die Macht über uns zurück haben wollen. Erst dann können wir uns nämlich mit Liebe auf andere zu bewegen. Freiwillig. Als wirkliches Geschenk.


  1. Tina · 31. Mai 2007, 06:04 · #

    Ent – Täuschung
    Wäre das Erkennen nicht mit so vielen schmerzlichen Emotionen verbunden, könnte man froh sein, eine Ent -Täuschung zu sein.
    Eine Hilfe, anderen die Irrlichter aufzuzeigen, denen sie nachlaufen und den realen Sachverhalt zu erkennen.

    Meiner Meinung nach entstehen sie oft durch Höflichkeit statt Ehrlichkeit. Dadurch werden Möglichkeiten vorgegaukelt, die man gerne glauben möchte und sich darauf einläßt – und man wird seiner Zeit und seiner realistischen Selbsteinschätzung beraubt.

  2. Gabi · 1. Juni 2007, 11:12 · #

    Und wieder sind Deine Worte wie ein Geschenk für mich.
    Du erinnerst mich immer wieder, was ich manchmal für mich selbst scheinbar vergessen hatte.
    Die meisten Deiner Einträge geben mir Kraft, Trost, Zuversicht und Stärkung für das Kommende.
    Danke.
    Danke Thinkabout, gut dass es Dich gibt!
    Herzliche Grüße
    Gabi

  3. Margit Farwig · 1. Juni 2007, 20:26 · #

    Ich bin immer wieder eine Enttäuschung. Bin immer nett und freundlich, kehre nicht mein klägliches Wissen raus, halte an mich. Schon werde ich in eine Schublade gepackt. Bleibe immer freundlich, bis mich diese Nervensägen völlig falsch erkannt haben. Dann muss ich Klartext reden und den hören sie nicht so gern. Wie es mir jetzt auch mit dem Wortklau ergangen ist. Dann bin ich unerbittlich. Na so watt!!!
    Dann haben die eben Pech gehabt, mich zu verlieren. Tzzz….


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