Mein Schreiben, mein Atmen

Manfred Hinrichs Ausspruch beschreibt meine Motivation für dieses Tagebuch meines Denkens und Fühlens.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.


Verkaufen geht nicht ohne Persönlichkeit - und kaufen?

∞  29 Oktober 2009, 17:26

Immer wieder ist es ein Schock: Dieser schleichende Verlust an Nähe, der sich in plötzlich eingeschränkter oder gleich ganz ausbleibender Kommunikation ausdrückt.

Der Kunde wird anderswo glücklich. Das geschieht dem besten Verkäufer hin und wieder. Aber es ist nicht immer leicht, das nicht persönlich zu nehmen, mag es noch so sehr nicht so gemeint sein.

Wie also jemandem raten, er solle getrost eine Verkäuferkarriere versuchen? Man bietet immer ein Stück weit sich selbst an: Wer aufmerksam genug zu sich selber ist, weiss, dass man nicht ungestraft sagen kann: “Das Produkt X ist klasse”, wenn man es innerlich besser weiss.

Wer verkauft, bezieht Position. Er exponiert sich. Er setzt sich in gewisser Weise einer Prüfung aus. Mir kommt es so vor, dass es immer weniger Verkäufer gibt, die sich ds bewusst sind. Die Käufer vielleicht auch nicht… Mir scheint, dass wir als Konsumenten eine immer höhere Schmerzgrenze in Kauf nehmen, wenn es darum geht, geprellt zu werden.




Kommentare

  1. zoee · 29. Oktober 2009, 21:29 · #

    kommt es denn nicht auch immer darauf an, wo man kauft? in einem grossen elektro-geschäft erwarte ich gar kein persönliches interesse an mir als kunden, im einzelhandel jedoch schon.

    das ist ähnlich wie im zwischenmenschlichen, denke ich: es gibt menschen, von denen erwarte ich gar keine soziale kompetenz, weil ich von ihnen evtl. nichts weiter möchte als eine auskunft. da ist mir die einstellung egal. und dann gibt es menschen, da reagiere ich äusserst empfindlich, wenn ich inkompetenz, wurstigkeit oder schludrigkeit erfahre. das empfinde ich dann als respektlos mir gegenüber.

    aber vielleicht habe ich deinen artikel jetzt auch misinterpretiert.

  2. Thinkabout @ Zoee · 30. Oktober 2009, 09:25 · #

    ich switchte in den eigenen Gedanken bei diesem Textchen ein bisschen umher: Stell Dir das Verkaufsgespräch auf der Ebene vor, bevor die Ware in den Laden kommt, also zwischen Fabrkant/Händler und Detailhändler: Dann wird es komplexer, und Fragen wie Vertrauen und “Chemie” spielen eine grössere Rolle. Konsument, umgekehrt, sind wir alle. Und auch die Verkäuferin im Discountladen trägt noch immer dazu bei, ob ich gern etwas kaufe und mich als Kunde fühle, oder nicht.
    PS: “wurstigkeit” merke ich mir!

  3. Titus · 30. Oktober 2009, 16:59 · #

    Die Rolle des Verkäufers kann im Laufe der Zeit ziemlich schwierig werden, denn:

    Am Anfang hat der Mensch, der zum Verkäufer wird, noch die Wahl, ob er diese oder jene Produkte verkaufen will. Doch dann ändern die Produkte. Je nach Branche findet diese Änderung bis zu einmal pro Quartal statt. Der Verkäufer bleibt indes der gleiche Mensch.

    Hat er anfänglich noch Spass, die (damaligen) Produkte zu verkaufen, kann er sich heute mit diesen nicht mehr identifizieren. Er muss etwas verkaufen, hinter dem er nicht mehr stehen kann.

    Ein einfacher Verkäufer in einem Grossverteiler könnte hierbei noch den Arbeitgeber wechseln. Doch wer selber ein Geschäft hat, ist teilweise durch «Knebelverträge» gezwungen, gewisse Produkte zu verkaufen oder es ist ihm verboten, andere Produkte (z. B. einer anderen Marke) nicht zu verkaufen.

    Einfach ist die Rolle eines Verkäufers somit nicht, zumindest dann nicht, wenn offenherzig bleiben und nicht abgestumpft werden will…

  4. zoee · 30. Oktober 2009, 21:56 · #

    @titus: das kann ich gut nachvollziehen. als veranstalter sind wir zur finanzierung von grossveranstaltungen auch sehr an sponsoren gebunden. ein beispiel ist die brauerei, die natürlich exklusiv verkaufen möchte. wird diese aber an eine “gruppe” verkauft, die bereits andere aufgekauft hat und deren politik wir nicht vertreten möchten, haben wir die verträge, die erfüllt werden müssen. und man kann es sich nicht leisten verträge zu brechen und muss den wirtschaftlich nicht riskanten weg gehen. es macht dann keinen spass in der zeitung zu lesen, das man nuttert, aber es bleibt nicht aus.

    ein anderes beispiel: ein discounter in der nähe wurde ebenfalls von einer neu gegründeten discounter-gruppe aufgekauft. der laden wurde für zwei wochen geschlossen und komplett umgebaut. es sind aber immer noch die gleichen angestellten, die dort arbeiten und sehr unglücklich damit sind. denn: eine neue verkaufspolitik, eine neue art und weise der kundenbetreuung, schulungen ohne ende waren das ergebnis. aber im endeffekt hat sich nichts geändert: es sind immer noch zu wenig angestellte, das angebot und die öffnungszeiten sind erweitert worden und ganz ehrlich, ich würde dann auch kotzen. vor allem, weil die angestellten eklig gelbe polo-shirts tragen müssen. und gelb steht niemanden!

    @kurt: in einem discounter, jedenfalls hier, gibt es keine beratenden verkäufer mehr. man lädt seine waren in den wagen und wenn man fragen hat, kann man froh sein, wenn jemand findet, der waren auffüllt und einem sagen kann, wo die milch ist.
    aber ich denke, ich verstehe jetzt etwas besser, was du meinst. du meinst die “vorstufe” bevor es in den jedermannhandel geht?
    ein endprodukt hat meistens einen schlimmen weg hinter sich.


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