Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Vom Widerspruch

∞  9 Januar 2008, 22:54

abgelegt in Themen SMS zum Tag
und Zwischen Tagen schwebende Gedanken


Oft ist der Antrieb für unser Denken ein Widerspruch zwischen Idee und Realität.
Das treibt an und um.
Klärt sich der Weg, werden wir ruhig und bestimmt.



Wie oft ist unser Verhalten geprägt von einem Widerspruch. Wir lehnen uns auf. Offen oder innerlich. Wir heissen nicht gut, was geschieht, vielleicht gar mit uns. Aber wehren wir uns auch?
Welches ist die richtige Form des Widerspruchs? Bin ich mir denn darin sicher? Weiss ich überhaupt, was ich will, oder nur, was ich nicht will?

Ihr NEIN braucht viel seltener eine Rechtfertigung, als Sie glauben. Ein Weg kann falsch sein, auch wenn der richtige noch nicht bekannt ist. Kein Wanderer läuft auf einem Pfad wissentlich in den Abgrund, nur weil er andere Wege an Abzweigungen überhaupt nicht kennt oder sich momentan kein anderer Weg zeigt. In diesem Fall wird er Rast machen. Und suchen. Oder zurück gehen.

Wir können in unserem Opfersein auch zu Tätern an der eigenen Seele werden. Wir dürfen es uns schuldig sein, für uns ein NEIN auszusprechen. So darf und soll nicht mit mir verfahren werden!
Natürlich mag es trotzdem geschehen. Keiner von uns ist so mächtig, dass er sich nie so genannten Sachzwängen beugt. Es ist aber ein Riesenunterschied, ob der Widerspruch nur aufgeschoben ist, oder einen feinen leisen Weg sucht, oder ob die Situation als gegeben und unveränderlich angesehen wird.


  1. Richard · 10. Januar 2008, 10:39 · #

    die diskrepanz zwischen anspruch und wirklichkeit ist
    menschsein. die meisterung dieser diskrepanz in toleranz mit sich selbst und seiner umwelt erscheint mir aufgeklärter humanismus
    erläuternd hierzu eine annekdote eines jesuitenpaters:
    was ist der unterschied zwischen einem heiligen und einem märtyrer? ein heiliger ist ein mensch ohne fehl und sünde, das leuchtende beispiel für seine umwelt und ein märtyrer ist ein mensch der mit diesem heiligen zusammen leben muß!

  2. Thinkabout · 10. Januar 2008, 18:55 · #

    nette anekdote, Herr Richard, danke!

  3. Tina · 11. Januar 2008, 05:59 · #

    Erst wenn die Spanne zwischen meiner Sichtweise und der Realität einen gewissen Leidensdruck erzeugt raffe ich mich im allgemeinen zu Veränderungen auf.

    Um hier eine Harmonie zu erzeugen, kann ich die Augen weiter für die Realität öffnen und versuchen, ihr etwas Positives abzugewinnen oder mich mit den Gegebenheiten zu arrangieren. Ich kann aber auch meinen Illussionen folgen, und wie Du so gewitzt in Deinem letzten Satz schreibst “einen feinen leisen Weg suchen*, wenn ich die Fakten nicht als unveränderlich gegeben akzeptieren möchte. Wohl dem, der nicht so schnell das Handtuch wirft….


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