Von der müden Liebe
Die Worte einer wachen Liebe sind voll bedingungsloser Kraft.
Müde geworden, bekommen ihre Beteuerungen ein Echo, das von unserem besseren Wissen verstärkt wird.
Was tun, wenn die Anziehung schwindet? Wenn das Verbindende kleiner scheint als das Trennende, wenn die Enttäuschung über die eigene Lebensbilanz den Partner verletzt, ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden soll, aber doch verhindert, dass ich an die gemeinsame Zukunft glaube?
Vielleicht ist der Gedanke an die unbeschwerten Anfänge zurück unheimlich schmerzhaft, weil die Wehmut einen Eisenring voll Bitterkeit um den Brustkorb presst.
Meistens aber ist es so, dass viel zu lange keine Tränen fliessen, die Eisenringe nicht sichtbar liegen, sondern unter der Haut verborgen rostend enger werden. Bis es zu spät ist und er oder sie, meistens sie, kapituliert, aufgibt, flieht, abwehrt. Frauen machen sich weniger vor und wissen oft schneller, dass man sich in einer Abhängigkeit nicht wirklich behaglich einrichten kann.
Warum nur geben wir uns davor, bevor es so weit ist, so lange, viel zu lange mit der Bequemlichkeit eines organisierten Alltags zufrieden? Warum hören wir nicht hin, wie es klingt, wenn wir sagen: Ich liebe Dich.
Ich muss jetzt Schluss machen. Ich muss Thinkabouts Wife etwas ganz Wichtiges sagen.
Aber dies noch:
Es ist keine Schande, dieses beschriebene Echo zu hören. Es bedeutet kein Versagen. Aber Alarm. Dabei müssen beide nicht mehr versuchen als in glücklichen Zeiten: Sich selber sein zu wollen und es auch zu dürfen.
Ihr, von denen ich weiss, dass Ihr gemeinsame Wege sucht, habt all meinen Support, meinen Respekt, und ich wünsche Euch, dass Ihr genau so wie ich erkennen könnt, dass in so Vielem, das ihr mit einander versucht, neue Chancen liegen.
Wer mit einander singt, sollte auch das Klagen nicht scheuen.

WerkRaumLebensArt · 19. Januar 2008, 06:08 · #
Gedanken
berührend und nachdenklich
wenn dies „nicht nur“ der Beschrieb eines Freundes ist, bin ich um diese dankbar
dies so lesen zu dürfen, so tut es ebenso gut zu erfahren, das es da zwei einen gibt, bei denen trotz einer grossen beschriebenen Liebe mit Plätzchen backen zur Weihnachtszeit und dem Klang der Liebe in seinen Worten zu ihr, doch auch nicht immer alles nur Happyness ist
dies macht diese Liebe für mich glaubwürdig
Thinkabout · 20. Januar 2008, 16:17 · #
an WerkRaumLebensArt und alle regelmässigen LeserInnen: Ein Blog ist stets etwas ein bisschen anderes als ein reines Tagebuch klassischer Form, so bald es eine gewisse Öffentlichkeit gewinnt, also Leser kennt und die einen auch ein bisschen kennen: Man mag dann selektieren. Was erzähle ich?
Dennoch bin ich oft erstaunt, wie sehr Menschen bereit sind, eines anderen Leben und dessen Beziehungen nahe der Perfektion anzusiedeln und zu vermuten, jenseits dieses Zauns wäre alles nahezu optimal, wünschenswert, erträumenswürdig.
Dabei wage ich eine Aussage:
Wer mit mir, mit uns tauschen möchte, müsste erst einmal sein Bild von einem langweiligen Leben korrigieren. Denn es ist bei uns sehr wenig los. Äusserlich. Und die anderen Stürme, nun, die teilen wir so gut wie möglich. Und wenn nicht, akzeptieren wir es und fühlen uns nicht ausgeschlossen.
WerkRaumLebensArt · 21. Januar 2008, 06:44 · #
der Blick über den Tellerrand
das all wiederkehrende wünschen, träumen, sehnen
meine Rosamunde Pichler der Realität
wobei die Vermutung fern liegt, sondern stets das anklingen schwingt
wenn mein Cello vor tosendem schwingen und klingen solch Wellen auslöst, das ich diese bis in den verborgensten Winkel meiner Stube spüren kann
wenn Gedanken von von mir als weise gewählte GedankenBegleiter und grosse Lehrer mich juchzen & jauchzen lassen, dann will ich mir ja nicht im selben Moment in Erinnerung rufen und vor Augen führen, dass eben dessen Leben dem meinen gleich sein könnte in allen Fassetten
Thinkabout · 22. Januar 2008, 22:18 · #
An meine LeserInnen
Ganz offensichtlich sorgt dieser Blogeintrag von mir für Verwirrung. Darum sage ich es hier ganz klar und froh:
Thinkabouts haben keine Krise. In diesem Eintrag kommen schlicht Empfindungen und Erfahrungen zum Ausdruck, die ich teilen darf, nachvollziehen kann – und die mich nicht an der tieferen Kraft unserer Liebe zweifeln liessen, würden sie mich in ihrer geballten Form anspringen.
Ich möchte eigentlich im Gegenteil Mut dazu machen, trotz tiefen Zweifeln in Beziehungen so offen wie möglich gemeinsam Lösungen zu suchen – und sich darin absolut frei zu fühlen – statt so frei zu sein, sich nach so vielen gemeinsamen Jahren zu trennen.
Also keine Sorge: Wir haben keine Krise.
Wenn ich nicht früher und nicht klarer berichtigt habe, so vielleicht deshalb, weil ich fest gestellt habe, das kommt oben auch zum Ausdruck, dass es mir unbehaglich wird, wenn wir fühlen, wie Dritte uns um unsere Beziehung beneiden oder sie einfach idealisieren: Weil ich weiss, dass es nie ein Beziehungsmodell gibt, das auf mehr als zwei Menschen passt. Von aussen mag das manchmal wie ein Traum erscheinen – dann fühlen wir uns unbehaglich. Es ist nämlich durchaus so, dass wir beide uns so sehen, dass wir nicht glauben, dass irgend jemand unserer Bekannten und Freunde an Stelle unseres Partners mit uns leben könnte. Wir glauben, dass wir durchaus nicht leicht auszuhalten sind.
Wenn wir aber Mut machen, dann ist das sehr schön.