Von Lesern zu Bloggern - eine Hommage mal fünf
Fünf Jahre bloggen ist eine respektable Zeit. Ein Lebensabschnitt, auch für meine Leser. Heute sind Blogs etwas mehr im Bewusstsein der Leute als 2004, aber überbewerten sollte man das auch nicht. Aber genau so, wie sich ein Betreiber eines Blogs nach und nach entwickelt und sein Blog mehr undmehr gestaltet, an Sicherheit gewinnt und sein ganz persönliches, individuelles Projekt daraus macht, genau so ergeht es auch Lesern. So mancher mag über das Kommentieren ein Gefühl dafür bekommen haben, wie reizvoll es sein kann, einem Gedankenspektrum oder Interessenfeld seines Lebens ein Gesicht im Internet zu geben. Blogs sind sehr schnell und einfach zu erstellen, und wenn Sie etwas dazu ganz sicher nicht brauchen, dann sind es Programmier-Kenntnisse.
Ich möchte zu meinem fünfjährigen Jubiläum ein paar Blogs vorstellen, deren Blogger in grauer Vorzeit nur Blogleser, dann Blog-Kommentierer und schliesslich selbst Blogger wurden. Wenn das auf Sie auch zutrifft, Sie Ihr Projekt hier in der Folge aber nicht finden, so hat das nichts mit fehlender Wertschätzung zu tun. Es bedeutet dann nur, dass ich in der Phase, in der man mit sich ringt, ob man den Schritt tatsächlich macht oder nicht, nichts von Ihren Plänen mit bekommen habe.
Auch die hier aufgeführten Blogs haben mein Beispiel für ihren Entscheid ganz sicher nicht gebraucht, sie waren und sind breit im Internet unterwegs, interessiert und entsprechend vernetzt. Ihnen gemeinsam ist einzig, dass ich mit ihnen immer mal wieder über Für und Wider eines eigenen Blogs diskutiert oder mir gewünscht habe, sie würden – “endlich” – damit anfangen.
Ich freue mich aber immer, wenn mir Leser erzählen, was sie selbst dazu bewogen hat, ihre Meinung im Internet lesbar zu machen. Es sind spannende Geschichten, und sie alle werden weiter erzählt, sind niemals fertig, oder gehen, wenn die Blogs geschlossen werden, ganz bestimmt in anderes, Neues über.
Titus bloggt so, wie er kommentiert (wenn er denn noch dazu kommt):
Engagiert, fundiert, mit breitem Wissen, tiefem Interesse und gut lesbarer Sprache. Ein Gewinn für die Blogszene der Schweiz, mit politischen und gesellschaftlichen Themen und Beobachtungen, die für den ganzen deutschen Sprachraum lesenswert sind – ja schlicht für alle Menschen, weil darin nichts so interessiert wie der Mensch, also wir, so, wie auch immer wir gerade in unseren Verstrickungen und äusseren Umständen strampeln mögen.
Mara verbindet in ihrem Blog persönliche, kulturelle und berufliche Erfahrungen mit einem gesunden, wachen und verantwortungsvoll die Welt mitgestalten wollenden Engagement für wahrhaftiges, fundiertes Denken. Sie scheut sich nicht vor persönlicher Argumentation, ist nicht immer auf Ausgewogenheit bedacht und gibt doch immer wieder allen, die eine andere Meinung anhören wollen, Grund zum Nachdenken. Auf ihrem Blog haben sich zudem sehr viele Leser eingefunden, die regelmässig für spannende Diskussionen sorgen. Mara habe ich persönlich kennen gelernt und schätze ihre zurückhaltende und doch offene Art, die auch eine grosse Hilfsbereitschaft mit einschliesst. Jemand, der auch mal raten kann und keine Angst davor hat, verbindlich zu werden. Ein grosser Unterschied zu Bloggern, die sich nur der Lust an der Rhetorik hingeben und wenig Gedanken an die Wirkung dieser Worte verschwenden.
Die Kommentare von “von Relax” fielen mir hier wie an anderen Orten sofort auf. Da debattiert jemand mit Lust am Streitgespräch über wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Themen, mit einem ökonomisch geschulten Backgroundwissen, aber ohne jeden Dünkel, der ihn zu fein dafür werden liesse, sich in Diskussionen an anderen Meinungen auch zu reiben. Zudem argumentiert er zwar oft konträr zum Mainstream um mich herum, verdient aber dabei jede Achtung, weil er unabhängig und unbestechlich wirkt und sich in letzter Konsequenz nichts anderem verpflichtet fühlt, als seinen eigenen Überzeugungen. Dass er stets ein grosses Interesse für die Schwierigkeiten, Probleme und Reize einer I-Net-Community offenbarte, wird deutlich, wenn man sieht, in welchem Kontext sein frisches Blog eingebettet ist.
Bruder Bernhard hat eine scharfe Zunge, und er vermag seine Rhetorik so kompromisslos einzusetzen, wie weiland die Eidgenossen ihre Hellebarde geschwungen haben mögen. Bruder Bernhard mag in seiner Strickjacke und hinter seiner dicken Hornbrille noch so bieder wirken – niemand, der mit ihm gestritten hat, wird in ihm den Bauern sehen, der nur für Hundefett schwärmt, mag er das auch glauben machen wollen. Das Internet ist für diesen mit Schalk, Witz und sehr breiten Interessen ausgestatteten kreativen Geist das ideale Tummelfeld, um immer wieder die Rolle des advocatus diaboli einzunehmen.
Uertner’s Willensnation und auf Beiz 2.0
Uertner provoziert mindestens so gerne wie Bruder Bernhard, mit gewaltiger Wortsprache und einem enormen, nicht nur historisch gebildeten Hintergrund. Auch er hat einen ganz eigenen Witz, der Frauen schon mal häufiger im Hals stecken bleibt als Männern, weil er sich nicht scheut, die modernsten Frauenrollenbilder einwenig zurecht zu rücken. Scheinbar zumindest. Sein Blog Willensnation hat leider oft Pausenlücken, die Texte sind dann aber auch anspruchsvoll, da ist es durchaus auch gut, kann man sich Zeit nehmen, um ihm zu folgen.
Auf der Beiz 2.0 sorgt er dafür, dass wehmütig der alten FACTS2.0-Kultur nachtrauernde Ex-User ein bisschen Heimatgefühle bekommen – und alle anderen geneigten Leser ebenfalls Lust verspüren dürften, sich mit der Tagesaktualität in unserem Land mehr zu befassen.
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von Relax · 19. Oktober 2009, 12:01 · #
Lieber Thinkabout
Herzliche Gratulation zum Stehvermögen und zu den ansprechenden Texten, mit denen Du Deine Blogbesucher, Deine Leser seit fünf Jahren zum Nachdenken bringst. Präziser formulieren unterlasse ich an dieser Stelle und verweise stattdessen auf den Kommentar von Titus zum Artikel „5 Jahre Thinkabout – ganz entspannt“, da ich sehr ähnliche Ausführungen machen würde. Fünf Jahre sind philosophisch: WO GEBLIEBEN im Rückblick und SEHR WEIT WEG in der Vorausschau. Also betrachte es relaxed und nehme die kommenden fünf Jahre einfach mal unter die Zielvorgabe. Erste Schritte hast Du ja bereits gemacht, mit diesem Artikel und dem auch schon publizierten Folgeartikel.
Thinkabout ist ja mit dem von mir gerne gebrauchten Begriff „Gedankenfutter“ zu vergleichen. Deine herrlich formulierten Betrachtungen bringen einen regelmässig dazu. Es ist das, was ich beim Blog-Lesen suche. Anregungen zum Nachdenken, nicht was ich zu denken habe. Das sage ich an dieser Stelle nicht einfach billiges Retournieren von selber erhaltenem Lob – sonst kommt der mit der Hellebarde vorbei und piekst mich. Mein Lob ist authentisch, kann man doch dieses bereits früher gemachte Lob – vor ca. 2 Jahren – auf Facts nachlesen, verfasst von einem „ehemaligen Nutzer“.
Da ich zum Teil die Personen kenne, welche Du vorstellst, kann ich sagen: gut gemacht, differenziert beschrieben und übereinstimmend mit erkennbaren Blogaktivitäten der Personen.
Thinkabout, du hast eine erkennbar grosse Lesergemeinde. Deshalb weiter so. Thinkabout Nutzer warten weiterhin auf Gedankenfutter – auf Denkanstösse.
Thinkabout @ vonRelax · 19. Oktober 2009, 12:47 · #
Danke Dir. Was mich im Füllhorn Deiner Lobeshymnen am meisten streichelt, ist Dein persönliches Empfinden, dass ich zum Denken anregen, aber nicht vorschreiben will, was zu denken ist.
Der Grat zwischen Beliebigkeit/Unverbindlichkeit und Selbstgefälligkeit kann dabei zuweilen schwierig sein. Aber genau darum geht es mir: Unter Fragenden Bruder zu sein, mit zu fragen, zu denken und davon zu erzählen.