Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Vor einem Grosseinsatz

∞  4 Juli 2011, 19:51

Ich freue mich auf was eigentlich ganz Simples, das aber für mich was ganz Besonderes ist. Auch, weil man es essen kann und ich dabei erlebe, wie schön es sein kann, Gaumenfreuden erzeugen zu können.


Gegen Ende der Woche habe ich einen grossen Auftritt – in der Küche. Mein erstes Talent besteht dabei darin, aus einer Küche eine Backstube zu machen, die aussieht, als hätte sie eben den Ausstoss für eine Hochzeitsgesellschaft bewältigt – und dabei hat es gerade mal ein Kuchen in den Backofen geschafft. Thinkabouts Wife graut es schon jetzt vor diesem Schlachtfeld, wobei ich zu meiner Ehrenrettung anführen möchte, dass ich – immerhin – meine Kompetenz erst dann als erwiesen betrachte, wenn auch wieder abgewaschen ist und gefühlte 95% der Mehlspuren beseitigt sind. Es ist ja durchaus im Sinn der Hausfrau, wenn sie die Dinge selbst wieder dort einräumt, wo sie sie drei Stunden zuvor auf meinen Hilferuf hin aufspürte und mir auf den Tisch stellte.

Warum ich Ihnen das erzähle? Weil ich mich einfach auf diese Arbeit freue – und auf die Menschen, für die ich endlich mal wieder backen will. Es wird chaotisch werden. Aber dem Kuchen wird man es nicht anmerken. Ich “kann” das nämlich recht gut. Wobei ich nie so richtig verstanden habe, was daran so besonders sein soll. Für eine “Kochbanause” wie mich scheint es nämlich so, dass, wenn schon, backen so ziemlich das Einfachste ist, was man in einer Küche bewerkstelligen kann.

Guuut, der Akt hat etwas geniesserisches, das sich in einem ziemlich überdimensionierten Zeitplan niederschlägt, und das Projekt will mittels Rezept langfristig vorgedacht, durchgeplant und mental autogen immer wieder im Kopf durchgespielt werden. Womit auch erklärt ist, weshalb ich diesen Wettkampf nicht wöchentlich oder gar täglich absolviere. Olympia ist ja schliesslich auch nur alle vier Jahre, oder?

*
Nachtrag: Der lustvolle Flachs dieses Artikels ist ein Kränzchen an jede Köchin und jeden Koch, der seiner Familie oder seinem Partner regelmässig Leckerbissen auf den Tisch zaubert. Das ist Kultur!







  1. Relax-Senf · 5. Juli 2011, 01:41 · #

    Mensch Thinkabout, ich gönne Dir jeden guten Text. Freue mich wenn Du den Menschen Denkanstösse vermittelst und deswegen z. B. die Leute im Alltag netter miteinander umgehen. Aber muss so ein Artikel wie dieser wirklich sein? Zum Grübeln bringst Du alle, Leser und Leserinnen, aber mit unterschiedlicher Wirkung:

    Die Leserinnen könnten rasch – zu rasch – Verlangen entwickeln, auch einen Thinkabout zu Hause zu haben. Was ich ja Dir als virtuelle Anerkennung sofort zugestehe. Die Kehrseite ist aber, dass jene Männer die nicht mit Deinen Kuchenback-Talenten gesegnet sind, trotzdem allenfalls gepiesackt werden, weil Du in Frauen den Wunsch weckst und die Zuversicht stärkst, dass ihre häuslichen Männer trotz bekanntem Status als Küchenbanause und unter Ausblendung der Chaos-Nachwirkung, mit der Kuchenherstellung betraut werden können. Zufriedene Minen beim Kuchenessen und eine Blitzblank-Qualität von 95 Prozent! Thinky pass auf was Du schreibst, Du willst doch nicht zum Unruhestifter in seither friedlichen Küchen werden!

  2. Thinkabout @ Relax-Senf · 5. Juli 2011, 07:32 · #

    Ich kann Deine Sorge verstehen. In aller Regel genügen allerdings ein paar Jahre Ehepraxis, um die Küchenchefin vor solchen Experimenten zurückschrecken zu lassen: Die Chaostheorie schlägt sich dann doch zu sehr mit der Ordnungsliebe, mal ganz abgesehen davon, dass kein Küchenchef sich gerne seine Kernkompetenzen streitig machen lässt.

    Noch was: Menschen, die im Alltag wegen meinen Texten netter miteinander umgehen? Das wäre schön. Ich denke aber, dass, um sich von einem Text wirklich anrühren zu lassen, die Grund-Nettigkeit zuvor schon ziemlich an die Oberfläche gespült wurde. Lass uns auf derlei schöne Mutmassungen bei Gelegenheit ein Stück Kuchen essen!

  3. Regula · 6. Juli 2011, 12:14 · #

    ich lese nun deinen Blog schon ein Weilchen und finde immer wieder etwas zum Schmunzeln. Deine Einsicht, dass das Ziel erst erreicht ist, wenn wieder Ordnung herrscht, ist lobenswert. ;-)

    Ich wünsche viel Vergnügen und än Guetä!

  4. Thinkabout @ Regula · 6. Juli 2011, 13:30 · #

    Na, wenn ich denn damit eine Leserin zu einer spontanen Wortmeldung veranlasst habe, Ist das schön! Danke. Tatsächlich erlauben es die Erzählungen über die kleinen Missgeschicke und Freuden des Alltags, mkt einem Augenzwinkern über das eigene Ungeschick zu blicken.

    In der Situation allerdings, das kann ich Dir sagen, fällt mir dann schon mal der Himmel auf den Kopf. und das ist gut so, weil dann ein cooler kleiner Hilfseinsatz meiner Liebsten exemplarisch beweist, was es heisst, einen Haushalt funktionabel zu halten, selbst wenn Spastiker wie ich beginnen, ihr Einsatzgebiet zu erweitern…


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