Vorbilder statt Bekehrer
Themen: SMS zum Tag undErdlinge
Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.
Mir fällt das oft selbst schwer genug...
Sich mit Disziplin, Eifer und Nachdruck einer Sache zu verschreiben, weckt Bewunderung – es sei denn, die Energie will bekehren statt zum Vorbild taugen.
Ich mag keine Missionare, Bekehrer und Eiferer. Sie verleiten mich dazu, meine rhetorischen Talente zu erproben, was regelmässig zum gleichen Ergebnis führt: Gleich zwei Menschen vergeuden ihre Energie, so dass es keinen Sieger geben kann – auch nicht unter dem allfälligen Publikum.
Die stärksten Zeichen gehen in jedem Fall von unserem Tun oder schlicht von unserer Haltung aus. Je weniger uns dazu provozieren kann, aus der Haut zu fahren, um so geradliniger wird unser Leben.
Manchmal hilft es vielleicht auch, in unserem Drang, überzeugen zu wollen, eine Form der Überheblichkeit zu erkennen: Vielleicht ist es noch gar nicht Zeit, andere zu leiten, weil das eigene Wissen erst mehr Bodenhaftung bekommen muss?!
Wenn auf uns in jeder Lage Verlass ist, wenn unser Lebensgebäude eine gewisse Festigkeit bekommen hat, und liegt sie auch nur darin, dass wir den Wind durchs Zelt streichen lassen können mit Gleichmut, dann erst können wir wirklich Geborgenheit schenken. Und wir machen vielleicht andere sogar neugierig auf unsere Überzeugungen. Wie viel tiefer gehen die Worte, wenn man die Fragen gestellt kriegt, statt dass man sie den Menschen eingeben muss!
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Seelenleerer · 9. August 2007, 03:07 · #
Schön und einfühlsam.
Tina · 9. August 2007, 06:43 · #
Du schreibst:
“Vielleicht ist es noch gar nicht Zeit, andere zu leiten, weil das eigene Wissen erst mehr Bodenhaftung bekommen muss?!”
Ich glaube, daß man in seinem Leben oft mit einzelnen Verhaltensweisen zum Vorbild für andere werden kann, auch wenn man insgesamt einen holprigen Lebenslauf verzeichnet und noch weit von der Erleuchtung des Dalai Lama entfernt ist….
Diese “kleinen Lichter” sind für mich im Alltag letztendlich wegweisend….
Margit Farwig · 10. August 2007, 16:30 · #
Ein Mensch, der sich unter Menschen wagt, ist immer Vorbild, was er auch tut. Sei es im Guten, sei es im Bösen. Die “Wahl” hat der Mitläufer, ist er standhaft genug, das schnelle Böse zu unterlassen oder das nach Format ringende Gute in sich eínfließen zu lassen. Das widerum löst innere Kämpfe aus, die nicht immer gewonnen werden, wie man in der ganzen Welt beobachten kann. Vielleicht beim nächsten Mal. Der Stoiker schaut weder nach rechts noch nach links, er hat Grundsätze, die zwar nicht das Hehre eines Helden besitzen, doch wurstelt er sich nach Kräften durch seinen Alltag. Ihn ficht nichts an, er erfindet kein Schießpulver, entdeckt keinen neuen Stern und auch keine neuen Erkenntnisse.