Warum ich Sie sieze und Dich nicht duze
Reto Stauss hat die Frage nach der richtigen Anrede in Blogs gestellt, und ich bin bei Yoda darauf gestossen. Das gibt mir Gelegenheit, hier kurz zu erklären, warum ich die Sie-Form gewählt habe.
Erst einmal hat es mir der Bauch eingegeben – und ich handle nicht selten danach, was dieser sagt. Es ist etwas verwunderlich, auch für mich, dass dem so war, denn immerhin habe ich zuvor zwei Jahre lang “in Du gebloggt”.
Ich bin durchaus ein typischer Blogger und also in mein Schreiben verliebt, und tue daher auch, was und wie ich es will.
Dennoch habe ich natürlich meinen Bauch längst befragt, warum er mir und Ihnen so vornehm begegnen will?
Ich habe im Geschäftsleben, im Militär wie im Privatleben immer wieder die Erfahrung gemacht, dass ein Siezen eine wunderbare Form des Respekts ausdrücken kann. Ich pflege Bekanntschaften mit Menschen über Jahrzehnte, ohne dass ein Du im Raum stehen würde. Im Militär wie im Beruf möchte ich als Untergebener nicht unbedingt ein Du angetragen bekommen, wenn der Vorgesetzte mir nicht grün ist und er mir im Grunde gestohlen bleiben könnte.
Etwas Distanz im Umgang verhindert nicht verbindliche und herzliche Nähe in der Sache.
Ich möchte einfach niemanden, der hier liest, von vornherein vereinnahmen und Duzen. Er oder Sie soll die Freiheit haben, wie auf der Strasse angesprochen zu werden.
Wer mich umgekehrt per Du anspricht, dem begegne ich ohne Zwang im Kommentar auch so, und viele kenne ich von meinen früheren Blogs her ebenfalls – also kein Thema.
Es ist dies der für mich natürliche Umgang. Vor allem aber diszipliniert mich das Sie im Text auch ein wenig: Es lässt mich etwas genauer überlegen, bevor ich lostippe.
Ich hoffe einfach, meine Sie-Form wirkt nicht verschroben. Aber ändern will ich es auch nicht. Ich fühle mich wohl damit. Dies ist also nicht eine Umfrage, die ich damit starte. Es ist nur eine Erklärung, Ihnen und mir selbst gegenüber.
Bild: Fundstück bei judobund.de

Tina · 23. April 2007, 12:42 · #
Gewöhnungsbedürftig für mich, aber wie wir bereits in schreibmut zum Thema “Gewöhnung” festgehalten haben gibt es ja fast nichts, auf das sich der Mensch nicht einstellen könnte…..:-). Wobei ich in meinem angestimmten Jammermodus einräumen muß, daß Du ja eh nur selten den Leser in persönlicher Anrede ansprichst, das also gar keine gravierende Änderung in Deinem Blog bedeutet.
Die umgekehrte Richtung würde ich jedoch positiver werten und lieber sehen: wenn Du vom distanzierten Sie zum Du wechseln wolltest um damit eine Vertrautheit zum Leser zu schaffen.
Eine Art Vertrauensvorschuß....
Es MUß doch keiner hier lesen. Und ich erinnere mich auch an einen Zeitgenossen, den wir in Deinem “blauen Blog” ungefragt siezten, weil ER mit seinem Kommentar Distanz schaffte. (Weißt Du noch, Caro? sfg)
Wenn Dein Eintrag keine Umfrage ist, dann ist das hier auch keine Dagegen-Stimme, sondern nur eine persönliche Überlegung zum Eintrag…:-))
Was will ich überhaupt? Gehöre ja zu Deinen “Altlasten” und stehe mit dem von Dir eingeräumten Gewohnheitsrecht auf der Sonnenseite des Lebens…Gabi · 23. April 2007, 18:20 · #
Lieber Thinkabout,
obwohl wir nie per Sie waren, möchte ich Dir sagen, dass mir Deine Anrede hier sehr gefällt und ich persönlich finde, Deine Einträge haben dadurch noch mehr (an Gehalt?) gewonnen.
Mit einer gewissen Distanz lese ich so manchen Deiner Beiträge nicht mehr so persönlich, was jedoch recht hilfreich meinem Weiterdenken sein kann;-)
Also lieber Thinkabout, ich finde Deine Bauchentscheidung einfach gut!
Liebe Grüße von Gabi
Darpan · 23. April 2007, 22:14 · #
Hallo lieber Thinkabout,
Dein Eintrag hat mich sehr an meine Bloggerzeit erinnert. Danke dafür.
Ich lese sehr gerne bei Dir und ich Duze Dich, weil ich es damals “gelernt” habe, dass sich die Menschen im Cyberspace viel schneller und einfacher Duzen.
Dein Siezen zeigt Deinen Mut, den ich damals nicht hatte.
Ja, auf den Bauch zu hören, das macht ein gutes Gefühl!
Alles Liebe Ihnen, lieber Herr Thinkabout ;-))
Darpan