Was wird denn da wem beschnitten?
Das Kinderspital Zürich hat die Beschneidung von Knaben ausgesetzt. Nun haben wir sie also auch hier in neuer Heftigkeit, die Diskussion über die Religiongsfreiheit und die körperliche Unversehrtheit.
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Und ich bin, angesichts dieser Debatte, zugegebenermassen ziemlich fassungslos. Welche Ausübung der Religionsfreiheit wird denn, bitteschön, tangiert? Sie wird für die eigenen Nachkommen reklamiert, für einen Menschen also, der gar nicht für sich entscheiden kann, ob er diese Beschneidung will oder nicht. Wie kann man da allen Ernstes in einem säkularen Staat fordern, Beschneidungen müssten im Rahmen dieser Religionsfreiheit toleriert werden?
Ich verstehe das nicht, und ich verstehe uns im Umgang mit unseren eigenen Ursprüngen nicht. Wir nicken eilfertig, wenn argumentiert wird, die Erzählung der Weihnachtsgeschichte, womöglich gar noch mit Krippenspiel, wäre den Andersgläubigen Schülern nicht zuzumuten. Wir negieren mittlerweile jeden Anspruch, unsere ursprüngliche eigene Religion im öffentlichen Leben verankert zu sehen, setzen hinter jedes Überbleibsel davon, so es denn im nicht krichlich-religiösen Ritus vorzukommen droht, ein dickes Fragezeichen, bevor wir den Zopf dann auch endgültig abschneiden – mit dem Hinweis auf die gleichen Massstäbe für alle und die entsprechenden Menschenrechte.
Die Religionsfreiheit wurde schon bei der Debatte um die Minarette bemüht, und auch da war festzustellen, dass von deren Tangierung keine Rede sein kann. In einem Staat, liebe Freunde, in dem alle Weltreligionen und hunderte von anderen Lebensgestaltungsentwürfen neben einander existieren wollen und sollen, ist jedes äussere Symbol einer Zugehörigkeit zu einer dieser Religionsgemeinschaften dann zu hinterfragen, wenn es die körperliche Unversehrtheit tangiert, den gleichwertigen Schulunterricht für alle beeinträchtigt, das öffentliche Leben beeinflusst und vor allem die freie Entscheidung des Individuums unmöglich macht.
Wenn die Diskussion dann versuchsweise “versachlicht” wird und plötzlich davon gesprochen wird, dass Beschneidungen das Risiko für Gebärmutterhalskrebs mindern, hört es bei mir endgültig auf. Wenn es denn, werte Damen und Herren, ein Problem mit der Hygiene geben mag, dann lässt sich das mit einem Waschlappen und ein wenig Information im Rahmen der Volksgesundheit lösen. Für allen möglichen anderen Quatsch werden auch Broschüren gedruckt.
Entscheidet sich ein gläubiger Mensch in seiner vollen Urteilskraft ganz bewusst für eine Beschneidung, so liegt darin ein bewusster religiöser Akt mit einer spirituellen Botschaft – wunderbar. Und das meine ich völlig ernst. Das Argument, der Vorgang wäre für junge Männern schmerzhafter, ist gerade nochmals lächerlich – und demaskiert die Diskussion:
Es geht bei allen diesen Diskussionen nicht um Religionsfreiheit, sondern um die scheinbar automatisch einsetzenden Abwehrreflexe, mit denen sichtbare Reviere abgesteckt werden, weil sich ethnische und kulturelle Identitäten schlussendlich sich immer gegen andere abgrenzen wollen. Dafür ist definitiv bei der Frage der Toleranz körperlicher Eingriffe keine Rücksicht zu nehmen.

zirkuma · 21. Juli 2012, 02:42 · #
Es gibt nur ein einziges Menschenrecht: das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Wenn sich ALLE daran halten würden, gäbe es weder Syrien noch die Juden noch die Muslime und der ganze Blödsinn überall auf dieser idiotischen Welt hätte ein Ende..
Aber leider werde ich nie eine intelligente Zivilisation erleben, sondern nur diesen jüdisch-christlich-muslimischen Blödsinn überall.. (mit einem IQ weit unter 200).
PS:_ ).
Jeder dumme Mensch, der glaubt, sich auch noch als „Jude“, „Muslim“, etc. outen zu müssen, hat nichts aus “der Geschichte” gelernt (ohne sog. „Juden“ hätte es ja auch keinen Hitler gegeben) => was wir brauchen sind endlich Menschen mit einem IQ über 200, aber keine kotz-dummen „Untermenschen“ und „Herdentiere“ mehr, die glauben es gäbe so etwas wie “unsere Penisse” („unser Volk“, “unser Verein”, “Unsere Nation” etc.)…
Mein Gott, warum studiert niemand mehr Psychologie? In jedem Unterseminar könnt ihr lernen, was für eine bescheuert alte Konstruktion “in-groups”, “Herdentiere”, “Volksgefühle”, “peer-groups” etc. sind.
Es ist wirkllich zum Kotzen, dass ich nie in einer intelligenten Zivilisation werde leben können (IQ > 200).
Geht doch mal endlich in die Schule oder studiert Psychologie!
Und ich wette, dass dieser Kommentar sogar noch gelöscht wird – von eben solchen Idioten. Das Internet ist der meist zensurierte Ort, der keine Abweichung von der politischen Korrektheit toleriert.
Thinkabout @Zirkuma · 21. Juli 2012, 12:22 · #
Ich muss diesen Kommentar nicht löschen, obwohl ich mich tatsächlich zu den Idioten bekenne, die mit IQ <200 durchs Leben kommen müssen. Sie müssen sich allerdings damit abfinden, dass alle hier zu dumm sein werden, um Ihren Kommentar in seiner ganzen Tiefe zu verstehen. Nach meinen – nicht repräsentativen – eigenen Tests erreicht leider keiner meiner Leser das von Ihnen geforderte Intelligenzniveau (an meine Leser: Tut mir Leid, dass ich Ihnen das so ungeschminkt auf den Bildschirm schreibe, aber es musste einmal beklagt werden).
Der Knüller ist Ihr Satz, dass es ohne “sog. Juden” keinen Hitler gegeben hätte. Ohne Huren hätte es auch Jack The Ripper nicht gebraucht, nicht wahr?
Der Herde von uns Menschen gereicht es nicht unbedingt zum Nachteil, wenn Sie sich in ihrer geistigen Brillianz einigermassen einsam fühlen. Aber das ist nur meine persönliche idiotische Meinung.
der Nörgler · 22. Juli 2012, 10:39 · #
Leider leben wir aber nicht in einem säkularen Staat. Mir wäre es auch lieber, es wäre so. Aber wenn die Bundesverfassung mit:
Im Namen Gottes des Allmächtigen!
Das Schweizervolk und die Kantone,
in der Verantwortung gegenüber der Schöpfung,
beginnt, kann es sich weder um einen säkularen noch einen laizistischen Staat handeln. Ansonsten gehe ich mit Ihnen einig, für mich nicht nachvollziehbar, wieso öffentliche Einrichtungen bei religiösen Riten Schützenhilfe leisten sollen. Und dass ein Mann ohne Vorhaut in seinem sexuellen Empfinden nicht eingeschränkt ist, das möchte ich doch stark bezweifeln.
der Nörgler · 22. Juli 2012, 15:22 · #
@zirkuma: wo soll ich anfangen… als jemand, der psychologie studiert hat möchte ich entgegnen, dass laut der gauss’schen verteilung ein iq von 145 nur gerade von 0.01 % der weltbevölkerung erreicht wird. das sind 700'000 menschen. für einen iq der grösse 200 dürfte sich der prozentwert auf grund der asymptotischen annäherung der kurve um einige kommastellen nach hinten schieben. faktisch also eine handvoll leute. zudem habe ich im deutschsprachigen raum noch keinen iq-test gesehen oder durchgeführt, der normen bis zum iq 200 gehabt hätte.
psychologie müsste man also studieren, und nicht nur dazu auffordern. das würde helfen, mit halbwissen aufzuräumen. und auf die anderen, die psychologie betreffenden punkte gehe ich gar nicht näher ein.
Thinkabout @Der Nörgler · 22. Juli 2012, 18:00 · #
Sie erwähnen die Bundesverfassung – mit ihrer Präambel. Wir wollen doch aber bei deren Beurteilung beim Inhalt bleiben. Es ist auch nicht weiter beunruhigend, wenn im Namen Gottes Menschenrechte, soziales Zusammenleben und Demokratie geregelt werden, so lange es in dem Verständnis geschieht, dass wir alle auch Gottes Kinder sind, oder?
Ihren Zweifel betreffend des sexuellen Empfindens teile ich im übrigen vollumfänglich. Ein meist nicht offen ausgesprochenes, aber sehr wohl von religiösen Instanzen mit gemeintes Argument für die Beschneidung ist auch, dass sie die Selbstbefriedigung “weniger attraktiv” macht. Warum wohl?
der nörgler · 22. Juli 2012, 18:26 · #
nun ja, ich will niemandes religiöse gefühle verletzen. aber für mich hat dieser satz in einer bundesverfassung nichts zu suchen. ich empfehle gerne das manifest des evolutionären humanismus. für ethisches verhalten braucht man keine religion. die menschen haben sich schon ethisch verhalten, lange bevor das christentum entstanden ist. für mich ist eben gerade beunruhigend, dass im fundamentalen regelwerk unseres staates irgend eine religion erwähnt wird. welche es ist tut nichts zur sache und ist egal. aber es ist eine religion und diese wird von anderen religionen als das wahrgenommen. ich glaube zudem nicht, dass sich alle menschen der schweiz in dieser präambel wiedererkennen. oder noch viel schlimmer, sich bewusst dagegen abgrenzen und so den staat und seine rechtlichkeit aus diesem grunde ablehnen.
Thinkabout @Der Nörgler · 23. Juli 2012, 00:58 · #
Man kann die Präambel der Bundesverfassung aus ihrer Entstehung heraus erklären. Sie ist bei weitem nicht der einzige Satz unseres Rechtsgefüges, der in der Deutung durch die Gerichte aus dem Kontext seiner Entstehung heraus zu interpretieren ist.
Die Diskussionen, die darüber noch geführt werden dürften, sind für die Identität der Gesellschaft sehr wichtig – genau so, wie Diskussionen über den Wortlaut der Nationalhymne regelmässig stattfinden.
Und genau so, wie Sie die Erwähnung irgend einer Religion in einem Verfassungstext beunruhigend finden, wird sich das Gemüt anderer in Wallung versetzt sehen, wenn solche Formulierungen tatsächlich wegfallen sollen: Sie mögen sich darin nicht wieder erkennen, ich mag sie nicht benötigen. Andere sehen das anders und in der Negierung einen subversiven Akt gegen die innersten Grundwerte der historische Gründung unserer Staatsform.
Es ist nicht so, dass sich im beschworenen Geist einer Verfassung alle Bürger wiederfinden können – man kann aber dem Ideal nachstreben, dass jeder Bürger unter dieser Verfassung mit gleichen Rechten ausgestattet wird, oder bleibt.
Und die Schritte, welche hierbei die Schweiz unter dieser Präambel vollzogen hat, sind durchaus bemerkenswert.