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Wenn der Beste nicht kriegt, was er zu verdienen glaubt...

∞  19 August 2011, 12:55

Erfolgorientierte Menschen haben ein sehr gesundes Selbstbewusstsein. Oder zuviel davon.


Von einem Personalvermittler höre ich, dass er seinen Kandidaten bei der Karriereplanung rät, über den nächsten Job hinaus bereits einen weiteren Schritt voraus zu planen. Ich frage mich zwar, was davon der neue Arbeitgeber halten mag, wenn der neue (leitende) Angestellte sich bereits in einer Hirnecke mit dem nächsten Absprung beschäftigt. Aber vielleicht gehört das heute zur “professionellen” Denke, und der Arbeitgeber muss ja froh sein, auch nur vorübergehend von den Fähigkeiten des neuen Angestellten profitieren zu können. Die Zyklen, in denen gedacht wird, sind ja nicht nur bezüglich der betriebswirtschaftlichen Ziele kürzer geworden. Es gilt ja längst auch für Anstellungsverhältnisse.

Also versuche ich mal, es so zu sehen: Ein Ego, das sich schon zu Beginn einer neuen Anstellung zu eigentlich noch viel Höherem berufen sieht, sei Voraussetzung zur bestmöglichen Karriere.

Dass die Beschäftigung mit dem eigenen Ich und die Anerkennung desselben durch das eigene, möglichst grosse Umfeld eine nie endende Antriebsfeder ist, kann man im Moment unter den grossen Scheinwerfern beobachten:

José Mourinho ist DER Star unter den jüngeren Fussballtrainern. Sein Aufstieg ist kometenhaft erfolgt, und er hat dabei an allen Stationen auch handfeste Zeugnisse seiner offensichtlichen Fähigkeiten abgegeben: Meister, UEFA-Cup-Sieger und Championsleague-Sieger mit dem FC Porto, englischer Meister, Liga-Pokal- und FA-Cupsieger mit dem FC Chelsea, Meister, Cubsieger und Championsleague-Sieger mit Inter Mailand – nach einem Sieg im Halbfinal gegen den FC Barcelona.

Nun ist José Mourinho dort gelandet, wo er nach seinem Verständnis auch hingehört: Als grösster Trainer der Welt beim grössten Verein der Welt, und das ist, nach allgemeinem Anspruch der “Königlichen”, Real Madrid. Dumm nur, dass das Mass aller Dinge im nationalen spanischen und im Weltfussball überhaupt der Ligakonkurrent Barcelona ist. Die Meisterschaft gewann nicht Real Madrid, sondern Barcelona, unter anderem schlug man Real während der Saison gleich mal 5:1. Die Champions League gewann ebenfalls Barcelona, nach einem Halbfinalsieg gegen Mourinhos Real Madrid.

Der vielleicht beste Trainer der Welt hat das Problem, dass er eben nicht tatsächlich die beste Mannschaft der Welt trainiert – und diese Perfektion auch nicht erreicht.
Ein Egomane wie Mourinho aber kann das nicht akzeptieren. Wahrscheinlich gehört das, siehe oben, zum Persönlichkeitsmuster für einen solchen Erfolgstrainer. Es führt aber zu Beschädigungen, die an ihm kleben bleiben, ganz egal, wie er sein Palmares noch ergänzen wird:

Trainer wie Spieler greifen zu Mätzchen. Und es ist Mourinho höchstpersönlich, der nicht nur ein sackgrobes Foul, quasie eine doppelte Beinschere seines Verteidigers gegen Fabregas schön redet, nein, er ist höchst persönlich Teil der Tumulte, indem er den gegnereischen Assistenztriner am Ohr zieht und ihm ins Gesicht langt. Die Künstler am Ball werden zu Hooligans in der Niederlage – dabei war der Supercup doch ein wunderbar hochstehendes Fussballspiel gewesen. Aber man spürt es auf Schritt und Tritt: Die teuerste Mannschaft der Welt hat keinen Respekt vor dem momentan besten Team der Welt. Das wird nicht nur Sympathiepunkte kosten, sondern auch Energie. Und die fehlt dann erst recht auf dem Platz.

Mourinho könnte seine Karriere, vorwärtsgerichtet, nachhaltig beschädigen, und das spürt er wohl auch. Nichts dürfte er so hassen wie Ratslosigkeit. Und es ist zu vermuten, dass ihm momentan die Lösungen auf dem Platz fehlen. Wenn dem Meister der Meister gezeigt wird, dann endet das oft hässlich. Fortsetzung folgt.
~
PS: Neuer Sportdirektor bei Real Madrid ist übrigens Zinedine Zidane. Auch dies war ein begnadeter Fussballer – der sich öfter provozieren liess, als ihm lieb sein dürfte – in der Rückwärtsbetrachtung. Mourinho und Zidane sollten mal zusammen Kaffee trinken und dabei runter kommen. Zu befürchten ist allerdings, dass dabei was anderes herauskommt…







  1. Relax-Senf · 21. August 2011, 14:03 · #

    Thinkabout: “Von einem Personalvermittler höre ich, dass er seinen Kandidaten bei der Karriereplanung rät, über den nächsten Job hinaus bereits einen weiteren Schritt voraus zu planen. Ich frage mich zwar, was davon der neue Arbeitgeber halten mag, wenn der neue (leitende) Angestellte sich bereits in einer Hirnecke mit dem nächsten Absprung beschäftigt.”

    An dieser Aussage – korrekt betrachtet – ist nichts falsch, wenn man sie nicht aus dem Zusammenhang rauslöst und dann isoliert negativ betrachtet. Wenn man längerfristige Ziele setzt – Sportler wie auch engagierte Hobby Aktivisten – gehört eine Planung mit dazu. Jetzt muss man natürlich bei der Karriereplanung nach Altersklassen und erreichten Hierarchiestufen unterscheiden. Auf der Ebene GL ist es natürlich Unsinn eine Stelle anzutreten und dabei gleichzeitig den nächsten Schritt einfliessen lassen zu wollen. Dort zählen nur messbare Ergebnisse, womit der Markt entscheidet ob man wahrgenommen wird und ob es somit zu einem weiteren Aufstieg (grössere Firma) kommen kann.

    Je jünger Human Resources sind, desto wichtiger ist eine Mehrstufenplanung, was aber gar nichts mit einem Arbeitgeberwechsel zu tun haben muss. Es geht darum gezielt verschiedene Aufgaben und Verantwortungen betreuen zu können und dafür braucht es Planung. Weil das “abgestimmte” Ganze zu mehr Marktwert führt, wie wenn man nach Lust, Laune und Angebot Jobs annimmt, die nur am Rand allenfalls Berührungspunkte aufweisen. Die von den Arbeitnehmern so gerne und stolz erwähnte breite Erfahrung ist ein Schrottwert, wenn die Veränderungen nicht einen roten Faden erkennen lassen.

    Ob ein Senior Manager, ein Top-Trainer oder ein einfaches Teammitglied wechselt, alle sind nach dem Wechsel mit einem beträchtlichen Restrisiko konfrontiert. ALLE übersehen gerne, dass die auffällig gute Leistung am alten Ort, von vielen Kriterien – die meisten nicht beeinflussbar – abhängig ist. Und öfters als man meint, kann man die tolle Performance am neuen Ort nicht reproduzieren. Andererseits gilt dies natürlich auch, wenn man(n) seine Leistungskraft – wegen den nicht änderbaren Kriterien – nicht entfalten kann, dann sollte man wechseln.

    Eine Garantie ist bei keinem Wechsel möglich und es sind nicht nur die Fremdkriterien sondern häufig die “ausgeblendeten” eigenen Kriterien die über – abgestuften – Erfolg und Misserfolg entscheiden.

    Es ist das Team das gewinnt und verliert, obwohl es im Team Typen haben muss, die für Impulse sorgen und damit für den Moment im Teambild herausragen. Nur heute der und morgen jene. Der regelmässige Rasenschnitt, damit nichts herausragt und eine genormte – leicht austauschbare – Pflegeleichtvorgabe eingehalten wird, ist eine fataler HR-Managementfehler. Auch wenn es leider eine weitverbreitete Norm ist.

  2. Thinkabout @ Relax-Senf · 21. August 2011, 15:29 · #

    Danke Dir für Deine Aufwertung durch entsprechendes Knowhhow!
    Ich habe Dir per Mail mehr Infos geliefert. Es geht um einen Karriereschritt auf GL-Stufe einer Person rund um die 45.
    Ich bin da wohl ein bisschen naiv und halte mich vor allem an jenen Teil Deiner Aussagen, nachdem die Leistung im Job die nächsten Schritte – durchaus besser als urpsrünglich vorausgesehen – mit sich bringen wird. Mal abgesehen von den privaten Befindlichkeiten, die einen auch mal ohne die reine Karrieresucht wechseln lassen können. Aber Du bist der Letzte, der diese Sichtweise nicht verstehen würde, und um so wertvoller ist Dein Urteil.


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