Mein Schreiben. Täglich.

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Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Wir graben uns in den Schlund der Erde

∞  21 November 2011, 11:03

Die gierigen Schlünde unseres Energiebedarfs zu stopfen, bedeutet, die Erde aufbrechen zu müssen. Oder? Allerdings wird mir dabei schwindlig.


Das hier via mycomfor in der taz gelesen:

Das Delaware-River-Becken versorgt 15 Millionen Menschen an der Ostküste [der USA, Th.] mit Trinkwasser. Zugleich interessiert sich die Gasbranche für das Gebiet, denn mehrere Kilometer darunter befinden sich große Gasvorkommen im Schiefer. Ihre Erschließung wird mit Hilfe des “Hydraulic fracturing”-Verfahrens – genannt Fracking – finanziell interessant. Bei dieser Technik wird ein Gemisch aus Chemikalien, Sand und viel Wasser unter großem Druck in das Gestein gejagt, um den Schiefer zu brechen und das Gas freizusetzen und an die Oberfläche zu bringen. Anschließend werden die giftigen Abwässer in tiefe Erdschichten injiziert.

Im Artikel wird dann erzählt, warum das Projekt vorerst gestoppt wurde. Man kann es sich auch so denken. Wie man auch die Wahrscheinlichkeit bestimmen kann, dass eher früher als später auf den Entscheid zurück gekommen wird.

Wir sind ein gieriger Moloch, eine Horde von Heuschrecken. Und wir tun der Erde nicht gut. Wirklich nicht. Am Ende aber wird das die Natur nicht kümmern. Wir sind nur eine Episode für sie. Uns aber müsste es längst ganz anders kümmern, als dies der Fall ist. Dabei ist das Problem längst übermächtig, wenn es so weit voran geschritten ist. Wir müssten erst Ehrlichkeit lernen – und uns bewusst machen, was die Ressource “Energiekraft” uns tatsächlich kostet. Kein anderer Produktionsfaktor wird so sehr subventioniert, so wenig durchkalkuliert und so sehr verpolitisiert wie dieser. Mit Rohstoffpreisen wird auch in scheinbar rein wirtschaftlichen Belangen vor allem Politik gemacht – und ein jeder Staat wird mit seiner Energiepolitik eines nie tun wollen: “Seine” Wirtschaft abwürgen, sie im Wettbewerb mit anderen Firmen anderer Staaten benachteiligen – oder, gegenüber von China, noch mehr ins Hintertreffen geraten lassen.

Darum war bisher kein Atomkraftwerk gegen Betriebsschäden von mehr als einer Milliarde Euro Ausmass versichert, deshalb ist es billiger, Halbfertigwaren durch Europa zu karren, um sie wo anders zu Ende konfektionieren zu lassen. Der Motor, der nicht stottern darf, heisst Wachstum. Und darum wächst uns die Erde über den Kopf, in dem sie unter uns, um uns und über uns ganz langsam aber sicher ihre Ressourcen knapper und ihre Reaktionen empfindlicher werden lässt.




  1. Claudia Klinger · 22. November 2011, 09:29 · #

    JA, so sehe ich das auch – gruslig, wie sich die Menschheit in den eigenen Abgrund frisst!

    Dabei ginge es von den Bedürfnissen her sicher auch anders. Das hab’ ich an einem Beispiel im eigenen Leben gut erfahren können: Aus Protest gegen die Massentierhaltung hab’ ich aufgehört, Fleisch jeglicher Art zu konsumieren. In der Folge ist mir dann aufgefallen, in wie vielen käuflichen Lebensmitteln und gängigen Rezepturen tierische Produkte stecken, die für den Geschmack irrelevant sind (und für die Gesundheit oft eher belastend als förderlich) . Und auf der Suche nach “Fleischersatz” stellte ich dann fest, dass zwar nix ein Steak toppen kann, aber Bolognese, Bouletten und “Geschnetzeltes” auch sehr gut und wohlschmeckend mit Weizeneiweis (Stichwort Seitan) machbar sind.

    Da werden also massenhaft Produkte gehandelt und konsumiert, sowie Rezepte ganz selbstverständlich “mit Fleisch” tradiert, die recht verlustfrei auch ohne die obermiese Energie-Bilanz der Fleischproduktion auskommen könnten. Aber nix da, interessiert kaum einen, statt dessen tobt ein ideologischer Kampf um “alles oder nichts”, der viele damit abschreckt, ihnen ihr Steak madig machen zu wollen…

    Und auch sonst reicht das ökologische Bewusstsein offenbar nicht weit: so wurde gerade ein “StartUp” hochgelobt und prämiert, dessen Geschäftsidee darin besteht, Abonennten aufwändig verpackte Marmelade (200g) jeden Monat EINZELN zuzusenden. Kein blasser Gedanke an die komplett überflüssige Ressourcen- und Energieverschleuderung, die damit verbunden ist!

    Unser Problem ist tatsächlich der “freie Markt”, den wir im Grunde alle schätzen. Aber da ist halt strukturell inbegriffen, dass niemand den Konsumenten fragt: Willst du, dass wir für ein paar Amazon-Päckchen mehr in Naturschutzgebieten Ölschiefer abbauen?

    Das Bemühen um eine Energie-Wende geht auch immer davon aus, dass künftig genauso viel Energie bzw. MEHR davon produziert werden soll – nicht etwa weniger (was auch mit “Erneuerbaren” nicht ohne massive Umweltschädigung geht).

    Verzicht ist ein Unwort, Wachstum ist Zwang – und das nennen dann manche noch immer FREIHEIT!

  2. Thinkabout @Claudia · 22. November 2011, 22:05 · #

    Dein Schlusssatz ist ganz grosse Klasse, er bringt mein ganzes eigenes Denken auf den Punkt!

    Verzicht ist ein Unwort, Wachstum ist Zwang – und das nennen dann manche noch immer FREIHEIT!


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