Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Wir hinterlassen Spuren

∞  6 Januar 2008, 22:35

abgelegt in Themen SMS zum Tag
und Zwischen Tagen schwebende Gedanken


Wir werden gewarnt, dass wir Spuren hinterlassen im Internet.
Wie lebten wir, wenn wir uns bewusst wären, dass dies auch im realen Leben immer so ist?



Wir sind ja immer sehr damit beschäftigt, welche Wirkung wir erzielen. Nein, das ist nicht genau genug: Meist fragen wir nur, wie wir wirken. Also: Wie komme ich, wie kommt dies oder jenes an? Die einen beschäftigen sich mit dem Bild, das sie in der Öffentlichkeit abgeben, andere mögen es beklagen, dass sie nicht wahr genommen werden. Doch dies ist wohl falsch:
Wir alle hinterlassen tagtäglich Spuren und wirken auf Menschen. Wir tragen eine Stimmung mit uns, wir strahlen den ganzen Tag. Negativ oder positiv – vielleicht wird es indifferent oder gar nicht wahr genommen, von niemandem bewusst. Aber es ist so. Darum ist es nicht einfach nur wichtig, ob und was wir tun, sondern aus welcher Haltung das kommt. Das Warum und das Wie sind genau so wichtig wie das „Ob überhaupt“. Vielleicht ist es – an einem ausklingenden Sonntag sei der Gedanke noch erlaubt – besser, einmal nichts zu tun, den Antrieb zu überprüfen und Benzin nachzufüllen.


  1. Tina · 7. Januar 2008, 04:56 · #

    Ganz wichtig scheint mir hier die Verantwortung die Eltern gegenüber ihren Kindern tragen. Die Spuren, die Ihre Liebe und Fürsorge in den Kindern hinterläßt, wird in ihrem ganzen weiteren Leben eine entscheidende Rolle spielen.

    Das Internet ercheint mir da eher wie ganzjähriger Karneval, ein Maskenspiel, unterhaltsames Entertainment, das nicht immer die wirkliche Identität des Schreibers widerspiegelt, jedoch trotzdem Träume wecken und Spuren hinterlassen kann.In dieser Rolle, die man in der virtuellen Welt annimmt ist man zwar auch angreifbar; jedoch bleibt jedem glücklicherweise überlassen, seine Identität, Meinung oder seine Rolle zu ändern wenns brenzlig wird….es gibt einen (Hinter)Ausgang.

    Ich denke, gerade WEIL wir uns dessen bewußt sind, daß wir im wahren Leben Spuren hinterlassen, versucht jeder ein positives Bild in der Öffentlichkeit abzugeben, das der üblichen Norm entspricht, keinen Anstoß erregt.

    Wie Du bereits gestern geschrieben hast, ist es nicht nur schön, sich ein Stück weit erkannt UND getragen zu wissen, sondern bereits ein Glücksgefühl, wenn sich jemand auf den Weg macht, unsere Persönlichkeit ohne Maske kennenlernen zu wollen – sich für uns interessiert.

  2. Caro · 7. Januar 2008, 10:53 · #

    @Tina: ist nicht die elterliche Liebe und Fürsorge sehr oft auch geprägt von Eigensucht?
    Was würde es denn bedeuten, seine Kinder zu lieben: sie an sich zu binden? Oder ihnen von klein auf das Selbstwertgefühl so zu stärken, dass sie nicht ihr ganzes Leben lang nur auf die Reflektionen durch andere angewiesen sind, so, wie sie es durch die Eltern gelernt haben?
    Wohl dem, der nicht ständig zurückschaut, um seine Schritte auch Spuren hinterlassen haben.

  3. WerkRaumLebensArt · 7. Januar 2008, 11:11 · #

    ja und auch wir, ob Eltern oder nicht, handeln aus dem eigen Erfahrenem,
    mit dem tragen unseres eigenen Rücksacks (beim gegenlesen ein Tippfehler, den ich aber wie so oft mit freudscher Bedeutung so stehen lasse) gefüllt durch das Erfahrene und Weitergegebene über Generationen
    glaubend, in immer bestem Gewissen das Beste für die uns wichtigen Menschen zu tun
    und sehen erst, was sich vielleicht wirklich manifestiert hat, wenn wir einmal dahinter blicken können
    doch dann ist schon vieles geschehen
    dies sehen kann zu einem grossen Schmerz werden, den dann vielleicht so manche Mutter und so mancher Vater nun mit sich tragen

  4. werner · 7. Januar 2008, 14:04 · #

    Die Angst davor, dass wir – im internet oder anderswo – Spuren hinterlassen, ist immer wieder anzutreffen.
    Geneuer gesehenist es wohl die Angst, dass andere diese vonuns hinterlassenen Spuren ausnutzen, missbrauchen, gegen uns verwenden könnten – um uns auf irgendeine Weise zu schadem und sei es nur, uns mit Werbung für dies oder jenes zu bombardieren, weil zum Beispiel durch Kreditkartenzahlungen oder Kundenkarten unser Kaufverhalten registriert werden kann oder weil registriert wird, wer wann mit wem telefoniert hat oder welche internetseiten wir aufgerufen haben…
    Da gibts nur zwei Mittel: Entweder ich sperr mich ein und bewwege mich gar nicht mehr in der Öffentlichkeit oder ich benehme mich so authentisch wie möglich, selbstbewusst und selbstbestimmt.
    Und genau das ist es auch, was wir unseren Kindern beizubringen versuchten.

  5. Tina · 7. Januar 2008, 18:35 · #

    @Caro
    Die Entscheidung FÜR Kinder läßt meine Erachtens weniger Platz für Eigensucht als die Entscheidung dagegen. Kindersegen ist immer mit Kompromissen gekoppelt, man muß sich oft zurücknehmen und arrangieren, mal abgesehen davon daß man als Kinderlose über seinen Verdienst, seinen Kühlschrankinhalt und die Fernbedienung alleine entscheiden kann und sich auch nicht an regnerischen Nachmittagen in den Zoo oder ins Schwimmbad schleppen muß ;-)

    Spaß beiseite; Eltern werden ihren Kindern wohl immer die eigenen Wertvorstellungen und Erfahrungen vermitteln wollen, die sie selbst für wichtig und wertvoll halten. Deswegen die schöne bunte Mischung. Vielleicht hast Du Recht, und so mancher versucht seine nicht erreichten Lebensziele seinen Kindern auf die Schultern zu laden….

    Kinder an sich zu binden zu wollen ist wohl so, als wenn sich ein Schmetterling auf Deine Hand setzt und du die Hand zumachst um ihn festzuhalten….

    Von Anthony de Mello:
    “Man besitzt nie etwas wirklich. Nur eine Zeitlang bewahrt man es auf. Ist man nicht fähig, es wegzugeben, wird man selbst festgehalten.”


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