Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Wird's hier bald T-Shirt-Marketing geben?

∞  12 Juni 2012, 15:58

Wenn Sie gelegentlich dieses Blog besuchen, so ist es Ihnen wohl genau so aufgefallen wie einer Frau Schwab vom Search Laboratory, die mir heute “im Rahmen einer Internetrecherche” für ihren Kunden Vistaprint geschrieben hat:

Dieses Blog hat eine grosse Themenvielfalt

Jaaaah, das stimmt, und es ist auch nett, dass Frau Schwab mir mitteilt, dass ihr das gefällt. Allerdings verunsichert mich ihre Schlussfolgerung einigermassen:


Haben sie Interesse an einem Gastartikel über bedruckte T-Shirts als Marketing Strategie? Ich denke, ein solcher Artikel würde sich gut in ihren Blog integrieren lassen!



Das stürzt mich in den alten Bloggerzweifel, der uns Internet-Tagebuch-Meinungsschreiber ewig begleiten wird: Ist eine Themenvielfalt nicht der direkte Weg in die Beliebigkeit und damit fast schon zwanghaft der Grund dafür, gesichtslos zu werden? Was ist mit jenen Lesern, die zweimal vorbei kommen und ein Thema vorfinden, das sie nicht interessiert? Aber dass Frau Schwab denkt, dass die Dienstleistung, hier von bedruckbaren T-Shirts und einem tollen Angebot dafür im Netz zu erfahren, genau das ist, was Ihnen als Leser noch fehlt, lässt mich am Gehalt dieses kleinen Projekts (ver-)zweifeln…

Ich muss dringend andere Themen finden… Themen, die so esoterisch sind, dass ich höchstens den lebenslang garantierten Vertriebsvertrag von Duftkerzen offeriert bekomme. Also könnte ich doch so ein T-Shirt selbst ordern, auf dem etwa steht:

Ich blogge nicht mal für Duftkerzen.

istockphoto.com/koun

So ganz ohne Ernst ist das mit der Themenkorrektur gar nicht gemeint: Mich quält die Ausrichtung aufs Tagesgeschehen eher, als dass es mir Freude macht: Die Mechanismen in Politik und Wirtschaft ermüden mich in dem Masse, wie sie mich empören, und meine innere Unruhe wächst, ohne dass dies in irgend einer Weise zu einer Bündelung meiner Energien beitragen würde. Im Gegenteil. Es wäre tatsächlich erstrebenswert, wieder mehr über jene Themen zu reflektieren, die jedes Tagesgeschehen überdauern – weil sie sich mehr mit den Antrieben für die Zahnräder beschäftigen, welche uns in unseren ziellosen Geschäftigkeiten gefangen halten.

Auf mein T-Shirt könnte ich also drucken:


  1. LD · 12. Juni 2012, 22:58 · #

    Lieber Thinkabout

    Das Werbeangebot tönt sehr nach einer E-Mail von einem Roboter. Solche erhalte ich auch regelmässig immer wieder. Zum Glück schluckt der Spamfilter den allergrössten Teil. Lass Dich bloss nicht von sowas verrückt machen! Aber das ist ja bloss der Auslöser für Deine Zweifel.

    Themenvielfalt ist ganz und gar nicht Ausdruck von Beliebigkeit und sie führt – jedenfalls bei Dir ganz bestimmt – nicht dazu. Wenn jemand über eine Vielfalt von Themen zu schreiben weiss, zeugt das doch mehr von der Vielseitigkeit und Allgemeinbildung des Schreibers. Jeder schreibt über das, was ihn bewegt und zu dem er etwas zu sagen hat. Was soll daran falsch sein? Wärst Du ein Gefälligkeitsblogger, würde ich hier gar nie zur Lekture vorbeischauen. Vergiss das dämliche T-Shirt! Schreib einfach, was Dir gefällt!

  2. Thinkabout · 12. Juni 2012, 23:32 · #

    @LD
    Keine Sorge. Ich nehm so was eher von der humorigen Seite.
    Ich breche auch nicht den Stab über Bloggerkollegen, die dann schon mal sich als Marketinggefäss missbrauchen lassen. Das ist allerdings in den meisten Fällen das Ende des Ursprungscharakters eines Blogs, aber von der Art und Raffinesse, mit der solche Mails formuliert werden, sehe ich ganz deutlich, wo die Anknüpfungspunkte gesucht werden.

  3. ClaudiaBerlin · 13. Juni 2012, 11:55 · #

    Mein Mitgefühl! Da ich sieben Blogs betreibe, werde ich von “Kooperationsanfragen” geradezu überschüttet! Tauschartikel, Artikel mit “Vergütung”, “Wertvoller Inhalt” für meine Blogs – und die Ansprache ist oft bemüht “kumpelig”, was mich eher nervt als positiv beührt.

    In zwei meiner (themenzentrierten!) Blogs hab ich eine Rubrik “Marktplatz” außerhalb des Blogstreams eingeführt, die dafür da ist, werbliche Artikel über passende (!) Unternehmen und Produkte zu platzieren, deutlich abgegrenzt von den Blogpostings. Allerdings nicht für’n “Appel & Ei” – entsprechend gering ist die Nachfrage.

    “Content is king” bzw. der Link im Blogposting selbst ist derzeit das meistbegehrte “SEO-Gut” – und anscheinend bedenken viele Blogger nicht, dass man ihnen gar nichts mehr glaubt, wenn nicht gekennzeichnete “sponserd Postings” erscheinen – die ja doch leicht erkennbar sind, schon an den max. 2 Keyword-Links (bzw. neuerdings “alternierende” Linktexte, wegen Googles Penguin-Update gegen “überoptimierte” Seiten).

    Ich empfinde die von kommerzieller Seite heftigst gewünschte unerkennbare Vermischung eigener Inhalte mit Werbe-Interessen als sehr unangenehme, schädliche Entwicklung für das gesamte Blogger-Wesen! Denn ich habe an sich nichts gegen Werbung, wenn sie zum Blog passt und bin durchaus geneigt, damit auch ein paar Euro zu verdienen – aber bitte “im aufrechten Gang”, also nicht inmitten des Herzstücks eines Blogs mittels Prostitution der eigenen Meinung!

  4. Smolli · 6. Juli 2012, 17:35 · #

    Danke, Danke Danke. Soeben hat mich ebenfalls die nette Kooperationsanfrage dieser Firma SL erreicht, diesmal ist es eine sehr nett klingende Frau Salewski.

    Bin da aber deiner Meinung und im Übrigen im gleichen Dilemma. Inzwischen (jemals gewesen?) ist mein Blog nicht mehr so fokussiert, sondern mehr ‘ganzheitlich’ ;)

    Aber, es ist entspannender, wenn man relativ unbekümmert seinen Blog befüllen kann. Ich muss ja davon nicht reich werden … oder? :P
    Wobei, nichts gegen Gastbeiträge und nichts gegen ein kleines Taschengeld dazu, aber ich bin noch nicht soweit mich – wie sagt da ClaudiaBerlin – zu prostituieren (obwohl ich diesen Begriff für leicht übertrieben halt ;))


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