Wird schon nichts passieren

PICTURE BY CERN / VIA WELTBIDLUNG.COM
Jetzt beschleunigen sie also wieder Teilchen im Cern, in diesem “Labor-Tunnel” von fast 30 Kilometern Länge in der Nähe von Genf, wo sich unterirdisch ganz helle Geister an ganz schwarze Löcher heran tasten wollen. Vom Urknall und der schwarzen “Materie”, die irgendwie gar keine ist und doch besteht, wollen sie mehr erfahren. Der Mensch will immer mehr erfahren. Aber von was und wohin führt uns das? Heute war wieder ein Professor aus Thübingen am Radio zu hören, der errechnet haben will, dass es eine Chance von 1:12 gibt, dass die Erde in den nächsten Monaten auf einen Zentimeter zusammen schrumpft. Das wollen wir nicht hören. Ist auch unwahrscheinlich. Aber das unwahrscheinlich Wahrscheinliche interessiert ja auch die Wissenschaftler, und wie wollen wir schon wissen, wer von ihnen wie seriös – und noch wichtiger – wie tüchtig ist?
Ich verstehe von diesem ganzen Zeugs nicht viel. Für mich war in der Physik kurz nach den einfachsten Hebelgesetzen Schluss mit Mitdenken. Es blieb allenfalls das Staunen und Beobachten. Und damit bin ich hier wirklich endgültig mit zu kurzen Hosen unterwegs. Beobachten kann ich höchstens unser Verhalten dem Thema gegenüber. Und ich würde mal behaupten,dass die meisten Menschen dem CERN gegenüber eher gleichgültig eingestellt sind. Und gleich dahinter kommt die Fortschrittsgläubikgeit. Sie hat uns auch die Waschmaschine gebracht und den Computer, auf dem dieser Text entsteht. Es muss immer weiter gehen, und der Mensch wird immer mehr wissen wollen – und dabei auch Risiken eingehen. Irgendwann ist es dann vielleicht wirklich zuviel, aber vielleicht haben wir uns zuvor die letzte Grasnarbe eh weg gefressen und uns selbst ausgehungert. Vielleicht aber überspannen wir den Bogen wirklich immer weiter – und eines Tages ist es vorbei mit der Gutmütigkeit der Erde, die wir im Moment immer noch annehmen, ohne dass wir wirklich wüssten, ob wir Grund dazu haben…
Es wird auf jeden Fall spannend bleiben, was “passiert”. Es geschieht immer etwas. Fortlaufend. Wir leben schliesslich auf einem sich drehenden Planeten. Nur so zum Beispiel. Ohne dass wir uns dessen bewusst wären. Dass wir es entdecken und erforschen können, ist schön, spannend, interessant, Teil unserer Wissbegierde. Wenn dies das einzige Begehren dahinter ist, dann, ja dann, glaube ich, wäre der Mensch nicht wirklich ein Fehler der Natur…
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Menachem · 30. März 2010, 21:02 · #
“…wäre der Mensch nicht wirklich ein Fehler der Natur…
da möchte ich dir zustimmen. Doch hoffe ich, das seine rhytmischen Störungen nicht irgendwann den Notarzt bedürfen.
Claudia · 1. April 2010, 21:36 · #
Ich fand es immer interessant, wie die Wissenschaft nach den “letzten Dingen” sucht! Immerhin ist es dieses Suchen und Forschen und Experimentieren gewesen, das den Geist von den Zwängen der Kirche als “Weltbildgeber” befreit hat. Und immer wieder mal lese ich die neueren Theorien: 11- oder n-dimensionale Universen, Sphären, Schäume, Quanten, Quarks – und jetzt halt das gesuchte Higgs-Teilchen, von dem ich nur weiß, dass das herrschende Modell es unbedingt braucht – ohne Higgs kein Urknall.. oder so, Vielleicht hab ichs auch falsch mitbekommen…
Daneben finde ich es auch gut, dass es noch solche großformatige Grundlagenforschung gibt. Das ist ja weitestmöglich entfernt von anwendbaren Produkten… gefällt mir, weil es reine Neugier ist!
Thinkabout @Claudia · 1. April 2010, 22:06 · #
Weitestgehend entfernt von anwendbaren Produkten? Wenn der Mensch eine zweite Disziplin wirklich gut beherrscht neben der, welche Du schilderst, dann ist es jene, Erkenntisse zur “Alltagstauglichkeit” zu führen – immer so, wie die Zivilisation dies versteht, natürlich. Lassen wir uns überraschen!
Seelenleerer · 2. April 2010, 10:18 · #
Die Raumfahrt hat uns immerhin den Klettverschluss beschert ;-)