Wirklich Offside, so was!
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Sport ist die wichtigste Nebensache der Welt. Ob man sich deswegen allerdings dabei gleich immer wie ein Goof benehmen muss, möchte ich doch bezweifeln. Je älter ich werde, um so mehr mache ich die Beobachtung, dass es scheinbar normal ist, mit grober Parteilichkeit und entsprechender Subjektivität, um es höflich auszudrücken, alles in Frage zu stellen, was sich gegen den eigenen Erfolg richtet. Schiedsrichterentscheide? Immer falsch, wenn die Hand in die falsche Richtung zeigt. Die Köpfe laufen rot an, es wird gebrüllt, was das Zeug hält.
Kommentatoren und Medien fügen dann gerne an, dass die Betreffenden sich “mit Haut und Haar” für ihre Mannschaft einsetzen und “alles für den Erfolg tun”, also “nichts dem Zufall überlassen”.
Die Spieler? Nein, ich meine die so genannt Offiziellen, Trainer und andere Führungsfiguren, die eigentlich mit ihrer Art ein Stück weit Atmosphäre und Fokussierung auf das Wesentliche vorgeben sollten.
Und ich meine auch nicht den Fussball allein, sondern die Tendenzen im Spitzensport ganz allgemein.
Neuestes Beispiel: WM-Skispringen von der grossen Schanze. Der erste Durchgang fand dem Vernehmen nach (ich habe ihn nicht gesehen) unter annehmbaren, einigermassen konstanten Bedingungen statt. Es führt danach überraschend der Schweizer Andreas Küttel vor Martin Schmitt und dem Norweger Jacobsen.
Drei Springer der Welteltite, die dieses Jahr allerdings kaum je auf dem Treppchen standen. Die Österreicher Schlierenzauer, Loizl und Morgenstern stehen noch neben dem Podest, sind aber in Sprungweite.
Im zweiten Durchgang schneit es und der Wind hat auch zugenommen. Die Spur wird immer langsamer, die Sprünge geraten nicht länger, auch bei den besseren Springern nicht. Der Durchgang wird angehalten, dann abgebrochen und ein Neustart angesetzt.
Das gleiche Spiel. Etwa zehn Springer vor Schluss ist dann wirklich Schluss. Und das bedeutet, dass der erste Durchgang als Endresultat gewertet wird.
Der Trainer, der das am wenigsten verstehen kann, ist, kein Wunder, derjenige des österreichischen Teams. Auf die Frage des ORF, wie er sich zu der Entscheidung stelle, meint er, er könne sie “nicht ganz” nachvollziehen. Die langsamer gewordene Spur will er nicht gelten lassen, die “weltbesten Springer, die man gar nicht mehr runter gelassen hat”, könnten das wettmachen, meint er. Der Mann wird in neuen Branchen noch ganz gross rauskommen. Er muss die Möglichkeit der Umgehung einiger Grundgesetze der Physik entdeckt haben.
Der ORF-Reporter aber ist bemerkenswert fair und gibt seinem Landsmann in der Trainerjacke noch eine Gelegenheit, auf seine Einschätzung zurück zu kommen:
Wir haben jetzt wechselnde Winde von 2 bis zu 6 m/sec. Was sagen Sie dazu?
Antwort: Wenn “er” in der Jury gesessen hätte, dann hätte er den zweiten Durchgang viel schneller “durchgepeitscht”, und dann wäre es gar nie so weit gekommen.
Eher etwas peinlich. Allerdings bin ich wohl Teil des Phänomens: Denn als Schweizer, der den Küttel auch noch als Typ sympathisch findet, und der sich diebisch freut, dass unsere genau zwei Schneehüpfer, die wir überhaupt im Einsatz haben, schon wieder WM-Medaillen abholen, fällt mir das hier natürlich ganz besonders auf: Denn es blamieren sich die anderen als schlechte Verlierer…
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Marianne · 27. Februar 2009, 22:31 · #
Ich bin ein Fan von Skispringen, lasse keine Konkurrenz aus. Auch heute sass ich vor dem TV – und einmal mehr nervte mich der österreichische Trainer. Ich beobachte ihn schon lange. Keiner ist so unter Dauerstress, so fanatisch wie er. Ihm gönnte ich, als Einzigem, den Verlust des Sieges.Klar freut es mich besonders, dass Küttel Erfolg hatte. Aber ich freue mich für Jeden, dem ein toller Sprung gelingt. Es sind alle nette Burschen, bescheiden und sehr kameradschaftlich.
Thinkabout · 27. Februar 2009, 22:37 · #
Der offene Umgang unter den Skispringern fällt auch mir auf. Ich denke, das hängt damit zu sammen, dass sich jeder bewusst ist, wie wenig es braucht, um die notwendige Stabilität zu verlieren. Es ist ein Psychosport, bei dem selbst die Aktiven nicht so genau wissen, warum es gut läuft oder nicht, zumindest nicht dann, wenn man nicht ganz tief forscht. So sitzen sie alle irgendwie im gleichen Boot. Mein Respekt vor einem Martin Schmitt, z.B., der so lange durch tiefe Wellentäler gehen musste, ist riesig.
Richard · 28. Februar 2009, 07:21 · #
Spitzensport mit all seinen Querverbindungen und wirtschaftlichen Interessen ist schon lange nur noch ein Beschäftigungsprogramm für Multiplikatoren und Verkäufer. Nur der 1.ste zählt. Sportsarten welche in einem Land wegen fehlender nationaler Vertreter keine Sieger präsentieren verschwinden dort in einem medialen Niemandsland, finden dafür aber in einem anderen Land wahnsinnige Aufmerksamkeit.
Also Sport ist Wirtschaft und sonst nichts. No sport!
Thinkabout · 28. Februar 2009, 09:31 · #
@Richard:
Bedingt richtig. Die mediale Fokussierung nervt tatsächlich und sie zwingt mich manchmal geradezu, fremde Fernsehsender zu benutzen. Und ich finde es peinlich, wenn in den Nachrichten zu hören ist, dass ein “eigener” Sportler Zweiter geworden ist, wer gewonnen hat und Dritter wurde, geht “vergessen”.
Aber: Ich schaue gerne Eishockey, auch wenn keine Schweizer dabei sind. Ich liebe den Fussball, obwohl die Schweizer da regelmässig das Verlieren lernen, ich schaute schon Tennis, als klein Roger zu Hause noch wütend die Schläger fort warf und ich selbst diesen Sport noch nicht ausübte. Ich finde einen Golfschwung ästhetisch, obwohl ich mich noch nie auf einem Green bewegt habe und die Schweizer eigentlich auch nicht, also in der Spitze. Darum:
Sport yes. Medial ist da dann allerdings wirklich der breite Empfang nötig, sonst sieht’s elend aus. Als kleines Land fehlt uns die mediale Vielfalt im eigenen Land, aber wir sind auch ganz allgemein viel mehr international orientiert.
SeelenLeerer · 1. März 2009, 08:51 · #
Besonders schlimm wird es,
wenn Kommentatoren nicht wirklich Ahnung vom geschehen haben.
Als Tom Lüthi zu siegen begann,
wurden Motorradrennen auch auf SF2 gezeigt,
was mich während der Werbepausen auf Eurosport
zum Umschalten verleitete.
Mittlerweile schaue ich nur noch ohne Ton oder lieber gleich die Werbung.
Umgekehrt ist es bei der Formel Eins:
Dort liebe ich Heinz Prüller für die Versprecher und sein “Falschsehen”.
Immer wieder ist er erstaunt bei einer Wiederholung,
“Jetzt überholt der ja den schon wieder”
oder sieht Defekte nicht und staunt dann über das Ausscheiden,
weil er so liebvoll Geschichten über die Menschen dahinter erzählt.