Wissen weise einsetzen... - Reflexionen
Wer eine lange (intellektuelle) Ausbildung durchlaufen hat, kennt sie, die Techniken zur Wissensverwertung. Besonders versierte Wissensakrobaten vermögen mit Schwindel erregender Virtuosität eine Unzahl von Schubladen zu öffnen und jeder Situation einen Wissenshappen zuzuordnen.
Wir verwursten alle eine Unmenge an Informationen. Diese fliessen immer noch schneller und üppiger, und wir sind längst Akrobaten der geistigen Triage-Technik geworden, um einigermassen zu filtern, was sonst über uns zusammen schlagen würde wie ein reissender Sturzbach.
Wissen ist Macht, heisst es.
Die Macht aber, unser Wissen zu unserem wirklichen Wohl einzusetzen, wird in keinem Wettlauf, keinem Wettbewerb, keiner öffentlichen Prüfung vergeben.
Gesellschaftliche Anerkennung, ein interessanter, anerkannter Beruf – alles Möglichkeiten, die ein bisschen Freiheit ermöglichen. Theoretisch. Per se wird nichts davon Realität. Es sind und bleiben nur Möglichkeiten. Wie ich sie nütze, was ich wirklich brauche, was mir gut tut und mich zufrieden macht – dafür muss ich hören können. Auf mich und mein Inneres. Auf ein Wissen, das in mir schon angelegt ist. Ich muss mich gleichsam erinnern, was vor einem Grossteil dieser Informationen schon da war. Was war praktisch mir nah, bevor ich die Theorie lernte? Welches Wissen ist wann für mich von Bedeutung?
Wer besitzt mehr Wissen? Der Manager, der irgendwann in der Schule den Faust von Goethe studiert hat, bis zum Verleiden, ein paar Zitate kennt und kein Parkett scheuen muss, auf dem diese fallen mögen? Bevor er weiter hetzt, samt allen seinen Gedanken, zur nächsten Entscheidung, die ohne ihn nicht gefällt werden kann und nichts mit diesem Luxus des Schöngeistigen zu tun hat.
Oder ist es sein Nachbar, der gerade gestern mit der ganzen Familie in der Gemeindevorstellung des Theatervereins sass, sich ob der „drei Männer im Schnee“ herzlich kaputt gelacht und alles andere vergessen hat?
Nachtrag vom 4.3.08, 0h35
Weisheit – der richtige Umgang mit meinem Wissen. Und damit Herzensbildung.

Caro · 3. März 2008, 08:33 · #
Ich LIEBE den Geheimrat aus “Dreio Männer im Schnee”!
SeelenLeerer · 3. März 2008, 18:48 · #
Lieber Thinkabout
Kann es sein,
dass Du
Wissen mit Weisheit verwechselst?
Thinkabout · 3. März 2008, 23:33 · #
Vielleicht fehlt der Schlusssatz, oder ich bilde mir ein, dass ich den Leser darauf “lupfe”:
Weisheit ist, mein Wissen richtig einzusetzen. Es dann anzuwenden, wenn es mir ein Segen sein kann. Und das heisst, dass es sich nie gegen andere richten sollte.
Weisheit ist also das Wissen, dass dieser Abend der Familie gehört und Unbeschwertheit ein köstliches Gut ist. Weisheit bedeutet, dem Sein Raum zu geben, und das Streben unterzuordnen.
Thinkabout · 3. März 2008, 23:38 · #
Ich habe auf Grund Deiner Frage, lieber Seelenleerer, noch einen Satz angefügt:
Weisheit – der richtige Umgang mit meinem Wissen. Und damit Herzensbildung.
SeelenLeerer · 4. März 2008, 16:55 · #
Zumindest mich hast Du damit drauf “gelupft”.
;-)