Wollen Sie auch verarscht werden?
Weisse Sprinter haben nicht die optimalen körperlichen Voraussetzungen für Weltrekorde. Das mag eine Tatsache sein. Und manchmal denken sie laut… Worte eines Verlierers, Nestbeschmutzers, oder einfach eines Sportlers, der nicht länger mit einer Heugabel gegen Fechtmeister kämpfen will?
Hoppla. Da wagt sich jemand aus der Deckung. Dem deutschen 100- und 200m-Sprinter Tobias Unger ist der Kragen ganz offensichtlich geplatzt. Auf den Artikel bin ich bei Yahoo gestossen, und die Aussagen waren schon gestern auch bei weltonline sport nachzulesen:
„Bolt läuft im Mai 9,80 Sekunden und Ende September auch. Er zeigt keine Schwächen nach langen Reisen, keine Müdigkeit durchs Training. [...] „Er hat sich [Vor dem Zwischenlauf, Th.] nicht mal warmgelaufen. Der kam in Badehose und Joggingschuhen, hat eine Steigerung und einen Start gemacht, seine Spikes angezogen und ist dann die 100 Meter in 9,92 Sekunden gejoggt. Für mich ist das eine Riesenverarschung.“
Ach ja, ich bin ziemlich sicher, dass nicht nur ich, sondern auch Sie nicht wussten, dass überhaupt nur 25 Länder eine nationale Anti-Doping-Agentur haben????!
Ich bin gespannt, wer das überhaupt hören will? Unger, Olympiafinalist in Athen über 200m, ist in Peking im Zwischenlauf ausgeschieden. Es sind also die Worte eines Geschlagenen. Frust und Neidertum kann man so leicht hinein interpretieren.
Ich höre derweil die Experten sagen, dass Usain Bolt einfach die optimalen biologischen (biomechanischen) Voraussetzungen mitbringe und ja schon als 16-Jähriger unglaublich schnell gewesen sei.
Ich lach mich fast schlapp. Da lief Michael Johnson im Jahre 1996 aller Welt um die Ohren. Bis dahin hatte man gedacht, Pietro Menneas Zeit von 1979, 19,72 Sekunden, gelaufen in Mexiko-Stadt zu Zeiten, in denen Blutdoping nicht nachweisbar war, würden unerreichbar bleiben. Johnson schraubte die Zeit in zwei Anläufen in einem Jahr auf 19,32 Sekunden. Seine Leistung wurde nicht mit optimalen, geschmeidigen Bewegungen begründet, sondern mit dem Gegenteil: Er lief wie eine Nähmaschine und hatte dabei einen steifen Rücken, als hätte er einen Stock verschluckt. Und nun ist es also doch die Biometrie, die noch bessere Zeiten ermöglicht. Oder was auch immer. Die Sportreporter müssen ja vorbeugend einbalsamieren, was sie hochjubeln, wollen sie Part eines gloriosen Spiels bleiben.
Ich finde, Unger hat Recht. Er wird verarscht. Genau so deutlich muss man das sagen. Ach ja, wir übrigens auch. Das sehen die Leser bei Yahoo auch so. Der Artikel hat bereits 419 positive Bewertungen bekommen.
Nur muss Unger damit leben, dass das alles dennoch keine Sau hören will. Garantiert.
[Bildquelle: Am Ort des Yahoo-Artikels ]
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tin · 21. August 2008, 17:27 · #
Das einzige, was ich im TV kurz mal von Peking gesehen habe, war Tennis. Das wärs – ich lass mich ungern verarschen.
amade.ch · 21. August 2008, 17:50 · #
verarscht? könnte es nicht auch sein, dass bolt einfach uhuuuuere schnell ist? klar, in den heutigen dopingzeiten wird man sicher vorsichtig. aber einen athleten ohne echten verdacht einfach so abstempeln?
obwohl ich auch skeptisch bin, freue ich mich über bolts läufe. schliesslich besteht doch die möglichkeit, dass alles mit rechten dingen zugeht.
Marianne · 21. August 2008, 19:05 · #
Oympia – wen interessiert das noch? Auch ich opfere meine Zeit nicht für das getürkte Gehüpfe und die Jubelszenen der Sieger. Und nun müssen sogar die Pferde “gesalbt” werden – nein danke.
Ines · 22. August 2008, 07:18 · #
Schade, dass der eigentliche Sport auf der Strecke bleibt. Und die Verlogenheit (“Oh, das können wir uns überhaupt nicht erklären!”), wenn doch mal ein Dopingfall auffliegt, ist eine Farce.