Zu Guttenbergs Kolleginnen: In die innere Klausur!
Herr zu Guttenberg ist zurückgetreten. Die Kanzlerin Angela Merkel und die Bildungsministerin Annette Schavan haben eigene Misstritte zu verantworten.
Nun, da der Rücktritt von Karl Theodor zu Guttenberg Tatsache ist, gilt es nochmals, den Schweinwerfer in dieser Affäre auch und gerade auf die Kanzlerin und die Bildungsministerin zu richten. Es bleibt in höchstem Masse bedenklich, wie eine promovierte Physikerin und die Ministerin für Bildung über lange Zeit den Verdacht auf ihrem Ministerkollegen bagatellisieren konnten. Die Kanzlerin hatte mit der Verniedlichung des Plagiatsvorwurfs schon bedenkliche Zeichen gesetzt und jede charakterliche Bewandtnis eines mangelhaften Zitierens oder Plagierens für einen Verteidiungsminister verneint. Dass die Ministerin für Bildung und Forschung, Frau Annette Schavan, sich dann auch noch vernehmen liess, es sei egal, „ob und wie jemand promoviere“, hat wohl das Fass für die Wissenschaft zum Überlaufen gebracht.
Mittlerweile zweifelt wohl auch der „normale“ Bürger nicht mehr an der Schwere des Betrugs. Dass er aber so lange marginalisiert werden konnte, von Trägern von Funktionen in der Regierung, die für Ausbildung, Berufsethos und Bildung im Allgemeinen entscheidende Mandate ausüben, ist eine Katastrophe, die noch länger nachwirken dürfte.
Selbstverständlich mag man anführen, dass die Vertreter aller Parteien in einem solchen Fall in erster Linie Machterhaltungsreflexe erkennen lassen. Ob links, ob rechts, die Erscheinungen wären wohl ähnliche. Es bleibt bemerkenswert, dass in diesem Fall Professoren und Lehrverbände ihre obersten Hüter zur Ordnung gerufen haben und wohl entscheidend Gegensteuer gegeben haben. Wenn Schavan nun in der Süddeutschen meinte, sie „schäme sich nicht nur heimlich“, dann sollte sie ganz schnell in sich gehen und bei sich selbst anfangen. Fremdschämen ist nicht angesagt, eine innere Klausur aber sehr wohl.
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Uwe · 1. März 2011, 11:30 · #
Ist doch klar, weshalb Frau Merkel an Guttenberg festhielt:
Es ist nämlich garnicht mehr so einfach, Personal für die bigotte Rolle des “Politikers” zu finden, das nicht vom “dummen Volk” sofort als Heuchler erkennbar ist. Frau Merkel sollte sich an Schauspielschulen umsehen. :)
Jean-Paul Robin · 1. März 2011, 20:02 · #
@Uwe: Bin gleicher Meinung.
Bei der Schwere des Fehlverhaltens halte ich es mit dir, Kurt. Für mich wiegt das Verhalten der Kanzlerin und ihrer Bildungsministerin schwer und wird sicherlich ein Nachspiel haben.
Was Guttenberg betrifft steht für mich aber noch eine – nun lediglich noch theoretische – Frage im Raum: Könnte man ihm sein Verhalten nicht verzeihen resp. wäre es mit einem frühen und umfassenden Geständnis und ehrlicher Reue möglich gewesen, ihm zu verzeihen? Denn schliesslich verliert hier Deutschland einen herausragenden jungen Politiker, welcher nicht wegen sondern trotz seiner Herkunft sich grosser Beliebtheit beim Volk erfreute. Muss er denn zwangsweise eine weisse Weste haben? Sollten es nicht die fähigsten Politiker sein, welche ein Land regieren? Ich merke, dass ich in der Affäre Guttenberg sehr zwiegespalten bin. Nicht dass ich Mitleid mit ihm hätte. Nicht er hätte es verdient eine zweite Chance mit Deutschland zu erhalten, sondern Deutschland mit ihm.
Thinkabout · 1. März 2011, 21:22 · #
@Jean-Paul Robin
Was Du ausdrückst, bringt sehr gut die Stimmung in weiten Teilen der Bevölkerung in Deutschland auf den Punkt, und ich kann das sehr, sehr gut verstehen. Tatsächlich ist es sogar so, dass man wohl mit Fug und Recht sagen kann:
Kein anderer Politiker hätte diese von Dir angedeutete zweite Chance in Anspruch nehmen können:
Aber zu Guttenberg hat der Lüge vertraut und eben NICHT den Bürgern und ihrer Bereitschaft, ihm zu verzeihen. Er ist eben NICHT hingestanden und hat nach dem Auftauchen von dutzenden von Plagiat-Stellen im Internet reinen Tisch gemacht – mit der ersten Stellungnahme. Da hätte er wohl nicht nur das bewusste Abschreiben zugeben können, er hätte womöglich gar einen Ghostwriter nennen können – und man hätte ihm das womöglich nachgesehen, ob zu Recht oder zu Unrecht. Aber nur dann wäre es möglich gewesen, vergangenes Fehlverhalten mit aufrichtiger aktueller Klarheit zu kompensieren. Aber zu Guttenberg ist ganz aktuell noch immer ein Trickser und Mogler. Kein einziges seiner Statements bisher war wirklich ehrlich. Er will noch immer glauben machen, es wäre nicht bewusst abgeschrieben worden. Damit riskiert er, dass die Geschichte noch lange weiter kocht. Und es stellt sich die Frage, was sonst noch alles geschönt sein mag in einem Leben, in dem der Protagonist augenscheinlich zu seiner eigenen Wahrhaftigkeit trotz aller Erfolge keinerlei Vertrauen hat. Womöglich, weil es sie gar nicht gibt? Was von seiner Eigendarstellung in seinem CV bekannt ist, lässt die Annahme zu, dass wir es hier mit einem notorischen Blender zu tun haben.
Das alles ist verdammt schade und scheinbar unnötig, denn die Strahlkraft und manche wirklich positive Wirkung seiner Politik ist ja durchaus erkennbar, und alle, die sich einnehmen liessen und an ein wenig an aufrechte Politik zu glauben begannen, fühlen sich nun desavouiert. So, wie sich zu Guttenberg heute verabschiedet hat, mit so vielen offenen Fragen, glaube ich nicht, dass Deutschland die zweite Chance mit ihm bekommt. Und ich denke, dass das dann auch besser so ist.
Denn das fällt auch jetzt noch auf: Egal, welches Regierungsmitglied man beobachtet: Es scheint niemanden zu geben, der bereits erkannt hat, dass es im Internetzeitalter nicht länger möglich ist, eine solche Geschichte tot zu schweigen. Hätte es den Aufschrei der Wissenschaft nicht gegeben, es würde weiter taktiert. Gegen das noch immer vorhandene Schönreden aber wird der Widerstand auch mit dem Rücktritt nicht versiegen: Zu Guttenberg wird keine Ruhe bekommen, bis endgültig festgestellt ist, wie die Arbeit entstanden ist. Die laufende weitere Prüfung der Kommission in Bayreuth wird ergeben, dass ein Vorsatz vorliegt – und die Süddeutsche Zeitung und andere gehen recherchieren, ob die Arbeit überhaupt von KTzG geschrieben worden ist. Der Spiessrutenlauf ist noch nicht zu Ende und strafrechtliche Schritte dürften auch noch folgen…
Uwe · 1. März 2011, 22:41 · #
Genau analysiert, Kurt. Und es ist kein Zufall und auch kein Fehler, daß er die Wahrheit nicht sagen kann. Er glaubt eben nicht an den Segen der Aufrichtigkeit. Glaubte er daran, dann könnte er nicht Politiker sein, denn dieser Beruf ist doch nur mit Unaufrichtigkeit zu betreiben. Die Lüge ist Mutter und Vater dieses Berufsstandes und jeder weiß es. Ich habe echtes Mitgefühl für Guttenberg und für jeden anderen, der meint “für sein Land” unaufrichtig sein zu müssen.
Relax-Senf · 2. März 2011, 01:07 · #
Ja Thinkabout, schliesse mich @Uwe an mit: Genau analysiert. Trotzdem bin ich an verschiedenen Stellen anderer Meinung.
“Kein einziges seiner Statements bisher war wirklich ehrlich.”
Ehrlich Thinkabout, egal was KDG in den letzten Tagen gesagt hätte, für Dich und die Blogger Szene wäre es immer unehrlich gewesen. Von dort beobachte ich mal wieder mit Interesse, wie Lager in der Gesellschaft entstehen! In den ZDF Spätnachrichten (01.03.2011) war interessant, wie sich die Bürger, Nichtakademiker und Nichtblogger, zu der Geschichte geäussert haben, weshalb ich behaupte Guttenberg wird in ein paar Jahren ein Come back als Politiker haben, weil es mehr Wähler ohne akademischen Titel gibt und die würden eine grosse Anzahl anderer Politiker lieber aus dem Amt gejagt sehen. Ausserdem, der erzwungene Rücktritt des Verteidigungsministers wird geradezu zu einer Legendenbildung beitragen. Der Angedachte Umbau der Bundeswehr wird sehr schwierig und es bleibt für immer offen, was KDG wirklich hingebracht hätte. Aber ohne ihn, werden die absehbaren (Teil-)Misserfolge zur erfolgreichen Reform zu einem Triumph für KDG, weil er es in der Meinung der Bürger gepackt hätte.
Es mag strafrechtliche Konsequenzen geben! ? Mit dem Rücktritt des Ministers wird aber das Interesse der Medien nachlassen. Es gibt nämlich keine Quote mehr her und sowohl die Presse als auch – ein grosser Teil – der Leser, hat mit dem Rücktritt die Lust an der Geschichte verloren und die Blogger allein vermögen das Interesse der Bevölkerung nicht am Leben halten.
“Was von seiner Eigendarstellung in seinem CV bekannt ist, lässt die Annahme zu, dass wir es hier mit einem notorischen Blender zu tun haben. “
Lieber Thinky, lass Dir sagen bzw. glaube mir, das ist der ganz normale Alltag bei der Abfassung von Lebensläufen und gäbe es nicht die Plagiatsgeschichte, wäre der Lebenslauf in einer Wochenendezeitung gekommen und die Konkurrenz hätte Einspaltig mit fünf Zeilen darauf verwiesen!!
Glaubst Du im CV eines Journalisten, der mal 3 Monate in NY Schnuppern durfte, steht anschliessend was seine wirkliche Arbeit war? Wie viel Zeit er mit dem Austausch von Tintenpatronen, Papier nachfüllen bei Drucker / Kopierer etc., verbracht hat!?? Das Aufbauschen der CV Geschichte ist lächerlich und zeigt einen Mangel an praktischer Erfahrung:
Es scheint mir, Akademiker und Autoren würden die Gefängnisse lieber mit Leuten wie Guttenberg füllen, auch um den Preis dass mangels Platz der Strafantritt für Pädophile aufgeschoben werden müsste. Beim gemeinen Verbrecher steht schon vor Strafantritt die Wiedereingliederung in die Gesellschaft im Vordergrund. Bei Guttenberg gilt dies nicht, er soll nach den „Wünschen“ der Intellektuellen an den Pranger gefesselt und auf einem Karren (heutzutage Sattelschlepper) durchs Land gefahren werden, damit dem Nachwuchs ab Kindergarten vorgeführt werden kann, was mit Strolchen passiert die von Anderen abschreiben! Das Guttenberg Vergehen steht für aktive Schreiber zuoberst auf der Sündenliste und da habe ich einfach ein Problem damit. Moral und Ethik ist bei Gott Tausendfach bedroht, aber Plagiatssünden sind bei der gesamten Gesellschaftsproblematik ein Vergehn im Promillebereich.
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Relax-Senf · 2. März 2011, 14:20 · #
Aus dem vorhergehenden Kommentar kann man einen persönlichen Angriff ableiten, was grundsätzlich nicht mein Stil ist und auch an dieser Stelle nicht beabsichtigt war. Sorry Thinkabout, meine Gedanken und Metaphern sollten einen Kontrapunkt aufzeigen, aber nicht verletzen.
Zur Erinnerung, in mehreren Kommentaren – hier und auf mycomfor – habe ich letztlich klar und deutlich der Verurteilung der Guttenberg Handlungen zugestimmt und ohne Zweifel gab es keinen anderen Weg als den Rücktritt von KDG. Richtiger Schritt, auch aus meiner Sicht. Seit dem Beginn der Affäre hat sich KTG katastrophale Fehler bei Auftritt und Kommunikation geleistet.
Meine Betrachtung ist der Versuch aufzuzeigen, dass Moral täglich neu definiert wird und Abweichungen aus persönlicher Sicht sind daher allgegenwärtig. Für den Einzelfall gibt es keinen wirklich festen Massstab, ausser für gewisse Gewaltverbrechen, wo Abscheu und Ekel die Sicht der Leute einigt.
Mit der Sicht in Kommentar # 5 möchte ich keine gezielte Unterstellung vornehmen sondern ich habe eine unbelegte Annahme getroffen die anders formuliert gehört hätte, wie z . B. Ich kann mir vorstellen, dass unabhängig von der Wortwahl, KTG nie die gesamt Öffentlichkeit hätte zufrieden stellen können. Zu dieser Sicht komme ich, weil eben öffentliche Entschuldigungen von Politikern, von Sportfunktionären bei Doping, von Unternehmern bei Dioxinverseuchten Waren, etc., fast immer nur ein „erzwungenes“ kalkuliertes Ritual darstellen. Der Kniefall vom damaligen Bundeskanzler Brandt in Polen war echt und so gibt es weitere authentische Beispiele. Die Entschuldigung nach Auffliegen eines Skandals sind dagegen tendenziell der Versuch den Notsausgang zu finden, mit Gedanken im Kopf wie, verflixt hat man mich erwischt.
Man kann in der Vergangenheit Moralverstösse der Regierenden suchen, auch in der Schweiz, oder man kann einfach mal während dem restlichen 2011 die Nachrichten beobachten. Es gibt ganz sicher moralisch zweifelhafte Geschichten, aber wir alle als Gesellschaft, zucken bei vielen Dingen einfach mit Schulter, weil es normaler Alltag ist. Dabei kommt es aber immer wieder zu gravierendem Unrecht gegenüber Individuen. Wenn die Story aber nicht Quote bringt, kommt es in der Presse nur zu Randnotizen. Die Presse setzt sich nicht per se für Moral ein.
Eine weitere Kehrseite der – unbestritten unverzichtbaren – Pressefreiheit ist auch, dass auf der Jagd nach Quote, die Presse Einzelbürger und Firmen vorschnell in die Pfanne haut, mit ungenügend recherchierten und/oder sträflich überzogenen Berichten. So ist mir der persönliche Fall eines Bankers bekannt, der nach einem Quotenbericht den Job verloren hat. Vor Gericht konnte er die falschen Anschuldigungen widerlegen. Genützt hat es nicht. Der Medienkonzern hat sich zwar entschuldigt aber betreffend Schadenersatz auf den „FREIEN“ Journalisten als verantwortlichen Autor verwiesen, Bei dem war aber nichts zu holen, weshalb der Anwalt empfahl weitere Prozesse – bzw. deren Kosten – zu unterlassen.
Mit diesem Beispiel will ich nur aufzeigen, dass es auch in der Presse um die Moral nicht immer zum Besten steht. Für Quote und Geld, nimmt man Verstösse in Kauf. Anschliessend eine kleine unscheinbare Entschuldigung, eine Gegendarstellung oder im besten Fall eine mickrige Kritik durch den Presserat.
Mit meiner plakativen Metapher um den Fall Guttenberg mit Pädophiliesündern zu vergleichen, tut es mir leid, wenn ich damit Leser verletzt haben sollte. War nicht meine Absicht. Unverändert bleibt meine Sicht, dass ich bei der Wertung von Plagiatssünden und den weit verbreiteten copy-paste-Sünden, eine völlig andere Sündenwertungsliste führe, als die weit verbreitete Sicht im Netz, dass es nichts Schlimmeres gibt, als nicht gekennzeichnetes Abschreiben. Eine Doktorarbeit habe ich zwar noch nie verfasst, aber eine Diplomarbeit für eine höhere Fachausbildung. Mit allen Quellenangeben und Gänsefüsschen die dazu gehören. Es ist also nicht so, dass ich aufgrund von Unerfahrenheit über mangelnde Wertschätzung betreffend Umfang und Komplexität einer solchen Arbeit verfüge.
Menachem · 2. März 2011, 17:34 · #
Weil es jeder weiß, @Uwe, das die Lüge die Mutter des Berufsstandes Politiker ist, deswegen verstehe ich die plötzliche Aufregung nicht. Seit Strauß, Barschel, Schreiber-Koffer, Kohl-Spenden, Schröder-Lafointaine geheuchelte Freundschaften ahnt jeder Bürger, das er selbst bei diesen Vorstellungen nur ein Teil dessen sieht, was wirklich hinter den Vorhängen los ist.
Was wissen wir denn wirklich? Sind die psychologisch untersuchten Videos und im Internet kommentierten Aussagen von Guttenberg tatsächlich so rüttelfest, daß ein Blick nach unten, eine Pause, ein Wort und Gestik ihn der Lüge überführen?
Auch mir fällt es nicht leicht, bei dem Thema sachlich und frei von Emotionen zu schreiben. Und genau das ist es, was mich weiterfragen lässt.
Wenn wir während der Arbeit im Betrieb z.B. nicht genau die Folgen eines weiteren Arbeitsschrittes einschätzen können, dann besprechen wir uns. Und dann höre ich auch schon mal auf einen alten Hasen, der ähnliches schon gut durchgebracht hat, selbst, wenn mir mein Gefühl etwas anderes sagt. Geht es dann schief, versuche ich erst noch zu retten was zu retten ist, bekomme aber auch dann nicht selten zu spüren, das ich für alles Tun die Verantwortung alleine trage.
Auch bei Hr. Guttenberg stelle ich mir vor, das im Krisenmanagement viele Argumente abgewägt wurden und dann eine Richtung eingeschlagen wurde, die, die wir mittlerweile alle kennen.
Das sagt mir zwei Dinge:
1. Das ich damit noch nichts wirklich über Hr. Guttenberg selbst weiß (Trotz aller versuchten Beweislasten) und
2. das Hr. Guttenberg die Konsequenz für eine falsch gewählte Strategie zu tragen hat.
Ich glaube, das sowohl die Person Guttenberg wie auch der gesamte Fall nur eine “Stellvertreter”-Position einnehmen. Aber für was?
Sind wir es einfach leid, das Lüge und Betrug in einem bisher unbekannten Ausmaß straffrei bleiben? Das Rentner in der Bankenkrise um ihre gesamten Ersparnisse gebracht wurden von Leuten, die dafür noch exorbitante Vergütungen kassieren? Das Karstadt Insolvenz anmeldet und mit dem vom Arbeitsamt weiter gezahlten Lohn, den zum Teil auch der HartzIV Aufstocken trägt, Herr Middlehoff weiter ungerechtfertige Millionenmieten kassiert? Lug und Betrug – in Nadelstreifen und dazu noch, von Nieten. Was hat das Faß zum übelaufen gebracht? Wo und wer frägt danach?
Warum rege ich mich?
Auch ich habe schon einmal 8 Arbeitsstunden aufgeschrieben, wo ich tatsächlich nur 4,5 für gebraucht habe. Und dann sage ich mir, das ist schon o.K., ich habe schnell und gut gearbeitet und jeder andere hätte dazu vielleicht 12 gebraucht. Ich kann es vielfach drehen und wenden, doch kommt einer daher, und will mir deshalb an den Karren fahren, von dem ich weiß, der schlägt zu Hause Frau und Kind, dann würde ich ausrasten.
Der Hr. Guttenberg hat geschummelt, das kann ich auch und nachvollziehen. Aber der Hr. Trittin mit seiner Rede im Bundestag! Das kann ich nicht und will es niemals in meinen Leben können wollen. Mein lesen und schreiben beschütze mich davor.
Christa Schwemlein · 2. März 2011, 21:51 · #
@Menachem
Zitat: das Hr. Guttenberg die Konsequenz für eine falsch gewählte Strategie zu tragen hat.
entschuldige bitte, auch du lieber Kurt, der du hier die Plattform für diese Diskussion zur Verfügung stellst. Ich kann nicht anders.
Aber genau das, was Menachem sagt, ist in meinen Augen Freiheit. Freiheit so wie ich sie verstehe, und über die so oft in Menachems Blog diskutiert wurde.
Wir, ach was, ICH habe die Wahl. Herr Guttenberg hatte sie mit Sicherheit auch.
Genau wie Adam und Eva ;-) …. aber dies können jetzt, so vermute ich, nur “Insider” d.h. regelmäßge Leser von “Gemeinsam Leben” verstehen.
Ich wünsche euch noch eine angeregte Gesprächsrunde
Christa Schwemlein aus aus Mannheim
Thinkabout · 2. März 2011, 22:29 · #
@Relax-Senf
Ich denke, wir sind gar nicht so weit von einander entfernt. Ich meine ja eigentlich genau, dass – egal, welcher Art der Verstoss genau war – er für sich in keinem Fall das politische Ende des zu Guttenberg sein müsste. Hingegen verstehe ich überhaupt nicht, dass man in weiten Kreisen über das AKTUELLE Lavieren hinweg sieht. Denn darin zeigt sich fehlendes Krisenmanagement und die Tatsache, dass da einer samt seiner Entourage viel zu lange nicht gemerkt hat, was es gescheppert hat. Und DAS ist für jede weitere politische Karriere bedenklich.
Ich wäre der erste, der einen Schlussstrich ziehen wollte – aber KTzG müsste ihn selbst machen, und zwar richtig. Deine Bemerkungen zum politischen Alltag sind völlig richtig und die Gegebenheiten sind wohl einfach so hinzunehmen. Aber in diesem Fall hat der Protagonist noch laufend neue Munition geliefert. Der Presse kann man meiner Meinung nach in diesem Fall wenig vorwerfen, denn der Rücktritt in drei Schritten – mit der selektiven Auswahl der Zuhörer und Orte – war eine Steilvorlage, auf jeden Fall weiter nachzubohren – und zwar zu einem Zeitpunkt, als alles andere auch überrascht hätte. Und unter dem Strich, lieber Relax-Senf, waren hier wohl die Kräfte im Internet und der gebündelte Aufruhr in Wissenschaftskreisen grösserer Druck als die Presse – zumal bei einem Minister, der auch noch ein bewusstes Bündnis mit der BILD pflegte.
Relax-Senf · 3. März 2011, 11:55 · #
@Thinkabout:
Keine Frage, die Handhabung der Geschichte durch KDG eignet sich als Case Study für MBA und Kommunikationsdiplom etc. Abschnittsziel, wie man es nicht macht bzw. wie man die Ding versaut. Die falsche Antwort auf eine unerwartete Frage bei seinem Besuch in Afghanistan, kann ich noch als Fehler verstehen. Alles was danach passierte, war stümperhaft und die Journalistenschar im Presseraum zu ignorieren und Privatinterviews zu geben, das war dumm und masochistisch, so nach dem Motto: Trotz einer gezündeten Granate in der Hand, verzichte ich auf Beistand!
Übrigens um es klar zu stellen, im Guttenbergfall gibt es keine Medienkritik von mir.