Zur Islamdebatte: Die Beschneidung der Frauen
Eine konkrete Konsequenz, die ich mir persönlich für die weitere Diskussion des europäischen Islams und als Beitrag für die Integration der Muslime in der Schweiz vorgenommen habe, sind konkrete Artikel zur Information – und klare Bekenntnisse zur Gewährung der Religionsfreiheit, die – verbotene Minarette hin oder her – in allen für die Glaubenspraxis massgeblichen Bereichen uneingeschränkt gelten soll.
In den Diskussionen wurde immer wieder auf das Verbrechen der Beschneidung junger Frauen hingewiesen, und es entstand der Eindruck, dieses Problem wäre eines des Islam. Tatsächlich aber kommt meines Wissens die Beschneidung im gesamten oder in weiten Teilen des arabischen Raum nicht vor und hat im Koran keine Grundlage. Sie ist aber insbesondere in Afrika weit verbreitet und betrifft dort – wieder nach meinem Wissensstand – auch koptische Ägypterinnen (christliche Religionsgemeinschaft).
Weitere vertiefende Information hierzu ist mir sehr willkommen.
Es ist zu wünschen, dass entsprechende Klarstellungen zukünftig leichter in die Presse finden – und dass sich Muslime aktiver in diese Diskussionen einbringen. Auch dieses Blog und sein Betreiber sind jederzeit bereit, Gastbeiträge aus dem Kreis der muslimischen Bevölkerung oder anderer Immigranten zu prüfen und zu veröffentlichen, wenn sie sich um ein besseres Verständnis der Muslime oder einzelner Volksgruppen bemühen.
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Mara · 3. Dezember 2009, 14:09 · #
Und by the way, diese Form der Beschneidung ist, da medizinisch nicht notwendig, in der Schweiz sowieso nach 122 STGB verboten.
Was hier fehlt ist ein effektiver Rechtsschutz..
amade.ch · 3. Dezember 2009, 18:27 · #
ja, das ist tatsächlich kein ausschliesslich muslimisches problem. bis jetzt wusste ich das aber bestenfalls vom hörensagen. auf der unicef seite findet man einige fakten dazu: http://www.unicef.org/search/search.php?querystring=female+genital+mutilation+map&hits=&isNews=&Go.x=0&Go.y=0
Menachem · 3. Dezember 2009, 20:32 · #
Eine sehr emotionale Debatte die hier angestoßen wurde, und ich weiß noch gar nicht, warum ich von ihr so gefangen genommen werde. Ich weiß auch, daß wenn ich nach dem “Warum” frage, es Antworten geben wird, die nur mit mir alleine zu tun haben werden
Ein islamischer Student, vielleicht 2 Jahre her, hatte bei mir gearbeitet und erzählte von seiner Hochzeit. Schon etwas provozierend (vielleicht auch in kulturell überheblichen Ton) fragte ich ihn, was denn seine Frau für eine Arbeit verrichte?
“Arbeiten?”, fragte er mich, “meine Frau?, nein, die ist zu Hause und kümmert sich um den Haushalt und wenn wir Kinder bekommen, um die Kinder”.
“Ja, will die denn nicht auch arbeiten und Geld verdienen”. “Nein”, antwortete er, “ wieso, die will das nicht, wir kennen das nicht anders”.
Es war so entwaffnend ehrlich, das ich mich etwas vor mir selber schämte, weil ich verstand, dass, wenn man so erzogen wird, es das selbstverständlichste von derf Welt ist, daß Frauen nicht arbeiten. Alles andere ist nicht normal.
Ich habe mich absolut hiflos gefühlt und habe noch immer keine Vorstellung davon, wie bekommt man solche tief sitzende und verschiedene Grund- und Erziehungsmodelle in ein harmonisierendes Ganzes, ohne dem anderen eins überzuhauen, wie schon hier geschrieben, nach dem Motto: mein Gott ist der bessere. Ich weiß nur eins, es braucht eines den anderen verstehen wollenden guten und respektvollen Umgangs, der mit Sicherheit auch von beiden möglich ist, und es braucht vor allem nach meinem Verständnis noch eins: Zeit, viel Zeit – eine mittlerweile ungewöhnliche Forderung in der immer schneller laufenden Weltenuhr.
Titus · 5. Dezember 2009, 01:39 · #
@ Thinkabout
Ich hatte auch schon Ähnliches gelesen.
@ Menachem
Ähnlich der Frage, ob die Frauenbeschneidung nun ein religiöses Ritual ist oder eine Tradition, stellt sich die gleiche Frage auch bezüglich der Arbeit durch muslimische Frauen. Verbietet es der Islam oder ist es einfach nur «Tradition»?
Auf die hiesigen Breitengrade bezogen: Das Bild, dass die Frau hinter den Kochherd gehört, ist meines Erachtens nicht sehr alt, sondern erst in der Nachkriegszeit entstanden, als man es sich quasi leisten konnte, dass die Frau nicht (mehr) arbeiten musste.
Vorher hatten die Frauen doch genauso auf dem Hof oder in der Fabrik angepackt wie die Männer. Und da wir ja alle irgendwie gleich «gestrickt» sind, kann ich mir nicht vorstellen, dass es in islamisch geprägten Ländern früher schon so war, dass nur die Männer «die Ernährer» waren. Da haben wir vermutlich auch ein verquertes Bild von 1001 Nacht mit in luftiger Seiten gehüllten Frauen…
Aber ich bin hier mal wieder hoffnungslos off-topic…
Brockhaus · 6. Dezember 2009, 01:44 · #
In agrarischen Gesellschaften mussten die Frauen immer auch arbeiten und hatten nicht selten eben auch gerade den grösseren Anteil an der Arbeit (während die Männer im Wirtshaus verschwanden) und dazu die Doppelbelastung mit Kochen und Kinderbetreuung etc..
Ich habe einge Zeit mit Leuten aus Kosovo gearbeitet. Dort ist es gerade in ländlichen Gebieten immer noch so.
Von was die Menschen in den arabischen Ländern leben weis ich nicht. Scheinbar kann sich die Gesellschaft dort leisten das die Frauen nicht arbeiten, was bei uns ja kaum vorstellbar und auch nicht machbar wäre. Das wäre eine Frage der ich gerne mal nachgehen würde.