Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Zwei Formen der Unterstützung

∞  3 Juni 2008, 19:00

Gönner und Förderer sind zweierlei Menschen. So manchem Künstler würde ich von beiden mehr wünschen (anderen vielleicht auch weniger, aber das ist mein Problem).


Gönner sind Menschen, die für andere einen wohlmeinenden Klaps übrig haben. Und ein bisschen mehr. Einem aufstrebenden Künstler wird ein Zustupf gewährt, einem Idealisten die nächste Umsetzung einer Idee erleichtert. Gönner handeln nach Gutdünken, aus einer wohlmeinenden, schönen Laune heraus. Dennoch ist das Verbindlichste an ihrem Tun der Moment. Ob auf Dauer dem Projekt oder einer Person der Beitrag gegönnt wird, steht in den Sternen.

Der Förderer bringt sich ein. Er gönnt jemandem nicht nur Unterstützung, er leistet sie aktiv. Er ermuntert, begleitet, kritisiert, lobt, macht Mut, stellt Kontakte her, stellt sich hin und macht deutlich: Hört mal her, ich finde den oder die oder das da gut! Dem Förderer eigen ist auch, dass er der Realität die positive Entwicklung wie vorwegnimmt. Er glaubt an den Erfolg, die Entwicklung, die Ganzwerdung von Ansätzen, das Wachsen eines Baumes, die Wurzeln eines Werkes, die Substanz in einer Öffnung hin zu Präsentation, Einlassung, Beschäftigung und Entwicklung. Er braucht keine Garantien. Er glaubt. Mit Fachverstand gepaart und mit gesundem Menschenverstand gesegnet, ist er für die unterstützte Person ein Mutmacher, ein Orientierungspunkt, und viel mehr als ein Patron:

Wer fördert, sucht immer die Eigenständigkeit der fokussierten, begleiteten Person. Er lenkt nicht nur, er staunt mit, und das Profil, das sich formt, kann ihn trotz allem immer wieder überraschen. Der Förderer ist ein Fan voller Vernunft. Kindliche Freude in einer reifen Art, die Begegnung mit Talent zu wagen, das vielleicht viel grösser ist als das eigene, so bald es an sich glaubt.


[Bildquelle: universum.de ] (für Grossansicht: aufs Bild klicken).
Merke: Nicht alle gehen so pfleglich mit einander um…


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  1. Caro · 3. Juni 2008, 20:34 · #

    Vielleicht gibt es aber auch Künstler, die ihre Kunst nur um ihrer selbst willen betreiben. Die sie ganz aus sich selbst heraus gestalten - und die so authentisch ist, dass sie sich selbst genügt und keinerlei Protegierung bedarf?

  2. Michael Kostic · 3. Juni 2008, 20:48 · #

    :-)

    Nach dieser schönen Definition gibt es massenweise Gönner und lediglich ein paar vom Aussterben bedrohte Förderer…

  3. Thinkabout · 3. Juni 2008, 21:07 · #

    Liebe Caro, Vielleicht aber benötigten auch diese Künstler etwas mehr Freiraum, um diesem Selbst nachspüren zu können? Vielleicht (ver)braucht ihre Kunst materielle Ressourcen, gerade um sich diese Zeit geben und sich ganz der Authentizität verschreiben zu können. Es scheint mir, dass so mancher Künstler, den wir heute verehren, uns nie bekannt geworden wäre, hätte ihm nicht jemand Mut gemacht, schlicht anzunehmen, was sich ihm anbot.


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