Zweimal Einkaufen im Raum Zürich
Heute ist es soweit. Eine neue Polstergruppe muss nun endlich her. Die alte ist speckig geworden. Der Fusselabrieb ist langsam bedrohlich…
Also fuhren wir heute ins Einkaufszentrum. Da wird gebaut. Wild und unübersichtlich, scheint es uns. Auf jeden Fall haben wir einige Mühe, uns zu orientieren und sind leicht genervt, als wir gleich mehrmals entweder mit dem falschen Lift oder an den falschen Ort fahren.
Aber nach drei Stunden haben Thinkabouts eine Sofagruppe erstanden und die Belieferung per Hausservice vereinbart. Bei einem vom Möbelhaus offeriertem Espresso und in klimatisierten Räumen.
Dennoch sind wir froh, als wir wieder zu Hause sind. Thinkabouts sind keine leidenschaftlichen Shopper.
Zuhause lese ich in den Erinnerungen unserer Familie um die Jahrhundertwende:
Vom Markt, den es in Zürich an der Bahnhofstrasse gab, Freitags von 9.00 bis 11.00, und wie da die Mutter mit ihrer kleinen Tochter in aller Frühe aufbrach vom heimischen Hof, mit einer Kuh vor dem Karren, auf dem die Lebensmittel für den Verkauf sich stapelten. Es galt, früh genug da zu sein, um einen guten Verkaufsplatz zu ergattern. Trotz der Kuh, die gerne nach rechts oder links ausbrach und die Äpfel zum Purzeln brachte, so dass sie von der Landstrasse wieder eingesammelt werden mussten. Gut zwanzig Kilometer war der Weg, in eine Richtung. Und steil, auf dem Nachhauseweg… Ich lese vom Glück über ein paar Franken Tagesverdienst und dem Dank dafür an den Herrgott. Und von der Freude, wenn man sich aus Mantelstoff neue Filzpantoffeln nähen konnte, die prompt den Neid der “Gspändli” weckten, obwohl die Nähte immer wieder erneuert werden mussten.
100 Jahre ist es her. Das ganz normale Leben auf dem Land, unmittelbar vor Zürich. Manchmal ist es gut, sich klar zu machen, wie kurz das zurück liegt.
Zur Zeit:


Caro · 18. Juni 2007, 18:59 · #
Tina · 19. Juni 2007, 04:17 · #
Das nenn ich entschlußfreudig!
Ein neues Sofa in nur 3 Stunden! :-)
(Hat aber jetzt nix mit dem “Migros”-Bildchen in Schreibmut zu tun, oder ist das Euer Züricher Einkaufszentrum?)
Dieser nostalgische Rückblick muß bei mir noch nicht mal ganz so weit zurückgedreht werden, um genauso liebevolle Erinnerungen zu wecken. Als Kind bin ich auch noch mit der Milchkanne zum Einzelhändler gelaufen….und der Scherenschleifer kam in die Straßen….und mein Vater besohlte die abgelaufenen Schuhe der ganzen Familie neu, bis gar nichts mehr ging und steckte abends Schuhspanner rein…..Und wenn ein gestricktes Kleidungsstück verwachsen war wurde es wieder aufgezogen und die Wolle für ein neues verwendet…“lach”..Und das ist erst so 40 Jahre her.
Danke für die schöne Erinnerung, die Du mit Deinem Eintrag geweckt hast :-)
@Caro
ich komm beim Anblick Deines Marktbildes einfach von dem Mützchen nicht los…
Caro · 19. Juni 2007, 07:15 · #
@Tina: das ist eine traditionelle Madeira-Tracht und die Frauen tragen dort tatsächlich solche roten Zipfelmützchen!
werner · 19. Juni 2007, 08:19 · #
JA, einige Jahrzehnte zurück denken,...
Meine Eltern hatten einLEbensmittelgeschäft….
Nachkriegszeit in Deutschland.
Papier als Verpackungsmaterial war knapp. Die Kunden sollten nach Möglichkeit leere Verpackungen (z.B. Wachmittelpäckchen, Tüten usw.) zurück bringen, um ein neues zu bekommen.
Wir Kinder entsorgten Altpapier, Kartons, in denen die Waren geliefert wurden und der Erlös, den wir beim Altpapierhändler (das gabs damals) bekamen, war unser Taschengeld.
Zeitweise gabs pro Kilogramm bis zu 50 Pfennig!
Und wie gehenwir heute mit demRohstoff Paier (und anderes Verpackungsmaterial) um?
Strandsteine · 19. Juni 2007, 21:07 · #
Hallo zusammen,
ich denke mit Wehmut an den letzten “Tante Emma-Laden “ hier.
In diesem konnte ich noch jede Schraube oder Mutter einzeln kaufen.
Weckgläserdeckel oder Gummi gab es auch einzeln…
Von vielen anderen Kleinteilen kann ich wegen der Vielfalt garnicht berichten…
Es sind alles diese Dinge gewesen, die es heute nur noch Schachtelweise zu kaufen gibt.
Und nach der Entnahme der benötigten bleibt
immer ein Rest zurück, welcher dann oft Jahrelang ein Schattendasein in einer Schublade fristet…
Leider wurde der Laden mit dem Tod
der über 80 Jährigen Besitzerin geschlossen.
An die Zeit, wo es die Lebensmittel lose zu kaufen gab,...Grammweise…denke ich oft zurück.
So habe ich Mehl und Eier ( von garantiert freilaufenden Hühnern ) in die Bäckerei gebracht,
und bekam als Gegenleistung das gebackene Brot
ausgehändigt…
War diese Zeit schlechter…?
oder verklärt sich die Erinnerung..?
eins weiß ich auf jedenfall….
die Lebensmittel waren unbehandelter und es kamen erst später diese unseligen Zutaten…wie E _ Nummern
oder geschmacksverstärkende Stoffe dazu.!
Die Steine finden es traurig, das sich der Bedarf danach bei den Menschen hat wecken lassen…