Ressort: 10 Minuten(Weitere Infos)

17.August 2019, 14:24

10min Schreiben über: Trauern

Wenn wir trauern, klagen wir. Es ist unser Versuch, ein Loch zu schliessen, das immer offen bleiben wird.
Ich habe jemanden verloren. Auf immer. Warum geschieht das mir? Warum musste gerade er, sie, gehen? So ein wunderbarer Mensch.
Trauern ist ein Rufen ohne Echo. Es wird nie eines geben. Und Antworten schon gar nicht.


Trauern ist auch eine Vorahnung, dass es immer Dinge geben wird, die wir verpassen, die nicht mehr möglich sind.
Trauern ist die konkrete Klage über Versäumnisse, die einem erst jetzt als solche erscheinen.
Trauern kann uns helfen, lebendiger zu werden. Aus der Anklage wird Klagen, wird Bedauern, wird vermissen, wird Erschöpfung.
Und während wir das Grau beschreiben und die Dunkelheit fühlen, geht die Sonne erneut auf, als ginge sie das alles nichts an, als wäre ich ihr in meinem Schmerz egal.
Doch die Sonne wird auch für meine Liebsten wieder aufgehen, wenn ICH nicht mehr bin. Und das ist gut. Das ist wunderbar.
Trauern ist daher auch ein Ablegen. Ist Abschied nehmen und Versöhnung mit anderen, aber auch mit mir selber.
Trauern ist eine Chance. Weiter leben. Wirklich leben. Ein Vermächtnis sehen. Einen Sinn. Weiter atmen. Bewusster. Die Sonne begrüssen. Denn sie scheint auch für mich. Ich bin ihr so wenig egal wie allen anderen. Das Leben erfüllt sich auch mit mir.

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