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30.Oktober 2020, 6:30

Die neue Flut

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Nun sind sie also beschlossen worden: Die strengen Massnahmen gegen die weitere Ausbreitung des Corona-Virus in der Schweiz oder in Deutschland – und natürlich auch anderswo. Und wir empfangen die Botschaft: Wenn es nicht gelingt, die „Fallzahlen“ drastisch zu senken, wird ein erneuter Lockdown die Folge sein. Die Krux ist erneut die Gleiche: Der Erfolg der Massnahmen ist gar nicht beweisbar.

Warum ist das so? Weil wir die Dynamik der Pandemie, die innere Kraft der Expansion des Virus an sich gar nicht ermessen können. Wir werden nie evaluieren können, was die Massnahmen bringen, weil wir nicht parallel am gleichen Ort messen können, wie die Situation ohne die Massnahmen WÄRE. Merkel spricht von der Notwendigkeit, die Verbreitung einzudämmen, Berset, der Schweizer Gesundheitsminister, war so unvorsichtig, zu definieren, dass wenn die Reproduktionszahl von derzeit 1,6 nicht halbiert werden könne, noch viel strengere Massnahmen nötig würden. Wenn das Virus ähnlich einer Grippe-Epidemie sich verbreitet, wird es einfach auszuhalten sein. Und das wird weit über einen erneuten Lockdown hinaus der Fall sein müssen – weshalb er gar nicht hingenommen werden darf. So oder so nicht. Dabei scheint mir ganz wichtig, dass das wirtschaftliche Leben UND die Ausbildung der jungen Menschen möglichst wenig tangiert werden darf. Kitas und Schulen dürfen in keinem Fall erneut geschlossen werden. Und wenn die Gesundheitssysteme kollabieren? Wir haben die Ressourcen, die wir ja durchaus zu haben scheinen, wenn ich an die Unterstützungsprogramme für Wirtschaftszweige nach dem Ausbruch im Frühling denke, konsequent in die gesundheitlichen Einrichtungen zu investieren und Notkapazitäten zu schaffen – und es ist völlig egal, ob dafür Noteinrichtungen her halten müssen. An was wir uns halten können: So belastend es auch für Patienten sein kann – die Fallzahlen mit schwerem Verlauf sind nach wie vor niedrig, die Behandlung macht Fortschritte, das Wissen nimmt zu. Unsere Spitäler sind top und das medizinische Knowhow ist hoch – und es ist alles zu schaffen. Gerade dann, wenn wir die Ruhe bewahren, vernünftig sind – aber auch vernünftig im Angesicht einer Bedrohung, die in keiner Weise mit der spanischen Grippe oder anderen wirklich wütenden Pandemien vergleichbar ist.

Am Ende gibt es eine rhetorische Frage, und Rhetorik gibt immer die Antwort schon mit der Frage mit:

Wenn wir in den nächsten Jahren, wie es zu erwarten ist, vermehrt ähnliche Viren zu Gast haben werden – wollen wir dann jedesmal so reagieren, wie wir das nun gerade tun?

2 Gedanken zu „Die neue Flut

  1. ClaudiaBerlin

    Habt Ihr in der Schweiz eigentlich keinen Personalmangel in die Kliniken? In DE stehen Intensivbetten bereit, für die jedoch kein Personal vorhanden ist – daran haben auch die paar Corona-Monate nichts geändert.
    Das limitiert leider den Ausbau der Ressourcen, egal wie viel Geld man jetzt rein steckt.

    Dass nicht bewiesen werden kann, wie der Verlauf wäre, wenn es KEINE Maßnahmen gäbe, stimmt!
    Aber gibt nicht der Ländervergleich mit Vergleich der Maßnahmen über die Zeit doch ein Bild davon, was die Maßnahmen bewirken?

    Erst nach meinem gestrigen Kommentar hab ich mitbekommen, dass die Schweiz ein „Hotspot“ ist: Die Neuinfaktionen pro 100.00 Einwohner über 7 Tage liegen eklatant höher als in Ländern, die viel öfter wg. ihrer „dramatischen Entwicklung“ in den Medien besprochen werden:

    Schweiz: 558, Frankreich 423, Niederlande 388, Spanien 284, Deutschland 116
    https://interaktiv.morgenpost.de/corona-virus-karte-infektionen-deutschland-weltweit/

    Auch die Hospitalisierungen steigen entsprechend.

    Soweit ich mitbekommen habe, hatte die Schweiz bis vor ein paar Tagen noch eher geringfügige Beschränkungen – und auch das, was jetzt beschlossen wúrde, ist im Vergleich zu unserem „Wellnbrecher-Lockdown“ vergleichsweise verhalten. (Ab Mo schließt bei uns alles außer Kitas, Schulen und jenen Betrieben, die nicht zum Veranstaltungs- und Gastro-Sektor zählen).

    Deine Meinung, man müsse halt lernen, mit der Verbreitung des Virus zu leben (weil auch die strenge Variante Verluste bringt) ist mir nicht fremd bzw. manchmal schwanke ich selbst ein wenig in diese Richtung – dann aber auch wieder zurück.

    Ich habe ja vergleichsweise gute Bedingungen, weil meine sowieso recht isolierte Lebensweise im Homebüro mich gut schützt. Dass das viele anders sehen, die sich „ins Risiko gezwungen“ fühlen, weil sie raus MÜSSEN bzw. Kinder haben, kann ich ebenfalls nachvollziehen: Sie haben einfach Angst vor der Ansteckung, umso mehr, weil ihre Gestaltungsmöglichkeit beschränkt ist.

    Was NACH den Teil-Lockdowns kommen wird – darauf bin ich auch gespannt. Es ist ja nicht anzunehmen, dass da Vírus gleich ganz ausgerottet wird!

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    1. Thinkabout Artikelautor

      Liebe Claudia
      Ja, wir SIND ein Hotspot. Und ja, unsere Massnahmen gehen dennoch weniger weit als in Deutschland. Wie schon im Frühling. Auch da konnte niemand nachweisen, ob die Fallzahlen mit noch rigoroseren Massnahmen schneller gefallen wären. Es geht wohl für alle Regierungen darum, auszuloten, welche Anordnungen wie gut noch mitgetragen werden. Du darfst die Bürger in der Krise nicht „verlieren“.
      Personalprobleme in Spitälern kennen wir auch, vielleicht nicht ganz so schlimm wie in D. Auch, weil sehr viel deutsches Fachpersonal in der Schweiz arbeitet. In Schweizer Spitälern wird schon lange sehr viel hochdeutsch gesprochen – und das sage ich ohne Häme. Es ist einfach so, dass die Arbeitsbedingungen in der Schweiz vorteilhaft sind für Ärzte und Pflegepersonal, und damit ist nicht nur der Verdienst gemeint. Der Faktor Zeit pro Patient spielt dabei auch eine grosse Rolle – vielleicht hilft diese Ausrichtung jetzt ein kleines Bisschen, die Spitzen aufzufangen, weil grundsätzlich im Normalbetrieb mehr Personal pro Patient zur Verfügung stand.
      Gerne würde ich in D wie in der CH gerne nachfragen: Wie wurde im Fachbereich die Sommerzeit genutzt, um mehr Personal für die Intensivpflege zusätzlich zu schulen? Wer hat nicht nur für das Plfegepersonal geklatscht, sondern handfest Verbesserungen der Arbeitsbedingungen geschaffen?
      Das sind die Dinge, die ich meine, wenn ich mir sachgerechten Umgang mit der Krise wünsche…

      Noch was zur Problematik der Vergleiche der Wirksamkeit verschiedener Massnahmen: Selbst unter Bundesländern zu vergleichen, bleibt schwierig, weil so viele Faktoren eine Rolle spielen können. Bis vor kurzem war es so, dass ein, zwei Superspreader-Ereignisse die Zahlen auf den Kopf stellen konnten, weil daraus viele Folgeansteckungen resultierten. Oder aber die wirtschaftlichen Voraussetzungen sind unterschiedlich, Massnahmen werden ein paar Tage früher ergriffen oder anders umgesetzt, etc. etc. Wir wissen einfach alle viel zu wenig.
      Vielleicht lehrt uns das Demut… und das soll nicht zynisch klingen.

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