Ressort: Lebenskunst(Weitere Infos)

08.Februar 2021, 22:05

Liebe. Ewig.

Nicht wenige Schweizer bezeichnen das Lied „Ewigi Liäbi“ der Gruppe Mash als ihr persönliches Schweizer Lieblingslied. Es ist mit Abstand der grösste Hit der Gruppe geblieben und lebendig bis zum heutigen Tag. Und nun bekommt es – hoffentlich – noch eine weitere Gelegenheit, gute Gefühle zu schenken: Denn die Kraft aller Kräfte wird nun auch in Afrikaans besungen.

Texte und insbesondere Lieder mit einer inneren Kraft bleiben immer lebendig. Auch wenn sie nicht mit geballter Marketingpower gepusht werden, finden sie Gehör. Und selbst wenn sie scheinbar verloren irgendwo im Netz vor sich hin schlummern, kann sich diese Kraft plötzlich entfalten. Sie ist ja höchstens untentdeckt, aber niemals tot. Genau so, wie die Liebe an sich niemals stirbt. Diese Kraft ist in uns angelegt. Manchmal wird sie enttäuscht, wir erfahren Verletzungen, doch ohne sie sind wir nichts. In einer Weise nicht vollständig, dass wir verloren bleiben. Wir mögen noch so traurig sein, uns allein fühlen – glauben wir nicht mehr an sie, so bezahlen wir das mit Bitterkeit und werden kraftlos und leer. Aber auch wir sind so ein Lied, können jederzeit erkannt und entdeckt werden, so dass wir merken, dass wir Teilnehmer sein können und sollen dieser grossartigen Erfahrung, einen Menschen in seiner Einzigartigkeit zu sehen und zu entdecken – und, genau so wichtig und bedeutsam – auch selbst so gesehen zu werden. Liebe heisst auch, zu glauben, Liebe selbst zu verdienen und dankbar zu sein dafür, dass zu uns gehalten wird.

Aber ich drifte ab… der Reihe nach…:

Der Sänger Padi Bernhard schreibt das Lied im November 1995 und will es zu einem persönlichen Weihnachtsgeschenk machen. Dafür braucht er einen Pianisten, Gitarristen und ein Tonstudio. Die Musiker steuern, angetan vom Song, ein Piano-Intro und -Outro und ein Gitarrensolo im Mittelteil bei. Es entsteht ein beseeltes Gemeinschaftswerk. Ob es die Adressatin, Bernhards damalige Freundin, so erreicht hat, wie es gedacht war, weiss ich nicht, aber ich hoffe doch sehr.

Als die Gruppe Mash mit Leadsänger Bernhard im Jahr 2000 das Album „mash.nidvobärn“ aufnahm, wurde die Ballade mit ihren einfachen Harmonien und der tragenden Pianobegleitung sowie dem besonderen Gitarrensolo neu eingesungen und eingespielt und gelangte als letztes Lied aufs Album. Weder Radiomoderatoren noch Journalisten sahen in dem Song besonderes Hitpotential. Aber die Hörer verlangten „Ewigi Liäbi“ bei Radiostationen immer wieder zu hören. Es hat nie eine Single mit dem Lied gegeben, aber in den Zeiten der Downloads hat es das Lied auch so 2006 in die Hitparade geschafft, und sich dort anderthalb Jahre lang gehalten, sechs Jahre nach der Aufnahme.

Und nun schreibt die Kraft der Ballade eine neue Geschichte.

Der Ostschweizer Jörg Caluori nennt Südafrika sein zweites Zuhause. Er besitzt ein Haus in Capetown und erlebt im ersten Lockdown, wie extrem schlecht es den Menschen geht. Es gibt, bis auf einen einmaligen Essensgutschein, keinerlei Unterstützung. Während Corona für uns mehrheitlich die Frage stellt, ob die hochentwickelte Apparatemedizin das Leben alter bereits kranker Menschen verlängert, hat unsere Reaktion und der Lockdown als Umgang mit dem Virus für Menschen wie jene in den Townships unmittelbare und direkte, Alle betreffende Nöte zur Folge.

Caluori gibt Geld, er sammelt Geld, zurück in der Schweiz, bei Kollegen und Verwandten. Er gründet die Organisation Camas, um die Hilfe zu strukturieren. Es werden Patenschaften zwischen der Schweiz und Südafrika vermittelt, Hilfe zur Selbsthilfe steht im Vordergrund. Es sollen Menschen in deren eigenen Projekten für den Aufbau einer eigenen Existenz unterstützt werden.

Caluori hört den Song „Ewigi Liäbi“ – wie alle Schweizer nicht zum ersten Mal – und ihm wird bewusst, wie ähnlich die Tonalitäten der Dialekte sind: Schwyzer Dialekt (für einmal nicht berndeutsch…) und Afrikaans klingen ähnlich. Er fragt direkt bei Padi Bernhard nach und der ist begeistert. Also engagiert Caluori die Sängerin Lesinda Staalmester aus Outsdoorn, die in einer Township wohnt. Aus „Ewigi Liäbi“ wird „Ewige Liefde“.

Nun liegt das Ergebnis vor. Beide Songs können am Ende des Beitrags angehört werden. Damit die neue Coverversion – für Viele die Beste, die es je gegeben hat – auch unter die Leute kommt, wird nun mittels Radiostationen und Magazinen in Südafrika Werbung gemacht. Der Song ist auf den Streamingplattformen verfügbar und kann auch online gekauft werden. Die Einnahmen kommen ausschliesslich den Musikern und den Townships zugute.

„Südafrikaner sind sehr romantische Menschen und mögen romantische Lieder“, meinte der Ostschweizer, der früher selbst Musik produziert hatte.

Und es sind Menschen mit einem Herzen, das lieben und geliebt werden will. Wie könnte das irgend jemand nicht sehen. Und fühlen?


Die Originalballade hat auch eine Webseite

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