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05.April 2021, 18:55

Lernen wollen: Lust auf mein Leben haben

Eine Gebrauchsanweisung, die ich – je länger je mehr – auf jede Falle anzuwenden versuche, in die ich tappe. Solche Fallen lauern für uns überall, und sie sind für unsere Freiheit ganz kleine oder auch ganz kapitale Katastrophen.

Es ist die deutsche Version der „Autobiographie in fünf Kapiteln“ von Portia Nelson.
(Den englischen Text setze ich ans Ende dieses Beitrags).

1.
Ich gehe die Strasse entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich falle hinein.
Ich bin verloren…
Ich bin ohne Hoffnung.
Es ist nicht meine Schuld.
Es dauert endlos, wieder herauszukommen.

2.
Ich gehe dieselbe Strasse entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich tue so, als sähe ich es nicht.
Ich falle wieder hinein.
Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.
Aber es ist nicht meine Schuld.
Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen.

3.
Ich gehe dieselbe Strasse entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich sehe es.
Ich falle immer noch hinein… aus Gewohnheit.
Meine Augen sind offen.
Ich weiss, wo ich bin.
Es ist meine eigene Schuld.
Ich komme sofort heraus.

4.
Ich gehe dieselbe Strasse entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich gehe darum herum.

5.
Ich gehe eine andere Strasse.


Vieles, das mir in meinem Leben Energie raubt, beruht auf Impulsen, die mich die immer gleichen Runden drehen lassen. Meine Reflexe folgen meinen Mustern, wie wenn mein Verhalten durch mein vegetatives Nervensystems gesteuert wäre. Und das Leid, das es bedeutet, scheint mir lieber Orientierung zu sein, als dass ich es zu überwinden versuchte.

Manchmal ist es allein schon sehr harte Arbeit, das Loch überhaupt zu erkennen, mich darin als Gefangener zu begreifen. Dabei ist das Loch genau dafür so gross und so dunkel – will es mich wirklich verschlucken, oder nicht eher warnen?

So wohlig kann ich mich – scheinbar – fühlen, so zusammengekauert im Loch. Ich verweile da, weil da kein Weg mehr ist, den ich glaube gehen zu können (gehen zu müssen?). Die fehlende Perspektive lockt mich mit Selbstaufgabe. Warum sich wehren? Das Loch ist ja immer da.

Aber die Welt ist viel grösser, als sie aus einem Erdloch gesehen werden kann.
Um dieses Wissen bin ich dankbar, denn es lässt mich aus den tiefsten Löchern krabbeln und am Ende neue Strassen finden, die mir, die uns allen offen stehen. An die stelle von Reflexen kann ein Gestalten treten, ein Plan, ein Weg mit einem Ziel, einem Bewusstsein.

There’s a Hole in my Sidewalk
Autobiography in Five Short Chapters
By Portia Nelson

Chapter One
I walk down the street.
There is a deep hole in the sidewalk.
I fall in.
I am lost …. I am helpless.
It isn’t my fault.
It takes forever to find a way out.

Chapter Two
I walk down the street.
There is a deep hole in the sidewalk.
I pretend that I don’t see it.
I fall in again.
I can’t believe I am in this same place.
But, it isn’t my fault.
It still takes a long time to get out.

Chapter Three
I walk down the same street.
There is a deep hole in the sidewalk.
I see it is there.
I still fall in … it’s a habit … but, my eyes are open.
I know where I am.
It is my fault.
I get out immediately.

Chapter Four
I walk down the same street.
There is a deep hole in the sidewalk.
I walk around it.

Chapter Five
I walk down another street.

Zu finden hier (und mehr): The Sidewalk of Life


thinkabout.myblog.de vom 7.11.04 – heute redigiert und ergänzt

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