Ressort: Lebenskunst(Weitere Infos)

07.April 2022, 16:20

Die Wahrheit in uns

Was, wenn alle Wahrheit, die wir erkennen können, bereits in uns angelegt ist? Wenn in unserer Tiefe, dort, wo wir nur selten hin gelangen, vielleicht auch, weil wir uns nicht trauen, eine Geborgenheit angelegt ist, in welcher wir immer ruhen können?

In meinem Umfeld reden wir manchmal vom Urvertrauen, und ich denke, das versuche ich einleitend zu beschreiben. Es ist eine Art Fügsamkeit gegenüber dem eigenen Schicksal, eine Demut, mit welcher wir die Angst vor der Zukunft ablegen können wie die Rastlosigkeit, etwas Nächstes und dann Übernächstes unbedingt erreichen zu wollen, zu müssen. Was macht mich aus? Was ist bestimmend für mein Leben? Wie viele Bedingungen stelle ich, um mein Leben schön zu finden, es annehmen zu können und zufrieden damit zu sein? Und wem will ich diese Bedingungen denn stellen? Eine Unzufriedenheit über andere, die „Gemeinschaft“, den „Staat“, die „Familie“ – beruht oft auf der Lernkurve, auf der wir erkennen, dass das, womit wir konfrontiert werden, nicht wirklich zu kontrollieren ist. Und wir alle wissen nicht, ob wir stets die richtige Strategie zur Hand haben, wenn wir uns bedroht fühlen werden.

Doch es gibt Menschen, an denen kann das Schicksal noch so sehr rütteln, kann ihnen so manches Unglück aufbürden – und sie werden dennoch Gutes in ihrem Dasein sehen, in ihrer Geschichte, in Erlebtem und Bestehendem – und sich nicht von der Angst vor der Zukunft auffressen lassen, sondern ganz bei sich bleiben oder zu sich finden.

Wenn mich jemand fragt, wer oder was Gott ist, dann antworte ich gerade spontan: Das Göttliche liegt in den Antworten, die Du auf die Fragen Deines Lebens finden kannst. Gott straft nicht. Die Schöpfung hat uns Menschen so erschaffen, dass wir in allem die Liebe finden oder sie gestärkt bewahren können. So unsäglich Vieles, das wir zu brauchen glauben, ist am Ende so leicht, dass es getrost fortgeweht werden kann. Was uns aber ausmacht, kann uns nicht genommen werden.

Nachrichtenlagen wie die aktuelle führen erst recht dazu, dass der Schrecken dominiert und damit das Zeugnis der Schlechtigkeit des Menschen. Doch auch wenn die vielen kleinen und grossen Geschichten der Nächstenliebe, der Nachbarschaftshilfe und des Lebensmutes kaum erzählt werden, so gibt es sie doch, und sie sind nicht auszulöschen. Sie finden überall statt, und die Tatsache, dass sie unterzugehen scheinen, ist nur ein vermeintlicher Sieg der Kriegsraserei, der Krankheit, der Pandemie. Denn tausendfach, millionenfach findet es immer wieder statt: Das Wunder der Barmherzigkeit, der Grossherzigkeit, des beherzten Mutes einer liebenden Seele, die Kraft eines Lebens, das sich getragen fühlt von guten Mächten. Vielleicht sind Zeiten wie diese heutigen unsere Gelegenheiten, zu überdenken, ob wir wirklich alles scheinbar Unwirkliche, Übersinnliche, Spirituelle belächeln sollen? Und ob es umgekehrt nicht persönlicher, individueller, realer zu erleben wäre als in einem Kurs, der gerade angesagt ist und den zu besuchen ja sicher nichts schaden kann?

Ein gebasteltes Patchwork, das gute Energien verspricht, muss sich am Ende auch einfach darauf besinnen wollen, was wir wirklich als unsere Wahrheit erkennen können. Das vermeintlich schreckliche an ihr ist nie das Ende, sondern der Anfang eines neuen, persönlichen Weges.

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