So viel kaputt
aber so vieles nicht.
Jeder der Scherben
spiegelt das Licht.Judith Holofernes „Kaputt“ – „Wir sind Helden“
geschenkt von Benedict Wells in seinem Buch „Die Geschichten in uns“
30.November 2025, 13:45
Archiviert: Thinkabout V1
30.November 2025, 13:45
So viel kaputt
aber so vieles nicht.
Jeder der Scherben
spiegelt das Licht.Judith Holofernes „Kaputt“ – „Wir sind Helden“
geschenkt von Benedict Wells in seinem Buch „Die Geschichten in uns“
30.November 2025, 13:30
Zivilcourage ist das, was von einem Menschen übrig bleibt, wenn der Chef das Zimmer betritt.
Wernher von Braun
09.November 2025, 18:30
Die Worte von früher und die Worte von später – sie halten das Leben zusammen, wie eine grosse Klammer, die Einheit gibt.
Pascal Mercier – „Das Gewicht der Worte“
Was lässt uns Tagebuch schreiben? Wir möchten wohl alle verstanden werden – doch Freiheit gewinnen wir, wenn wir selbst uns verstehen und leiden können. Manchmal brauchen wir Hilfe, manchmal kann sie uns nicht erreichen. So manche Herausforderung, die wir uns selber sind, muss ausgehalten werden. Ein Tagebuch kann helfen.
Mir haben sie immer geholfen. Auch die vielen tausend Seiten, die ich geschrieben habe und wieder vernichtet. Wenn ich versuche, für ein Problem Worte zu finden, bin ich auf dem Weg, das Problem zu lösen und ihm erst mal seine quälende Dringlichkeit zu nehmen, indem ich mich ihm ganz unbeholfen stelle.
Früher und später – die Worte von damals und heute sind auch ein Zeugnis der Zeit, die in unser aller Leben die Dinge zurecht rückt oder zum Fliessen bringt. Was mal wichtig war, wird nicht unwichtig für die Entwicklung, nur weil es heute naiv erscheint. Morgen wissen wir es wieder besser – oder zweifeln anders.
Im Gegensatz zu gefühlt hundert Tagebüchern, die ich wieder löschte, sind die Blog-Texte noch immer da, wenn auch in verschiedenen Gefässen verstreut. Mein Impuls, sie hier zusammenzuführen, wird wieder stärker. Mein ganz persönlicher Zettelkasten darf das sein, was bleibt. Von früher, heute und morgen.
09.November 2025, 17:29
Die letzten Jahre waren herausfordernd. Ich habe mich nie gescheut, Stellung zu beziehen, Meinungen und Überzeugungen zu vertreten. Ich versuchte, nicht nachzureden, selbst zu denken und abzuwägen. Nach meinem eigenen Empfinden differenzierte ich sehr wohl. Ich wägte ab, gab Recht und auch wieder nicht. Wo schwarz oder weiss gefragt war, gab es und gibt es für mich viele Grautöne.
Meinem Platz in der äusseren Welt ist das nicht gut bekommen. Mein schon immer eher überschaubarer Freundeskreis hat sich ausgedünnt. Menschen auf allen Seiten rieben sich an mir – weil ich eine andere Haltung einnahm, als jene, die ihnen dringend geboten schien. Ich war ihnen nicht entschieden genug für die eigene Sache und gegenüber „falschen“ Argumenten unverantwortlich aufgeschlossen. Ich wollte zuhören und verstehen, nicht schreien und verurteilen. Nun, der Freundeskreis mag kleiner geworden sein, aber zu ihm gehören neu auch Menschen, die ich ohne diese Prozesse nicht kennen gelernt hätte.
Ich bin es gewohnt, zwischen den Stühlen zu sitzen, doch diesmal habe ich mit einer neuen Einsamkeit zu kämpfen gehabt, bis ich begriff, dass ich für mein Empfinden auch diesmal selbst verantwortlich bin. Die Achtung, welche Menschen vor dir haben, hat nicht die gleiche Bedeutung wie der Blick, den ich in meinem Innern auf mich richte. Die Achtung hat Launen und wird auch von Annahmen geprägt, die manche nur zu gern sehr schnell treffen – der innere Umgang mit mir selbst aber kann eine Festigkeit haben, die davon unbeeindruckt bleibt und nur dem verpflichtet ist, was ich für meine Selbstachtung wirklich brauche.
Bin ich mit mir versöhnt, so kann ich die Güte auch wieder nach aussen tragen.