Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.


Nicht weniger als die Welt

∞  30. Oktober 2014, 23:58 Kommentare

TV-Spot:

Die Welt ist aufregend. Und sie kann Dir gehören.
Nur bei ebay

Manchmal muss man nur Werbe-Slogans wiederholen, wenn man an unserem Verstand zweifeln will.

Politischer Auftrag oder Vetternwirtschaft?

∞  29. Oktober 2014, 20:49 Kommentare

Andere Länder, andere Sitten… andere Meriten, andere Machtverhältnisse… Wahlen in Brasilien, und wir schauen hin und formulieren es dann schön, weil wiir davon ausgehen, dass eine gewonnene politische Wahl tatsächlich mit einem Auftrag gleich zu setzen ist.

Ich lese also:

Titel in der NZZ von gestern (Print, Frontseite):

DILMA ROUSSEFF VOR DER BEWÄHRUNGSPROBE

Die bisherige Machthaberinf hat also die Wahlen in Brasilien gewonnen – und “steht vor der Aufgabe”, ein geteiltes Land zu regieren. Ich befürchte nur, dass die herrschende Kaste eher den Reflex kennt: Wahl gewonnen, alles gewonnen. Vier Jahre Vetternwirtschaft mehr und Pfründeverteilung gesichert. In wie vielen Ländern haben die Bürger mittlerweile das Gefühl, dass es gar keine Rolle spiele, wer gerade an der Macht ist? Die Mächtigen regieren immer gleich, und mit grossen eigenen Taschen. 2016 “verwaltet” Frau Rousseff die in Rio stattfindenden olympischen Sommerspiele…

Der Sonnenkönig und der Maestro

∞  27. Oktober 2014, 21:29 Kommentare

Kein Lebenswerk währt ewig – schon gar nicht, wenn patronale Sentimentalitäten im Weg stehen…

Die Swissindoors sind einer der grössten Sportanlässe der Schweiz – und sollen das drittbedeutendste Hallenturnier der ATP-Saison sein. Damit sind dann nicht die ATP-Punkte, die es zu gewinnen gibt, gemeint, sondern Umsatz und Auslastung des Turniers.

In jeden Fall ist es schon eindrücklich, was unter der Ägide von Roger Brennwald in 44 Jahren entstanden ist. Ich habe das Turnier selbst mehrmals besucht, mit besonderer Vorliebe am Freitag: Acht im Turnier verbliebene Cracks – das garantiert vielfältige Tenniskost auf höchstem Niveau. Meine Prioritäten liegen dabei beim Tennis selbst, das heisst, ich verpasse kaum eine Minute Sport. Das halten nicht nur die Gäste in den VIP-Logen anders: Über weite Teile des Nachmittags sind viele Plätze im Rund leer. Die Stimmung ist nicht schlecht, aber über weite Strecken doch ein wenig lau. Flaniert man doch mal in den Gängen, so fallen mir nicht nur die im Scheinwerfer strahlenden Produkte und Cüpli-Gläser auf – sondern auch so manche nur notdürftig verdeckte Rohbeton-Mauer: Die St. Jakobs-Halle ist nicht mehr ganz neu, und es sind umfangreiche Sanierungsarbeiten notwendig. Zurück in der Halle: Einmal an diesem Tag wird es wirklich stimmungvoll. Und der Unterschied ist verblüffend gross: Wenn jeder Platz besetzt ist und alle gespannt auf den Auftritt des Einen warten. Um acht Uhr abends ist die Partie von Roger Federer angesagt, und dann interessieren sich wirklich alle für Tennis. Die Atmosphäre wird knisternd, Federer ist auch in Basel ein Garant für hohes Niveau. Und die Geschichte dieses Turniers ist mit Federer noch mehr verknüpft als alle andern. Sechs Turniersiege, elf (!) Finalteilnahmen. Unvorstellbar, dass das Turnier ohne ihn diese Bedeutung hätte – und bestimmt wird er dafür auch bezahlt. Wurde er entsprechend honoriert. Denn seit zwei Jahren gefrieren die Minen, wenn sich Brennwald und Federer was zu sagen haben müssen. Roger Brennwald liebt sein Lebenswerk so sehr, dass das ein grosses Problem werden kann. Der Macher IST die Swiss Indoors. Wenigstens nach seinem Duktus. Er kann ja auch Fakten vorweisen. Doch dabei geht vergessen, dass jede Erfolgsgeschichte von heute nicht zwingend eine Fortsetzung findet. Und die Swiss Indoors brauchen Geld. Viel Geld. Neben dem noch offenen politischen Sukkurs sind die Pläne für die Hallensanierung längst nicht garantiert – und woher sollen sie kommen, diese Mittel? Als vor zwei Jahren Federers Management den Vertrag mit Brennwald neu verhandeln wollte, muss das Brennwald in den falschen Hals geraten sein. Denn Federer spielt (auch) nicht nur in Basel, weil er hier praktisch vor der Haustür wohnen kann. Brennwald stellte sich stur, engagierte Nadal als Aushängeschild und wurde von diesem letztes Jahr prompt versetzt. Das Kalkül, dass Federer sein Heimturnier schon nicht auslassen würde, ging zwar auf, aber Brennwald muss in Kauf nehmen, dass seine ungelöste Management-Aufgabe immer lauter in den Medien diskutiert wird. Aber geht es wirklich nur um die Gage für Federer? Es muss vermutet werden, dass dahinter etwas ganz anderes steht:

Die Probleme sind nämlich ziemlich genau so alt wie der Zeitpunkt, zu dem Federer mal laut darüber nachdachte, dass er mit seinem Management die Swiss Indoors einmal übernehmen und damit die Finanzierung sicherstellen könnte – und damit auch die Suche nach einem Titelsponsor leichter fallen könnte: Federer spielt vielleicht noch zwei, drei Jahre, danach wird das Turnier extrem hart in die Eisen oder aufs Gaspedal steigen müssen, um seine Bedeutung und die Finanzierung aufrecht erhalten zu können. Brennwald scheint das Vorpreschen von Federer so in den falschen Hals bekommen zu haben, dass er mit der Empfindlichkeit des Sonnenkönigs den Niedergang seines Lebenswerks riskiert – während er die Lösung vor der Nase hat und nun auch noch zusehen kann, wie dieser seinen dritten Frühling zelebriert und drauf und dran ist, erneut die Nummer 1 im Ranking zu werden.

Peinlich, wie säuerlich Brennwalds Worte an der Siegerehrung rüber kamen, und tragisch, was hier auf Grund persönlicher Befindlichkeiten riskiert wird.

Es ist dies ein öffentlich vorgetragenes Beispiel für die so oft nicht funktionierende grösste aller Lebensaufgaben: Das Erschaffene in neue Hände geben zu können und sich wirklich zurück zu ziehen. Zu erkennen, wann neue Kräfte neue Herausforderungen stemmen sollen, das ist für jeden Patron die schwerste aller Aufgaben. Wer es hin bekommt, ist wirklich gross. Das gilt für den Metzgermeister in ihrem Dorf genau so, wie es auch für Roger Brennwald gelten könnte.

Er versucht es jetzt mit der Agentur Ringier Infront. Vielleicht ist der Weg erfolgreich. Weil die Agentur eines hin bekommen sollte: Das neue Gespräch mit neuen Gesichtern mit Federer und dessen Management. Vielleicht. Das Turnier ist auf jeden Fall darauf angewiesen, dass Federer am Ende sein Herz sprechen lässt – und nicht den gleichen Hochmut in den Vordergrund schiebt, der ihm entgegen gebracht wird:

Im Jahr, in dem die Schweiz mit Federer und Wawrinka zwei Top-5-Tennisspieler besitzt, prangt auf dem Plakat des einzigen Schweizer Tennisturniers von Bedeutung das Konterfei von … Nadal. Im Grunde sagt das schon alles.

Verteilungskämpfe? Verdrängungskämpfe!

∞  26. Oktober 2014, 17:06 Kommentare

Streiks in Deutschland. Stehen wir vor Arbeitskämpfen? Die Bandagen werden härter. Aber, Hand aufs Herz, geht es wirklich darum, fairen Lohn für Alle zu erreichen?

Die Streiks haben gewerkschaftspolitische Ursprünge (Lokomotivführer), und die Piloten kämpfen gegen den Verlust ihrer langjährigen Privilegien, die sich mitunter ins Gegenteil verkehrt haben mögen. Und die Funktionen, die Lokführer und Piloten bekleiden, sind für Streiks wie geschaffen.

Meine allgemeine Wahrnehmung ist eher die, dass die Erwartung, als Berufsgruppe fair behandelt zu werden, je länger je kleiner wird. Die Vorstellung, wie es einem selbst besser gehen könnte, wird immer mehr davon bestimmt, aus der bisherigen Gruppe heraus zu schiessen: Der Anspruch, Lohn für Arbeit müsste gerecht verteilt werden, hat ein ordnungspolitisches Gschmäckle, an das niemand mehr glaubt. Wir haben mittlerweile aufgesaugt, dass wir für unser Auskommen und unsere Altersvorsorge selbst Vorkehrungen treffen müssen, und wir impfen unseren Kindern ein, dass der Wettbewerb angenommen und gewonnen werden muss. Ein Bewusstsein für das Team, für die Arbeit eines Berufsstandes, fehlt je länger je mehr.

Verantworten müssen das im Grunde alle. Viel zu Viele sind davon geblendet, dass irgendwie irgendwo ein Jackpot winkt. Die Strahlkraft der Spitze macht baff. Spitzensportler, Spitzenmanager, Unterhaltungsstars verdienen immer mehr. Wir konsumieren Forbes-Reichen-Rankings wie Nachrichten vom Laufsteg. Prassen erzeugt nicht hassen. Es gibt allenfalls Leere zu beobachten, aber die Unmöglichkeit der Politik und ihre fehlende Vision, wie denn die moderne Gesellschaft als Gemeinschaft zu gestalten wäre, ist offensichtlich.

Und über allem steht: Wirklich Benachteiligte oder zumindest Vergessene haben verlernt, sich zu organisieren. Dafür steigt das Risiko, dass sie sich blenden und instrumentalisieren lassen.

Kurz notiert: Feriengenuss

∞  23. Oktober 2014, 20:49 Kommentare [1]

Ich sitze im Wohnzimmer und lasse meine Gedanken kreisen.
Und tippse vor mich hin.
Das meine ich nicht despektierlich.
Ich geniesse es.

In der Küche klappert Geschirr. Ich höre die Stimmen unserer Frauen, die mit dem Kochen begonnen haben. Was für ein Liebesdienst das ist, Tag für Tag! Wenn wir dann am Tisch sitzen, vor duftenden Tellern, wird aus der Vorfreude, die Genussfreude der bereits angeregten Sinne – ich esse, als wären die Speisen von Göttern zubereitet.

Und diese ruhige Stunde davor, wenn ich die Geschäftigkeit höre, selbst aber ganz die Ruhe geniessen darf – diese Stunde ist wie nichts Anderes hier Ferien. Und ich bin immer wieder neu dankbar dafür.

Kurz notiert: Spontane Eingebungen

∞  23. Oktober 2014, 17:42 Kommentare [1]

Das Blog als Gedankenwerkstätte. Wie viel weiter könnte man seine Verwendung fassen! Kurze Notizen mit integrieren, Impulse geben und nehmen, in der Vielfalt des Lebens.

Nein, ich will dafür nicht zu Facebook. Ich will nicht ein Haus dafür zur Verfügung gestellt bekommen, mich nicht dem Vernetzen verschreiben, in ständiger Schielerei nach Followern oder Freunden. Ich will nachdenken, schreiben, leben. Und wenn jemand mitdenkt, dann gerne, aber vornehmlich ist mein Ort dafür hier. Und so wird es auch bleiben.

.

Twittern als Wettkampfführung

∞  22. Oktober 2014, 21:16 Kommentare

Was Social Media heute für eine Rolle spielt, spielen kann, sieht man gut bei Spitzensportlern – einerseits pflegen sie damit ihr Image – und ihren Marktwert – manchmal aber werden vor allem Twitter-Beiträge auch dazu benutzt, vor einem Wettkampf eine erste Psycho-Front zu eröffnen. So was ist zur Zeit in einer Sportart zu beobachten, die in der Regel eher für die feine Art bekannt sein will: Tennis.

In ein paar Wochen stehen sich Frankreich und die Schweiz im Daviscup-Final gegenüber. Die Franzosen als Gastgeber haben sich bei der Unterlage für Sand entschieden, weil das Roger Federers schwächste Unterlage ist. Zudem werden er wie Wawrinka nur eine Woche zuvor noch die Weltmeisterschaft in London spielen – in der Halle auf Hartbelag. Die Umstellung ist schwierig – und in einer einzigen Woche auf den Punkt bereit zu sein, erst recht. Nun hat Federer zwei Bilder getwittert, die seine Schuhe auf Sandbelag zeigen – mit dem Hinweis, dass er für den Daviscup Sandplatztrainingstage eingestreut hat – mitten in der Hallensaison. Während die Experten darüber streiten, wie wenig Sinn so was macht und ob es überhaupt wahr sei, bestätigt Federers Coach die Trainingstage – und Gilles Simon, Mitglied der französischen Equipe und eben Finalverlierer gegen Federer in Shanghai, fühlt sich gedrängt, das französische Publikum schon mal dazu aufzufordern, den Ausländer Federer in Lille dann nicht etwa auch noch mit Akklamation zu unterstützen. Federer sei sich gewohnt, auch in Frankreich gegen Franzosen von der Hälfte der Zuschauer unterstützt zu werden, das müsse im Daviscup-Final anders sein, um ihn verunsichern zu können.

Zwei Twitterbildchen haben einen richtigen verbalen Kleinkrieg ausgelöst – und an Stelle von Federer würde ich mich amüsiert wundern, was auf diesem Weg ausgelöst werden kann. Es sind noch drei grosse Turniere, die zuvor gespielt werden – aber der Daviscup-Final ist bereits lanciert.

Mann mit Zyklus?

∞  21. Oktober 2014, 22:32 Kommentare [2]

Ob ein glücklicher Tag oder ein bestimmtes Ereignis, das meine Fitness voraussetzt, gut ausgeht – wer hat da nicht schon von seinem möglicherweise erst abzugleichenden Biorhythmus geflachst? Seit den Achtzigerjahren ist der Ausdruck Teil des allgemeinen Sprachgebrauchs geworden. Darin steckt meist Spass, zumal die These, dass wir körperlich, emotional und geistig in unterschiedlich langen Zyklen von Geburt an festgeschriebene und also berechenbare Ups und Downs haben, sich in keiner Weise empirisch je hat belegen lassen. Eine Spielerei also – und doch ist der Flachs eine Art Synonym für eine Beobachtung, die auch Männer machen können:

Denen ist der Zyklus der Frau zwar auf Ewigkeit ein Mysterium, und sie glauben sich in der Rolle jenes Parts der Menschheit, der schwankungsfrei zielsicher linear durch das Wellental der Tage zu schreiten vermag, während die Frau einmal pro Monat Kopfschmerzen hat und missmutig wird, Zeitdauer schwankend. Darüber spasst dann wieder der im Grunde Unverständige, der übrigens zu jener Spezies gehört, der, müsste er sich mit dem gleichen biologischen Phänomen herumschlagen, darüber vor Achs und Wehs gar nicht mehr in die Gänge käme. Männer leiden lauter als Frauen, und viel schneller. Darum gebären sie Gott sei Dank auch keine Kinder.

Je älter ich aber werde, um so häufiger stelle ich an mir selber fest, dass ich wahrscheinlich sehr wohl genau so einen Zyklus habe wie Frauen. Er ist nur nicht so ausgeprägt und darum auch nicht voraussehbar, und sei es nur, weil ich viel zu wenig sensibel mit mir selber umgehe. Vielleicht reagiere ich auch nur auf den Mond, so wie es die Pflanzen tun und meine Haare und Fingernägel, die bei abnehmendem Mond viel weniger schnell wachsen als umgekehrt.

Nun, wenn das zunehmende Alter dazu führt, dass ich besser auf mich acht gebe und ich sensibler für solche Vorgänge werde, gewinne ich ja tendenziell Sinnesfreude hinzu, denn es ist doch schön, Freude, Müdigkeit, Energie und Erschöpfung bewusster zu spüren – und vor allem in den Körper hinein horchen zu können, um ein wenig voraus zu sehen, was er und ich gerade brauchen.

Unsere Würde

∞  20. Oktober 2014, 00:02 Kommentare [2]

Günther Jauch’s Talkshow von heute Abend: Das Thema wird durch Udo Reiters Entscheid, seinem Leben als Querschnittgelähmter ein Ende zu machen, vorgegeben. Einmal mehr wird über aktive und passive Sterbehilfe wie über die Beihilfe zur Sterbehilfe diskutiert, und immer wieder wird die Würde des Menschen angesprochen.

Nur, was ist die Würde des Menschen? Udo Reiters wollte, ähnlich wie Gunter Sachs, nicht sabbernd an der Schnabeltasse hängen. Abhängigkeit bei einfachsten körperlichen Verrichtungen – für ihn unvorstellbar. Entsprechend früh setzte er seine immer wieder kommunizierte Absicht in die Tat um.

Es ist wichtig, ethisch und gesellschaftlich, dass wir anerkennen, dass jedes Leben, ob schwerst pflegebedürftig oder herrlich selbstbestimmt, seine Würde hat. Jedes Leben. Nur: Ob der Mensch seinem eigenen Leben diese Würde zuerkennen kann, ist eine höchst individuelle Angelegenheit, und sie kann keinem von uns aufgezwungen werden. Es gibt dafür eine allgemein gültige Ethik, welche Leben an sich schützt und jedem bedrängten Leben die Pflege anbietet, die möglich ist – aber es gibt keine Pflicht der Menschen, das noch mögliche Ergebnis lebenswert finden zu können.

Was für uns das Leben ausmacht, wie wir es leben und wann wir es gelebt haben – wir können diese Frage nur selbst beantworten. Und am Ende hat kein Freund, kein Verwandter einen Anspruch darauf, den Betroffenen zu einem Ausharren “überreden” zu können – genau so, wie von ihm nicht verlangt werden kann, dass er einen Weg begleitet, den er nicht gut heissen kann. Was ihm die Liebe allenfalls eingibt, vorgibt, möglich macht, das ist wieder etwas anderes und endgültig persönlich.

Die Düfte der Natur

∞  18. Oktober 2014, 22:00 Kommentare [2]

Ich erlebe meine Ferien in einer einzigartig schönen Umgebung. Wenn ich mich auf meinen Spaziergang um den Weiher mache, dann fühlen meine Füsse, sehen meine Augen, hören meine Ohren – aber alles, was ich da wahrnehme, aufnehme, ist auch Teil jenes Sinnes, der bei mir am wenigsten stark ausgestaltet ist: Ich rieche was ich sehe. Und plötzlich noch viel mehr.

Die Feuchtigkeit des Grases, der weiche Boden, die knackende Nuss unter dem Schuh, das Rauschen der Pappeln im Wind, das Klatschen der Karpfenflossen auf dem Wasser, wenn sie abtauchen, bevor ich sie sehen kann. Das lautlose Verwesen der Blätter auf dem Wasser und am Boden, die knackenden Kiesel unter der Sohle, die wärmende Sonne, die das Gras noch einmal duften lässt… Ja, herrschaft nochmal – ich beschreibe Geräusche, weil ich Duft nicht wirklich beschreiben kann. Aber atmen Sie durch, atmen Sie tief und gehen Sie raus.

Die Erde an den Fingern, die Feuchtigkeit im Gemäuer – die Natur ist nicht zuletzt mit all ihren Düften um uns – und mit unseren Parfums imitieren wir Natürlichkeit, um Körpergeruch zu übertünchen. Dabei wäre weniger oft mehr, denn unser Duft ist ein Teil unserer Identität, und wenn wir uns gut riechen können, mögen wir uns auch leiden.

älter