Es lohnt sich, über Lohn zu schreiben
∞ 10. März 2010, 18:41 Kommentare
10 Minuten schreibend über Lohn nachgedacht.
Für diese Entgeltung einer Leistung gibt es ja viele Bezeichnungen, und sie “lohnen” (nicht löhnen) alle eine nähere Betrachtung, angefangen beim Verdienst.
Und: Welche Beziehung haben wir zu unserem Lohn? Was geschieht in uns, wenn wir den Eingang der monatlichen Zahlung konstatieren?
Und was geschieht mit uns, wenn sie plötzlich fehlt?
Heute ist dafür in meinem Kopf kein Raum und in meinem Terminplan keine Zeit, um darüber mehr zu schreiben, aber das kommt auch wieder anders.
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Die Mär von der Leistungsgesellschaft
∞ 9. März 2010, 17:44 Kommentare
Sie wird besungen oder beklagt, diese unsere Leistungsgesellschaft. Oder wird sie nur herbei geredet? Ist sie ein politisches Schlagwort?
Foto: DAS BERGISCHE INTERNAT
Leistung zu fordern, ist selbstverständlich geworden. Niemand will sich dem Verdacht aussetzen, etwas gratis zu wollen. Wir sind alle keine Schnorrer, nicht wahr? Wir malochen, chrampfen, ackern, schieben Überstunden und sind alle dem Leistungsgedanken verpflichtet. Und über allem thront der Glaubenssatz: Leistung muss sich wieder lohnen. Sagen die einen. Und die anderen, für die sich deren Leistung schon jetzt lohnt, können darauf bauen, dass verdientes Geld in aller Regel schon beweist, dass der betreffende gewiss auch entsprechend in die Eisen steigt (steigen muss). Von nichts kommt nichts. Nicht jeder ist ja Banker von Beruf. Diesen armen Teufeln spricht man ja mittlerweile die redliche Butter schon vom Brot weg. Aber im allgemeinen ist die Welt doch in Ordnung, nicht wahr?
Wer sich einsetzt, bringt es zu etwas. Mit dieser Maxime wird die sanfte Wahrnehmungsverschiebung ermöglicht, die zu dem führt, was wir längst übernommen haben:
Wir reden von Eigenverantwortung. Damit meinen wir aber nie die eigene Verantwortung für das Gemeinwohl. Verantwortlich sind wir nur für uns selbst. Damit haben wir der Gemeinschaft genüge getan. Dabei ist genau dieser eine Typus wohl heute so verbreitet wie zu Grossvaters Zeiten: Der einfache Mensch, der keinem anderen zur Last fallen will. Nur geht er heute unter. Was er leistet, ist heute oft und verbreitet nicht mehr smart genug. Und wenn er klagt, er käme auf keinen grünen Zweig, so gibt es dafür ein Schulterzucken: Wer Pfleger wird, nur so zum Beispiel, oder Koch, oder was auch immer der Beispiele mehr sind, hat den Beruf von Anfang an nicht des Geldes wegen gewählt. Der Mann, die Frau wusste, auf was er oder sie sich einliess.
Was heisst das alles? Dass wir nicht in einer Leistungsgesellschaft leben, sondern in einer Erfolgsgesellschaft.
Es mag für viele unfassbar sein, aber den wahren Charakter einer echten und gesunden Leistungsgesellschaft habe ich in einer militärischen Ausbildung – und nur dort – kennen gelernt: Uns wurde eingebläut, Leistung zu fördern – und die Anforderungen den Talenten des Einzelnen anzupassen: Es ist nicht der Fehler des Dünnen, dass er die Munitionskiste nicht zu schleppen vermag. Es ist der Fehler des Chefs, wenn er den Dünnen stattdessen nicht die Karte lesen lässt – oder sonst so einsetzt, dass dessen Talente zum Tragen kommen. Im Unterschied zur zivilen Gesellschaft ist in der militärischen Gruppe am Ende des Tages jeder gleich weit – genau so weit, wie die Gruppe selbst auch. Und im Idealfall hat jeder dazu das beigetragen, was nach seinen Talenten das Optimum war. Unmögliche Leistungsziele zu setzen, war verpönt. Gelobt wurde jener, welcher aus seinen Möglichkeiten am meisten machte – für alle.
In unserer Gesellschaft aber wird der Einsatz des einzelnen sehr, sehr unterschiedlich bewertet. Durch Geld und Lohn. Das war schon immer so, und warum das keine grösseren sozialen Spannungen gibt, ist ein Thema für sich. Aber, bitte schön, hören wir auf von unserer Leistungsgesellschaft zu sprechen. Wir leben in einer Erfolgsgesellschaft, in welcher der Wert des Geldes dominiert. Wer viel verdient, zahlt für Viele Steuern mit, soll also nicht geschröpft werden. Wer viel verdient, konsumiert viel, was sicher stellt, dass alle anderen auch etwas zu konsumieren haben. Und damit ist die Welt in Ordnung.
Ich bin kein Sozialist. Aber manchmal frage ich mich schon, wie sich eine gute Freundin fühlen mag, welche als Mutter und Pflegefachfrau einen enorm fordernden Job mit hoher Sozialkompetenz bewältigt, wenn sie ihren Gehaltscheck mit meinem vergleicht. Oder vergleichen könnte. Ich leiste garantiert nicht mehr als sie. Aber ich habe mehr “Erfolg”, so lange ich ihn mit dem einzigen möglichen Massstab messen will, den es gibt: Geld. Dass wir in einem Staat mit hohem Grad an Sozial- und Arbeitsfrieden leben, haben wir nicht so sehr einem moderaten Steuersystem und einem schlanken Staat zu verdanken, als vielmehr vielen leistungsbereiten Menschen, die am gesellschaftlichen Erfolg weniger interessiert sind als an der persönlichen inneren Befriedigung. Ich glaube, gerade deswegen ist es allerhöchste Zeit, dass jene, welche für ihren eigenen Einsatz sehr gut entlöhnt werden, wieder mehr Bewusstsein für die tragende Basis unserer Gemeinschaft entwickeln und auch nach den Ausdrucksformen suchen, wie das gezeigt werden kann.
Das kostet zu allererst übrigens überhaupt kein Geld. Es erfordert allerdings soziale Kompetenz. Bildet man sich darin weiter, fällt der pekuniäre Beitrag dann aber auch leichter.
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Nicht immer tut alles gut, was ich gerne mache
∞ 8. März 2010, 13:04 Kommentare
Die Professorin Miriam Meckel, von deren Blog auch schon Artikel in der Blogbibliothek erschienen sind, hat ein Buch geschrieben:
In einem Interview mit dem Tages Anzeiger erzählt sie von ihrem von Körper und Geist erzwungenen Marschhalt. Es wird dabei eindrücklich deutlich, dass sie sich selbst bewusst ist, dass die Gründe, welche dazu geführt haben, nicht einfach verschwinden, sondern dass es weiterhin darum geht, den allgemein vorhandenen Ansprüchen und Impulsen, welche wir in unserem Alltag verspüren, mit Strategien zu begegnen, die uns helfen, uns nicht im endlosen Strom von Kommunikations- und Betätigungsanreizen zu verlieren und dem, was “Erfolg” meint, gelassener entgegen zu treten.
Das mögen ein paar Zitate illustrieren:
[…]
Bei diesem kommunikativen Stubenarrest, den sogenannten Inaktivitätstagen, blieb ich ein ganzes Wochenende auf meinem Zimmer. Keine Gespräche und keine Bücher, keine Musik, kein TV, kein SMS und keine E-Mail. Ich habe am Fenster gesessen und rausgeschaut. Dann beginnt das Denken und Fühlen.
[…]
Klar ist es verlockend, zwischendurch einen Beitrag auf Facebook zu posten oder eine E-Mail zu schreiben. Da wartet ja eine Instant-Gratifikation, jemand reagiert vielleicht.
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Meine To-do-Listen entstanden vor dem Burnout oft aus einer Unruhe, aus dem ständigen Gefühl, dass es noch tausend andere Dinge gibt, die ich machen müsste.
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Menschen sollen nicht bloss funktionieren. Sie sollen leben. Perfektion und Erfolgsstreben sind oft nichts anders als die Erfüllung selbst- und von aussen auferlegter Zwänge…
