Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.


Eifersucht mit doppeltem Boden

∞  1. September 2014, 20:48 Kommentare

Ich bin der Eifersucht in meinem Leben häufig begegnet – so wollte ich diesen Artikel beginnen, in der vollen Überzeugung, wie zutreffend er ist. Dabei stimmt das nur bedingt. Ja, sie hatte Einfluss auf mein Leben – aber ich war dabei mehr leidender Beobachter und nie derjenige, der sich direkt mit Eifersucht konfrontiert sah – im Gegenteil. Darüber bin ich sehr, sehr glücklich, denn ich weiss, was Eifersucht anrichten kann! Immerhin habe ich dabei auch erfahren, wie sehr die Eifersüchtigen selbst unter ihrer Sucht leiden – ich schreibe das hier ganz bewusst so. Das ging so weit, dass Menschen in fortgeschritenem Alter ganz bewusst auf neue Partnerschaften verzichteteten, weil sie die Erfahrung schon gemacht hatten, dass sie dieses Gefühl einfach nicht in den Griff kriegen konnten.

Diese Schlussfolgerung macht ja dann schon wieder betroffen. Häufiger aber ist ja so was wie das Gegenteil: Der Eifersüchtige legt Massstäbe an, denen er selbst in keiner Weise standhalten könnte – und manchmal, ja manchmal scheinbar gar nicht will.

Es ist hart, wenn man als Partnerin alles in eine Beziehung investiert hat, Eifersuchtsszenen ausgehalten hat, womöglich gar platonische Freundschaften nicht mehr weiter pflegte, weil sie für den Partner ein ständiger Stachel im Herz zu sein schienen – um dann zu erfahren, dass genau dieser Partner seit Jahr und Tag keine Gelegenheit ausliess, fremd zu gehen…

Das für mich Ungeheuerliche an solchen Ansprüchen ist nicht die krankhafte Übertreibung an sich, sondern die darin oft schlummernde Falschheit – wie kann man mit einem solchen Missverhältnis von Verlangen und Geben am Morgen in den Spiegel schauen?

Wofür das Säbelrasseln?

∞  31. August 2014, 17:20 Kommentare

Wir schauen gern auf fremde Kontinente oder ferne einzelne Staaten, machen dort Despoten aus und brandmarken deren Kriegslust. Wir erkennen, oder unterstellen, dass Kriege vor inneren Unstimmigkeiten ablenken oder Massnahmen zur “Sicherheit” rechtfertigen sollen, mit denen auch innere Macht zementiert werden soll – mit Mitteln der Gewalt.

Und wir erkennen in Putins Verhalten das innerpolitische Kalkül, die verletze Seele der Russen mit einer Aussenpolitik zu wecken, welche an frühere Sowjet-Zeiten erinnern soll – Russland denkt sich gerne wieder grösser, als es heute ist – und ganz bestimmt ist es nicht gewillt, bestehende Machtverhältnisse zu dein eigenen Ungunsten preis zu geben.

Und der Westen, die ach so dolle EU? Diese “Gemeinschaft”, bzw. deren wichtigste Exponenten, haben sich jahrelang nicht gescheut, billige Energie in Russland einzukaufen – in immer höherem Mass. Die Abhängigkeiten, die damit eingegangen wurden, schienen weniger bedeutsam wie die günstigen Auswirkungen auf die eigenen Bilanzen, die durch extensive Ausgaben und den fehlenden politischen Willen zu irgendwelchen Einschränkungen eh schon in Schieflage waren und auch immer blieben.

Wir haben uns damit eine Finanzkrise extensiven Ausmasses eingehandelt und betreiben eine Geldpolitik, welche jeden Sparer bestraft, weil der Staat längst das Sparen und Haushalten verlernt hat und dem Bürger eine Kehrtwende auch nicht verkaufen will. Doch Geld kann nicht unbeschränkt immer noch billiger werden. Die gelenkte Kehrtwende aber wird je länger je schwieriger, weil nun schon der geringste Anstieg der Leitzinsen unzählige Finanzierungen und Staatshaushalte in extreme Bedrängnis brächte.

Und während ich mir dies in den letzten Wochen immer stärker durch den Kopf gehen lasse, brodelt es in der Ukraine – und die EU und die Nato schlagen Töne an, die mir das Grauen bescheren. Wie kann man so weit gehen und so sehr mit den Säbeln rasseln in der bestehenden Situation? Niemand soll mir erzählen, dass das Verhalten Russlands keinen anderen Weg zulässt. Vermuten aber darf man, dass die oben beschriebenen Reflexe nun auch in Europa gelten: Militärische Einsätze sowie dosiert geschürte Bedrohungslagen scharen die Bürger hinter die Regierungen, und verändern die Themen. Und regelt sich der Markt durch Kriegsangst, ist der Schuldige ein ganz anderer, als wenn die Schuldenpolitik einzelner Regierungen oder der Zentralbanken allein im Fokus bleiben würden.

Ich halte von der ganzen Kaste da oben je länger je weniger… Und denke mir mittlerweile, dass das Wort “Demokratie” gerade von unseren Regierungen so schlimm missbraucht wird, dass dies die wirkliche Katastrophe darstellt. Wir sind nur noch Konsumvieh – ganz sicher aber nicht mündige Bürger, die mit eigener Meinung vom Vorgehen einer Regierung überzeugt werden müssten…

Ukraine in die Nato? Ich versteh's nicht

∞  30. August 2014, 22:16 Kommentare

Die Ukraine soll sich mit dem Gedanken tragen, eine Nato-Mitgliedschaft zu beantragen?

Freunde, ich versteh’s nicht. Wie kann die EU in diesem Spielchen NICHT auf die Bremse treten? Das Bündnis ist doch in keinem Fall stark genug, um so eine Provokation für Russland zu stemmen – und es besteht meiner Meinung nach auch kein Bedarf, diesen Schritt zu gehen, um den Einfluss Russlands in Grenzen zu halten.

Hier wird mit dem Feuer gespielt – während der Staat Ukraine nahe an der Führungslosigkeit entlang torkelt und eh restlos pleite ist.

Manchmal denke ich, verschiedene Herren, und auch eine deutsche Dame sollten zwischendurch mal kalt duschen und wieder zur Vernunft kommen – und den Herren in der Ukraine, denen sie beistehen, auch deutlicher zeigen, wo die Grenzen dabei liegen….

Wir Autofahrer

∞  29. August 2014, 23:20 Kommentare

Des zivilisierten Menschen heiligste Kuh ist die Mobilität, und zu dessen Ausübung braucht er das Auto – und die Fahrerlaubnis, sprich, den Führerausweis. Kommt der abhanden oder droht ihm das, tritt die mangelnde Objektivität absurd deutlich zu Tage.

Bevor ich weiter schreibe füge ich dies ein:

Ich nehme mich von der hier geäusserten Einschätzung nicht aus, will sagen, dass mir selbst der Verlust der Fahrerlaubnis im Alter enorm zu schaffen machen dürfte…

Tatsache ist: Ich kenne keinen, der von sich aus sagt, er wäre ein schlechter Autofahrer.
Ich kenne aber auch keinen, der einem anderen, der damit prahlt, dass er seit zwanzig Jahren unfallfrei fährt, nicht unterstellen würde, dass er dafür auch mal die Weitsicht anderer Verkehrsteilnehmer in Anspruch genommen haben wird.

Wenn es ums Autofahren geht, werden wir zu Egomanen. Sitzen wir in unseren Blechkisten, sind alle anderen Idioten. Vielleicht braucht es diese Art Selbstverständnis, um sich durch die kniffligsten Verkehrssituationen hindurch zu schlängeln – ganz sicher scheinen wir es zu brauchen, um dreissig Sekunden früher anzukommen, weil wir uns einen Vorteil, der uns ja doch eigentlich auch tatsächlich zusteht, auch genommen haben. Wir kaufen Kisten mit viel Blech um uns herum und nennen das passive Sicherheit. Mit der Wucht, mit der wir damit Fussgänger treffen könnten, beschäftigen wir uns nicht. Das geschieht einfach nicht. Wir wollen von A nach B, und zwar spontan, jederzeit, bequem und schnell.

Wir sind für harte Strafen bei allen möglichen Straftaten, aber Verkehrsdelikte sind Bagatellen, Fahrausweisentzüge viel zu hart und die Promillegrenze ist eine Schikane für die Restaurants. Wir sind wie alle anderen Autofahrer medizinische Wunder, weil wir entweder problemlos Alkohol trinken können, ohne Promille anzuhäufen, oder aber wir gehören zu jenen erstaunlichen Phänomenen, die auch mit 1,0 Promille noch absolut identische Reaktionswerte haben wie nüchterne Zeitgenossen.

Auch Richter sind Autofahrer, weshalb viele Jahre lang Lebensgefährdung durch Gefährdung im Verkehr zum Teil absurd geringe Strafen auslöste. Heute verschiebt sich das manchmal ins Gegenteil, ich weiss. Aber an dieser Stelle darf schon mal geschmunzelt werden über die Subjektivität, mit der wir uns sehen, wenn wir ein Steuerrad in der Hand haben.

Nicht nur die Gerichtsverhandlungen waren manchmal ein Witz, die Attest-Verfahren für ältere Lenker waren es auch – je nach Kanton sogar noch etwas absurder. Mit der Einführung schärferer Regeln für Neulenker ist es auch nicht mehr so leicht für Betagte, ihre Fahrerlaubnis zu behalten. Die Vernunft ist aber auch nicht vom Alter abhängig, und ich kenne bisher auch keinen Autofahrer, der von jener Weisheit geküsst wurde, die ihn wünschen lässt, die Abklärungen wären seriös und würden ihm aufzeigen, ob sein subjektiver Eindruck, dem Verkehr noch gewachsen zu sein, objektiv bestätigt wird. Nein. Das Attest ist einfach nur eine lästige Pflicht, und der Arzt, der sich allenfalls erdreistet, Bedenken zu äussern, unfähig.

Gewisse Dinge wollen wir einfach nicht hören. Zu erleben, allerdings, wie man aus Überforderung ein Menschenleben gefährdet, oder, noch schlimmer, auslöscht, das ist dann wirklich eine Katastrophe. Respekt vor dieser Gefahr aber haben wir kaum. Würden wir diesen Respekt zeigen, wären wir ganz sicher defensivere Autofahrer, tatsächlich vielleicht gar nicht bessere. Ganz sicher aber wären es viele von uns weniger lange. Und doch lange genug.

Fragen kostet nichts

∞  28. August 2014, 23:17 Kommentare

Neue Leute im Club. Vater und Sohn machen aktiv mit, fragen nach, möchten spielen, geben sich die ablehnende Antwort nicht schon im voraus selbst.

Der Vater spielt noch nicht lange Tennis. Er schlägt zum Beispiel von unten auf. Ein No-Go? Nö. Er hat einen Partner gefunden, der gemeint hat, er spiele gerne mit ihm die Clubmeisterschaften, und mit dessen Erfahrung haben es die beiden bis ins Finale geschafft.

Und nun hat er sich bei meiner Trainingsgruppe gemeldet, und er ist herzlich willkommen. Und sein Sohn hat mich einfach angesprochen, heute abend, ob ich mit ihm ein paar Bälle spielen würde? Ich alter Knacker! Natürlich wollte ich! Ich spiele super gerne mit Jungen und freue mich über ihre Fortschritte aus tiefstem Herzen. Nun, der Junge teilt mich schon jetzt ein. Na, ja, beinahe. Auf jeden Fall ist er ein ganz offener und freundlicher Kerl, und es ist schön, zu sehen, wie sich die Beiden wohl fühlen.

Und sie sind ein Beispiel dafür, dass Fragen nichts kostet: Abgelehnt werden kann man immer. Aber wer sagt denn, dass das eine Katastrophe wäre? Und wenn es dann überhaupt nicht geschieht, wie in diesem Fall, gibt es nur Gewinner.

Der Kurze, der befürchtet, zu kurz zu kommen

∞  27. August 2014, 23:45 Kommentare [2]

Besuch eines Vortrags mit anschliessender Stehparty, also dieser Art Apéro, bei der sich an einem offiziellen Anlass einer Firma wildfremde Menschen treffen und Small Talk betreiben – wenn’s gut kommt. Und dann werden ein paar persönliche Daten ausgetauscht, und je nach Typ eher Understatement betrieben oder – eben – übertrieben.

Ich mag ja dazu neigen, Menschen blitzschnell einzuschätzen und ihnen wohl auch in gewisser Weise ein Etikett umzuhängen, aber ich bin weit davon entfernt, jemanden auf Grund seines Aussehens nicht ernst zu nehmen – oder seines Auftretens. Geht es dann um Anstand, sieht es ein wenig anders aus…

Wir stehen also an einem dieser hohen runden Tischchen, genau so verloren und im Grunde allein wie viele andere um uns herum auch, und unser Stehnachbar ist ein älterer kleiner Herr mit schlohweissem Haar und einigermassen gestutztem Bart gleicher Farbe. Sein Anzug ist um einiges heller und farbiger, als es bei solchen Anlässen üblich ist, dafür geht er beim Weglassen der Krawatte durchaus mit den Jungen – da hat er an diesem Abend mir etwas voraus.

Und dann geht es los. Wir halten uns an unserem Glas Rotwein, der etwas zu jung ist, und warten auf die Häppchen, die wir uns doch verdient haben. Über den Vortrag reden wir am Tisch zu dritt nicht, das haben wir zu zweit im Saal zuvor schon getan, und unsere neue Stehbekanntschaft scheint darauf auch keine Lust zu haben. Sie steht quasi standby. Der Mann weiss aber, dass die Apéro-Häppchen im Palace in Luzern viel besser waren und der Veranstalter bestimmt auch zu denen gehören würde, die nun sparen würden. Und es tönt wie der Vorwurf eines Sozialempfängers, dem die Beiträge gekürzt werden könnten. Alles, wohlverstanden, bevor die ersten Tabletts herum gereicht werden – für die im übrigen niemand bezahlt hat. Gut, wir sind die Kunden des Veranstalters, dennoch tue ich mich jeweils schwer, bei solchen Gelegenheiten was einzufordern. Aber man kommt ganz automatisch ins Vergleichen, zumindest dann, wenn man früher schon mal an so einem Anlass dabei war.

Nur: Hier wird gemeckert, bevor überhaupt die erste Offerte für den Gourmet vorliegt, und das finden wir dann doch ziemlich daneben. Es geht dann auch weiter wie befürchtet. Der Bedienung kippt er fasst das Tablett weg, weil er von der zweiten Seite aus sich ein Schälchen greift, so dass der Kellner die Gewichstveränderung ausgleichen muss. Der Gast schnappt sich auch schon mal einen zweiten Happen, während er den ersten auf dem runden Tischchen noch verarbeitet, und nach nicht allzu langer Zeit prangt dann auch als Zeichen seiner Bemühungen ein Saucenfleck auf seinem weissen Hemd.

Wir sind dann relativ bald gegangen. Und dabei leider nicht vorurteilsfrei geblieben. Ich frage mich einfach, welche Art Stress das Menschen bereitet, wenn sie so chronisch davon ausgehen, dass sie zu kurz kommen?

Mal gute Nachrichten?

∞  26. August 2014, 20:09 Kommentare

Waffenruhe in Gaza, Bestrebungen, den Krieg “endgültig” zu beenden. Sondierungsgespräche zwischen Russland und der Ukraine unter Teilnahme hoher EU-Funktionäre…

Irgendwie könnte die Welt mal ein paar gute Nachrichten gebrauchen, finde ich.

Und ich ertappe mich dabei, wie ich gar nicht so recht daran glauben mag, dass das

- ehrlich gemeint und – von Dauer sein kann.

Aber wer weiss? Zum Glück sitzt ja vielleicht mein Pessimismus nicht am Verhandlungstisch, sondern eine Art pragmatischer Realismus mit einer Prise Vernunft und einer Sehnsucht nach Ruhe…

Tage wie dieser - oder ganz andere

∞  25. August 2014, 23:32 Kommentare [1]

Heute war so ein Tag, auf den ich gerne zurück blicke:

Wir haben uns von nichts aus der Ruhe bringen lassen und konnten eine ganze Reihe von Dingen von der Pendenzenliste streichen.

Ich staune dabei immer wieder über die Gründe, warum ein Tag rund verläuft oder von Anfang bis Ende harkt?

Oft ist das nicht zu durchschauen, und es gibt objektiv keinen Grund für das eine oder das andere.

Also nehme ich das immer auch als Geschenk – und versuche umgekehrt, Tage, an denen die Verflixt-Hexe wütet, gelassener zu nehmen. Nehme ich mir zumindest vor. Was heute ganz leicht und logisch erscheint…

Platzhirsch oder Förderer?

∞  24. August 2014, 23:16 Kommentare [2]

Ich liebe es, mich als Sportfotograf zu versuchen.

Und ich stelle immer wieder fest, dass die fotografierten Hobbysportler in aller Regel sehr viel Spass an den Resultaten haben: Wer sieht sich schon mal selbst auf Skiern oder beim Tennis?
Zwar sind darin auch gewisse Ernüchterungen mit eingeschlossen… aber im Grossen und Ganzen kann ich damit Freude schenken. Was ich dabei nicht so genau weiss, ist, wie viel Können eigentlich dazu wirklich mit gehört, und wie viel einfach die Technik praktisch jedem erlaubt?

Ich habe eine Spiegelreflex mit sehr guten Objektiven, wobei das alles nicht gerade mehr neu ist, aber durchaus den Standard eines Hobbyfotografen erreicht, der sämtliche Objektiv-Situationen abdecken können möchte. Also walte ich meines Amtes und freue mich, wenn die Ergebnisse, am Folgetag auf dem Screen im Clubhaus schon anzuschauen, Spass machen. Aber so ein Clubmeisterschaftswochenende ist lang, und manchmal wünschte ich mir, die Last wäre ein wenig verteilt und ich hätte einen Assistenten. Und heute war es so weit… Ein Teenager schien ganz offenkundig grosse Lust zu haben, mit “dem Ding” mal Selbstversuche zu machen – ausserdem musste ich selbst nochmals auf den Platz.

Nun, ich habe es schon im Spass angemerkt: Nicht sicher, dass das eine gute Idee war, denn womöglich wird so deutlich, dass es eigentlich kinderleicht ist, den Moment zu erwischen, wenn der Ball in Schlägernähe ist… zum Beispiel… Und da war noch die spontane, zu verstehende Frage: Was? Du gibst einem Jungen Deine teure Ausrüstung und lässt ihn einfach machen? Nun, da habe ich eine einfache Antwort: Ja.
Die Sachen sind dazu da, gebraucht zu werden, und wenn ich so jemandem die Freude am Fotografieren vermitteln kann, dann will ich das machen. Schliesslich denke ich noch jetzt dankbar an jenen Moment zurück, in dem mir genau das gleiche geschenkt wurde. Und da war ich unwesentlich älter und gerade in den Matura-Vorbereitungen.

Na, und was soll ich sagen? Ich schaue mir gerade an, was mein Kollege da so geknipst hat – und ich bin verblüfft! Natürlich ist da viel Ausschuss dabei, aber… bei mir auch. Und der Junge ist noch nicht so “verdorben”, dass er bei bewegen Motiven einfach auf Serie stellt und durchrattern lässt. Und trotzdem hat es echte Treffer dabei. Und von der Siegerehrung werden dem Club von ihm Schnappschüsse beschert werden, die verraten, wie gut mein Kollege hinschauen kann. Richtig gute Sachen sind da dabei! Natürlich fehlt es an der Übersicht – die zweitklassierte Dame wird keine grosse Freude haben, dass man von ihr von der Siegerehrung nur Bilder mit Haaren im Gesicht sieht – aber dagegen lässt sich was machen: Da nehmen wir ein Bild vom Apéro, das dazu passt, und gut ist.

Was soll ich sagen: Ich freue mich einfach! Und bei fast allen Dingen, die man in seiner Freizeit gut macht, gilt doch: Weltmeister darin sind wir selbst nicht, aber wenn wir andere mit unserem Tun anstecken können, ist doch sehr viel Edles daraus hervor gewachsen. Da kommt mir in den Sinn:

lookabout.ch muss unbedingt wieder ins Laufen kommen… Ich sag mal: Im Oktober ist es so weit.

Liebe - wie unterschiedlich auch immer sie sich zeigt, sie soll gewinnen

∞  23. August 2014, 22:12 Kommentare

Ich bin nun in einem Alter, in dem die Freunde ganz verschiedene eigene Lebensgeschichten geschrieben haben, und manchmal wird mir das bewusst: Wir alle, die wir uns in der Freizeit treffen, haben bereits einen gepackten Rucksack dabei. Und es ist durchaus faszinierend, wie unterschiedlich diese Wege sein können.

Heute ist mir das ganz besonders bewusst geworden:
Während bei uns nicht mehr viel bis zum dreissigsten Hochzeitstag fehlt, ist ein guter Freund seit wenigen Wochen frisch verheiratet – und es ist schön, dass ich mitbekommen darf, wie glücklich er ist, sie sind.

Und was ganz besonders Mut macht: Diese Liebe wirkt so erfüllt und jugendlich, kommt genau so rüber, wie wenn zwei junge Menschen sich finden, wagt alles wieder neu, und obwohl ich die Beiden “kenne”, vergesse ich dabei selbst manchmal:

Bevor diese Liebe möglich wurde, haben Beide schmerzvolle Erfahrungen in früheren Beziehungen gemacht und so manche Traurigkeit durchlitten, in der ein solches neues Zutrauen wohl unvorstellbar schien. Und das Patchwork, das man dann für sich findet und die Decke, die man sich und seinen verbleibenden Liebsten knüpft, wenn die Trennung mal vollzogen ist – wie sollen diese Relationen für jemand Neuen passen? Und dann darf sich das doch so erfüllen, und mein Herz hüpft vor Freude, wenn ich die Beiden sehe. Immer wieder.

Und dann blicke ich auf mein beschauliches Leben. Auf eine Ehe ohne Kinder, viel gemeinsame Arbeit, die Erfüllung vieler Werte, die uns für unseren Alltag wichtig waren – und all das Beschauliche wird ganz kostbar: Uns ist mancher Sturm erspart geblieben… Also wollen wir die Stürme, die mal von aussen gegen unsere Wände rütteln mögen, erst recht aushalten und uns vergegenwärtigen, wie kuschelig wir es haben, wie viel Kraft darin liegt, immer wieder ins gemeinsame Haus zu finden und die Hände in jene des andern zu legen.

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