Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.


Kurz notiert: Feriengenuss

∞  23. Oktober 2014, 20:49 Kommentare

Ich sitze im Wohnzimmer und lasse meine Gedanken kreisen.
Und tippse vor mich hin.
Das meine ich nicht despektierlich.
Ich geniesse es.

In der Küche klappert Geschirr. Ich höre die Stimmen unserer Frauen, die mit dem Kochen begonnen haben. Was für ein Liebesdienst das ist, Tag für Tag! Wenn wir dann am Tisch sitzen, vor duftenden Tellern, wird aus der Vorfreude, die Genussfreude der bereits angeregten Sinne – ich esse, als wären die Speisen von Göttern zubereitet.

Und diese ruhige Stunde davor, wenn ich die Geschäftigkeit höre, selbst aber ganz die Ruhe geniessen darf – diese Stunde ist wie nichts Anderes hier Ferien. Und ich bin immer wieder neu dankbar dafür.

Kurz notiert: Spontane Eingebungen

∞  23. Oktober 2014, 17:42 Kommentare

Das Blog als Gedankenwerkstätte. Wie viel weiter könnte man seine Verwendung fassen! Kurze Notizen mit integrieren, Impulse geben und nehmen, in der Vielfalt des Lebens.

Nein, ich will dafür nicht zu Facebook. Ich will nicht ein Haus dafür zur Verfügung gestellt bekommen, mich nicht dem Vernetzen verschreiben, in ständiger Schielerei nach Followern oder Freunden. Ich will nachdenken, schreiben, leben. Und wenn jemand mitdenkt, dann gerne, aber vornehmlich ist mein Ort dafür hier. Und so wird es auch bleiben.

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Twittern als Wettkampfführung

∞  22. Oktober 2014, 21:16 Kommentare

Was Social Media heute für eine Rolle spielt, spielen kann, sieht man gut bei Spitzensportlern – einerseits pflegen sie damit ihr Image – und ihren Marktwert – manchmal aber werden vor allem Twitter-Beiträge auch dazu benutzt, vor einem Wettkampf eine erste Psycho-Front zu eröffnen. So was ist zur Zeit in einer Sportart zu beobachten, die in der Regel eher für die feine Art bekannt sein will: Tennis.

In ein paar Wochen stehen sich Frankreich und die Schweiz im Daviscup-Final gegenüber. Die Franzosen als Gastgeber haben sich bei der Unterlage für Sand entschieden, weil das Roger Federers schwächste Unterlage ist. Zudem werden er wie Wawrinka nur eine Woche zuvor noch die Weltmeisterschaft in London spielen – in der Halle auf Hartbelag. Die Umstellung ist schwierig – und in einer einzigen Woche auf den Punkt bereit zu sein, erst recht. Nun hat Federer zwei Bilder getwittert, die seine Schuhe auf Sandbelag zeigen – mit dem Hinweis, dass er für den Daviscup Sandplatztrainingstage eingestreut hat – mitten in der Hallensaison. Während die Experten darüber streiten, wie wenig Sinn so was macht und ob es überhaupt wahr sei, bestätigt Federers Coach die Trainingstage – und Gilles Simon, Mitglied der französischen Equipe und eben Finalverlierer gegen Federer in Shanghai, fühlt sich gedrängt, das französische Publikum schon mal dazu aufzufordern, den Ausländer Federer in Lille dann nicht etwa auch noch mit Akklamation zu unterstützen. Federer sei sich gewohnt, auch in Frankreich gegen Franzosen von der Hälfte der Zuschauer unterstützt zu werden, das müsse im Daviscup-Final anders sein, um ihn verunsichern zu können.

Zwei Twitterbildchen haben einen richtigen verbalen Kleinkrieg ausgelöst – und an Stelle von Federer würde ich mich amüsiert wundern, was auf diesem Weg ausgelöst werden kann. Es sind noch drei grosse Turniere, die zuvor gespielt werden – aber der Daviscup-Final ist bereits lanciert.

Mann mit Zyklus?

∞  21. Oktober 2014, 22:32 Kommentare [1]

Ob ein glücklicher Tag oder ein bestimmtes Ereignis, das meine Fitness voraussetzt, gut ausgeht – wer hat da nicht schon von seinem möglicherweise erst abzugleichenden Biorhythmus geflachst? Seit den Achtzigerjahren ist der Ausdruck Teil des allgemeinen Sprachgebrauchs geworden. Darin steckt meist Spass, zumal die These, dass wir körperlich, emotional und geistig in unterschiedlich langen Zyklen von Geburt an festgeschriebene und also berechenbare Ups und Downs haben, sich in keiner Weise empirisch je hat belegen lassen. Eine Spielerei also – und doch ist der Flachs eine Art Synonym für eine Beobachtung, die auch Männer machen können:

Denen ist der Zyklus der Frau zwar auf Ewigkeit ein Mysterium, und sie glauben sich in der Rolle jenes Parts der Menschheit, der schwankungsfrei zielsicher linear durch das Wellental der Tage zu schreiten vermag, während die Frau einmal pro Monat Kopfschmerzen hat und missmutig wird, Zeitdauer schwankend. Darüber spasst dann wieder der im Grunde Unverständige, der übrigens zu jener Spezies gehört, der, müsste er sich mit dem gleichen biologischen Phänomen herumschlagen, darüber vor Achs und Wehs gar nicht mehr in die Gänge käme. Männer leiden lauter als Frauen, und viel schneller. Darum gebären sie Gott sei Dank auch keine Kinder.

Je älter ich aber werde, um so häufiger stelle ich an mir selber fest, dass ich wahrscheinlich sehr wohl genau so einen Zyklus habe wie Frauen. Er ist nur nicht so ausgeprägt und darum auch nicht voraussehbar, und sei es nur, weil ich viel zu wenig sensibel mit mir selber umgehe. Vielleicht reagiere ich auch nur auf den Mond, so wie es die Pflanzen tun und meine Haare und Fingernägel, die bei abnehmendem Mond viel weniger schnell wachsen als umgekehrt.

Nun, wenn das zunehmende Alter dazu führt, dass ich besser auf mich acht gebe und ich sensibler für solche Vorgänge werde, gewinne ich ja tendenziell Sinnesfreude hinzu, denn es ist doch schön, Freude, Müdigkeit, Energie und Erschöpfung bewusster zu spüren – und vor allem in den Körper hinein horchen zu können, um ein wenig voraus zu sehen, was er und ich gerade brauchen.

Unsere Würde

∞  20. Oktober 2014, 00:02 Kommentare [1]

Günther Jauch’s Talkshow von heute Abend: Das Thema wird durch Udo Reiters Entscheid, seinem Leben als Querschnittgelähmter ein Ende zu machen, vorgegeben. Einmal mehr wird über aktive und passive Sterbehilfe wie über die Beihilfe zur Sterbehilfe diskutiert, und immer wieder wird die Würde des Menschen angesprochen.

Nur, was ist die Würde des Menschen? Udo Reiters wollte, ähnlich wie Gunter Sachs, nicht sabbernd an der Schnabeltasse hängen. Abhängigkeit bei einfachsten körperlichen Verrichtungen – für ihn unvorstellbar. Entsprechend früh setzte er seine immer wieder kommunizierte Absicht in die Tat um.

Es ist wichtig, ethisch und gesellschaftlich, dass wir anerkennen, dass jedes Leben, ob schwerst pflegebedürftig oder herrlich selbstbestimmt, seine Würde hat. Jedes Leben. Nur: Ob der Mensch seinem eigenen Leben diese Würde zuerkennen kann, ist eine höchst individuelle Angelegenheit, und sie kann keinem von uns aufgezwungen werden. Es gibt dafür eine allgemein gültige Ethik, welche Leben an sich schützt und jedem bedrängten Leben die Pflege anbietet, die möglich ist – aber es gibt keine Pflicht der Menschen, das noch mögliche Ergebnis lebenswert finden zu können.

Was für uns das Leben ausmacht, wie wir es leben und wann wir es gelebt haben – wir können diese Frage nur selbst beantworten. Und am Ende hat kein Freund, kein Verwandter einen Anspruch darauf, den Betroffenen zu einem Ausharren “überreden” zu können – genau so, wie von ihm nicht verlangt werden kann, dass er einen Weg begleitet, den er nicht gut heissen kann. Was ihm die Liebe allenfalls eingibt, vorgibt, möglich macht, das ist wieder etwas anderes und endgültig persönlich.

Die Düfte der Natur

∞  18. Oktober 2014, 22:00 Kommentare [2]

Ich erlebe meine Ferien in einer einzigartig schönen Umgebung. Wenn ich mich auf meinen Spaziergang um den Weiher mache, dann fühlen meine Füsse, sehen meine Augen, hören meine Ohren – aber alles, was ich da wahrnehme, aufnehme, ist auch Teil jenes Sinnes, der bei mir am wenigsten stark ausgestaltet ist: Ich rieche was ich sehe. Und plötzlich noch viel mehr.

Die Feuchtigkeit des Grases, der weiche Boden, die knackende Nuss unter dem Schuh, das Rauschen der Pappeln im Wind, das Klatschen der Karpfenflossen auf dem Wasser, wenn sie abtauchen, bevor ich sie sehen kann. Das lautlose Verwesen der Blätter auf dem Wasser und am Boden, die knackenden Kiesel unter der Sohle, die wärmende Sonne, die das Gras noch einmal duften lässt… Ja, herrschaft nochmal – ich beschreibe Geräusche, weil ich Duft nicht wirklich beschreiben kann. Aber atmen Sie durch, atmen Sie tief und gehen Sie raus.

Die Erde an den Fingern, die Feuchtigkeit im Gemäuer – die Natur ist nicht zuletzt mit all ihren Düften um uns – und mit unseren Parfums imitieren wir Natürlichkeit, um Körpergeruch zu übertünchen. Dabei wäre weniger oft mehr, denn unser Duft ist ein Teil unserer Identität, und wenn wir uns gut riechen können, mögen wir uns auch leiden.

10 Jahre - Zeit für Veränderungen

∞  17. Oktober 2014, 11:07 Kommentare [8]

Thinkabout wird heute 10-jährig.

Dies war der erste Blogbeitrag, den Thinkabout, damals noch auf thinkabout.myblog.de, schrieb:

EIN LEERES BLATT PAPIER
ist schon bedeutungsschwer genug.
Eines, das ins Netz gestellt werden wird, erst recht… Jeder Tag ist eine Art neues, unbeschriebenes Blatt Papier. Wir setzen unseren Fuss neben der Bettkante auf und beginnen, das Papier zu beschreiben.
Vom Leben möchte ich schreiben – und wie ich es empfinde, erlebe oder auch verpasse.
Noch ist es eine Angelegenheit des Bauches und nicht des Kopfes. Strukturen müssen hier neu entstehen wie in meinem Alltag auch.
Aufbruch – er ist immer möglich, spontan oder vorbereitet.
Also steige ich ein in die nächste Aufgabe meines heutigen Tages…
Thinkabout

Damals konnte ich nicht ahnen, dass dieses Schreibprojekt so lange Bestand haben würde – im Gegensatz zu allen anderen Bemühungen der vorherigen zwanzig Jahre, hörte ich damit nie auf. Nein. Bald war es mir selbstverständlich, täglich zu schreiben, und schon vor vielen Jahren beschloss ich, dass es ein Fixpunkt meiner Tage sein und bleiben sollte. Damit soll es jetzt ein Ende haben dürfen. Es wird Thinkabout weiter geben, ich werde auch fast immer täglich weiter daran schreiben, aber mir für Texte mehr Zeit nehmen und nicht täglich veröffentlichen. Und wie im ersten Blog-Eintrag überhaupt beschäftige ich mich erneut mit den Strukturen dieses Auftritts – er wird neu gestaltet werden, aber ich lasse mir damit noch etwas Zeit.

Thinkabout hat mir viel geschenkt. Ich habe Freunde gewonnen und manche Erfahrung gesammelt. Ich habe Menschen als Leser hier, die seit dem Beginn dabei sind. Manchen bin ich persönlich begegnet, andere kenne ich bis jetzt nur virtuell, und doch seid Ihr mir vertraut. Ich war oft enthusisastisch, verschwenderisch mit meinen Ressourcen, träumerisch mit dem, was aus Blogs werden könnte – und aus meinem Schreiben selbst auch. Die Erfahrung bei der Mitarbeit bei facts.ch war in gewisser Weise ein Schock, und ich habe mich in der Folge von Schreibprojekten Dritter fern gehalten. So gab es auf die Frage von Freunden und Bekannten, was das hier eigentlich soll, nie eine andere Antwort, als dass ich daraus privates Vergnügen und Befriedigung beziehe. Ein extravertierter Ego-Trip vielleicht, schon möglich. Ich muss es ja nicht wirklich erklären.

Ich mache einfach weiter. Weil ich gar nicht anders kann. Und genau darin liegt die völlig ausreichende Begründung. Schön, wenn Sie gelegentlcih vorbei schauen, auch wenn ich in Zukunft nie im voraus sagen können, welches Thema mich als nächstes jucken wird.

Ich danke allen treuen Lesern einmal mehr und wünsche uns Allen viel kreative Befriedigung und Anteilnahme am kleinen und grossen Geschehen – und am Leben an sich. Es findet statt. Wir sollten dabei sein. Tag für Tag.

Die Helfer aus dem Wald

∞  16. Oktober 2014, 20:34 Kommentare

Kastanienwälder – im Tessin immer wieder Anziehungspunkt für Sammleraktivitäten im Herbst. Eine wunderbare Gelegenheit, das Sammeln von Kastanien mit einem schönen Waldspaziergang zu verbinden. Aber auch in Frankreich gibt es sie, die Kastanienwälder. Man muss vielleicht ein wenig mehr suchen, oder eben die stoischen, aber sehr netten Einwohner im Aveyron fragen, wo es denn lang geht. Eine träge Handbewegung und eine gegrummelte Kürzesterklärung, und schon sind wir auf der richtigen Fährte. Und man will ja als Tourist nicht negativ auffallen, also parkiere ich mein Auto sehr knapp am Wegrand und also nicht vor einer steilen Waldstrasse, über die kaum ein Auto, auf jeden Fall nicht meines, gelangen könnte, aber man weiss ja nie. Ich setze zurück, und das Auto steht dann auch nicht mehr auf der Strasse, hat aber doch ziemliche Schieflage…

Egal, wir gehen mal auf Kastanienjagd und kommen später mit über 4 kg Ertrag zum Auto zurück. An uns vorbei klappert ein Kleinlaster mit offener Ladebrücke den Berg hoch und ich winke freundlich. Also raus aus der Parkposition, zwei Räder stehen ja immerhin noch auf der Strasse. Doch ich habe keine Chance. Kein Grip, und ich grabe mich nur ein, und der Unterboden liegt auf dem Boden auf. Wir brauchen Hilfe, jemanden, der mich sprichwörtlich aus dem Loch zieht.

Da kommt der Postbote den Berg runter gerattert, doch er fährt mit grossen Augen vorbei ohne anzuhalten… Der Kleinlaster… die Jungs sind zehn Minuten zu früh den Berg hoch gefahren…

Ich überlege gerade, wie ich denn jetzt Hilfe organisieren könnte… wen anrufen? Da, was hören wir? Der Kleinlaster schüttelt sich den Berg runter – und hält auch an…

Die beiden Männer, die aussteigen, sehen aus, wie man sich in solcher Situation Männer wünscht: Waldarbeiter oder zumindest kräftige Handwerker sind es, und die nehmen die Sache in die Hand. Ich habe zumindest Bedienungsanleitung -und Equipement da: Darunter ein Abschleppseil, das wirklich einen Mörderhaken hat und knutschgelb ist. Und die Engel aus dem Wald haben auch schnell raus, wo denn das Ding eingehakt werden muss, und dann geschieht, was ich auch aus Australien und dem Militär immer wieder mit Erstaunen beobachte, auch wenn es einfach Physik ist: Ein sanftes Anziehen und Rucken und schon hat meine Kiste wieder festen Boden unter den Füssen.

Die Jungs wollen erst nicht mal das kleine Trinkgeld annehmen – und wir zuckeln heim. Echt Schwein gehabt. Und die Kastanien? Haben bereits super geschmeckt – also, die ersten paar hundert Gramm.

Fehlbare Rechthaber

∞  15. Oktober 2014, 22:34 Kommentare

Den Zweiteiler Faber gesehen, der den Niedergang von Einzelhandelsketten behandelt, die als Familienunternehmen am Ende nicht zuletzt wegen der Unbeweglichkeit der alten Garde scheitern.

Gerade in Familienunternehmen sind Sätze wie “du hast recht”, “Tut mir leid” genau so selten wie den Einbezug neuer Ideen, sobald diese die Ahnung aufkommen lassen, dass das Betreten neuer Bühnen nötig wird, auf denen Mann selbst sich nicht mehr zuhause fühlt.

Der letzte wache Instinkt ist immer jener, mit dem man versucht, im Sessel zu bleiben. Es geht dann nicht mehr um die Familie, die Firma, es geht nur noch um mich. Erst will ich gewinnen, dann nicht verlieren – und am Ende soll wenn immer möglich auch niemand anders gewinnen – und die Aversion gegen Familienmitglieder kann dabei viel, sehr viel höher sein als gegen irgendwelche Gegner in der Firma.

Rechthaberei ist furchtbar. Rechthaber sind meist rückwärtsgewandt, denn es ist gar nicht möglich, dass die beste Idee in einem Team immer von mir kommt. Der Niedergang ist brutal, die Auswirkung auf die Familie extrem. Vor allem dann, wenn die Situation wie unter dem Brennglas einfach das beleuchtet, was schon immer nicht gestimmt hat.

Die Beratung von Familienunternehmen, welche den Generationenwechsel schaffen müssen, ist genau aus diesen Gründen ein sehr zukunftsträchtiges und wichtiges Business – nicht nur für Beratungsfirmen, sondern auch für Romanautoren.

Sozialpartner. Nicht -Gegner.

∞  14. Oktober 2014, 19:05 Kommentare

Hart aber Fair – der ARD-Polittalk zum Lokomotivführerstreit in Deutschland – und der Frage, welche Art Streiks wann von wem wie durchgeführt werden sollen können dürfen.

Gegen Ende der Sendung verweist Moderator Frank Plasberg auf das Beispiel der Schweiz, wo sich Arbeitgeber und -nehmer zur Wahrung des Arbeitsfriedens bekennen. Im kurzen Bericht wird die Schlichtungsstelle erwähnt, welche bei unüberbrückbaren Differenzen zum Einsatz kommt.

Ein Aspekt, der wichtigste, wurde dabei nicht erwähnt, aber es ist auch ein so genannt weicher Faktor: In dieser Praxis, die seit 1937 gilt, haben die Sozialpartner immer wieder die Erfahrung machen können, dass die Wahrung des Sozialfriedens allen Beteiligten hilft – und damit erkennen Arbeitnehmer UND Arbeitgeber in der Aufrechterhaltung der guten Sozialpartnerschaft einen unbedingt zu wahrenden Standortvorteil – im Interesse der eigenen Seite. Diese Kultur führt wohl nicht selten dazu, dass die Angebote und Forderungen, mit denen beide Seiten in die Verhandlungen für neue Gesamtarbeitsverträge steigen, in aller Regel nicht absurd weit auseinander liegen, wie jetzt in Deutschland im Konflikt der Lokführer mit der Deutschen Bahn. Der Schaden, der in diesem Fall angerichtet wird, ist für Schweizer Beobachter ein absoluter Gau, denn das Gebot der Verlässlichkeit der Produktion betreffend Lieferterminen und Art der Ausführung, die Sicherheit der wirklich abrufbaren Dienstleistung – das ist pures Kapital, das sich beide Seiten nicht kaputt machen wollen – die Beziehung zu Abnehmern der Firma soll in keinem Fall beschädigt werden.

Es wurde mit Recht in dieser Sendung vom neuen Focus-Chefredakteur darauf hingewiesen, dass die Verunglimpfungen der Deutschen Bahn aus den Reihen der gewerkschaftlich organisierten eigenen Lokführer ein No-Go darstellen. Da geht Unternehmenskultur verloren – oder es wird offensichtlich, dass es die nicht mehr gibt.

Das Bewusstsein, dass faire Arbeitsbedingungen zu fairen, guten Produkten und Dienstleistungen führen, die allen Beteiligten dienen und dem Unternehmen die Kunden erhalten, weil diese dies honorieren – es ist hier noch vorhanden, bzw. weit verbreitet – und der gesellschaftliche Druck auf die Sozialpartner, sich im Streitfall zu einigen, ist auch deshalb extrem hoch, weil auch scheinbar unbeteiligte Branchen und Gewerkschaften ein hohes Interesse daran haben, dass diese Kultur weiter erhalten bleibt. Sie ist einer unserer grössten Vorteile im internationalen Vergleich – auch wenn man diesen Vorteil nicht beziffern kann. Aber er steckt uns in den Gliedern, im Hirn und im Herzen, und wir wollen für Firmen arbeiten, die diese Prinzipien ebenfalls vertreten. Für dieses Ziel müssen beide Seiten immer wieder auch etwas geben, und mir scheint, dass dank dieser Grunderfahrung die Knüppel extremer Forderungen oder Verweigerungen eben von vornherein nicht ausgepackt werden. Die Schweiz hat sich hier wirklich einen enormen Standordvorteil erarbeitet – und wir werden hübsch Sorge dazu tragen, dass sich auch zuziehende Firmen an diesem Wechselspiel von Geben und Nehmen beteiligen und diese Kultur nicht verderben.

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