Ressort: Lebenskunst(Weitere Infos)

27.August 2021, 2:30

Liebe Geimpfte

Ich bin in diesem Text bewusst und noch mehr als sonst persönlich. Dies einfach deshalb, weil ich feststelle, dass eine objektive Diskussion der Pandemie zur Zeit kaum mehr möglich ist. Und weil ich immer wieder erfahre, dass wir urteilen, ohne Hintergründe zu kennen. Und auch dabei meine ich persönliche. Umstände und- eben – auch Gedanken.

Der Graben in unserer Gesellschaft hat sich aufgetan. Haben wir über die Einschätzungen zu Corona noch so was wie diskutiert, so ist das bei der Kontroverse um die Impfung scheinbar nicht mehr möglich. Der besagte Graben zwischen Geimpften und Ungeimpften verläuft teilweise mitten durch Familien, Freundschaften, Vereine. Und es scheint nurmehr zwei Kategorien zu geben: Die Geimpften sind die Solidarischen – die Ungeimpften die Schmarotzer.

Die Frage des richtigen Verhaltens zum Wohl der Gesellschaft hat sich auf zwei Pieks reduziert. Dabei müssten wir uns doch alle, mit oder ohne Pieks, nach wie vor fragen lassen, wie wir es denn halten in unserem Alltag mit den Anpassungen an die scheinbar so evident bedrohliche Lage?

Wie Viele von uns sind gepiekst aufgebrochen in die Ferien, in den Süden, den Osten, haben Verwandte besucht oder Freunde, haben Dolce Vita genossen, endlich ein wenig Normalität, haben gefeiert und uns gefreut über die laschen Kontrollen oder gar keine, sind mit dem Auto mehrmals über die Grenzen gefahren, ohne je den ominösen Fackel vorzeigen zu müssen. Alles nicht so schlimm oder praktisch überstanden – und jetzt?

Die Empörung über die Ungeimpften ist gross, und diese sehen sich verallgemeinert als Querschläger und Querulanten, Schwurbler und ewig gestrige Globuliphantasten gebrandmarkt. Angesichts der Tatsache, dass das Virus von Allen mit oder ohne Pieks weiter gegeben werden kann, fragt niemand danach, wer denn wie viele Sozialkontakte hat und sich, ungeimpft, womöglich aus freien Stücken schon ein gutes Stück weit defensiver in der Anzahl seiner Begegnungen verhält als seine Mitmenschen. Bin ich, ungeimpft, mit durchschnittlich vielleicht fünf bis zehn Sozialkontakten pro Woche und einem Restaurantbesuch alle vierzehn Tage das grössere Risiko für eine Ansteckung als jemand Geimpfter mit hunderten davon (in entsprechenden Berufen oder dem häufigen Aufenthalt in geschlossenen Räumen) und einem Clubbesuch pro Monat?

Ich kann mit den Einschränkungen für den Besuch von Massenveranstaltungen leben. Womit ich nicht (gut) leben kann, ist mit der Tatsache, dass der Eingriff in meine körperliche Integrität staatlich verordnet werden soll – für einen Vorgang, über dessen Risiken für mögliche Langzeitfolgen niemand wirklich schon Bescheid wissen kann. Die Gesellschaft trifft mit Unterstützung der wissenschaftlichen Forschung und ihrem vorläufigen Erkenntnisstand einfach eine Risikoabwägung – die nicht meine eigene sein muss. Ich erwarte Euren Respekt für das Risiko, das ich selber zu tragen bereit bin. Dass sich die meisten von Euch haben impfen lassen, um sich vor der Krankheit zu schützen, kann ich verstehen. Auch verstehe ich, dass viele sich impfen lassen, weil sie beruflich viel reisen müssen und es ansonsten furchtbar mühsam ist. Gleichzeitig ist mir unwohl, dass die Abwägung, ob man die Impfung will oder nicht, für manche von uns mit sehr viel mehr im Alltag entstehendem Druck verbunden ist als für andere. Denn, nochmals, es ist eine höchst persönliche Entscheidung.

Nun bin ich also für Euch noch immer ein Risiko. Ich kann Euch trotzdem mit Covid anstecken, auch wenn Ihr weniger schwer krank werdet, und ich kann von Euch angesteckt werden und die Ansteckung weiter geben. Vor allem aber bin ich bin ein Kostenfaktor und ein möglicher Spitalengpassverursacher zu Lasten moralisch integrerer Patienten. Denn wenn ich, trotz sehr selektiver Kontakte mit Corona angesteckt werde, früher oder später, egal in welcher Welle, kann es sein, dass ich ein Spitalbett belege. Die Chance, dass ich die Krankheit überstehe, ohne auch nur in die Nähe eines Spitals zu müssen, ist zwar viel höher, aber tatsächlich kann ich es nicht mit hundertprozentiger Sicherheit ausschliessen. Dass ich in keinem Fall intubiert werden will und daher wegen Covid kaum je ein Intensivbett belegen würde, beeinflusst hier nur meine persönliche Ratlosigkeit angesichts der bedingungslosen Bereitschaft, für ein Überleben egal welcher Qualität einfach alles vorgekehrt bekommen zu wollen. Aber diese meine Haltung müsst Ihr mir ja nicht glauben, denn ich muss sie gerade glücklicherweise ja nicht beweisen.

Entgegen anderer Berichte, die ich in diesen Wochen vermehrt lesen kann, glaube ich nicht daran, dass ich als Patient auf Ressentiments der Pflegenden stossen würde. Pflegefachkräfte, die ihren Beruf mit dem Gedanken ausüben, dass der Mensch, der vor ihnen liegt, im Grunde selbst schuld an seiner Lage ist, haben den inneren Spirit ihrer Berufung eingebüsst und müssen den Beruf schnellstens wechseln – und niemand von uns muss Angst vor einer solchen Haltung haben – ganz egal, welche Art von Risiko wir selbst zu verantworten haben, wenn wir sterbenskrank werden. Würden wir diese Grenze wirklich überschreiten und diese Art von Bewertungen vornehmen, so haben wir als humanitäre Wesen wie als Gesellschaft endgültig die Empathie verloren. Was es bedeuten würde, diese Folgen zu tragen, sollte niemand von uns unterschätzen. Die Raucher unter uns, zum Beispiel, können erahnen, welche Dynamik das annehmen kann, denn sie haben in den letzten Jahrzehnten erlebt, wie der Wind drehen kann. Und auch dieser Wind könnte bis ins Spital weiter getragen werden…

Natürlich habe ich Wünsche, aber sie sind in der Weise wohl zu fromm, wie Fromm heute noch verstanden werden kann – nämlich unrealistisch:

Ich wünschte tatsächlich, dass die Pflegeberufe ernster genommen würden – mit verbesserten Löhnen, Arbeitszeitregelungen und explizit im Bereich der Auslastung der IPS (Intensivpflegestationen) mit Ausbildungsprogrammen, welche die Erkenntnisse der ersten Welle der Pandemie zum Anlass nehmen, mehr Personal zu schulen – wenn es getan wird, dann wird davon nicht berichtet, womöglich, um keine „falschen Signale“ zu senden. Und ich wünschte, die Optimierung der Auslastungen von IPS würden weniger unter wirtschaftlichem Druck stehen in Zeiten wie diesen, was dann zu mehr Überhang der Kapazitäten in ruhigeren Phasen führen würde – DAS wären Kostenfaktoren unseres Gesundheitswesens, die unsere Gesellschaft, bezeugt mit ihrem Verhalten, doch eindeutig zu tragen bereit wäre.

Und ich wünschte, die Berichterstattung über alle Aspekte von Covid in unserer Gesellschaft hätte weniger Filter vorgesetzt: Darf die Tatsache, dass ein Grossteil der Covidpatienten Migranten sind, erwähnt werden? Darf darüber berichtet werden, wie gross der Anteil der schweren Fälle unter den Menschen ist, die aus dem Balkan zurück gekehrt sind? Wir wären dann auch hier wieder bei der Empathie, die uns nicht mehr zugetraut wird: Empörung, Klassifizierung, Unruhe wird bei uns eher vermutet als der schlichte Versuch, dem Phänomen mit Aufklärung zu begegnen – und mit Massnahmen, die auch diese Menschen besser schützen.

Womit noch festzustellen bleibt, dass auch und gerade in dieser Pandemie nicht Geimpfte oder Ungeimpfte wirklich die Arschkarte gezogen haben, sondern die wirtschaftlich schlechter gestellten Menschen, die von Lockdowns, Homeschooling und Covid-Gesundheitsrisiken viel negativer betroffen sind als der Durchschnitt all jener, die diese Zeilen lesen. Und da wäre es vielleicht angebracht, sich auch nochmals die Frage zu stellen, ob es uns nicht zu denken geben müsste, dass die in unserer Gesellschaft mittlerweile komplett fehlende Resilienz gegenüber jeder Art von Bedrohung des Lebens um so heftiger auf die Schwächeren zurückfällt. Denn unsere Massnahmen bedingen Wohlstand – dazu passt, dass auch heute auf tausend Stimmen in unserer Presse, welche sich Gedanken über die Verbesserung unserer Impfquote machen, vielleicht eine kommt, welche die Scheinheiligkeit unseres Rufs nach Solidarität brandmarkt angesichts der Tatsache, dass unsere Thematik an der Landesgrenze aufhört und wir bestens damit leben können, dass Impfstoffe woanders dringend gebraucht würden. Denn wenn wir so dringend Impfung wünschen, müsste sie doch Allen zustehen, nicht wahr?

23.Juni 2021, 2:00

Das Virus und Brock

Brock läuft durch die Strassen, vorbei an leeren Gesichtern hinter Masken. Und die Gesichter ohne Masken sind grau. Er hat das Virus nicht, und doch hat es ihn im Griff, weil es uns alle im Griff hat. Brock war schon immer viel allein, aber lange nicht mehr so oft einsam. Während die Menschen nach der Leichtigkeit haschen, möchte Brock endlich wieder jene Schwere fühlen, die ihm zeigt, dass die Erde anzieht, ihn hält. Er versucht, bewusst zu atmen, und seine Schritte werden langsamer und kürzer. Er sucht nichts mehr in den vorbei huschenden Gesichtern. Er sucht Brock.

Er denkt an den kleinen Jungen und auch an den Teenager, der niemals Zärtlichkeit zwischen Mama und Papa beobachten konnte. Als ihm das bewusst geworden war vor vielen Jahren, hatte er das Gefühl, in einem schwarzen Nichts zu versinken. Wenn die Seele so friert, will sie lieber wieder vergessen. Aber Erinnerungen sind dazu da, eine liebevolle Beobachtung zu versuchen, auf dass der Vergangenheit eine neue Gegenwart folgen kann: Brock betrauert nicht mehr den kleinen Jungen in ihm, aber er wird immer den Schmerz der Zurückweisungen und Frustrationen seiner Eltern fühlen. Noch jetzt kann er die wortlose Verzweiflung fühlen, in welcher Mutter und Vater gefangen blieben, ein Leben lang. Das Virus hätte das nicht geändert. Vielmehr wäre es wohl unerträglich geworden. Für wen zuerst?

Brock kann nicht eine Person nennen, die ihm die Kraft gegeben hat, Gefühle, Zärtlichkeit, Zuneigung und Berührung nicht einfach als Sehnsuchtsgüter zu verstehen sondern ihr Geben und Nehmen zu üben, zu lernen, zuzulassen und zu erfahren, dass dies Güter sind, die jenseits von richtig und falsch einfach unser Leben ausmachen, und damit das Miteinander und unser Dasein mit uns selbst. Brock begreift, so, wie er gerade einen Fuss vor den anderen setzt, dass es gerade die Vielzahl der Begegnungen ist, welche ihn befähigten, das eigene innere Licht zu sehen und leuchten zu lassen.

Brock weiss, dass es seine grösste und wichtigste Aufgabe bleibt, erfahrene Nähe, empfundene und empfangene Liebe in jener Seelentiefe Raum zu geben, in welcher sein Grundvertrauen nur darauf wartet, weiter gestärkt zu werden. Seine Seele will und darf die Enge sprengen, die Liebesworte seiner ihn Liebenden dürfen seine Gewissheit werden. Jedes scheinbar zufällig gehörte oder gelesene liebe Wort hat seine Botschaft für ihn, für Brock. Gelebte, empfundene Liebe und Zuneigung klopft immer bei der eigenen Seele an und fragt: Na, bist Du auch gut zu Dir selbst? Und tut Dir selbst gut, was du machst, gibst, empfängst? Je liebevoller und gütiger Brock an seine Eltern, überhaupt an Menschen denken kann, um so liebevoller ist auch sein Blick auf sich selbst.

Brock lernt. Er weiss, dass er damit niemals „durch sein wird“. Aber es ist schön. Und wenn Momente des Alleinseins Einsamkeit in sich tragen, so kann er sie willkommen heissen, weil sie ihn frei von Ablenkung machen können. Um einen Gedanken fest zu halten, eine Dankbarkeit zu fühlen, einen nächsten Schritt zu machen. Brock will sich weiter begegnen, sich fühlen. Und so wird er auch Menschen begegnen. Er hat unwillkürlich die Maske abgenommen und achtlos in die Hosentasche gesteckt, und eine Frau, die vorbei eilt, lächelt ihn an. Sie gibt ihm zurück, was er ausstrahlt.


Alles, was Brock umtreibt, was ihn beschäftigt, worin er Hilfe sucht und Hilfe schenken kann, ist ein Teil unserer Lebenskunst, die sehr viel mit unserem persönlichen Glück zu tun hat, mit der Qualität und Tiefe unserer Beziehungen, mit der Art und Fähigkeit, Liebe gedeihen lassen zu können. Ganz viel von dem haben wir Corona geopfert. Wir haben pausiert. Einschränkungen auf uns genommen.

Wie viele Menschen haben wir in der Zeit ein Stück weit verloren, weil sie eine andere Einstellung zu den offenen Fragen hatten oder haben, und wir es nicht schaffen, NICHT nur in Schwarz oder Weiss zu denken? Wir teilen Menschen ein in vernünftig und verleitet. In verantwortungsbewusst und fahrlässig. Wir unterstellen Dummheit, wo Unsicherheit herrscht. Nach allen Seiten, damit wir uns hier richtig verstehen.

Herausforderungen wie jene, die in diesem Text oben anklingen, haben ganz Viele unter uns zu meistern. Es wird wohl niemand bestreiten, dass sie seit März 2020 noch viel dunkler auf vielen Menschen lasten können. Und ich behaupte, wir alle kennen einen solchen Menschen. Aber wir sehen sie nicht. Es ist ein Elend, das von keiner Statistik erfasst wird. Und doch verantworten wir es. Wir Alle.
Wie sähe unsere Welt aus, wenn wir uns mehr den inneren Werten unserer Lebensjahre verpflichtet fühlten als der schieren Angst, wir können davon ein paar weniger erleben als erhofft? Was macht unser Dasein auf Erden aus?

Bald soll es ja vorbei sein. Sagen die Einen. Andere bestreiten es, bezweifeln es. Wir werden die Diskussion unter uns Unwissenden endlos weiter führen. Aber Eines ist ganz klar:

Was wir verloren haben, was wir preis gegeben haben, bekommen wir nicht zurück. Nichts von dem, was geschehen ist, ist einfach eine Episode, die wir vergessen werden.

18.Juni 2021, 2:00

E-Biken als neues leichtes Jogging. Vielleicht.

Die Zeiten, in denen ich regelmässig joggen war, sind lange vorbei. Ich erinnere mich an die Limiten, die sich mir zeigten: In dem Moment, über den hinaus sich meine Distanzleistung nicht mehr erhöhte mit dem möglichen und gewollten Aufwand, schwand der Zauber, und die Konfrontation mit den Einschränkungen durch das Asthma schob sich in den Vordergrund. Dazu kamen streunende herrenlose Hunde im Wald mit Interesse an Joggerbeinen, und irgendwann habe ich es gelassen. Aber ich erinnere mich auch an die meditativen Momente im Einklang mit meinen Körper…

MEIN KÖRPER – MEINE WOHNUNG

Still laufe ich, mit gebändigten Gedanken. Ich staune, dass meine Beine vom ersten Schritt an den leichten Schritt des Vortags annehmen, eifrig bereit, mich weit zu tragen. Ich komme heute meinem Ziel ein paar ruhige Atemzüge näher: Beim Laufen mein eigenes Tempo finden. Die Geschwindigkeit, den Schritt entdecken, der der Meine ist und der zu mir gehört für den Lauf durch mein Leben, hin zu mir selbst. Ich suche die Schrittlänge und den Rhythmus, der meine Gedanken verschmelzen lässt, meinen Kopf leert und mein Inneres öffnet. So ist jeder neue Lauf ein Dialog mit mir selbst, ein Hinhorchen auf meinen Körper, eine Mahnung, ihn zu ehren, zu pflegen, zu nutzen, zu belasten, zu entlasten: Ich lerne meine Wohnung kennen. Und ich freue mich schon, morgen dahin zurück zu kehren, und die Tage danach ebenso.

Es gibt segensreiche Wiederholungen und Gewohnheiten, Zeiten der Einkehr, die wie Tempelgänge in unserem Tagesablauf stehen können.


thinkabout.myblog.de vom 14.11.04, teilweise wieder gegeben und redigiert

und so freue ich mich nun auf mein E-Bike, auf das ich, wie viele andere auch, sehnlichst und viel länger warte, als vorausgesagt… Die Lieferengpässe durch Corona lassen grüssen…

14.Juni 2021, 8:30

Erdige Gedanken

Unsere Begegnungen mit der Natur können manchmal so tief empfunden werden, als würden wir von Gott selbst berührt.
Wenn ich Tiere beobachte oder einen besonderen Baum, der im Wechsel der Jahreszeiten Blühen und Welken immer wieder neu durchlebt und ich dabei seine Wurzeln wachsen sehe, dann fühle ich die Sehnsucht danach, „wie die Tiere dem Leben recht geben zu können“ (J.R. von Salis) und entsprechend im Leben verwurzelt zu sein:

Meiner Bestimmung gemäss zu leben. Was bedeutete: Ich weiss wer ich bin und was ich soll. Tiere müssen nicht nach ihrem Sinn fragen – sie scheinen in jedem Moment das zu tun, wofür sie bestimmt und gedacht sind und folgen ihren Instinkten. Wir aber haben ein Bewusstsein, das wir scheinbar erst entwickeln oder wieder freilegen müssen: Wir können uns eine Zukunft denken und womöglich die Vergangenheit nicht ruhen lassen. Wir vermögen scheinbar sehr schlecht mit der Tatsache der weiter laufenden Zeit umzugehen. Statt Werden und Vergehen in unser Bewusstsein eindringen zu lassen, verscheuchen wir die Fragen nach unserer Herkunft und unserm Hingang und leben in einem diffusen Durcheinander von Augenblicken, abgelenkt vom scheinbaren Trost momentaner Zerstreuung und der Erfüllung aktueller Pflichten.

Dabei wird uns immer die Möglichkeit gelassen, im Bewusstsein unserer physischen Endlichkeit unsere Seele zu nähren und mit beiden Füssen die Erde spürend gleichzeitig den Himmel zu greifen.

thinkabout/myblog.de vom 13. Nov. 2004, heute bearbeitet und ergänzt

18.Mai 2021, 14:25

Freundschaft hat eine ewige Kraft

Es gibt Begegnungen, die machen ein Leben so reich, und dabei schaut man staunend auf sein Glück: Unfassbar, dass mir das geschieht – dass ich Dinge erlebe, die ich mir so nicht mal vorgestellt habe. Das Glück einer tiefen Freundschaft ist unerklärbar, aber der Versuch, sie zu pflegen und zu schützen, immer weiter zu vertiefen, ist nicht nur menschlich – er ist auch Ausdruck von Selbstliebe, denn in der Freundschaft erfahre ich Geborgenheit, und ich empfange das Geschenk, angenommen und geliebt zu werden. Meine Stärken können inspirieren, und meine Schwächen werden aufgefangen.

iStock/MHJ

Wie eine Freundschaft entsteht, kannst du dir nicht verdienen. Wie lange sie anhält, ist auch Ausdruck dessen, wie wertvoll sie Beiden ist. Doch wie ein Mensch in ein Leben tritt, so kann er einem auch wieder genommen werden. Manchmal endgültig. Die gemeinsame Lebensstrecke endet nie dann, wann wir bereit dafür sind. Im Moment des Verlustes ist der Tod ein grausamer, übermächtiger Feind, ein Räuber, ein Monster. Kündigt er sich an und kann man sich darauf vorbereiten, so stellt er riesige Aufgaben. Doch wie er auch erscheint, die Leere, die er bringt, ist auch nur eine Hülle. Wir können ihm so viel entgegen setzen. Und dazu gehören all die gemeinsamem Momente, die Liebe und das Lachen, das Strahlen in unbeschwerten Augenblicken. Keiner von ihnen kann lächerlich gemacht werden, weil er nicht wiederkehren kann. Keiner von ihnen kann uns genommen werden. Denn Freundschaft bedeutet auch, dass wir allen Zuspruch für einander für immer in uns tragen. Und wer weiss? So geheimnisvoll wie das Wunder ist, das wir uns begegnet sind, so voller Geheimnisse bleibt der weitere Weg. Und ich glaube nicht, dass wir uns je im dunklen Nichts verlieren werden, sondern dass es immer Verbindung gibt. Der Reichtum, den wir einander schenken, bleibt lebendig. Liebe hat eine Ewigkeit, aus der sie kommt und in der sie nie verloren geht. Und so lebst Du in all meinen Freundschaften weiter, denn Du hast mir geholfen, mich weiter zu entwickeln und mir gezeigt, wie segensreich es ist, immer an die Kraft der Liebe zu glauben, sie zu schenken – aber auch anzunehmen, dass es sie auch für mich gibt. Und dass Du meine Liebe weiter mit Dir trägst, ist die Gewissheit, die auf jedes Verlustgefühl eines Abschieds folgen darf.

09.Mai 2021, 7:00

Die Welt da draussen

Was die Welt so treibt und was sie umtreibt – sie entfremdet sich mir. Ich weiss, das ist mein Problem. Und vielleicht bin ich nicht wirklich gemacht für sie – zumindest nicht so, wie sie sich entwickelt. Oder zeigt sie sich mir einfach erst jetzt so, wie sie eben ist? Mein Wertesystem ist ein anderes – der Vorteil dabei ist einer, der auch Einsamkeit erträgt: Ich muss schauen, dass ich bei mir bleibe.

Im Juni sollen wir über die Kompetenzen des Bundesrates in der Bewältigung der Corona-Zeit abstimmen. Eine Art Nachlegitimation für die Exekutive für die Prinzipien der Krisenbewältigung. Eigentlich ein ganz wichtiges, weil – eben – prinzipielles Thema. Doch ich kenne keinen anderen Aspekt zu Corona, der in der Breite zur Zeit noch interessiert als die Frage, wer wann welchen Impfstoff bekommt – oder eben nicht. Die Menschen haben genug. Sie wollen ihre Freiheit wieder haben, aber sie haben längst akzeptiert und sich zu eigen gemacht, dass sie nach den Risiken beurteilt werden, welche die Impfung als einziges bleibendes Kriterium vorgibt. Der Stand der Impfung wird zum Massstab, welcher den Regierungen nach ihrer eigenen Einschätzung die objektive Begründung liefert, Massnahmen zurück zu nehmen. Der weltweite Erstversuch einer Hypermassenimpfung, für die man Restrisiken sich wegdenkt, wie es noch nie in der Weltgeschichte geschehen ist. Und wer mag vor den Sommerferien und angesichts der Frage der Bedingungen für sich lockernde Reisebeschränkungen noch prinzipielle Diskussionen über grunddemokratische Basisrechte, zumal in einer direkten Demokratie, führen, zum Beispiel über die Bedingungen, unter denen Demonstrationen, welche die Bezeichnung auch verdienen, durchgeführt werden dürfen?

Wir haben seit Anbeginn der Krise der Erhaltung des nackten Lebens mehr Gewicht beigemessen als der Bewahrung einer minimalen Lebensqualität. Wir haben das Recht auf Bildung für mehrere Jahrgänge massiv beschädigt und wir haben für die Bewahrung der wirtschaftlichen Grundfunktionen unserer Gesellschaft Branchen mit nicht allzu grossem Gewicht fürs BIP einer Rosskur unterzogen, deren Kollateralschäden die bereits einkommensschwachen Menschen unserer Vereinzelungsgesellschaft begleichen werden. Wir haben das alles für die so unter Druck stehenden Pflegenden, für die Ärzte und schwer kranken Patienten getan. Doch gleichzeitig ist das Prinzip der Wirtschaftlichkeit weiter angewendet worden, sind Intensivbetten zum Teil noch abgebaut worden, hat der Kampf um Pflegekräfte zu Abwerbungen in anderen Ländern geführt – aber nicht zu sofort an die Hand genommenen Programmen zur Adhoc-Ausbildung weiterer Betreuungspersonen. Es mag sie geben, aber davon zu reden, würde bedeuten, der Angst einen Lösungsansatz entgegen zu stellen, und die Angst wird gebraucht. Aber es bleibt dabei: Ganz viele Pflegekräfte werden uns fehlen, denn Klatschen genügt nicht – und ansonsten hat die Politik wenig bis nichts für sie getan.

Wir haben ganz viel aufgegeben angesichts einer Angst, welche wir absurd gross haben werden lassen in unserer hoch entwickelten Welt, die alles Vergnügen bejaht aber die Endlichkeit ausblendet. Und wir werden viel zu viel davon auch nicht zurück bekommen – weil unser Verhalten eben Gründe hat und zeigt, wie sehr wir als Gesellschaft korrumpierbar sind, weil wir einfach leben wollen im Saus und Braus. Und so werden wir uns auch in der Klimafrage verhalten. Da mache ich mir nichts vor. Denn es wird genügend Fachleute, Experten und, ja, Wissenschaftler geben, welche uns glauben lassen, mit dem technischen Fortschritt würden wir durch weiteres Wachstum sogar weniger Ressourcen verbrauchen. Die Verantwortung für unser Ende und das Ende, das wir herbeiführen, ist etwas für später.

Derweil gibt es unter den Schwächeren unter uns eine vielfache Anzahl von Menschen, die sich mit Angstpsychosen nicht mehr aus der Wohnung wagen. Wenn wir längst nicht mehr von Corona-Statistiken reden werden, wird man uns die ersten Statistiken zu den bleibenden Verlierern der Krise vorlegen. Vielleicht.

In diesen Tagen hat das Schweizer Parlament sich bei der Regelung der Organspende für einen grundlegenden Wechsel des Systems entschieden. Zukünftig wird auch bei uns grundsätzlich davon ausgegangen, dass ein Hirntoter seine Organe spenden will – und es muss keine ausdrückliche Willenserklärung des Betroffenen mehr vorliegen. Das Recht des Menschen auf körperliche Unversehrtheit weicht dem Verlangen, unbedingt leben zu wollen, Koste es andere, was es auch wolle. Wie viele Menschen erleben heute mit gespendeten Organen plötzlich psychische Probleme? Und was, wenn zukünftig dazu auch der Verdacht nicht mehr weggewischt werden kann, dass der Spender womöglich doch einer ohne tatsächliches Einverständnis ist?

Wir verlieren immer mehr Tiefe in unserem Leben, aber dafür ist das Leben immer lauter und – bitte – sensationeller. Auch deshalb kommen die Fragen nach dem Ende doch bitte immer später oder gar nie. Ich höre immer wieder den Wunsch, der eigene Tod möge einen doch bitte im Schlaf heimsuchen. Noch nie habe ich jemanden die Sorge äussern hören, was mit dem Menschen sein mag, der am Morgen vielleicht neben unserem Körper erwacht? Bewusstsein… Es ist für uns etwas für die Yoga-Stunde, für irgendeine Werkstatt, in welcher wir uns unser Wohlfühlprogramm zurecht schustern, um einen weiteren Tag lang unbeschwert zu sein.

Mit oder ohne Corona, mit eigenen oder fremden Organen, mit Selbstverantwortung oder Fremdbestimmung, in Sicherheit oder Freiheit: Wir leben gar nicht wirklich.

02.Mai 2021, 17:50

Noch etwas über Erfolg

Erfolg ist durchaus eine Sache des persönlichen Blickwinkels. Und nur schon dadurch, dass ich mir bewusst werde, was für mich Erfolg ist, erfahre ich etwas über mich. Wie materiell sind meine Vorstellungen von Erfolg? Was macht mich erfolgreich?
Kinder gross ziehen und sie dann sicher durchs Leben ziehen sehen, ist ein Erfolg, der nicht einfach nur auf der eigenen Umsicht, dem eigenen beispielhaften und Sicherheit gebenden Vorbild beruht. Kindererziehung ist auch stets mit Bangen und Hoffen verbunden. Unmöglich können alle erdenklichen Einflüsse und Nöte vom Kind fern gehalten werden. Es muss auch behütet sein von höheren Händen. Erklärt man solche Ziele als erstrangig und sieht darin den wichtigsten Erfolg, so ist die Demut der Dankbarkeit für den Erfolg etwas, was unweigerlich folgt.

Nicht alle Menschen können Erfolg so von fremden Einflüssen beeinflusst sehen und entsprechend akzeptieren, dass stets Unwägbares unsere Erfolge mit beeinflusst.

Männer neigen dazu, sich Ziele zu setzen, die nach ihrer Vorstellung gänzlich aus eigener Kraft zu erreichen sind, und entsprechend fixiert gehen sie oft Ihre Karriere auch an. Sie mögen davon reden, dass es „immer auch Glück braucht“, aber sie denken im Grunde, dass es ihr Können oder Unvermögen ist, das sie am Ende gewinnen oder scheitern lässt. Solche Menschen haben eine innere Unruhe, die sie treibt und sehr oft auch nicht ruhen lässt, wenn Erfolg durchaus da ist.

Ich werfe einen Blick auf einen Menschen, über den sich ein Urteil eigentlich verbietet.
Nach weltlicher Sichtweise ist der Dalai Lama alles andere als erfolgreich. Aus seinem Land vertrieben, der Tibet ausgeweidet, abgeholzt, ausgehöhlt, sein Volk unterdrückt. Und seine Nachfolge ist alles andere als gesichert: Die Chinesen werden die traditionelle Suche nach der nächsten Inkarnation des Dalai Lama mit aller Macht zu verhindern trachten.
Mit dieser Bilanz tagtäglich konfrontiert – ich weiss nicht, wie ich damit umgehen würde.
Ich bin ziemlich sicher, dass mir seine Heiligkeit mit einem Lächeln begegnen würde, wie es für ihn typisch ist, und mir vielleicht antwortete:
Ein wirklicher Misserfolg, ja ein Desaster für jeden Menschen ist es, wenn er seine Fähigkeit zum Mitgefühl verliert.

Damit sind wir bei Zielen, die wir uns im Leben setzen können, die unabhängig von der bestehenden Lebenssituation gleich schwer oder leicht erreichbar bleiben. Sie sind tatsächlich alleine von uns selbst abhängig, und von der Fähigkeit, über viele unserer Erwartungen und Bedürfnisse hinweg zu kommen, sie mit einem Lächeln abzulegen. Kraft und Einsichten, die ich gewinnen und bewahren kann in jeder Lebenssituation – das kann Quellwasser sein für den Brunnen meiner Seele.


thinkabout.myblog.de vom 11. Nov. 2004 – heute redigiert

19.April 2021, 6:20

Glanz und Arroganz des Erfolgreichen

Was ist die Voraussetzung für Erfolg?
Jeder betont ständig, wie hart er arbeitet:
Auch so eine Worthülse, die man getrost nach Amerika zurückschicken könnte, von wo sie herkommt.

Ich empfinde es immer als Affront gegenüber den nicht ganz so Erfolgreichen, wenn ein Sieger im Sport seinen Erfolg damit begründet, dass er so hart gearbeitet habe.
Damit sagt er indirekt, dass er mehr tat als andere.
Wie will er das wissen?
Er kann davon ausgehen, dass bei diesem Wettkampf alles bei ihm am besten zusammen gepasst hat, und er mag so viel Selbstbewusstsein haben, dass er denkt, dazu eine ganze Menge beigetragen zu haben durch Talent, und ja, auch durch Fleiss und Willenskraft und Bereitschaft zum Verzicht, zur Überwindung des inneren Schweinehundes, und über den Lohn aller Mühen glücklich zu sein, ist wunderbar mit zu erleben.

Aber an einem bestimmten Tag besser zu sein als alle anderen oder unverhofft einen Auftrag zu kriegen oder ein Projekt erfolgreich zu Ende zu bringen, das beweist vielleicht meine grosse Geschicklichkeit, zeugt auch von Fähigkeiten, aber es lässt auch Fügung erahnen hinter dem auch beteiligten Zufall, der, tritt er ein, sich nie völlig schlüssig herleiten lässt: Warum wurde ich hier und jetzt nicht von einem Konkurrenzangebot, von einem Konkurrenten überrascht? Ich nenne dies Grund zur Demut und Dank für das Geschick meines Lebens. Also versuche ich nicht nur, mich nach Möglichkeit in meine Lebensumstände zu schicken – ich möchte sie begreifen und darin den Leitfaden sehen, nach dem und an dem ich mich weiter entwickeln kann.

Ja – es gibt die Menschen, die herausragend erfolgreich sind. Die – wie im Sport – messbar die Besten in ihrer Tätigkeit sind. Aber die Strahlkraft, das Besondere an ihnen ist ganz schnell nicht der Erfolg allein, sondern, wie sie mit ihm umgehen. Und sie können Mutmacher sein, eine Inspiration: Nicht aufzugeben, wenn die Dinge schlecht stehen. Denn schaut man genau hin, gerade bei den ganz grossen Karrieren, so findet man fast immer auch Brüche. Den strahlenden ewigen Sieger gibt es nicht. Jede Tenniskarriere, auch die strahlendste, gibt unzählige Geschichten von bitteren Niederlagen her. Wenn wir Höhen und Tiefen so betrachten können, dass sie uns etwas lehren wollen für einen möglichst sicheren, geraden, ausgeglichenen Weg, dann erhalten wir etwas von der Sicherheit, die Siege allein nicht vermitteln können.


Basis des Textes: thinkabout.myblog.de vom 10. Nov. 2004 – heute ergänzt und vertieft

14.April 2021, 1:00

Die Macht der Worte

Ja, mein Freund.
Du hast recht.
Worte haben Macht.
Sie können Waffen sein.
Sie können Wunden schlagen,
sich in sie hinein legen
und darin zu wühlen beginnen.

Sie können aber auch heilen,
unsere Seele wärmen,
uns stärken,
deine Wunde erkunden,
sich darüber legen,
schützend und behütend,
wie kühlende Gaze,
und mit warmem Strich
über schwellende Narben fahren,
bis der Schmerz der Entzündung nachlässt.

Darum sollten wir
unsere Worte bewusst wählen,
und sie zum Werkzeug unseres Herzens machen.


thinkabout.myblog.de vom 9.11.2004

„Fühl dich umarmt“ ist so eine hilflose Redewendung in unseren virtuellen Begegnungsräumen. Und doch kann ein Herz das andere fühlen, wenn es sich beim Schreiben öffnet. Grossartig an einem Wort ist nicht die Form, sondern das Herz, das es hat.

12.April 2021, 6:50

Wunschlos zufrieden

Wünsche, die wir hegen, verraten uns, wie wir unsere Welt und unser Leben sehen. Sie erzählen von uns selbst und helfen uns daher auch, uns auf die Schliche zu kommen. Im Nachhinein erweist sich so mancher brennende Wunsch als verzichtbar. Wünsche wollen einen empfundenen Mangel beseitigen. Das, was wir in unserem Leben als mangelhaft, als unzureichend, verbesserungswürdig bezeichnen, sagt mehr über unseren Frieden mit uns selbst aus als manches daher gesagte Glaubensbekenntnis.

Wünsche zu haben, ist völlig normal, und gerade junge Menschen besetzen Wünsche und Vorstellungen mit einem positiven Denken, aus dem ihr Tatendrang entsteht. Es ist die Bedeutung der jugendlichen unverbrauchten Kraft, energisch und enthusiastisch ins Leben zu drängen, um die Welt zu ergreifen und zu verändern und nicht nur zu fordern. Darum ist es so verheerend, wenn wir ihre Kraft so sehr beschneiden, wie es gerade geschieht. Denn tatsächlich verändert nicht nur die Tat, sondern auch die Haltung zur Gegenwart die Welt, denn darin liegt der Antrieb für alles Gestalten.

Wenn das Leben aber durch unerfüllte Wünsche angetrieben wird, wird man zum Hamster im Rad. Denn der Korb dieser Wünsche wird niemals leer sein, und ein anderer Korb ist immer noch besser gefüllt.

Zum Glück haben wir die Fähigkeit, auf ein Stück Käse in der Falle zu verzichten:

„Es gibt erfülltes Leben trotz vieler unerfüllter Wünsche.“

Otto Klaus

Und wenn wir das Kaleidoskop unserer Wünsche retrospektiv betrachten, dann staunen wir, wie sich diese Liste im Lauf der Jahre verändert hat. So sagen unsere Wünsche eine Menge über unsere Haltung dem Leben gegenüber aus.

Auf einen reifen Menschen kann dann, seiner Fähigkeit zur Zufriedenheit entsprechend, folgendes gelten:

„Eines jeden Menschen Wunsch entspricht seiner inneren Entwicklung. Das, wofür er reif ist, erscheint ihm wünschenswert.“

unbekannt

Und unsere Wüsche haben verschiedenste Ursprünge, Motivationen. Was ist Herzenswunsch, was schon BeGIERde? Blockieren uns unsere Wünsche gar?

„Des Menschen Begierden lenken ihn ab von den Wünschen des Herzens, und die Wünsche des Herzens halten ihn fern von der Versenkung in seine Seele.“

unbekannt

Das tiefste Innere unseres Seins, unsere Seele, wird durch materielle Dinge nicht gestärkt, berührt oder erschüttert. Ja selbst Glück oder Unglück vermag sie nicht zu erschüttern. Wir können sie immer aufsuchen, in ihr ruhen, ganz egal, wie die äusseren Umstände sind. Wir erkennen vielleicht sogar, dass Euphorie über Erfolg uns mehr von uns selbst trennen kann, als so manches Leid…

Es ist befreiend, keine Wünsche zu haben. Nichts benennen zu können, zu müssen, das sich im eigenen Leben noch ändern, wegdrücken lassen oder einstellen müsste, um zufrieden sein zu können.
Das hat nichts mit dem fatalistischen Satz: „Ich erwarte nichts mehr vom Leben“, zu tun. Es ist keine Haltung, die auf enttäuschten Erwartungen, auf Frustration beruht.

Für mich ist es eher ein Trost, eine Quelle der Kraft: Egal, wie und wo ich mein Leben bestreite, egal ob es Leid oder Freude im Überfluss bereit hält – mir steht immer frei, wie ich damit umgehen will und wohin ich meine Schritte lenken möchte.
Es bedeutet Freiheit.

Mein grösster Wunsch ist es, meine Wünsche ablegen zu können und in mir zu ruhen.


thinkabout.myblog.de vom 8.11.2004 – heute redigiert und ergänzt.