21.März 2020, 9:00

Vom Wert unserer Worte

Wir leben gerade miteinander allein. Nie war die Aussage so gültig wie heute – aber auch noch nie war sie auch Ausdruck einer so grossen Chance: Die Tatsache, dass wir eine vielfältige, tief fühlbare, ausdrucksstarke Sprache haben, ist eine grosse Gnade unserer Gattung. Und gerade nun können wir sie nützen.

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12.Februar 2020, 7:00

Wirklich wissen

Social network sphere – von aelitta – iStock by Getty Images

Meine Blockade hält an. Schreiben über all das, was ich lese, scheint mir sinnlos. Welchen Gehalt haben Nachrichten? Welches unfertige Bild ist Ursprung meiner “Meinung”? Über was rege ich mich auf, das “geschieht”. Warum passiert was? Warum nicht? Was mir an Ereignissen vermittelt wird, ist nie dazu geeignet, diese Frage zu beantworten. Es ist Bruchstück. Rudimentär. Zerbröckeltes Flickwerk, und ganz sicher nicht entschlackte Essenz.

Was machen wir den ganzen Tag, wenn wir uns informieren und mitteilen? Tauschen wir uns wirklich aus? Wie viele Menschen kenne ich vermeintlich wirklich gut? Und von wie vielen dieser Menschen kann ich mit Überzeugung sagen, dass ich weiss, dass es ihnen gerade gut geht? Was treibt sie um, meine Menschen?

Ich sage ja nicht, dass diese Rhetorik vor zwanzig Jahren weniger verfangen hätte. Ich mag das auch schlicht nicht beurteilen. Aber heute kommt mir meine faktische Unwissenheit oft geradezu absurd vor, angesichts aller social media, die uns zur Verfügung steht und die wir gebrauchen. Ich schreibe bewusst nicht “brauchen” und nicht “nutzen”. Dabei könnte uns wieder bewusst werden, dass wir genau davon wirklich etwas wissen könnten, erfahren, lernen, einschätzen: Was wir selber erleben, im Gespräch ergründen, in der Begegnung fühlen, in der Natur sehen, machen wir höchstens selber zum Zerrbild. Aber nur im einigermassen Unmittelbaren können wir einen tatsächlich eigenen Eindruck gewinnen, zulassen. Wahr, wirklich, ist das, was uns direkt geschieht. Darum ist das Gespräch so wertvoll. Das Zusammenleben. Zeit teilen. Nicht Nachrichten.

25.Dezember 2019, 21:34

Nachrichtentage

In diesen Tagen werde ich überrascht von Nachrichten von Menschen, von denen ich keine Botschaft erwartet hätte – und andere bleiben aus, denen ich keine enttäuschte Erwartung entgegen stelle. Die Weihnachtstage sind keine Aufrechnungstage – sie bieten vielmehr Gelegenheit, Dankbarkeit zu zeigen, vielleicht auch neu zu entdecken, für den Reichtum, den ich im eigenen Leben habe. Ich mag dabei selber in guter Stimmung sein, glückliche Weihnachten haben oder eher traurige – die Tage können auf jeden Fall einen Zauber für mich entfalten – und mir gut tun.

Ich denke an Menschen, die dieses Jahr bewusst einmal Weihnachten als Tage ohne Familie brauchen, an solche, die Verlust fühlen müssen, an eine Familie, die eben noch um das Leben eines jungen Menschen fürchten musste und gerade wieder Mut findet, an Menschen, welchen eine Trennung noch ganz frisch auf der Seele brennt, an Menschen, die ihre kleinen Zeichen nicht nur an Weihnachten uns schenken, sondern damit weiter machen werden, eben genau so, wie es immer sein kann, nicht wahr? Jeder Tag ist einer, an dem man einen Gedanken an einen Menschen packen kann, um gerade in diesem Moment bei ihm zu sein. Und die unzähligen Momentaufnahmen packen sich dazu, die uns allen bewusst machen, wie wechselhaft das Leben sein kann, wie beständig aber auch. Und Veränderungen, ob wir sie begrüssen, befürchten oder ob wir beklagen, was wir vermissen, verloren haben – der Schmerz kann und wird weichen, schwächer werden, sich wandeln lassen, weil die Erinnerung gerade auch die liebevollen Begebenheiten, die Wärme und die Liebe zu einem Menschenb, zu einem Lebewesen, einem Heim, nie leer wird. Die geschenkte und erfahrene Liebe wird nicht in der Enttäuschung verenden – sie will sich erneuern, sie will leben, und mag der Samen noch so tief vergraben sein – er kann wieder zum Licht drängen und es finden. In Schritten, oder jederzeit, unverhofft. Vielleicht tragen wir dazu bei, indem wir einem Impuls folgen und uns jemandem zuwenden, wenn wir an ihn denken. Und dafür ist jeder Tag so geeignet wie Weihnachten.

24.Dezember 2019, 16:30

Liebe in uns

Es ist wieder Weihnachten, und ich wünsche Allen Freude, besinnlichen Frieden und Ruhe. Nicht Stress, nicht Erwartungen, die nur darauf geprüft werden, ob sie sich erfüllen oder nicht. Ich wünsche Gelassenheit und Überraschungen, die sein dürfen, weil nur eines fest stehen soll: Nächstenliebe. Gestärkt durch jene Menschen, auf die Verlass ist und auf dem inneren Fundament der Selbstliebe, die immer geweckt werden kann und die zu entdecken eine schöne und wichtige Lebensaufgabe ist, kann Weihnachten eine Botschaft für den Alltag sein.

Liebe steht für Lebenskraft. So, wie sich das Leben stets erneuert, wie aus Moder Humus wird, hat Liebe eine Durchhaltekraft, die wir manchmal zu verlieren glauben, aber: Sie bleibt in der Welt und auch in uns, und kein Elend muss gross genug sein, dass sie verschüttet wird oder begraben bleibt. Die Liebe, in all ihren Erscheinungsformen und Ausdrucksarten, als kleine Geste im Alltag wie als mächtiges Bekenntnis zu sich selbst als Teil einer göttlichen Schöpfung, bleibt in der Welt und in uns. Liebe ist ein Zauber – und eine ewige göttliche Gabe mit ganz irdischer Wirkung. Für jeden Tag im Jahr.

15.November 2019, 17:30

10min schreiben über: Disziplin

Ein Projekt zu verfolgen braucht Disziplin. Bedürfnissen nicht beliebig nachgeben, drei Stunden lernen, wie vorgenommen, ohne sich ablenken zu lassen. Müdigkeit überwinden, Erschöpfung hinaus zögern. Disziplin kann auch bis zur Askese gehen. Wir staunen über die Dsziplin anderer, bewundern sie womöglich, aber wir machen uns nicht so leicht vertraut mit ihnen…

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19.Oktober 2019, 17:15

Spitzensport

Verfolgt man Spitzensport und seine Protagonisten am Fernsehen, so bekommt man in der Begleitung einer Karriere mit, wie viel Entwicklung da auch noch geschieht, wenn schon lange Erfolg da ist. So viel ist schon geschafft, doch die nächste Herausforderung wartet schon. Erfolg ist nichts Dauerhaftes. Nach dem Spiel, dem Wettkampf, ist vor dem Wettkampf.

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20.September 2019, 13:15

Greta und andere Aufreger

Die Umweltaktivistin Greta Thunberg ist omnipräsent in “den Medien”. Und Greta und wir erleben dabei das, was wirklich unser grösstes Problem ist: Jedes Problem, das wir haben, bekommen wir satt, bis wir nichts mehr davon hören und sehen mögen.

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17.August 2019, 14:24

10min Schreiben über: Trauern

Wenn wir trauern, klagen wir. Es ist unser Versuch, ein Loch zu schliessen, das immer offen bleiben wird.
Ich habe jemanden verloren. Auf immer. Warum geschieht das mir? Warum musste gerade er, sie, gehen? So ein wunderbarer Mensch.
Trauern ist ein Rufen ohne Echo. Es wird nie eines geben. Und Antworten schon gar nicht.

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02.Februar 2019, 18:45

10min schreiben über: Orientierung

Habe ich eine Ausrichtung, eine Orientierung, so habe ich auch ein Ziel. Es muss nicht in eine Zukunft gerichtet sein, in der es gilt, eine bestimmte Leistung zu erbringen, einen Erfolg einzufahren. Es kann auch die persönliche Haltung gemeint sein, eine Art Settlement im eigenen Leben: Einen Platz einnehmen, von dem ich glaube, fühle, dass er richtig für mich ist – und ich richtig für ihn und meine Mikrowelt.

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