19.Mai 2020, 19:00

Es ist nicht recht

Die Welt hat sich verändert. Mir graut, dass sie langfristig anders bleibt. Nicht, dass ich mir nicht wünschte, Vieles würden wir als Menschheit und Gesellschaft anders machen. Aber was nun vorherrscht, ist Unbehagen. Wir vereinzeln. Wir separieren uns aus Angst, einige von uns könnten das Leben verlieren. Wir leben lieber distanziert und desinfiziert als lebendig und damit dem Leben und dem Tode näher.

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24.April 2020, 15:30

10 min schreiben über: Absicherung

Sich abzusichern ist klug – so mancher Anlageberater spricht von entsprechenden Instrumenten. Wer sich auf Äste hinaus wagt, vergewissert sich besser, ob sie auch halten? Halten werden? Aber es ist zu sehen: Sicherheit gibt es nicht. Also sagen Politiker gerne nicht mehr als schon bekannt ist. Doch Floskeln sind einfach nur mutlos. Diese Absicherung ist erbärmlich, und dass wir nicht mehr erwarten, macht es nicht besser.

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19.April 2020, 23:15

2m Abstand

Ich bin ja wohl nicht der Einzige, der ein Problem mit den Zahlen hat, die uns im Zusammenhang mit der Coronakrise präsentiert werden – und mit gewissen Verhaltensweisen, die man uns nahe legt. Leider kann man sich wirklich auf Schritt und Tritt fragen, wo die Logik bleibt? Und sehr viele Weisungen werden lieber “streng” erteilt oder so belassen, statt sie mit Menschenverstand zu korrigieren.

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13.April 2020, 19:00

Wir können uns wirklich Angst machen

Work in the hospital’s critical care unit. – credit: istock/sudok1

Ich bin zunehmend fassungslos. Ich habe den Eindruck, dass die aktuelle Krise vor allem eines offenbart: Wir sind alle ausser Rand und Band. Intensivstationen und Beatmungsgeräte und eine höchst zweifelhafte Akut-Behandlung Schwerstkranker bestimmen die Weltpolitik und unser aller wirtschaftliches Auskommen.

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11.April 2020, 8:00

Was danach kommt, bleibt schwer genug

So langsam lässt sich über Corona hinaus schauen. Also, über alle Kurven und Abflachungen hinaus auf ein Leben nicht ohne, sondern mit dem Virus. Denn es verschwindet ja nicht. Aber die Zeit muss kommen, in welcher wir die Wirtschaft wieder vom Beatmungsgerät nehmen. Das Danach wird uns die Aufgabe stellen, mit den Folgeschäden umzugehen.

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05.April 2020, 17:15

Wunder Natur: Die Biene

istock / by Valengilda

Wir stehen alle im Bann von Corona. Würden wir die Sitation nicht als so bedrohlich für die Gemeinschaft empfinden, gäbe es manchen Grund, das Virus als solches auch als Wunder zu würdigen – als ein Teil eine Schöpfung, die in ihrem Kontext in einem grossen Ganzen ihren vorübergehenden Platz hat und Millionen von Reaktionen und Aktionen in unserem Organismus auslöst, welche schlussendlich die betroffene Art, den Menschen, widerstandsfähiger machen. Aber nicht mehr davon. Nicht jetzt. Stattdessen berichte ich Euch gerade heute ein paar wundersame Dinge über Bienen.

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21.März 2020, 9:00

Vom Wert unserer Worte

Wir leben gerade miteinander allein. Nie war die Aussage so gültig wie heute – aber auch noch nie war sie auch Ausdruck einer so grossen Chance: Die Tatsache, dass wir eine vielfältige, tief fühlbare, ausdrucksstarke Sprache haben, ist eine grosse Gnade unserer Gattung. Und gerade nun können wir sie nützen.

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12.Februar 2020, 7:00

Wirklich wissen

Social network sphere – von aelitta – iStock by Getty Images

Meine Blockade hält an. Schreiben über all das, was ich lese, scheint mir sinnlos. Welchen Gehalt haben Nachrichten? Welches unfertige Bild ist Ursprung meiner “Meinung”? Über was rege ich mich auf, das “geschieht”. Warum passiert was? Warum nicht? Was mir an Ereignissen vermittelt wird, ist nie dazu geeignet, diese Frage zu beantworten. Es ist Bruchstück. Rudimentär. Zerbröckeltes Flickwerk, und ganz sicher nicht entschlackte Essenz.

Was machen wir den ganzen Tag, wenn wir uns informieren und mitteilen? Tauschen wir uns wirklich aus? Wie viele Menschen kenne ich vermeintlich wirklich gut? Und von wie vielen dieser Menschen kann ich mit Überzeugung sagen, dass ich weiss, dass es ihnen gerade gut geht? Was treibt sie um, meine Menschen?

Ich sage ja nicht, dass diese Rhetorik vor zwanzig Jahren weniger verfangen hätte. Ich mag das auch schlicht nicht beurteilen. Aber heute kommt mir meine faktische Unwissenheit oft geradezu absurd vor, angesichts aller social media, die uns zur Verfügung steht und die wir gebrauchen. Ich schreibe bewusst nicht “brauchen” und nicht “nutzen”. Dabei könnte uns wieder bewusst werden, dass wir genau davon wirklich etwas wissen könnten, erfahren, lernen, einschätzen: Was wir selber erleben, im Gespräch ergründen, in der Begegnung fühlen, in der Natur sehen, machen wir höchstens selber zum Zerrbild. Aber nur im einigermassen Unmittelbaren können wir einen tatsächlich eigenen Eindruck gewinnen, zulassen. Wahr, wirklich, ist das, was uns direkt geschieht. Darum ist das Gespräch so wertvoll. Das Zusammenleben. Zeit teilen. Nicht Nachrichten.

25.Dezember 2019, 21:34

Nachrichtentage

In diesen Tagen werde ich überrascht von Nachrichten von Menschen, von denen ich keine Botschaft erwartet hätte – und andere bleiben aus, denen ich keine enttäuschte Erwartung entgegen stelle. Die Weihnachtstage sind keine Aufrechnungstage – sie bieten vielmehr Gelegenheit, Dankbarkeit zu zeigen, vielleicht auch neu zu entdecken, für den Reichtum, den ich im eigenen Leben habe. Ich mag dabei selber in guter Stimmung sein, glückliche Weihnachten haben oder eher traurige – die Tage können auf jeden Fall einen Zauber für mich entfalten – und mir gut tun.

Ich denke an Menschen, die dieses Jahr bewusst einmal Weihnachten als Tage ohne Familie brauchen, an solche, die Verlust fühlen müssen, an eine Familie, die eben noch um das Leben eines jungen Menschen fürchten musste und gerade wieder Mut findet, an Menschen, welchen eine Trennung noch ganz frisch auf der Seele brennt, an Menschen, die ihre kleinen Zeichen nicht nur an Weihnachten uns schenken, sondern damit weiter machen werden, eben genau so, wie es immer sein kann, nicht wahr? Jeder Tag ist einer, an dem man einen Gedanken an einen Menschen packen kann, um gerade in diesem Moment bei ihm zu sein. Und die unzähligen Momentaufnahmen packen sich dazu, die uns allen bewusst machen, wie wechselhaft das Leben sein kann, wie beständig aber auch. Und Veränderungen, ob wir sie begrüssen, befürchten oder ob wir beklagen, was wir vermissen, verloren haben – der Schmerz kann und wird weichen, schwächer werden, sich wandeln lassen, weil die Erinnerung gerade auch die liebevollen Begebenheiten, die Wärme und die Liebe zu einem Menschenb, zu einem Lebewesen, einem Heim, nie leer wird. Die geschenkte und erfahrene Liebe wird nicht in der Enttäuschung verenden – sie will sich erneuern, sie will leben, und mag der Samen noch so tief vergraben sein – er kann wieder zum Licht drängen und es finden. In Schritten, oder jederzeit, unverhofft. Vielleicht tragen wir dazu bei, indem wir einem Impuls folgen und uns jemandem zuwenden, wenn wir an ihn denken. Und dafür ist jeder Tag so geeignet wie Weihnachten.

24.Dezember 2019, 16:30

Liebe in uns

Es ist wieder Weihnachten, und ich wünsche Allen Freude, besinnlichen Frieden und Ruhe. Nicht Stress, nicht Erwartungen, die nur darauf geprüft werden, ob sie sich erfüllen oder nicht. Ich wünsche Gelassenheit und Überraschungen, die sein dürfen, weil nur eines fest stehen soll: Nächstenliebe. Gestärkt durch jene Menschen, auf die Verlass ist und auf dem inneren Fundament der Selbstliebe, die immer geweckt werden kann und die zu entdecken eine schöne und wichtige Lebensaufgabe ist, kann Weihnachten eine Botschaft für den Alltag sein.

Liebe steht für Lebenskraft. So, wie sich das Leben stets erneuert, wie aus Moder Humus wird, hat Liebe eine Durchhaltekraft, die wir manchmal zu verlieren glauben, aber: Sie bleibt in der Welt und auch in uns, und kein Elend muss gross genug sein, dass sie verschüttet wird oder begraben bleibt. Die Liebe, in all ihren Erscheinungsformen und Ausdrucksarten, als kleine Geste im Alltag wie als mächtiges Bekenntnis zu sich selbst als Teil einer göttlichen Schöpfung, bleibt in der Welt und in uns. Liebe ist ein Zauber – und eine ewige göttliche Gabe mit ganz irdischer Wirkung. Für jeden Tag im Jahr.