19.September 2020, 16:45

Social was?

Die Zeichen häufen sich: Unser Umgang miteinander leidet. Es gibt unzählige kleine Dinge, scheinbar nebensächlicher Art, die wir unterlassen, wenn es um die Möglichkeit von sozialen Kontakten geht. Wir halten Distanz. Wir unternehmen Ausflüge nicht oder Besuche, weil wir schon vorausnehmen, “dass sie derangieren könnten”. Und so bekommen wir allmählich kalt. Kollegen berichten, dass Home Office ja schon nett ist und auch gut und die Flexibilität erhöht – aber der Teamgedanke leidet, und allmählich zeigen sich die Folgen. Es gibt neue Mitarbeiter, welche ihr Team nie kennenlernen, weil sie in die Corona-Zeit hinein angestellt wurden und am Ende der Probezeit wieder gegangen werden. Es ist einigermassen absurd – aber wir werden auch das annehmen und viel von Digitalisierung reden. Noch mehr. Soeben habe ich erfahren, dass in einem Kanton die Besuchsregeln in Altersheimen gelockert würden. Ab Montag sind da wieder Besuche auf den Zimmern möglich. Die Alten würden hat schon sehr unter der Vereinsamung leiden…

Aber es betrifft uns alle. Vielleicht merken wir es nur nicht. Denn Netflix funktioniert ja und die Bundesliga fängt wieder an und Eishockey wird auch bald wieder gespielt. Vorläufig. Die wahrhaftig wunderbare Nachricht aber ist, wenn du irgendwo eine kurze Begegnung hast, in welcher jemand im Lift steht und du fragst, ob du mitfahren kannst oder die Person allein bleiben will? Und dir dann ein breites Lachen entgegen strahlt, und die Bemerkung fällt, ich solle mal hübsch reinkommen – und in den kommenden Sekunden ist alles ein Theater, das wir Zwei gerade ausblenden – und dann öffnen sich die Türen und wir gehen unseres Weges – aber für eine gewisse Weile irgendwie doch nicht so allein wie zuvor.

Social Media ist in diesen Zeiten ein Segen? Ja. Beschränkt. Nichts ersetzt die wahrhaftige Begegnung. Nichts.

23.August 2020, 14:20

Corona zählt mich an

Unser Umgang mit Corona bringt mich an meine Grenzen.

Mein Vertrauen in die behördlichen Massnahmen ist angeknackt. Es fehlt an jeglicher Übersicht, die Verhältnismässigkeit empfindet jeder anders, der Aktivismus ist so gross wie die Unsicherheit. Die Meinungen der Experten sind so breit gefächert, wie man den Kritikern den Strauss der Beweggründe vorhält – es findet sich für alles eine Begründung. Die Medien wollen nicht informieren, sondern leiten. Der Filter, was rechtens zu berichten ist und was weggelassen werden soll, ist oft augenscheinlich – und äusserst problematisch. Statistikzahlen sind nach wie vor mehr irreführend als aufklärend.

Und Politiker wollen wieder gewählt werden… Die Grundlehre ist immer die gleiche: Angst in der Bevölkerung ruft nach Schutz, nach Massnahmen. Wer einschränkt, durchgreift, gegen die scheinbare Gefahr etwas tut, gilt als führungsstark und schart die Menschen hinter sich. Und so ist die wirkliche Gefahr für uns auf diesem Planeten plötzlich ein Nebenthema: Der Klimaschutz, die Bedrohung unserer Welt hält uns nicht mehr im Würgegriff. Die grünen Themen sind schon wichtig, sagt der Kopf. Der Bauch aber hat Angst vor Corona. Die Folge? In Deutschland verlieren die Grünen laufend Prozentpunkte im Wähleranteil, die CDU erscheint wieder stärker. Ein Schelm nun, der böses denkt: Corona wird uns weiter beschäftigen, und wird das Thema weiter hoch gehalten und noch betont, nützt das der eigenen Partei… wie gross also ist das Interesse der Führung, das Dilemma zu beseitigen, wenn es für die eigenen Interessen gar keines ist?

Und nun? Ist es ganz einfach, meine Gedanken totzuschlagen. Ich bin bestimmt auch ein Verschwörungstheoretiker.

06.Juli 2020, 9:36

#slowdownmedia – Entschleunigung im Netz, bitte!

Als einer, der 2004 angefangen hat, darf ich mich wohl als einen Blogger der frühen Stunde bezeichnen. Aber keine Sorge, ich bilde mir nichts darauf ein. Ich bin viel eher ernüchtert, wie schnell die digitalen Möglichkeiten des Internets immer neue Kinder geboren haben – und die sind nach und nach an mir vorbeigezogen – und haben mich ratlos zurückgelassen. Eines ist geblieben: Die Attraktivität jedes Angebots wird von der Vielzahl der User danach beurteilt, mit was man wie schnell wie viele Clicks erhaschen kann…

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05.Juli 2020, 17:00

Ich ziehe den Hut vor Gelson Fernandes

Stade rennais vs USM Alger, July 16th 2016 - Gelson Fernandes 2Am Samstag vor einer Woche hat ein ausserordentlicher Mensch und Fussballer seine besondere Karriere beendet – als Ersatzspieler, in einem wegen Corona leeren Stadion – still und leise. Gelson Fernandes war bis zum Schluss der absolute Teamplayer, der mit seiner positiven Ausstrahlung und seiner Auffassung vom Spiel und dessen Teamwork in jeder Mannschaft seinen Einfluss hatte – und das vollkommen zurecht.

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19.Mai 2020, 19:00

Es ist nicht recht

Die Welt hat sich verändert. Mir graut, dass sie langfristig anders bleibt. Nicht, dass ich mir nicht wünschte, Vieles würden wir als Menschheit und Gesellschaft anders machen. Aber was nun vorherrscht, ist Unbehagen. Wir vereinzeln. Wir separieren uns aus Angst, einige von uns könnten das Leben verlieren. Wir leben lieber distanziert und desinfiziert als lebendig und damit dem Leben und dem Tode näher.

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24.April 2020, 15:30

10 min schreiben über: Absicherung

Sich abzusichern ist klug – so mancher Anlageberater spricht von entsprechenden Instrumenten. Wer sich auf Äste hinaus wagt, vergewissert sich besser, ob sie auch halten? Halten werden? Aber es ist zu sehen: Sicherheit gibt es nicht. Also sagen Politiker gerne nicht mehr als schon bekannt ist. Doch Floskeln sind einfach nur mutlos. Diese Absicherung ist erbärmlich, und dass wir nicht mehr erwarten, macht es nicht besser.

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19.April 2020, 23:15

2m Abstand

Ich bin ja wohl nicht der Einzige, der ein Problem mit den Zahlen hat, die uns im Zusammenhang mit der Coronakrise präsentiert werden – und mit gewissen Verhaltensweisen, die man uns nahe legt. Leider kann man sich wirklich auf Schritt und Tritt fragen, wo die Logik bleibt? Und sehr viele Weisungen werden lieber “streng” erteilt oder so belassen, statt sie mit Menschenverstand zu korrigieren.

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13.April 2020, 19:00

Wir können uns wirklich Angst machen

Work in the hospital’s critical care unit. – credit: istock/sudok1

Ich bin zunehmend fassungslos. Ich habe den Eindruck, dass die aktuelle Krise vor allem eines offenbart: Wir sind alle ausser Rand und Band. Intensivstationen und Beatmungsgeräte und eine höchst zweifelhafte Akut-Behandlung Schwerstkranker bestimmen die Weltpolitik und unser aller wirtschaftliches Auskommen.

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11.April 2020, 8:00

Was danach kommt, bleibt schwer genug

So langsam lässt sich über Corona hinaus schauen. Also, über alle Kurven und Abflachungen hinaus auf ein Leben nicht ohne, sondern mit dem Virus. Denn es verschwindet ja nicht. Aber die Zeit muss kommen, in welcher wir die Wirtschaft wieder vom Beatmungsgerät nehmen. Das Danach wird uns die Aufgabe stellen, mit den Folgeschäden umzugehen.

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