Ressort: Gesellschaft(Weitere Infos)

14.Dezember 2014, 21:22

Wir und die Anderen

credit: istockphoto.com/prawny

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Wenn wir über die Anderen reden, sprechen wir immer über uns. Wenn uns diese Anderen gleichgültig sind oder wir vor ihnen Angst haben, so hat das seinen Ursprung immer in dem, was sie in uns selbst anrühren und wie sie unseren Blick auf unsere Welt beleuchten.  Vielleicht ist unser Umgang mit Muslimen deshalb so absurd geworden?

Manchmal kommt es mir so vor, wenn wir aus unserer christlichen Erziehung nur den einen Reflex in die moderne Zeit gerettet hätten: Denjenigen der vorauseilenden Toleranz. Sie eilt uns so weit voraus, dass wir fremden Kulturen Dinge zubilligen, über die wir uns längst selbst keine Gedanken mehr machen. Dies hat aber mit Toleranz nichts zu tun sondern beweist im besten Fall Gleichgültigkeit. Womöglich steckt leider auch ein gutes Stück Unehrlichkeit darin: Das gute Gefühl des scheinbar toleranten Menschen ist dann eine Art Selbstverklärung.

Will man religiös motivierten Forderungen an die Toleranz einer Gesellschaft mit dem Argument entgegen treten, dass diese Gesellschaft ihre eigenen Werte und Wurzeln hat, so muss man bereit sein, diese Werte auch mit Rückgrat zu verteidigen. Ein Rückgrat, das die Rechten gerne für sich beanspruchen, imdem sie unsere Ängste schüren, während die Linke sich nicht davon lösen kann, heimische Religion mit konservativer Macht gleich zu setzen. Also geisselt sie die Auswüchse krichlicher Einflüsse in unserer Gesellschaft, während sie für den muslimischen Part unserer Gemeinschaft Toleranz einfordert.

Und ein grosser Teil der Medien spielt dieser Schere in die Hände, in dem die Be-Fremdung der Bevölkerung negiert und das keimende Problem der zunehmenden Bedeutung des Islams schlicht nicht thematisiert wird.

Damit ist vor allem der grössten Gruppe unter den Muslimen überhaupt nicht geholfen:  Jenen, die tatsächlich in einem säkularisierten Staat leben wollen. Denn auch und gerade ein solcher Staat fordert Grenzen, und er erhält und behält seine Kraft nur, wenn er seine Wurzeln kennt und sich auf sie besinnt: Das Mass an Toleranz, das tatsächlich in unser Zusammenleben einfliessen konnte und verinnerlicht wurde, ist aus einer christlichen Gesellschaft gewachsen. Sie zu verteidigen, bedeutet auch, Grenzen zu ziehen und von anderen Religionen die gleiche Anbindung an den Staat zu verlangen, wie sie für uns Christen selbstverständlich geworden ist.

Wenn wir aber unsere Energie darauf verschwenden, die Zeichen der christlichen Wurzeln aus dem Alltag zu verbannen, und von Schulstuben komplett fern zu halten, weil sie diskriminierend sein könnten, während wir alles in Bewegung setzen, damit muslimische Mitbürger ihren Religionsunterrricht bekommen können – dann läuft etwas falsch.

Und niemand sollte sich wundern, dass dies Öl ins Feuer der Rechtspopulisten ist. Verantworten müssen wir das alle – auch mit unserem fehlenden Rückgrat. Denn dieses würde gewisse Dinge freundlich bestimmt, aber durchaus mit Grund durchsetzen: Ein Recht auf Bildung, in dem wir alle uns nicht zuletzt auf die Maximen unseres Staatswesens einigen und auch darauf verpflichten lassen. Wer diese Regel nicht für sich akzeptieren kann, muss mit uns ein Problem bekommen. Denn nur so schützen wir das, was andere für uns mit Zivilcourage erkämpft haben. Und unter dieser Maxime ist tatsächlich ein Zusammenleben in Vielfalt möglich, ja wünschenswert.

 

 

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