Ressort: Mensch und Natur(Weitere Infos)

21.Dezember 2014, 19:25

Öl macht uns irgendwie schmierig

Der Tanz ums goldene Kalb ist in unserer Welt der Kampf ums Öl. Der Westen mag sagen, was er will, von Demokratie und Freiheit für die Bevölkerung sprechen, von der Disziplinierung diktatorischer Despoten, die womöglich bald Massenvernichtungswaffen besitzen könnten – was ihn Kriege führen lässt, ist im Grunde immer das Eine: Öl. Die Frage der Energieversorgung ist absolut zentral.

photo credit: istockphoto.com/Okea

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Nichts bringt Staaten so leicht dazu, jedes Prinzip zu vergessen, wie die Aussicht auf reiche Rohstoffe. Nichts führt den globalen Wettbewerb so ad absurdum wie die Manipulation der Energiepreise in einzelnen Ländern. Und nichts hätte die EU und die USA so leichtfertig dazu bringen können, in der Ukraine politisch so heikle Manöver vom Zaum zu brechen, wie die Angst vor einer weiteren Erpressbarkeit in den Fängen Russlands bei der Energieversorgung – eine Abhängigkeit, die man zuvor leichtfertig lange in Kauf genommen hat, weil die billige russische Energie kurzfristige wirtschaftliche Wettbewerbsvorteile versprach.

Bei uns ist alles eine Frage der Wirtschaft. Die Macht des Geschäfts besiegt jede Moral. Doch diesem ewigen Tanz um die Ausbeutung des schwarzen Goldes im Boden und im Bodensatz von Volkswirtschaften wohnt ein Fluch inne, der sich am Ende immer gegen uns richtet: Keiner der aktuellen Kriege mit Öl als wahre Motivation dürfte zu gewinnen sein, und unsere Fähigkeit, die wirtschaftlichen Systeme, die wir geschaffen haben, zu verstehen und deren Regeln dann auch zu beherzigen, ist sehr begrenzt. Die Natur schlägt zurück, Naturkatastrophen machen uns für Momente deutlich, welche Belastung wir der Erde zumuten, und vor allem sorgen wirtschaftliche Veränderungen für Nivellierungen, denen wir schlussendlich Tribut zahlen müssen: Der unaufhaltsam weiter sinkende Ölpreis bringt nicht nur Russland an den Rand des Kollapses. Die westliche Erdölindustrie hat bald kaum mehr Luft zum Atmen. Britische Förderanlagen in der Nordsee müssen bereits Personal entlassen, und das wird sich weiter führen.

Irgendwie ist es tatsächlich höhere Macht, wenn am Ende die zu billigen Preise für das uns so teure Gut dazu führen, dass die Balance aller Mächte wirklich ins Wanken gerät.

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