Ressort: Mensch und Natur(Weitere Infos)

13.April 2017, 15:57

10min Schreiben über: Naturkraft

Du zeigst Dich so vielfältig in unser aller Leben, mit all Deiner Kraft. Und was machen wir so oft daraus? Die Sonne blendet uns. Der Regen macht uns nass. Der Nebel dringt klamm in die Kleider. Der Wind zerstört die Frisur. Was sind wir für naturfremde Wesen geworden, welche allem entfliehen, was uns Endlichkeit vorlebt?

Wir tun, als wären wir ewig jung, wir nehmen die Erneuerung des Lebens in der Natur selbstverständlich hin.

Wenn die Knospen aus der Erde wachsen, sich die Blüten öffnen, die grünen Sprösslinge Farbe bekommen, die Wiesen zu blühen beginnen, reden wir darüber, dass der Frühling dieses Jahr später kommt oder zu früh. Aber DASS er kommt, dass seine Kraft sich entfaltet, dass jeder Winter seine Härte verliert – das ist uns selbstverständlich?

Wir leben im Rhythmus der Jahreszeiten? Kennen wir das Erlebnis der Ernte anders als aus dem veränderten Angebot im Supermarkt? Riechen wir das Heu, die Apfelblüten im Frühling?

Die Sonne geht auf, jeden Tag vertreibt sie die Nacht, und doch sehen wir oft nur die Schatten, die sich bilden. Und wenn sie dann da ist, die Kraft der Natur, und wir gar nicht anders können, als sie zu respektieren, zeigt sie sich uns als Katastrophe.

Wir sind so oft naturfremde hoch zivilisierte Konsumwesen in einem Naturkörper, den wir gar nicht mehr als solchen wahrnehmen. Und streikt dieser Körper, so beginnen wir auch dann oft nicht das Reden mit ihm – oder noch besser das Zuhören. Gerade so, als wäre er eine Maschine. Dabei liegt das Wunder und der Trost und die Kraft doch gerade darin, dass dieser Körper in all seiner Vergänglichkeit die Ewigkeit in sich trägt – den Keim des Lebens, die Wandlung, den nächsten Frühling. Hätte die Natur unsere Begrifflichkeit für die Zeit angenommen, sie würde ihre Kraft im Herausschieben des Winters vergeuden. Lassen wir sie sich wandeln, nehmen wir ihre Kräfte wahr, seien wir der Teil von ihr, als der wir gedacht sind. Und all unsere Gegenwart bekommt von dieser Kraft der Natur ihren Anteil mit. Das Leben ist ein Wunder. Und in seinem Kern ein Kreislauf, den wir bisher nicht zerstören konnten. Hoffentlich bleibt das so.

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