Ressort: Politik(Weitere Infos)

28.Oktober 2021, 22:55

Nebenwirkungen wegen fehlender Meldungen über Nebenwirkungen

Die Debatte rund um die Corona-Impfungen ist endlos. Immer wieder wird angeführt, dass die Häufigkeit von Nebenwirkungen bei der Impfung sehr gering sei und schwerere Komplikationen kaum vorkämen. Dazu gibt es dann Statistiken, die das im Nullkommanullnull… – Promillebereich verorten. Damit operieren nicht nur Medien, welche die Kampagne befeuern, sondern auch die Arzneimittelbehörde Swissmedic und das BAG selbst. Um so störender, dass das dazu verfügbare Datenmaterial im Grunde unbrauchbar ist, wie das etablierte Konsumentenschutz-Portal saldo.ch in diesem Bezahl-Artikel festgestellt hat. Gerne gebe ich die wichtigsten Eckdaten des Artikels hier wieder.

Der Bundesrat hat die Zertifikatspflicht massiv ausgeweitet, und Covid-Tests sind wieder kostenpflichtig. Mit einer 100 Mio CHF teuren nationalen Impfwoche vom 8. bis zum 14. November soll die Impfrate nochmals gesteigert werden. Gut und vertrauensbildend klingt, dass der Bundesrat die Kantonsbehörden anweist, es möglich zu machen, dass sich Ungeimpfte persönlich beraten lassen können, um ihnen Ängste vor Nebenwirkungen der Corona-Impfung zu nehmen. Dazu gibt es dann eben beeindruckende Statistiken von Swissmedic, welche Fälle schwerer Nebenwirkungen als praktisch inexistent erscheinen lassen.

Doch es gibt keine Instruktionen, wie und wo Impfnebenwirkungen von den Hausärzten oder Spitälern gemeldet werden können, und schon gar nicht wird zu Impfrapporten angehalten. Swissmedic nimmt Meldungen entgegen, erfasst die Nebenwirkungen aber nicht systematisch. Swissmedic hält rasche Nebenwirkungsmeldungen für unerlässlich, fordert aber keine Berichte an. Es gibt auch keine einheitlichen Kriterien für die Meldung oder gar so was wie eine Meldepflicht. Hausärzte erklären denn auch freimütig, dass Nebenwirkungen in der Regel nicht gemeldet würden, selbst wenn sie über die bekannten Symptome wie Schüttelforst oder Fieber hinausgingen. Sie beklagen fehlende Instruktion und fehlende Zeit.

Dabei will die Regelung im Heilmittelgesetz klar etwas anderes: Ärzte müssen verdächtige Fälle rapportieren, die auf schwere oder bisher nicht bekannte unerwünschte Wirkungen der Impfung hindeuten. Doch Swissmedic prüft die Einhaltung des Gesetzes nicht.

Es könnte auch an Personal fehlen… Die Abteilung für Arzneimittelsicherheit bei Swissmedic beschäftigt 26 Personen – genau gleich viele wie vor der Pandemie.

Wie eine Untersuchung von Info­sperber.ch (Link sehr lesenswert!)  aufzeigt, wäre die Zahl bekannter schwerer Fälle wohl um ein Vielfaches höher, würden von Ärzten Berichte zu Nebenwirkungen systematisch eingefordert werden: Genaues und sehr genaues Hinschauen kann einen Unterschied mit Faktor 200 ausmachen!

Die Tatsache, dass es sehr wohl einige Länder gibt, welche aussagekräftige Informationen zu Nebenwirkungen schneller und systematischer sammeln als die Schweiz, ist der Grund dafür, dass Finnland und Schweden Anfang Oktober Moderna-Impfungen für Männer unter 30 wegen gehäuften Entzündungen am Herzen gestoppt haben. Swissmedic will dazu noch im November einen Bericht vorlegen. Nur… mit welcher Verlässlichkeit eigener Daten?


Persönliche Bemerkung zu daraus folgenden Nebenwirkungen in der Debatte: Es ist dieser Umgang mit Basisdaten, der viele Bürger ärgert. Und leider ist es nicht nur die Auswahl der Daten und deren Interpretation, die stutzig macht, sondern auch die mangelnde Systematik, die der Erhebung oft zugrunde liegt. Und Aussagen über die Unbedenklichkeit der Impfungen werden dadurch äusserst zweifelhaft. Sie führen im besten Fall dazu, dass sich beide Meinungsgruppen zementieren. Für die einen ist die Evidenz der Unbedenklichkeit so oder so gegeben, für die andern so erst recht nicht. Und wenn Swissmedic und BAG mit statistischen Zahlen operieren, muss die Frage erlaubt sein, wie diese Zahlen erhoben werden. Das Resultat solcher Nachforschungen ist irritierend bis beschämend. Vertrauen, für welche Impfkampagne auch immer, wird so nicht geschaffen.

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